Randzonen-Geflüster
Download on the App Store

Randzonen-Geflüster episodes

  • KI und das spielende Leben

    Wenn Maschinen schreiben, malen und programmieren können: Was bleibt dann für den spielenden Menschen?

    Episodenzusammenfassung

    In der vierten Episode von Randzonen-Geflüster spreche ich mit Nico Steinbach. Wir haben an der Pädagogischen Hochschule jahrelang Schreibtisch an Schreibtisch gearbeitet und dort über so manche wilde These diskutiert. Nico ist Informatiker und beschäftigt sich mit künstlicher Intelligenz schon seit dem Studium. Diesmal liegt die Randzone zwischen generativen Systemen und dem spielenden Leben, also einem Leben, in dem wir tun, was das Herz uns sagt.

    Das Wichtigste in Kürze
    • KI wirkt als Verstärker: Wer weiss, wohin er will, wird durch generative Systeme stark ermächtigt. Wer sie nur als Abkürzung nutzt, wird abhängiger.
    • Beim Spielen zählt der Weg zum Ziel. Wer das Ergebnis von der Maschine erstellen lässt, überspringt das Lernen und den Spass.
    • Auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich bereits ein «Sprossenverlust»: In der IT werden deutlich weniger Junge eingestellt, weil KI Einstiegsaufgaben übernimmt.
    • Technologie verspricht seit Jahrtausenden mehr Zeit, und trotzdem sind wir gestresster denn je. Mehrere KI-Agenten parallel führen schnell zu Fragmentierung und Erschöpfung.
    • Sprachmodelle geben plausibel wieder, was sie gelernt haben. Den echten Widerstand, den ein Gegenüber aus Fleisch und Blut bietet, liefern sie selten.
    • Eine Schlüsselkompetenz im KI-Zeitalter ist die bewusste Entscheidung, was ich selber tun will und was ich abgebe.
    • Warum «KI» ein holpriger Begriff ist

      Nico spricht lieber von generativen Systemen. Der Begriff künstliche Intelligenz wurde in den 1950er-Jahren geprägt und nie sauber definiert. In den 90ern hiess der Computergegner im Game «die KI», heute meinen wir damit Sprachmodelle, die Texte, Bilder und Code erzeugen. Weil sich die Bedeutung so schnell verschiebt, sagt der Begriff selbst wenig darüber aus, womit wir es eigentlich zu tun haben.

      Ein Verstärker für das, was schon da ist

      Im Büro haben wir früher oft einen Satz diskutiert: Das Internet ist ein Verstärker. Es macht Selbstbestimmte noch selbstbestimmter und Fremdbestimmte noch fremdbestimmter. Nico überträgt diesen Gedanken auf die KI. Wer herausgefunden hat, was ihn antreibt, bekommt einen digitalen Pinsel in die Hand und kann plötzlich programmieren, gestalten und sogar Hardware entwickeln lassen, ohne vorher Informatik studiert zu haben.

      Wer die Werkzeuge dagegen nutzt, um eine Erwartung von aussen möglichst schnell zu erfüllen, nimmt eine Abkürzung. Wenn das abgelieferte Produkt nur der Stellvertreter für die eigene Denkleistung ist, lässt sich diese Leistung auslagern. Was dabei verloren geht, ist das Lernen und das Spiel. Für Nico ist das Spiel deshalb die perfekte Erklärung dafür, wie wir mit generativer KI umgehen können: Wer von innen angetrieben ist, weiss, wohin er will, und braucht die Abkürzung gar nicht.

      Sprossenverlust auf dem Arbeitsmarkt

      Nico berichtet von Studien, wonach in der IT-Branche die Einstellungen jüngerer Personen im letzten Jahr um rund 20 bis 25 Prozent zurückgegangen sind. Die Aufgaben, die Einsteigende früher übernommen haben, erledigt heute die KI einigermassen gut. Beat Döbeli Honegger nennt das «Sprossenverlust»: Einer Leiter fehlen die untersten drei Sprossen. Mit KI kann ich als Anfänger scheinbar direkt nach oben springen, aber ich habe nie gelernt, die Leiter von unten zu betreten.

      Dasselbe gilt fürs eigene Lernen. Wer sich den Lernprozess von der Maschine abnehmen lässt, überspringt nicht nur Wissen, sondern auch sein Spiel. Solange das System Schnelligkeit und Effizienz belohnt, dürften sich diese Effekte eher verstärken.

      Das ewige Zeitversprechen

      Vom Jäger und Sammler über den Ackerbau bis zu Pflug, Traktor, Computer und Internet: Jedes neue Werkzeug hat uns Zeit geschenkt, und trotzdem ist die freie Zeit über die Jahrtausende geschrumpft. Mit KI explodiert die geschenkte Zeit nochmals, und doch sind alle im Stress.

      Ich merke das an mir selbst. Wenn ein Agent meine Website umbaut, ein zweiter im Hintergrund eine App entwickelt und ich mit einem dritten recherchiere, ist das faszinierend und gleichzeitig extrem anstrengend. Meine Gedanken sind in drei Strängen gleichzeitig unterwegs, alle zehn Minuten will eine KI etwas von mir. Nach einer Woche in diesem Modus wäre ich komplett durch. Nico kennt das. Er hat eine Zeit lang jede freie Minute gefüllt, in einer Woche dreissig Apps gebaut und alles nachgebaut, was er in den letzten zehn Jahren entwickelt hatte. Am Ende stand die ernüchternde Frage, wozu er eigentlich auf Vorrat baut.

      Teste dich jetzt kostenlos

      Wie viel Magie ist in deinem Leben?

      Teste jetzt, wie viel Magie in deinem Leben steckt und erhalte Hinweise sowie Inspiration für ein erfülltes Leben voller Magie.

      Jetzt testen
      Der Widerstand, den Maschinen nicht bieten

      Heute bespricht Nico eine gute Idee lieber wieder mit Menschen. Er erinnert sich an unsere Zeit im Büro: Jemand kam mit einer wilden These herein, drei Leute nahmen Rollen ein, einer hielt dagegen, einer war dafür, und nach zwanzig Minuten stand ein Argumentarium, das keiner allein gesehen hätte. Sprachmodelle geben plausibel wieder, was sie im Training gelernt haben, und sie liefern oft dieselbe Inspiration. Den Spiegel und den Widerstand von aussen bieten sie selten, und was wir ohne diesen Widerstand erarbeiten, behalten wir schlechter.

      Dazu kommt eine seltsame Umkehrung. Ein Teilnehmer in einem meiner Kurse meinte einmal, es wäre schön, wenn die roboterhaften Tätigkeiten wieder der Roboter übernähme. Generative KI hat aber ausgerechnet bei der Kreativität angefangen, beim Bild, der Musik, dem Code und dem Gedicht. Die Wäsche hängen wir weiterhin selbst auf.

      Bewusst entscheiden, was ich selber tun will

      Auf die Frage, wie man das Leben zum Spiel macht, antworte ich immer: Tu nur noch Dinge, die du wirklich gerne tust. Mit KI wird das zu einer ganz praktischen Übung. Ich habe mir eine Business-App gebaut, die nur ich brauchen kann und die mir Buchhaltung und Administration grösstenteils abnimmt. Das waren Dinge, die mir nie Spass gemacht haben. Meine Newsletter schreibe ich dagegen weiterhin selbst, obwohl ich die KI einfach durch mein Obsidian-Notizbuch schicken und den Text direkt an den E-Mail-Dienst weiterleiten lassen könnte. Ich schreibe nun mal gerne.

      Nico erzählt, wie ihn die ersten fähigen Sprachmodelle vor rund vier Jahren in eine Krise gestürzt haben, weil sie plötzlich konnten, was er sich mühsam antrainiert hatte. Herausgefunden hat er mit Fragen, die viel älter sind als jede Technologie: Was will ich eigentlich im Leben? Wo habe ich noch einen Wert? Je stärker wir von Status und Belohnung gesteuert werden, desto weniger wissen wir, was wir selbst wollen.

      Was bleibt urmenschlich?

      Früher habe ich gesagt, uns bleibe, was ein Computer nicht kann: Problemlösen, Empathie, Kreativität. Heute ist die Kreativität strittig und das Problemlösen längst in Konkurrenz mit der Maschine. Ich vermute inzwischen, dass das Urmenschliche eher darin liegt, etwas mit Liebe und aus dem Herzen zu tun. Ich gebe den Garten lieber einem Landschaftsgärtner, der mit Leidenschaft bei der Sache ist, als jemandem, der seine Arbeit herunterspult.

      Nico hält knallhart dagegen. Er glaubt, dass wir der Maschine Jahr für Jahr mehr zutrauen werden, auch Empathie und Bindung. Wir bauen Bindungen zu Kuscheltieren auf, warum also nicht zu Maschinen? Vielleicht läuft es auf eine Koexistenz hinaus, in der uns diese Systeme sogar helfen, den menschlichen Geist besser zu verstehen. Eines fehlt der Technologie im Moment aber noch: Sie ahmt nach, statt zu spielen.

      Ein Blick in fünf Jahre

      Eine Prognose wagt Nico nicht mehr, weil schon im nächsten Monat wieder alles anders sein kann. Er kann sich vom Schlimmsten bis zu allem Möglichen alles vorstellen, und er wäre sogar neugierig, wie es sich anfühlt, als Batterie einer Maschine in einer Matrix-Welt fliegen zu lernen. Was er mitgibt, ist schlicht und alt: Jeder muss sich seines eigenen Wertes bewusst werden. Das Spiel ist für ihn ein sehr guter Weg, herauszufinden, wohin man will, was man kann, was Spass macht und was man trotzdem selber tut, auch wenn eine Maschine es schneller und besser könnte.

      Wir haben abgemacht, uns in einem halben Jahr wieder zu sprechen und zu schauen, wie es weitergegangen ist.

      Erwähnt in der Folge
      • Beat Döbeli Honegger: Sprossenverlust
      • Pädagogische Hochschule Schwyz: Warum wir den Begriff KI vermeiden
      • Häufige Fragen zu KI und spielendem Leben
        Macht KI Menschen selbstbestimmter?

        Das hängt davon ab, wie sie genutzt wird. KI verstärkt, was schon da ist: Wer weiss, wohin er will, wird ermächtigt. Wer sie nur als Abkürzung nutzt, um Erwartungen von aussen zu erfüllen, wird eher abhängiger.

        Was ist Sprossenverlust?

        Ein Bild von Beat Döbeli Honegger: Einer Leiter fehlen die untersten Sprossen. KI übernimmt Einstiegsaufgaben, wodurch Anfängerinnen und Anfänger scheinbar direkt nach oben springen können, ohne die Grundlagen je gelernt zu haben. Auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich das bereits bei den Einstellungen junger Fachkräfte.

        Warum ist beim Spielen der Weg wichtiger als das Ergebnis?

        Spiel ist eine selbstbestimmte Herausforderung, die aus einem inneren Drang angepackt wird. Das Lernen, der Spass und das Gefühl, etwas selbst geschafft zu haben, entstehen unterwegs. Wer sich das Ergebnis erstellen lässt, überspringt genau diesen Teil.

        Wie nutze ich KI, ohne mein Spiel zu verlieren?

        Indem ich bewusst entscheide, was ich selber tun will. Tätigkeiten, die keinen Spass machen, wie Buchhaltung oder Administration, lassen sich gut abgeben. Was ich gerne tue, behalte ich, auch wenn die Maschine es schneller könnte.

        Warum macht intensives Arbeiten mit KI oft müde?

        Wer mehrere KI-Agenten parallel laufen lässt, verteilt seine Aufmerksamkeit auf viele Gedankenstränge und muss ständig kontrollieren und nachsteuern. Diese Fragmentierung ist anstrengend, auch wenn die Produktivität steigt.

        Gäste-Kurzbiografie

        Nico Steinbach ist Informatiker und beschäftigt sich seit seinem Studium vor rund zwanzig Jahren mit künstlicher Intelligenz, lange bevor sie mit ChatGPT & Co. in der breiten Öffentlichkeit ankam. An der Pädagogischen Hochschule haben er und Nando jahrelang Schreibtisch an Schreibtisch an Projekten zur digitalen Transformation gearbeitet. Nico ist ein neugieriger Ausprobierer, der jede neue Entwicklung selbst testet, und zugleich jemand, der die grossen Fragen dahinter nicht scheut: Was macht uns als Menschen aus, wenn Maschinen immer mehr können?

        Gast: Nico Steinbach — Informatiker
        Host: Nando Stöcklin — Gründer von Spiel dein Leben

        Teste dich jetzt kostenlos

        Wie viel Magie ist in deinem Leben?

        Teste jetzt, wie viel Magie in deinem Leben steckt und erhalte Hinweise sowie Inspiration für ein erfülltes Leben voller Magie.

        Jetzt testen

        Mehr von Spiel dein Leben:

        • spieldeinleben.ch — Blog, Angebote, alle Podcast-Folgen
        • Kompass für lebendiges Spiel (kostenloses PDF): spieldeinleben.ch/kompass-lebendiges-spiel/
        • Austausch zum spielenden Lernen und Arbeiten: t.me/+esjjzjxlZg1kMWE0
        • Der Beitrag KI und das spielende Leben erschien zuerst auf Spiel dein Leben.

          43 min
        • Spielen ist der Rand, nicht die Pause

          Die interessanteste Randzone liegt nicht zwischen zwei Themen, sondern zwischen dir und der Welt. Und sie hat schon einen Namen: Spielen.

          Episodenzusammenfassung

          Was, wenn das Spiel selbst die Randzone ist, also die Zone zwischen dir und der Welt, und genau deshalb dort Neues entsteht?

          In der dritten Episode von Randzonen-Geflüster bin ich zum ersten Mal alleine unterwegs. Der Grund liegt im Thema selbst: Die beiden Zonen, die sich hier berühren, liegen nicht in zwei verschiedenen Menschen oder Fachgebieten, sondern in jedem Einzelnen von uns. Auf der einen Seite steht die Innenwelt mit ihrem inneren Kompass, auf der anderen die Aussenwelt mit ihrem Widerstand. Und dazwischen liegt das Spiel.

          Das Wichtigste in Kürze
          • Spielen ist eine selbstbestimmte Herausforderung, die aus einem inneren Drang angepackt wird.
          • Die Innenwelt liefert den Impuls, den inneren Entwicklungsplan und die Fantasie. Alleine bringt sie nichts hervor.
          • Die Aussenwelt liefert Material, Menschen und Widerstand. Ohne Widerstand entsteht kein Spiel, sondern nur ein Traum.
          • Das Magie-Mischpult bildet genau diese beiden Ufer ab: drei Regler für die Verbindung zu dir selbst, drei für die Verbindung zur Welt, drei für die Ausdehnung.
          • Herumhängen und Blödeln bei Jugendlichen sieht von aussen unproduktiv aus, ist aber oft die Werkstatt für ein eigenes Selbstverständnis.
          • Zwei Fragen bringen dich zurück in die Randzone: Bin ich gerade bei mir? Und berühre ich gerade die Welt?
          • Ein Kind am Bach, und warum diese Szene alles erklärt

            Ein Kind steht mit nackten Füssen im kalten Wasser eines Bachs. Es bückt sich, hebt einen Stein aus dem Bachbett und beginnt, daran eine Staumauer zu bauen. Von aussen ist das eine gewöhnliche Spielszene. Von innen betrachtet passieren zwei Dinge gleichzeitig: Das Kind ist ganz real da, im kalten Wasser, mit dem schweren Stein in den Händen. Und gleichzeitig existiert die Staumauer längst in seinem Geist, zusammen mit dem Drang, sie jetzt zu bauen.

            Genau dort liegt die Randzone dieser Folge. Das Innen trifft auf das Aussen, und aus dieser Berührung entsteht etwas, das es vorher nicht gab.

            Die Innenwelt: ein innerer Kompass, der nie aufhört

            Ein Baby spürt irgendwann den Drang, sich zum ersten Mal vom Rücken auf den Bauch zu drehen. Später kommt der Drang, aufzustehen und die ersten Schritte zu tun. Niemand hat ihm das gesagt. Jeder Mensch trägt einen inneren Kompass und so etwas wie einen inneren Entwicklungsplan in sich, und was daraus gerade dran ist, hängt vom Entwicklungsstand ab. Für ein kleines Kind ist das Aufstehen eine echte Herausforderung, für einen Erwachsenen längst nicht mehr.

            Dieser Entwicklungsplan hört nicht auf, wenn ein Kind in die Schule kommt oder wieder herauskommt. Was aufhört, ist meistens unsere Fähigkeit, darauf zu horchen. Der Leistungsdruck beginnt in der Schule und setzt sich im Erwerbsleben fort, wo es typischerweise jemanden gibt, der sagt, was zu tun ist. Die innere Stimme wird dabei nicht kleiner, sondern leiser. Und irgendwann verstummt sie ganz, was besonders schade ist, weil mit ihr eine der ergiebigsten Randzonen verschwindet, die ein Mensch zur Verfügung hat.

            Die Aussenwelt: ohne Widerstand kein Spiel

            Die Innenwelt alleine reicht nicht. Was aus uns gelebt werden will, will auch ins Aussen getragen werden, und dort lässt die Welt nicht mit sich verhandeln. Das Kind, das zum ersten Mal aufsteht, plumpst wieder auf den Hintern. Die Steine im Bach sind schwer, das Wasser ist kalt, und es fliesst hartnäckig zwischen den aufgetürmten Steinen hindurch, sodass die letzten Fugen noch ausgekittet werden müssen.

            Dieser Widerstand ist nicht das Problem des Spiels, sondern seine Voraussetzung. In meiner Definition ist jedes Spiel eine selbstbestimmte Herausforderung, die aus einem inneren Drang angepackt wird, und eine Herausforderung ohne Widerstand wäre schlicht langweilig.

            Das Magie-Mischpult: neun Regler zwischen Innen und Aussen

            Im letzten Kapitel des Buchs «Spiel dein Leben» steht ein Werkzeug, das genau diese Struktur abbildet. Das Magie-Mischpult besteht aus neun Reglern in drei Bereichen, und wenn beim Spielen diese magische Stimmung entsteht, dann sind alle neun ganz automatisch in Balance (in meinem Buch “Die Taverne zur angebrannten Pfanne” ist das Magie-Mischpult ein zentrales Thema).

            Der erste Bereich heisst Verbindung zu dir selbst, denn ohne diese Verbindung ist Spielen nicht möglich. Dazu gehören die Regler Tun und Wollen, Ernst und Lockerheit sowie Kognition und Gefühle.

            Der zweite Bereich heisst Verbindung zur Welt, mit den Reglern Realität und Fantasie, Kontrolle und Vertrauen sowie Bewusstsein und Unterbewusstsein.

            Wenn beide Verbindungen stehen, entsteht ein kreatives Feld, das sich ausdehnen will. Der dritte Bereich heisst deshalb Ausdehnung, mit den Reglern bekannt und unbekannt, Stabilität und Flexibilität sowie Sicherheit und Unsicherheit. Am Bach heisst das: Die Staumauer ist vielleicht erst der Anfang, und es liesse sich dort noch viel mehr entdecken.

            Raum geben statt Druck machen

            Wie Begleitung gelingt, die Vertrauen stärkt und Neugier weckt. Hol dir kostenlos den Kompass für lebendiges Lernen.

            Randzonen vergrössern, statt sie wegzuoptimieren

            In der Permakultur, aus der der Randzonen-Gedanke stammt, sind Gestaltende bestrebt, die Randzonen zu vergrössern, weil dort Innovation, Reibung und Neues entstehen. Für unsere eigene, natürliche Randzone gilt dasselbe: Wir sollten schauen, dass sie möglichst gross wird, also möglichst oft spielen und das Spiel hochhalten.

            In der Praxis machen wir gerne das Gegenteil. Zuerst die Hausaufgaben, und wenn danach noch Zeit bleibt, was neben den übrigen Pflichten längst nicht mehr selbstverständlich ist, darf gespielt werden. Spätestens beim Einstieg ins Berufsleben beginnt dann der Ernst, und das Spiel ist ganz vorbei. Genau dort wird die Gefahr gross, dass wir die innere Stimme abstellen und nur noch tun, was andere von uns wollen.

            Vier Schlüsse aus der Folge

            Der erste Schluss stützt sich auf ein Zitat des Erziehungswissenschaftlers Gerd Schäfer: «Wenn wir die Wirklichkeit mit der Fantasie verbinden, verändert sich die Wirklichkeit.» Ohne Spiel fehlt uns die Fantasie, etwas zu gestalten. Wir tun dann vielleicht noch etwas, aber der Impuls kommt nicht mehr von innen.

            Der zweite Schluss betrifft die Sichtbarkeit. Schäfer hat beschrieben, wie Jugendliche herumhängen, blödeln oder Action machen. Von aussen sieht das nach Zeitverschwendung aus, in Wahrheit ist es ihr Spiel und die Werkstatt, in der ein eigenes Selbstverständnis entsteht. Wir sind ziemlich schnell dabei, so etwas zu verurteilen, weil es nicht produktiv aussieht. Beim Spielen finden aber sehr oft stille Prozesse statt, bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gleichermassen.

            Der dritte Schluss ist der unbequemste: Wir sollten dem Widerstand nicht ausweichen. Ein schönes Leben ohne Krisen und ohne Gefahren klingt verlockend, macht aber kaum erfüllt. Erfüllung heisst ja nichts anderes, als das ins Leben zu bringen, was in uns veranlagt ist. Wer aller Reibung ausweicht, oft aus Angst, bekommt am Ende keine Freiheit, sondern Leere.

            Der vierte Schluss ist ganz praktisch. Wir rutschen alle ständig von einer Zone in die andere. Manchmal sind wir ganz im Aussen, bei der Buchhaltung, bei Zahlen und Terminen. Manchmal sind wir ganz im Innen, wälzen Ideen und horchen auf die innere Stimme, ohne etwas davon umzusetzen. Beides ist normal. Wichtig ist nur, immer wieder in die Randzone dazwischen zurückzufinden.

            Zwei Fragen für den Alltag

            Zum Schluss gebe ich dir zwei Fragen mit, die sich bei jeder Tätigkeit und bei jeder Anfrage stellen lassen.

            Die erste lautet: Bin ich hier gerade bei mir? Tue ich, was ich tun will, oder erfülle ich eine Erwartung? Ich habe mir 2017 auf die Fahne geschrieben, mein Leben zum Spiel zu machen, und genau darum geht es dabei. Wenn eine Anfrage für einen Vortrag kommt, lohnt sich die ehrliche Prüfung, ob der Drang wirklich von innen kommt oder ob eher der Status auf der Bühne lockt.

            Die zweite lautet: Berühre ich hier gerade die Welt? Gibt es echten Widerstand, echtes Material, echte Menschen, oder bleibt alles im Kopf? Was uns von der Umsetzung abhält, sind sehr oft Ängste, und Spielen heisst eben auch, diese Ängste zu überwinden.

            Und damit bleibt die Frage, die ich am Ende der Folge stelle: Was ist bei dir in deiner Spiel-Randzone schon alles entstanden?

            Erwähnt in der Folge

            Gerd E. Schäfer, «Spielphantasie und Spielumwelt» · Das Magie-Mischpult und die 9 Regler – im Detail sind sie in meinem Buch «Die Taverne zur angebrannten Pfanne» erklärt.

            Mehr von Spiel dein Leben:

            • spieldeinleben.ch — Blog, Angebote, alle Podcast-Folgen
            • Kompass für lebendiges Spiel (kostenloses PDF): spieldeinleben.ch/kompass-lebendiges-spiel/
            • Austausch zum spielenden Lernen und Arbeiten: t.me/+esjjzjxlZg1kMWE0
            • Häufige Fragen zum Spielen als Randzone
              Was ist die Definition von Spielen?

              Spiel ist eine selbstbestimmte Herausforderung, die aus einem inneren Drang angepackt wird. So definiere ich es seit Jahren, und beide Teile sind nötig: der Impuls von innen und der echte Widerstand von aussen.

              Warum ist Spielen auch für Erwachsene wichtig?

              Der innere Entwicklungsplan hört im Erwachsenenalter nicht auf, wir verlernen nur, auf ihn zu horchen. Ohne Spiel fehlt der Impuls von innen, und ohne diesen Impuls entsteht kaum etwas Neues.

              Was ist eine Randzone?

              Der Begriff stammt aus der Permakultur und bezeichnet den Übergangsbereich zwischen zwei Ökosystemen, in dem die Vielfalt am grössten ist. Im Podcast Randzonen-Geflüster wird das Prinzip auf Lebens- und Themenbereiche übertragen.

              Was ist das Magie-Mischpult?

              Ein Werkzeug aus dem letzten Kapitel des Buchs «Spiel dein Leben» mit neun Reglern in drei Bereichen: Verbindung zu dir selbst, Verbindung zur Welt und Ausdehnung. Sind alle neun in Balance, entsteht die spielerische, magische Stimmung.

              Ist Herumhängen bei Jugendlichen verlorene Zeit?

              Gerd Schäfer beschreibt Herumhängen, Blödeln und Action machen als das Spiel der Jugendlichen. Von aussen wirkt es unproduktiv, im Innen entsteht dabei aber häufig ein eigenes Selbstverständnis.

              Raum geben statt Druck machen

              Wie Begleitung gelingt, die Vertrauen stärkt und Neugier weckt. Hol dir kostenlos den Kompass für lebendiges Lernen.

              Der Beitrag Spielen ist der Rand, nicht die Pause erschien zuerst auf Spiel dein Leben.

              21 min
            • Verkümmerte Pflänzchen oder freie Entfaltung — Freilernen zwischen Österreich und der Schweiz

              Warum haben manche Kinder keine Angst vor Prüfungen — während die meisten Erwachsenen sie ihr Leben lang fürchten?

              Episodenzusammenfassung

              In der zweiten Episode von Randzonen-Geflüster trifft Nando Stöcklin auf Lini Lindmayer von Authentic Parenting. Zwischen Freilernen in Österreich und Freilernen in der Schweiz entsteht eine Randzone voller Reibung und Erkenntnis: zwei Länder, zwei Rechtssysteme, zwei völlig unterschiedliche Haltungen gegenüber Kindern, die zu Hause statt in der Schule lernen.

              Das Wichtigste in Kürze
              • Österreich: Kinder im häuslichen Unterricht legen jährlich eine Externistenprüfung ab — reine Lehrplan-Kontrolle, oft bei fremden Lehrpersonen.
              • Schweiz (Kanton Bern): Statt einer Prüfung kommt einmal jährlich eine Fachperson nach Hause und lässt sich die Projekte der Kinder zeigen.
              • Wie diese Vorgaben in der Praxis gelebt werden, hängt in beiden Ländern stark von der einzelnen Behörde oder Aufsichtsperson ab.
              • Linis Kinder haben keine Angst vor der Prüfung — weil das Ergebnis für die Familie bewusst keine Konsequenz hat.
              • Bei Nichtbestehen droht in Österreich der Schulzwang; Linis Familie zahlte bereits mehrfach Bussen, weil sie sich trotzdem gegen den Schulbesuch entschied.
              • Beide Gastgeber:innen berichten von Betrieben, die Freilernende gerade wegen ihres selbstständigen Denkens schätzen.
              • Was ist eine Externistenprüfung — und wie unterscheidet sie sich vom Berner Modell?

                In Österreich gehört zum häuslichen Unterricht die jährliche Externistenprüfung: eine reine Lehrplan-Abfrage, gesamtösterreichisch vorgeschrieben, aber je nach Bundesland und zuständiger Behörde sehr unterschiedlich gehandhabt. Die Prüfenden kennen das Kind oft nicht — es geht nur darum, ob der Lehrplan erfüllt wurde, nicht darum, was zu Hause tatsächlich gelernt wurde.

                Im Kanton Bern läuft es umgekehrt: Statt einer Prüfung kommt einmal im Jahr jemand nach Hause, lässt sich die Projekte der Kinder zeigen und würdigt, was im Jahr entstanden ist. Nando beschreibt, wie sich der Charakter dieser Besuche über die Jahre gewandelt hat — von Kontrolle hin zu echter Unterstützung der Familie. Wie ein Nachweis in der Praxis gelebt wird, hängt in beiden Ländern stark von der einzelnen Aufsichtsperson ab: “Gesetze sind dehnbar und Auslegungssache”, hat Lini kürzlich von einer befreundeten Familie im Verfahren gehört.

                Warum haben Linis Kinder keine Angst vor der Prüfung?

                Das Bemerkenswerteste im Gespräch: Linis Kinder freuen sich auf die Externistenprüfung. Kein Damoklesschwert, keine Angst — weil die Eltern von Anfang an klarmachen, dass das Ergebnis für die Familie keine Konsequenz hat. Es ist “einfach eine Momentaufnahme”. Bei der 15-jährigen Tochter ging die Familie sogar den Weg der offenen Konfrontation: Sie verweigerte die Prüfung, es kam zur Anzeige und zu mehreren Bussen — und die Familie zahlte, weil ihr die Haltung der Tochter wichtiger war als der bequeme Weg.

                Grossfamilienalltag zwischen Gleichungen und Chaos

                Neun resp. vier Kinder, ein Zwölfjähriger mit anspruchsvollen Projekten neben Kleinkindern, die ganz andere Bedürfnisse haben — der Alltag ist zuweilen chaotisch. Sowohl bei Lini wie auch bei Nando reiben sich je zwei Kinder wie Katze und Maus; die Lösung, die sich in beiden Haushalten bewährt hat, ist pragmatisch: räumliche Trennung, bis sich die Gemüter beruhigt haben. Kein Ideal von ständiger Harmonie — sondern ehrliches Beobachten, was gerade gebraucht wird.

                Zwei eigene Wege: Büro und Werkstatt

                Besonders eindrücklich wird das Gespräch bei Linis älteren Kindern. Die Tochter entschied sich nach dem freien Lernen bewusst für fünf Jahre höhere Schule, machte die Matura und arbeitet heute in einer Leitungsfunktion im Büro. Der Sohn dagegen fand über eine Tischlerlehre seinen Weg — sein Chef wollte eigentlich keine Lehrlinge mehr nehmen, entschied sich nach dem Schnuppern aber für ihn, weil er “wenigstens zusammenkehren” konnte und mitdachte. Heute schliesst er die Berufsschule mit ausgezeichnetem Erfolg ab und baut nebenbei ein eigenes Business auf — in Estland registriert, mit Business-Englisch, das er sich selbst über Videos beigebracht hat.

                Raum geben statt Druck machen

                Wie Begleitung gelingt, die Vertrauen stärkt und Neugier weckt. Hol dir kostenlos den Kompass für lebendiges Lernen.

                Finden Freilernende überhaupt eine Lehrstelle?

                Nando bringt einen Zeitungsartikel über eine Schweizer Freilernschule ins Gespräch, dessen Kommentarspalte von Sorge geprägt war: Kinder, die “tun und lassen können, was sie wollen” — wie sollen die je eine Lehrstelle finden? Linis Erfahrung widerspricht dem deutlich: Selbstständig denkende junge Menschen, die nicht darauf warten, dass ihnen jemand sagt, was als Nächstes zu tun ist, sind in vielen Betrieben gerade deshalb gefragt.

                Verkümmerte Pflänzchen

                Zum Schluss weitet sich das Gespräch: Lini beschreibt unsere Gesellschaft als “Feld mit lauter verkümmerten Pflänzchen” — Menschen, die leben, aber nicht in ihrer vollen Grösse strahlen. Diese Verkümmerung beginnt lange vor der Frage nach dem Beruf. Nando und Lini sind sich einig: Besonders Männer tun sich oft schwerer, aus diesem Muster auszubrechen — geprägt von der Versorgerrolle und dem Gefühl, keine Schwäche zeigen zu dürfen. Ein Gespräch, das zeigt: Freilernen ist nicht in erster Linie eine Frage von Gesetzen und Prüfungen, sondern von Vertrauen — in Kinder, und letztlich auch in sich selbst.

                Häufige Fragen zu Freilernen in Österreich und der Schweiz
                Ist häuslicher Unterricht in der Schweiz erlaubt?

                Ja, aber die Regelung ist in der Schweiz kantonal sehr unterschiedlich. Im Kanton Bern etwa reicht die Anmeldung bei der Bildungsaufsicht, mit einem jährlichen Hausbesuch statt einer Prüfung sowie mit Jahresplanung und Lernbericht. Andere Kantone stellen deutlich höhere Hürden.

                Was ist eine Externistenprüfung?

                In Österreich müssen Kinder im häuslichen Unterricht jährlich eine Externistenprüfung ablegen, um nachzuweisen, dass sie den Lehrplan erfüllen. Die Prüfung ist gesamtösterreichisch vorgeschrieben, wird aber je nach Behörde unterschiedlich gehandhabt.

                Was passiert, wenn ein Kind die Externistenprüfung nicht besteht oder verweigert?

                Laut Lini Lindmayer droht dann Schulzwang. Ihre Familie hat mehrfach Strafe bezahlt, weil ihre 15-jährige Tochter die Schule bewusst verweigerte.

                Haben Freilernende Nachteile bei der Lehrstellensuche?

                Im Gespräch berichten beide Gastgeber:innen vom Gegenteil: Betriebe schätzen an ehemaligen Freilernenden oft das selbstständige Denken und die Eigeninitiative.

                Gäste-Kurzbiografie

                Lini Lindmayer begleitet seit Jahren Familien in Österreich auf dem freien Bildungsweg — als freischaffende Mutter von neun Kindern und Gründerin von Authentic Parenting. Den Begriff “selbstständig” vermeidet sie bewusst; sie nennt sich lieber freischaffend, weil sie frei schafft und selbst entscheidet, statt ständig in etwas gefangen zu sein.

                Unter Authentic Parenting bietet Lini monatliche Themenräume, Impulsräume zu einzelnen Fragen und ab August einen neuen Jahresraum speziell für österreichische Familien auf dem freien Bildungsweg — mit Telegram-Austausch und monatlichem Zoom-Call.

                Mehr über Lini und ihre Angebote:

                • authenticparenting.at
                • instagram.com/linilindmayer
                • t.me/authenticparenting
                • Gast: Lini Lindmayer — Freischaffende Begleiterin für Familien auf dem freien Bildungsweg, Mutter von neun Kindern, Österreich
                  Host: Nando Stöcklin — Gründer von Spiel dein Leben

                  Raum geben statt Druck machen

                  Wie Begleitung gelingt, die Vertrauen stärkt und Neugier weckt. Hol dir kostenlos den Kompass für lebendiges Lernen.

                  Mehr von Spiel dein Leben:

                  • spieldeinleben.ch — Blog, Angebote, alle Podcast-Folgen
                  • Kompass für lebendiges Spiel (kostenloses PDF): spieldeinleben.ch/kompass-lebendiges-spiel/
                  • Austausch zum spielenden Lernen und Arbeiten: t.me/+esjjzjxlZg1kMWE0
                  • Der Beitrag Verkümmerte Pflänzchen oder freie Entfaltung — Freilernen zwischen Österreich und der Schweiz erschien zuerst auf Spiel dein Leben.

                    40 min
                  • Was Wiesen und Kinder gemeinsam haben — Permakultur als Spiegel fürs spielende Lernen

                    Was haben Wiesen und Kinder gemeinsam? Permakultur als Spiegel fürs spielende Lernen.

                    Episodenzusammenfassung

                    In der ersten Episode von Randzonen-Geflüster trifft Permakultur auf spielendes Lernen — und dabei entsteht genau das, worum es im Podcast geht: eine lebendige Randzone zwischen zwei Welten.

                    Das Randzonenprinzip der Permakultur

                    Denis erklärt, was Randzonen in der Permakultur bedeuten: Dort, wo zwei verschiedene Ökosysteme aufeinandertreffen — etwa eine Wiese und ein Wald — entsteht die grösste Vielfalt. Die Wiese bringt Wärme und Licht, der Wald Feuchtigkeit und Schatten. An der Grenze beider Welten bilden sich Mikroklimas, siedeln sich unterschiedlichste Pflanzen an, entsteht mehr Leben als in jedem der beiden Bereiche allein. Wer ein Permakultursystem gestaltet, optimiert diese Randzonen bewusst — zum Beispiel, indem er Steinmauern in Kurven statt geraden Linien baut, um mehr Randzonenfläche zu schaffen.

                    Vom Garten zum Menschen

                    Was in der Natur für Pflanzen gilt, lässt sich auf Menschen übertragen. Denis zieht die Parallele zur eigenen Biografie: Elektrotechnik und Permakultur — zwei Welten, die sich auf den ersten Blick ausschliessen, aber überraschend viele gemeinsame Prinzipien haben. Beide arbeiten mit sorgfältiger Beobachtung statt Kontrolle. Beide fragen: Was braucht dieses System, damit es von innen heraus aufblühen kann?

                    Beobachten als Kernkompetenz

                    Ein zentrales Thema des Gesprächs ist das Beobachten — in der Permakultur genauso wie in der Lernbegleitung. Nando beschreibt, wie entscheidend es ist, Kinder beim Spielen wirklich wahrzunehmen: Sind sie wirklich im Spielfluss? Was läuft gerade in ihnen? Denis ergänzt: Auch Zeigerpflanzen in der Permakultur zeigen uns den Zustand des Bodens — ohne dass wir eingreifen müssen. Menschen «zeigen» ähnlich, wenn wir aufmerksam genug hinschauen.

                    Raum geben statt Druck machen

                    Wie Begleitung gelingt, die Vertrauen stärkt und Neugier weckt. Hol dir kostenlos den Kompass für lebendiges Lernen.

                    Die Baumgilde als Modell für Lerngruppen

                    Denis stellt das Permakultur-Konzept der Baumgilde vor: Ein junger Obstbaum wird von Beipflanzungen umgeben, die ihn auf verschiedene Weisen unterstützen — Boden lockern, Nährstoffe einbringen, Schädlinge in Schach halten. Übertragen auf spielendes Lernen: Welche «Beipflanzungen» braucht ein Kind, damit es sich entfalten kann? Andere Kinder, Materialien, Räume, Freiheit — und die richtige Kombination davon.

                    Bindung · Freiheit · Weltkontakt

                    Nando bringt das Entfaltungsdreieck von «Spiel dein Leben» ins Gespräch: Bindung, Freiheit und Weltkontakt müssen im Gleichgewicht sein, damit echte Entfaltung möglich wird. Denis erkennt darin die Logik der Permakulturelemente — Elemente, die sich gegenseitig positiv beeinflussen und nur im Zusammenspiel ihr volles Potenzial entfalten.

                    Was ist die «Ernte»?

                    Am Ende stellen sich die beiden die vielleicht wichtigste Frage: Was ist eigentlich der Nutzen, wenn wir Menschen begleiten? In der Permakultur ist die Ernte konkret — eine Frucht, ein Lebensraum. In der Begleitung von Kindern und Erwachsenen ist sie subtiler: ein Mensch, der bei sich ist, der das lebt, was aus ihm gelebt werden will. Und das, so Denis und Nando, ist letztlich auch ein Geschenk an die ganze Gesellschaft.

                    Gäste-Kurzbiografie

                    Denis De Mesmaeker ist Elektrotechniker und arbeitet seit Jahren im Bereich Software — aufgewachsen in der Schweiz, mit belgischen Wurzeln. Nach einem Studium an der ETH Zürich arbeitete er jahrelang in der Technologiebranche. Seinen Weg zur Permakultur fand er auf Umwegen: über einen kleinen Balkon, den er mehr als nur bepflanzen wollte, und einen Freund, der zur richtigen Zeit den richtigen Impuls gab.

                    Heute absolviert Denis eine Permakultur-Ausbildung, bewirtschaftet gemeinsam mit anderen einen Gemeinschaftsgarten nach Permakultur-Grundsätzen und plant konkrete Projekte — darunter die Gestaltung einer Olivenplantage in Sizilien. Er ist seit mehreren Jahren Teil der Spiel-dein-Leben-Community und kennt damit beide Welten, die in diesem Podcast aufeinandertreffen.

                    Gast: Denis De Mesmaeker — Elektrotechniker und Permakultur-Lernender
                    Host: Nando Stöcklin — Gründer von Spiel dein Leben

                    Raum geben statt Druck machen

                    Wie Begleitung gelingt, die Vertrauen stärkt und Neugier weckt. Hol dir kostenlos den Kompass für lebendiges Lernen.

                    Mehr von Spiel dein Leben:

                    • spieldeinleben.ch — Blog, Angebote, alle Podcast-Folgen
                    • Kompass für lebendiges Spiel (kostenloses PDF): spieldeinleben.ch/kompass-lebendiges-spiel/
                    • Austausch zum spielenden Lernen und Arbeiten: t.me/+esjjzjxlZg1kMWE0
                    • Der Beitrag Was Wiesen und Kinder gemeinsam haben — Permakultur als Spiegel fürs spielende Lernen erschien zuerst auf Spiel dein Leben.

                      29 min

                    About Randzonen-Geflüster

                    From the publisher's feed

                    Wo spielendes Lernen auf andere Welten trifft