In dieser Folge spreche ich mit Achim Zimmermann darüber, warum der viel diskutierte Fachkräftemangel in der IT möglicherweise gar nicht das eigentliche Problem ist. Achims These: Es fehlt nicht nur an Menschen. Es verändert sich vor allem, welche Fähigkeiten Unternehmen heute wirklich brauchen.
Achim bringt dafür eine besondere Perspektive mit. Er ist seit fast 30 Jahren in der IT unterwegs und hat den Wandel der Branche aus vielen Rollen erlebt: Beratung, Vertrieb, Presales, Management, Systemhäuser, Beratungshäuser und Industrie. Heute ist er als Group-CIO tätig und beschäftigt sich unter anderem mit großen Transformationsvorhaben wie S/4HANA. Er kennt also sowohl den Maschinenraum der IT als auch die strategische Ebene.
Im Mittelpunkt der Folge steht die Frage, was gerade mit der IT passiert. KI, Automatisierung, wirtschaftlicher Druck, steigende Erwartungen aus dem Business und neue Anforderungen an Security und Governance verändern die Rolle der IT massiv. Unternehmen suchen heute nicht mehr nur Menschen, die Systeme betreiben oder einzelne Technologien beherrschen. Sie suchen Menschen, die Technologie verstehen, Prozesse einordnen, mit dem Business sprechen, Veränderung begleiten und daraus echten Mehrwert für das Unternehmen schaffen können.
Achim beschreibt diesen Wandel sehr klar als Fähigkeitenwandel. Zwar sprechen viele Unternehmen weiterhin von Fachkräftemangel, gleichzeitig verändern sich aber die gesuchten Profile. Klassische Technologielisten reichen nicht mehr aus. Gefragt sind heute Übersetzerinnen und Übersetzer zwischen Vorstand, Fachbereich und IT-Maschinenraum. Menschen, die verstehen, was Technologie für das Geschäft bedeutet und gleichzeitig der Technik erklären können, was das Business wirklich braucht.
Ein zentrales Thema der Folge ist die neue Erwartung an IT-Führung. Viele Unternehmen suchen heute fast die „eierlegende Wollmilchsau“: technisch exzellent, strategisch denkend, führungsstark, businessnah, transformationssicher, securitybewusst und verhandlungssicher gegenüber Dienstleistern. Achim macht deutlich: Diese eine Person gibt es nicht. Moderne IT-Führung bedeutet deshalb nicht, alles selbst zu können, sondern ein Team so aufzustellen, dass es gemeinsam die notwendigen Fähigkeiten abdeckt.
Wir sprechen außerdem darüber, warum IT in vielen Unternehmen noch immer widersprüchlich behandelt wird. Einerseits soll sie Business Value liefern, Innovation ermöglichen und neue Technologien nutzbar machen. Andererseits wird sie häufig weiterhin als Kostenstelle gemessen, berichtet an den CFO und wird erst eingebunden, wenn strategische Entscheidungen längst getroffen sind. Achim bringt es auf den Punkt: Wenn IT erst gefragt wird, wenn die Strategie beschlossen ist, bleibt sie Kostenstelle. Wenn sie früh am Tisch sitzt, kann sie zum Werthebel werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist KI. Achim sieht KI nicht als Technologie, die aktuell ganze Rollen vollständig ersetzt. Vielmehr verschiebt KI den Wert innerhalb von Rollen. Repetitive Wissensarbeit, Standard-Coding, einfacher Support oder Reporting geraten stärker unter Druck. Gleichzeitig werden Architektur, Orchestrierung, Domänenwissen, Urteilsvermögen, Datenkompetenz und Prozessverständnis deutlich wichtiger.
Besonders spannend ist der Blick auf Berufseinsteiger und erfahrene ITler. Wenn KI immer mehr Einstiegsaufgaben übernimmt, stellt sich die Frage, wo junge Menschen künftig die ersten wichtigen Erfahrungsstunden sammeln sollen. Achim warnt davor, den Junior-Einstieg wegzurationalisieren. Denn wer heute keine Juniors mehr entwickelt, hat in zehn Jahren keine Seniors mehr. Gleichzeitig sieht er bei erfahrenen IT-Mitarbeitenden einen enormen Wert: Ihr implizites Wissen über Systeme, Schnittstellen, Workarounds und gewachsene Strukturen kann mit KI sichtbar und nutzbar gemacht werden.
Wir sprechen auch über Shadow AI. Während Vorstände noch über KI-Strategien diskutieren, nutzen Mitarbeitende längst öffentliche Chatbots, um ihre Arbeit schneller zu erledigen. Achim beschreibt Shadow AI als eine der ehrlichsten Bedarfsanalysen, die ein Unternehmen bekommen kann. Denn sie zeigt sehr klar, wo Prozesse zu langsam sind, offizielle Werkzeuge nicht ausreichen oder Mitarbeitende pragmatische Lösungen suchen. Gleichzeitig entstehen dadurch echte Risiken: Firmendaten, Kundendaten oder Quellcode können in öffentliche Tools gelangen. Genau deshalb braucht es Governance, Security, klare Leitplanken und gleichzeitig praktikable Angebote für die Mitarbeitenden.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Rolle von Security und Resilienz. KI ist nicht nur Werkzeug, sondern auch neue Angriffsfläche. Gleichzeitig kann KI helfen, Angriffe schneller zu erkennen, Risiken besser einzuordnen und Sicherheitsprozesse zu unterstützen. Für IT-Führungskräfte bedeutet das: Sie müssen Innovation ermöglichen, ohne Sicherheit, Datenschutz und regulatorische Anforderungen aus dem Blick zu verlieren.Zum Abschluss gibt Achim drei klare Empfehlungen für die nächsten zwei Jahre: CIOs sollten nicht um das nächste glänzende Tool kämpfen, sondern um eine saubere Datengrundlage und ihren Platz am Strategietisch. IT-Führungskräfte sollten in Übersetzungs- und Change-Fähigkeit investieren – bei sich selbst und in ihren Teams. Und IT-Mitarbeitende sollten KI-souverän statt KI-ängstlich werden, Domänenwissen aufbauen und ihren eigenen Wert sichtbarer machen.
✨ Key Takeaways
🧭 Fachkräftemangel ist nicht die ganze Wahrheit
Achim beschreibt den aktuellen IT-Markt weniger als reines Mengenproblem, sondern als Passungsproblem. Unternehmen suchen weiterhin IT-Kompetenz, aber die geforderten Fähigkeiten verändern sich massiv.
🔄 Die IT erlebt einen Fähigkeitenwandel
Klassisches Tool- und Technologiewissen reicht nicht mehr aus. Wichtiger werden Prozessverständnis, Domänenwissen, Urteilsvermögen, Lernfähigkeit, Kommunikation und die Fähigkeit, Technologie in geschäftliche Wirkung zu übersetzen.
🗣️ Übersetzung wird zur Schlüsselkompetenz
Moderne IT-Führung muss zwischen Vorstand, Fachbereichen und Technik vermitteln. Es geht darum, dem Management zu erklären, was Technologie für das Geschäft bedeutet, und der IT zu erklären, was das Business wirklich braucht.
♟️ CIOs müssen um Daten und ihren Platz am Tisch kämpfen
Achims Rat an CIOs: Kämpfe um zwei Dinge – um deine Datengrundlage und um deinen Platz am Strategietisch. Nicht um das nächste glänzende Tool. Tools wechseln alle sechs Monate. Saubere Daten und ein Platz am Tisch bleiben.
🎯 IT-Führungskräfte müssen Teams weiterentwickeln
Achims Rat an IT-Führungskräfte: Investiere in Übersetzungs- und Change-Fähigkeit – bei dir selbst und bei deinen Leuten. Entwickle dein Team weiter, bevor der Markt das für dich erledigt. Das ist billiger. Und es ist anständiger.
🥇 IT-Mitarbeitende sollten KI-souverän werden
Achims Rat an IT-Mitarbeitende: Werde KI-souverän statt KI-ängstlich. Baue Domänenwissen auf, denn genau das ist dein Burggraben. Und mache deinen Wert sichtbar – bescheiden sein kannst du im Gehaltsgespräch immer noch.
🤖 KI ersetzt nicht einfach ganze Rollen
KI verändert vor allem den Wert innerhalb bestehender Rollen. Repetitive Wissensarbeit gerät stärker unter Druck, während Architektur, Orchestrierung, Datenkompetenz, Domänenverständnis und kritisches Prüfen wichtiger werden.
👥 Ohne Juniors keine Seniors
Wenn Unternehmen Einstiegsaufgaben durch KI ersetzen, entsteht langfristig ein strukturelles Risiko. Denn Berufseinsteiger brauchen praktische Erfahrung, um zu Senior-Expertinnen und -Experten heranzuwachsen.
🧠 Erfahrung plus KI wird zum Hebel
Erfahrene ITler kennen Systeme, Schnittstellen, Altlasten und Workarounds oft besser als jede Dokumentation. Die Aufgabe ist nicht, dieses Wissen zu ersetzen, sondern es mit KI sichtbar und nutzbar zu machen.
⚠️ Shadow AI ist Realität
Mitarbeitende nutzen KI längst im Arbeitsalltag, oft bevor offizielle Strategien, Tools oder Governance-Strukturen vorhanden sind. Das zeigt echte Bedarfe, bringt aber auch Risiken für Datenschutz, Security und Compliance mit sich.
🔐 Security und Resilienz gehören ins Zentrum
KI ist nicht nur Produktivitätshebel, sondern auch Angriffsfläche. IT-Führung muss deshalb Innovation ermöglichen und gleichzeitig Sicherheit, regulatorische Anforderungen und Resilienz im Blick behalten.
🎧 Warum solltest du reinhören?
Diese Folge ist spannend für alle, die verstehen wollen, wie sich die Rolle der IT gerade verändert. Besonders relevant ist sie für CIOs, IT-Leiter, IT-Führungskräfte, Digitalverantwortliche, Transformationsverantwortliche und Menschen, die selbst in der IT arbeiten und sich fragen, welche Fähigkeiten künftig wirklich zählen.
Achim Zimmermann ordnet den aktuellen Umbruch sehr klar ein. Es geht nicht nur um KI, nicht nur um Fachkräftemangel und nicht nur um neue Tools. Es geht um die grundlegende Frage, welchen Wert IT künftig im Unternehmen stiftet und welche Fähigkeiten dafür notwendig sind.
Besonders wertvoll ist die Folge, weil sie beide Seiten beleuchtet: die Erwartungen der Unternehmen an IT und die Realität der Menschen, die diese Erwartungen erfüllen sollen. Viele Unternehmen wünschen sich Business Value, Innovation, Automatisierung, Security, Governance und Veränderungsfähigkeit. Gleichzeitig stehen IT-Teams unter hohem Druck, müssen bestehende Systeme betreiben, neue Technologien bewerten und sich selbst weiterentwickeln.
Wir sprechen darüber, warum die IT nur dann zum echten Werthebel wird, wenn sie früh in strategische Entscheidungen eingebunden ist. Wer IT nur an Ticketzeiten, Verfügbarkeit und Kosten misst, darf sich nicht wundern, wenn sie auch nur als Kostenstelle wirkt. Wer sie dagegen mit an den Strategietisch holt, schafft die Voraussetzung dafür, dass Technologie wirklich zur Weiterentwicklung des Geschäfts beitragen kann.
Die Folge zeigt außerdem, warum KI nicht einfach alle Probleme löst. Ohne saubere Daten, klare Prozesse, Governance, Security und ein gutes Verständnis für die eigenen Geschäftsprozesse bleibt KI oft an der Oberfläche. Gleichzeitig kann KI enorme Wirkung entfalten, wenn sie mit Erfahrung, Domänenwissen und kluger Führung verbunden wird.
Die zentrale Botschaft der Folge lautet: Der Umbruch in der IT ist real, aber er ist kein Schicksal. Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeitende können ihn aktiv gestalten – wenn sie bereit sind, Fähigkeiten neu zu denken, Wissen sichtbar zu machen und Technologie nicht als Selbstzweck, sondern als Hebel für echte Wirkung zu verstehen.
🎧 Jetzt reinhören – es lohnt sich!
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REAL EXPERTS, der Podcast zu Themen der Transformation und Digitalisierung in Unternehmen. In diesem Podcast spricht Christoph Rauhut mit führenden Köpfen und Experten aus Unternehmen über die verschiedensten Themen der Transformation und gibt echte Einblicke und praktische Empfehlungen.
Herausgeber und Podcast-Host ist Christoph Rauhut (LinkedIn)
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Dieser Podcast wurde produziert mit freundlicher Unterstützung von Bony Stoev: https://bony-stoev.de/