GANZSCHÖNLAUT

Rosemarie und Omas gegen Rechts


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„Unpolitisch war ich nie, vielleicht war ich nur nie so mutig wie jetzt.“ Seit fünf Jahren schon gehört Rosemarie zu den Omas gegen Rechts in Halle (Saale). Ihren vollen Namen behält sie aus Sicherheitsgründen lieber für sich.

Rosemarie widmet ihr Engagement der Demokratie und dem ständigen Erinnern. Wenn sie bei sich Zuhause Besuch empfängt, gehöre es zwingend dazu, anderen die Synagoge zu zeigen, auf die 2019 ein rechtsextremer Anschlag verübt wurde.

„Die größte feministische Bewegung unserer Zeit“, so wurden die Omas gegen Rechts schon bezeichnet. In Österreich gegründet, zählen die vielen Ortsgruppen heute über 30 000 Mitglieder. Rosemarie beschreibt, wie das Netzwerk gesellschaftliche Zuschreibungen aushebelt, die suggerieren sollen, dass alte Frauen unpolitisch seien.

Die Arbeit als Psychiaterin lege ihrem Aktivismus manchmal Steine in den Weg. Doch der Job gebe auch Hoffnung, sagt Rosemarie: „Weil ich daran glaube, dass sich jeder Mensch ändern kann.“ Und sie verrät, wie sie mit Omas aus anderen Städten und jüngeren Gruppen vernetzt ist und was ihr Sorgen bereitet: „Mir zittert das Herz, wenn ich darüber nachdenke, dass die AfD die Mehrheit holen könnte.“

Im Gespräch mit Host Stephan Anpalagan erzählt Rosemarie, warum ihre Mutter und Nelson Mandela ihre politischen Vorbilder sind. Sie spricht von einem geplanten Boykott der Tech-Milliardäre und anderen Themen, bei denen unter den Omas auch mal Uneinigkeit herrscht. Und sie berichtet davon, wie sie nach 20 Jahren im Ausland in ein geeintes, aber völlig verändertes Deutschland zurückkehrte – und warum sie damals unbedingt in den Osten wollte.

TRANSPARENZ

Rosemarie spricht von Lesungen, die die Omas gegen Rechts Halle organisieren. Der Roman „Unsere Töchter die Nazinen“ von Hermynia Zur Mühlen betrachtet die weibliche Haltung im Aufschwung des Nationalsozialismus. Rosemarie erkennt Parallelen zur Gegenwart.

Sie erwähnt außerdem die rechtsextremen Anschläge in Halle und Hanau.

Aktivistische Gruppen, die sie benennt, sind das Klimabündnis Halle Zero, das Zivilcourage-Bündnis Halle gegen Rechts und das Bauwagenprojekt in Halle-Silberhöhe. Sie ruft auch dazu auf, Obdachlosenarbeit zu unterstützen.

Die Folge mit Rosemarie wurde am 23.05.2025 aufgezeichnet.

URHEBERRECHT

Im Intro des Podcasts zitieren wir:

Enissa Amani, aus: „Rebels. Ich rebelliere also bin ich“; Folge 2: „Die Macht der Comedy“ vom 13. Dezember 2022, ARD Kultur, Timecode: 00:11:26

Anja Reschke, aus: „Panorama“, Beitrag „Mein Nachbar ist Nazi“ vom 1. Juli 2022, NDR, Timecode: 00:00:05

Disarstar, aus: „Rebels. Ich rebelliere also bin ich“; Folge 1: „Die Macht der Musik“ vom 13. Dezember 2022, ARD Kultur, Timecode: 00:01:45

DANKSAGUNG

Redaktion: Ruth Klages und Jasper von Römer; Hosts: Ninia LaGrande und Stephan Anpalagan; Produktion: Benjamin Jenak; Artwork: Karla Schröder; Sprecherin: Leni Leßmann

FINANZIERUNG

Veto wird anteilig gefördert von der GLS Treuhand und vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung.

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GANZSCHÖNLAUTBy Veto Magazin