Eine „One-Woman-Show aus dem Wohnzimmer“, so nennt Susanne Siegert ihre Aufklärungsarbeit. Auf Social Media teilt sie Geschichten von Opfern der NS-Zeit. In ihren detaillierten Recherchen zum KZ-Außenlager Mühldorfer Hart macht sie Einzelschicksale sichtbar und dokumentiert die systematischen Verbrechen des Holocaust mit detektivischer Akribie.
Mit ihren Videos bei Instagram und TikTok zeigt sie das Ausmaß des Grauens – und zeigt, an welchen Stellen Aufarbeitung nötig ist. „Wir kennen kaum Namen zur Euthanasie oder von queeren Menschen“, die Opfer wurden. Siegert möchte den Blick auf die NS-Zeit deshalb um diverse Perspektiven erweitern, um „different horrors in the same hell“ darzustellen. Denn sie sagt: Deutschland ist eben kein „Erinnerungsweltmeister“.
Susanne Siegert fordert, nicht immer dieselben NS-Funktionäre zu beleuchten, sondern sich damit zu beschäftigen, wie sich die breite Gesellschaft an einer nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie beteiligen konnte. Und sie fragt: Wie kann sich Gedenken wandeln? Und welche Rolle spielen Einzelne dabei?
Im Gespräch mit Host Ninia LaGrande geht es darum, ob und wie der Holocaust auf Social Media Platz hat und warum Vergleiche zwischen dem Heute und der NS-Zeit schädlich sind. Und Susanne Siegert erklärt, warum sie die Sicht von Politik auf Jugendliche für „delusional“ hält.
Für ihre Recherchen nutzt Susanne Siegert meist die frei zugänglichen Arolsen Archives und lädt andere dazu sein, sich ebenfalls dort zu informieren.
Eine Geschichte, die Susanne Siegert besonders bewegt, ist die von zwei Kindern im KZ-Außenlager Mühldorfer Hart. Stephen Nasser hat auf Zementsäcken Tagebuch geschrieben. Seine Autobiografie heißt „Die Stimme meines Bruders“.
Ninia LaGrande empfiehlt das ZeitZentrum Zivilcourage in Hannover, einen interaktiven Lernort zum Nationalsozialismus.
Susanne Siegert und Ninia LaGrande sprechen außerdem über eine Folge des Podcasts „Mord auf Ex“ über Auschwitz-Arzt Joseph Mengele, bei deren Social-Media-Ausarbeitung Siegert unterstützt hat.
Susanne Siegert spricht vom Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma in Berlin, über dessen Schutz wegen dem Bau einer S-Bahn Linie diskutiert wird und erzählt von ihrem Buch zum Thema Gedenkarbeit für alle, das im Herbst erscheint.
Susanne Siegert fordert dazu auf, mehr jüdischen Creator*innen zu folgen: Rosa Jellinek, Helene Shani Braun und Tanya Yael Raab
Die Folge mit Susanne Siegert wurde am 07.03.2025 aufgezeichnet.
Im Intro des Podcasts zitieren wir:
Enissa Amani, aus: „Rebels. Ich rebelliere also bin ich“; Folge 2: „Die Macht der Comedy“ vom 13. Dezember 2022, ARD Kultur, Timecode: 00:11:26
Anja Reschke, aus: „Panorama“, Beitrag „Mein Nachbar ist Nazi“ vom 1. Juli 2022, NDR, Timecode: 00:00:05
Disarstar, aus: „Rebels. Ich rebelliere also bin ich“; Folge 1: „Die Macht der Musik“ vom 13. Dezember 2022, ARD Kultur, Timecode: 00:01:45
Redaktion: Ruth Klages und Jasper von Römer; Hosts: Ninia LaGrande und Stephan Anpalagan; Produktion: Benjamin Jenak; Artwork: Karla Schröder; Sprecherin: Leni Leßmann
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