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Da ich endlich einmal wieder Ferien mache, sende ich heute die Aufzeichnung des Worts zum Schabbat vom 7. Mai 2021. Diese Erklärung erschien noch nicht auf dieser Website.
Rabbiner Alexander Nachama entfaltete den Doppelwochenabschnitt Behar-Bechukotai (3. Mose 25–27) zunächst vom Sabbat- und Jubeljahr her: Alle sieben Jahre soll das Land ruhen, und im fünfzigsten Jahr wird Freiheit ausgerufen, Land kehrt zu den ursprünglichen Familien zurück und hebräische Sklaven erhalten einen neuen Anfang, wie auch die Tora den Schofarruf, die Freilassung und die Rückkehr zum Erbbesitz beschreibt.
Nachama betont daran die soziale und ökologische Kraft der Tora: Das Land gehört nicht einfach dem Menschen zur beliebigen Verfügung, sondern die Früchte des ruhenden Landes stehen allen offen, Menschen wie Tieren, und Besitz wird nicht endgültig absolut gesetzt.
Gerade das Jubeljahr erscheint so als biblische Utopie gegen Verarmung und Verfestigung sozialer Not: Wer Besitz verloren hat, bekommt nicht nur Mitleid, sondern reale Zukunft, Würde und Rückkehrmöglichkeit.
Im zweiten Teil wendet sich Nachama Bechukotai zu, dem Abschnitt über Segen und Fluch: Die Tora verbindet das Leben nach Gottes Geboten mit Regen zur rechten Zeit, Brot zur Sättigung, Frieden, Fruchtbarkeit und der Gegenwart Gottes inmitten des Volkes.
Doch Nachama liest dieses Prinzip nicht platt als mechanische Belohnung und Strafe, sondern als Betonung menschlicher Freiheit und Verantwortung: Das Handeln des Volkes hat Folgen für die ganze Gesellschaft, nicht nur das Verhalten eines Königs oder einzelner Mächtiger.
Um diese gemeinschaftliche Verantwortung zu erklären, greift er den Midrasch zu den Arba Minim auf: Etrog, Lulaw, Myrte und Bachweide stehen für unterschiedliche Menschen, die zusammengebunden werden müssen, damit Israel als Ganzes bestehen kann.
Zugleich verschweigt Nachama die Spannung nicht: Das Buch Hiob zeigt, dass Leid nicht immer als Folge falschen Handelns erklärbar ist und dass fromme Menschen schwer geprüft werden können.
Darum führt ihn die Haftara zu Jeremia: Verflucht ist, wer sich nur auf Menschen verlässt, gesegnet aber, wer auf den Ewigen vertraut und wie ein Baum am Wasser auch in Dürrezeiten Frucht bringt.
Gottvertrauen bedeutet bei Nachama deshalb nicht die Erwartung eines stets angenehmen Lebens, sondern eine innere Stütze in der Not: Die Tora zerbricht die Jochstangen, damit der Mensch aufrecht gehen kann.
So wird Behar-Bechukotai zu einem Ruf, das Gute nicht um einer Gegenleistung willen zu tun, sondern aus Liebe zu Gott und seinen Geboten, und gerade in schwierigen Zeiten Hoffnung, Verantwortung und Aufrichtung nicht preiszugeben.
By Ricklef Münnich || ahavta - BegegnungenDa ich endlich einmal wieder Ferien mache, sende ich heute die Aufzeichnung des Worts zum Schabbat vom 7. Mai 2021. Diese Erklärung erschien noch nicht auf dieser Website.
Rabbiner Alexander Nachama entfaltete den Doppelwochenabschnitt Behar-Bechukotai (3. Mose 25–27) zunächst vom Sabbat- und Jubeljahr her: Alle sieben Jahre soll das Land ruhen, und im fünfzigsten Jahr wird Freiheit ausgerufen, Land kehrt zu den ursprünglichen Familien zurück und hebräische Sklaven erhalten einen neuen Anfang, wie auch die Tora den Schofarruf, die Freilassung und die Rückkehr zum Erbbesitz beschreibt.
Nachama betont daran die soziale und ökologische Kraft der Tora: Das Land gehört nicht einfach dem Menschen zur beliebigen Verfügung, sondern die Früchte des ruhenden Landes stehen allen offen, Menschen wie Tieren, und Besitz wird nicht endgültig absolut gesetzt.
Gerade das Jubeljahr erscheint so als biblische Utopie gegen Verarmung und Verfestigung sozialer Not: Wer Besitz verloren hat, bekommt nicht nur Mitleid, sondern reale Zukunft, Würde und Rückkehrmöglichkeit.
Im zweiten Teil wendet sich Nachama Bechukotai zu, dem Abschnitt über Segen und Fluch: Die Tora verbindet das Leben nach Gottes Geboten mit Regen zur rechten Zeit, Brot zur Sättigung, Frieden, Fruchtbarkeit und der Gegenwart Gottes inmitten des Volkes.
Doch Nachama liest dieses Prinzip nicht platt als mechanische Belohnung und Strafe, sondern als Betonung menschlicher Freiheit und Verantwortung: Das Handeln des Volkes hat Folgen für die ganze Gesellschaft, nicht nur das Verhalten eines Königs oder einzelner Mächtiger.
Um diese gemeinschaftliche Verantwortung zu erklären, greift er den Midrasch zu den Arba Minim auf: Etrog, Lulaw, Myrte und Bachweide stehen für unterschiedliche Menschen, die zusammengebunden werden müssen, damit Israel als Ganzes bestehen kann.
Zugleich verschweigt Nachama die Spannung nicht: Das Buch Hiob zeigt, dass Leid nicht immer als Folge falschen Handelns erklärbar ist und dass fromme Menschen schwer geprüft werden können.
Darum führt ihn die Haftara zu Jeremia: Verflucht ist, wer sich nur auf Menschen verlässt, gesegnet aber, wer auf den Ewigen vertraut und wie ein Baum am Wasser auch in Dürrezeiten Frucht bringt.
Gottvertrauen bedeutet bei Nachama deshalb nicht die Erwartung eines stets angenehmen Lebens, sondern eine innere Stütze in der Not: Die Tora zerbricht die Jochstangen, damit der Mensch aufrecht gehen kann.
So wird Behar-Bechukotai zu einem Ruf, das Gute nicht um einer Gegenleistung willen zu tun, sondern aus Liebe zu Gott und seinen Geboten, und gerade in schwierigen Zeiten Hoffnung, Verantwortung und Aufrichtung nicht preiszugeben.