Das Wort zum Schabbat

Schabbat Jitro || Erwählung als Verpflichtung


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In der Sendung „Wort zum Schabbat“ erläutert Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens den Tora-Wochenabschnitt „Jitro“ (2. Mose 18–20).

Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören: https://open.substack.com/pub/ahavta/p/jitro

Der Rabbiner hebt zunächst die Bedeutung des Namensgebers hervor: Dass die Parascha, die die Offenbarung der Zehn Gebote enthält, nach Jitro, dem nichtjüdischen Schwiegervater von Mose, benannt ist, sei kein Zufall. Es symbolisiere die jüdische Offenheit für Weisheit, unabhängig von ihrer Herkunft: „Egal von woher die Wahrheit kommt, die nimmt man an.“ Jitro erkennt, dass Mose mit der alleinigen Rechtsprechung überfordert ist, und rät ihm, Aufgaben zu delegieren. Mose nimmt diesen Rat an, was Ahrens als Zeichen wahrer Führungsgröße deutet. Anstatt egozentrisch an Macht zu klammern, stellt Mose das Wohl der Gemeinschaft in den Vordergrund und schafft Strukturen, die ihn entlasten.

Ein Schwerpunkt der Erläuterungen liegt auf dem 19. Kapitel und dem Konzept der Erwählung. Ahrens betont, dass die Auserwählung Israels („Am Segula“) keineswegs eine Überlegenheit gegenüber anderen Völkern impliziert. Vielmehr handele es sich um eine besondere Verpflichtung: Israel sei auserwählt, Gott exklusiv zu dienen und als „Königreich von Priestern“ eine Vorbildfunktion einzunehmen. Diese partikulare Rolle Israels ist untrennbar mit einem universalen Auftrag verknüpft – dem Segen für alle Völker. Ahrens verweist auf einen Midrasch, wonach Gott die Tora zuvor allen anderen Nationen anbot, diese jedoch ablehnten, da sie die strengen moralischen Forderungen nicht akzeptieren wollten. Nur Israel erklärte sich bereit, die Tora mit ihren 613 Geboten ohne Vorbehalte anzunehmen.

Abschließend diskutieren Jehoschua und ich die Relevanz der Zehn Gebote für Christen. Ahrens differenziert hier deutlich: Die Zehn Gebote in ihrer spezifischen Form – insbesondere die strikte Sabbatruhe und der absolute Monotheismus – gelten primär für das jüdische Volk. Für Nichtjuden, und damit theologisch auch für Christen, sei der „Noachidische Bund“ mit seinen sieben ethischen Grundgeboten maßgeblich. Ahrens sieht darin jedoch keine Trennung, sondern eine Verbindung: Juden und Christen teilen durch die noachidischen Prinzipien und die „christlich-jüdische Tradition“ ein gemeinsames Wertefundament. In einer Welt, in der diese Werte zunehmend erodieren, sei es die gemeinsame Aufgabe beider Religionen, für Ethik und Moral einzustehen, auch wenn theologische Unterschiede bestehen bleiben dürfen.



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Das Wort zum SchabbatBy Ricklef Münnich || ahavta - Begegnungen