Das Wort zum Schabbat

Schabbat Mischpatim || Gott steckt im Detail


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Rabbiner Andrew Steiman erläuterte in der Live-Sendung „Wort zum Schabbat” den Tora-Wochenabschnitt „Mischpatim” (2. Mose 21–24), der 53 Gebote und Verbote enthält. Der Name bedeutet „Rechtsordnungen” und bezeichnet zivilrechtliche Vorschriften, die für alle gelten – nicht nur für Juristen. Diese Gebote sind laut Maimonides alle gleichwertig, man darf sich nicht beliebig aussuchen, welche man befolgen möchte.

Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören: https://plus.ahavta.com/p/mischpatim-d6d

Verbindung zu den Zehn Geboten

Entscheidend ist der erste Satz: „Und dies sind die Rechtsvorschriften” (Ve-ele ha-Mischpatim). Das kleine Wörtchen „und” (Vav), ein Haken im Hebräischen, verknüpft Mischpatim untrennbar mit den Zehn Geboten aus dem vorherigen Wochenabschnitt. Steiman betont, dass damit das Zivilrecht nicht säkulares Menschenwerk ist, sondern am Sinai gegeben wurde – mit derselben göttlichen Autorität wie die Zehn Gebote. Die Zehn Gebote (hebr. Aseret ha-Dibrot – „die zehn Worte”) sind ein Kompendium aller 613 Gebote: Alle Kategorien – positiv und negativ, zeitgebunden und zeitlos, zwischen Mensch und Gott sowie zwischen Mensch und Mensch – sind in ihnen repräsentiert

Ganzheitliches Konzept

Steiman vergleicht die Mischpatim mit der Bauhaus-Architektur, wo jedes Detail aufeinander abgestimmt ist. Die Gebote bilden ein ganzheitliches System wie den Schulchan Aruch, den „Gedeckten Tisch”, auf dem alles bereitsteht, um ein jüdisches Leben zu führen. Gott steckt im Detail, so zitiert Steiman Rabbiner Sacks: Die Größe des Judentums liegt nicht nur in der edlen Vision, sondern in der detaillierten Gesetzgebung, durch die diese Vision in die gelebte Wirklichkeit übertragen wird.

Sklavenrecht als Beispiel

Das erste behandelte Gebot betrifft den hebräischen Sklaven, der nach sechs Jahren freigelassen werden muss. Dies erscheint paradox direkt nach der Befreiung aus Ägypten, zeigt aber den graduellen Fortschritt: Selbst Sklaven haben Rechte, dürfen nicht geschlagen werden und haben einen Vertragscharakter. Es handelt sich eher um Arbeitsverträge für Verschuldete – ein soziales Sicherungsnetz, das verhindert, dass Menschen in der Gosse landen.



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Das Wort zum SchabbatBy Ricklef Münnich || ahavta - Begegnungen