Ist er für Dich ein Gott, der lachend im Himmel sitzt und sich amüsiert, wie sich die Menschen hier unten gegenseitig abschlachten? Ist er ein leidender Gott, der Tränen in den Augen hat, wenn er sieht wie wir Menschen unsere Freiheiten missbrauchen? Ist er ein Gott, der sich mit uns freut? Ist er ein Gott, der uns im Stich lässt, wenn wir ihn am dringendsten brauchen? Ist er ein Gott, der ….
Wie immer Du Dir Gott vorstellst, Du siehst ihn allzu häufig durch die Brille Deiner persönlichen Schwächen, Erfahrungen und Prägungen.
Wenn Du verletzt bist, dann wünschst Du Dir einen Gott der Dich tröstet und Dein Herz wieder herstellt. Wenn Du körperlich krank bist, dann wünschst Du Dir einen Gott, der Dich heilt. Wenn Du einsam bist und jemanden zum Reden brauchst, dann wünschst Du Dir Gott als Freund. Wenn Du etwas nicht kapierst, dann wünschst Du Dir Gott als Lehrer. Wenn Du …
Wie reagierst Du, wenn Gott sich nicht so verhält, wie Du es Dir wünschst?
Wenn er scheinbar nicht in die Rolle des Freundes, Heilers, Trösters, Lehrers oder wie auch immer begibt?
Vielleicht sollten wir Gott gezielt nicht immer nur durch unsere Brille sehen?! Uns Gott eben nicht automatisch so vorstellen, wie wir ihn gerne hätten. Denn unsere Vorstellung, wie Gott zu sein hat – muss nicht automatisch den Tatsachen entsprechen, wie Gott wirklich tickt.
Verstehst Du worauf ich hinaus möchte?
Wenn wir Gott allein durch unsere Schwächen sehen – und er sich eben nicht verhält, wie erwünscht – werden wir frustriert sein. Logisch. Doch so ein Glaube ist tragisch, denn wer weiß was uns dabei entgeht?
Gott und auch uns den Freiraum zu geben für ein offenes Kennenlernen, halte ich für entscheidend – das bestimmt immerhin unser Leben.
Ich glaube wir sollten Gott nicht als einen Gott sehen, der in erster Linie unsere (scheinbaren) Bedürfnisse stillt. Da nutzt es auch nichts, wenn wir uns wie Kleinkinder benehmen, die pampig werden und sich brüllend auf den Boden werfen, wenn sie keine Schokolade bekommen. Denkst Du, dass Kind kapiert warum es nicht jedes Mal ne fette Schokolade beim Einkauf mit Muddi bekommt? Wohl kaum.
Mein größter Wunsch ist es, Gott kennenzulernen wie er wirklich ist und eben nicht wie er – laut meiner Meinung und durch meine Brille – zu sein hat.
Ich werde nicht drum rum kommen, zu akzeptieren das es für immer offene Fragen geben wird …
Auf dem Kirchentag wurde eine Frau im Rollstuhl (MS) gefragt, was sie unter Heilung versteht und sie sagte: "Heilung ist für mich nicht in erster Linie vollständig gesund zu sein, sondern nicht an dieser Krankheit zu zerbrechen." (frei wieder gegeben)
Im Leben geht es um krasses, existenzielles Zeug und nicht nur darum, ob ich ne Schokolade bekomme oder nicht. Auszuhalten, dass es manchmal keine zufrieden stellenden Antworten gibt, ist wohl eine lebenslange und immer wieder neu herausfordernde Aufgabe für uns alle. Ob wir nun fromm sind oder nicht …
Kennst Du das Gleichnis über den Chef, der drei seiner Diener Geld anvertraut, damit sie es gut investieren, während er verreist? Im Mittelpunkt, steht dabei der dritte Diener.
Er sagt zu seinem Chef: "Herr, ich weiß, du bist ein strenger Mann, der erntet, was er nicht gepflanzt hat … und ich hatte Angst." vgl. Matthäus 14-30
Der Diener dachte den Charakter seines Chefs zu kennen – doch seine Annahme entsprach nicht der Realität (ließ dazu mal das Gleichnis im Kontext). Der Diener sah den Chef durch seine Brille, durch seine eigene Schwäche … das Ergebnis war Angst vor ihm. Er traute sich nichts zu. "Muckte[...]