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Ab auf die Insel!
Warum wir nicht auf den Urlaub warten sollten, sondern auch im Alltag emotionale Inselmomente brauchen: Eine Kolumne
Von Carsten Müller
»Wir merken gerade, dass wir in unserer Beziehung nicht glücklich sind. Wir haben beide anstrengende Berufe. Den Haushalt haben wir zwar gut aufgeteilt. Das funktioniert soweit. Aber die Zweisamkeit fehlt völlig. Wir haben kaum Lust auf Sex. Wir fragen uns, was wir tun können, damit sich das ändert. Wir wissen beide, wie schön es eigentlich sein kann, wenn wir Zeit füreinander haben. Im Urlaub ist es immer toll. Wir fiebern jetzt schon auf unsere nächste Reise hin. Leider sind es noch drei M/Users/muellerpraxisfs/Downloads/Scheiss auf den nächsten Urlaub_Podcast.jpgonate, bis es losgeht. Hoffentlich wird es wieder ein Highlight. Das brauchen wir für unsere Beziehung!“
(Jan, 42* und Nathalie, 45*)
Wirklich? Sie brauchen Urlaub, um glücklich zu sein? Dann lassen Sie uns reden. Auf Dauer werden die tollsten Reisen nicht dafür sorgen, dass die Beziehung im grünen Bereich läuft. Denn Urlaub ist ein Ausnahmezustand. Und viel zu selten, um eine Beziehung über viele Jahre am Leben zu erhalten.
Dazu gibt es sogar wissenschaftliche Untersuchungen. US-Soziologen haben anhand von Scheidungen aus 14 Jahren analysiert, wann sich Menschen trennen. Genauer gesagt: Wann sich besonders viele Paare scheiden lassen. Das passiert nach der Urlaubszeit. In den USA ist nach jeden Sommer- und Winterferien Scheidungs-Hochsaison. Die Erklärung der Soziologen: Die Erwartungen der Paare an den Urlaub seien immens hoch, die Enttäuschung über den lustlosen Alltag umso frustrierender. Die Folge seien steigende Scheidungsraten im Zeitfenster nach dem Urlaub, wenn die Partner erkennen: Die Ferien haben es nicht gebracht.
Was können Paare dagegen tun, wenn so hohe Erwartungen auf dem Urlaub lasten, weil es im normalen Leben keine erfüllenden Paar-Momente gibt? Hier hilft der Blick in den Alltag. Wenn ein Paar wie Nathalie und Jan zu mir kommt, schauen wir: Wie läuft’s denn so, Tag für Tag, ganz konkret?
Was hingegen Nähe schafft, sind die kleinen, bewussten Momente, die wir unserem Partner oder unserer Partnerin widmen. Nähe in kleinen Dosen, sozusagen. Am besten jeden Tag. Ich nenne das „Inselmomente“.
Mit meinen beiden Klienten habe ich überlegt: Wie wäre es, wenn Sie einige der Dinge, die sie aufgeteilt haben, zusammen erledigen?
In diesen Momenten geht es übrigens nicht um das „Was“. Putzen, zum Briefkasten gehen, Essen kochen: Egal. Die Tätigkeit ist nur der Rahmen für die Inselmomente.
Dazu muss der Partner nicht einmal physisch anwesend sein. Es geht auch, wenn man sich den ganzen Tag nicht sieht. Mit Nathalie und Jan habe ich Ideen gesammelt: Der Inselmoment an einem Arbeitstag kann um elf Uhr sein, wenn beide gleichzeitig ihren Lieblingssong hören. Es kann ein Zettel von Nathalie sein - mit einem Liebesgruß, den Jan in seiner Jackentasche findet, wenn er ins Büro kommt. Es kann auch eine sexy Nachricht auf dem Handy sein: „Ich freue mich darauf, Dich heute Abend zu spüren. Ich liebe es, wie Du mich anlächelst“.
Fühlen Sie es. Schreiben Sie es. Tun sie es. Lassen sie zu, dass der Alltag für einen Moment auf „Pause“ steht. Solche Beziehungsmomente sind wirklich nachhaltig. Klar, Urlaub ist toll und kann vielleicht eine Beziehung auffrischen. Aber wie groß ist der langfristige Mehrwert? Wie viele Tage nach der Reise hält so ein Gefühl noch an? Meine Erfahrung: Eine Woche im Büro und der Urlaubseffekt ist weg. Eine Menge Geld kostet es außerdem. Dabei sind Inselmomente im Alltag so wertvoll - und unbezahlbar. Dann fühlt man sich verbunden. Tag für Tag. Weil diese wenigen Minuten zeigen, dass da jemand ist, der uns wertschätzt.
Nathalie und Jan waren anfangs skeptisch, ob sie es schaffen würden, im Alltag regelmäßig auf die Insel zu reisen. Trotzdem haben sie es vier Wochen lang ausprobiert.
Und nun sind Sie dran: Schon mal auf der Insel gewesen?
Wie es geht, wissen Sie schon, weil Sie bis hierher gelesen haben. Wie gut Insel-Momente tun, wissen Sie vielleicht auch? Überlegen sie, wann Sie einen Insel-Moment erlebt haben. Sammeln Sie die Erinnerung an zwei oder drei Insel-Momente und teilen Sie diese mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin. Sie werden merken: Allein diese Form der Wertschätzung tut gut. Und ist vielleicht eine Anregung, wieder öfter auf die Insel zu reisen.
Es ist wichtig, zwischen Sexualität und sexualisierter Gewalt zu unterscheiden. Denn für die Betroffenen hat es Folgen, wenn beides verknüpft wird.
Carsten Müller (Sexual- und Paartherapeut) schreibt unter dem Titel "Sex Matters" eine Kolumne für die Spektrum der Wissenschaft. Diese erscheint alle vierzehn Tage. Nun werden die Kolumnen auch in Bild und Ton auf diesem Kanal erscheinen. Abseits von der Schnelllebigkeit im Digitalen, nehmen wir uns die Zeit zum Vorlesen, Zuhören und Nachdenken. Stefanie Bohle (Sexualpädagogin) und Carsten Müller kommen nach jeder gelesenen Kolumne ins Gespräch und beleuchten einige inhaltliche Aspekte.Jede Kolumne bezieht die Zuschauer*innen mit ein und öffnet Räume zum Nachdenken, Schmunzeln, Reflektieren und Ausprobieren.
Link zur PKS 2021 (Polizeiliche Kriminalitätsstatistik) https://urlis.net/9q1soz06
Hier gibt es Hilfe und Beratung
• kostenloses Hilfetelefon sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530
• kostenloses Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen«: 08000 116016
• kostenloses Hilfetelefon »Gewalt an Männern«: 0800 1239900
• Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz
Für Kinder und Jugendliche
• Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800 111 0 333
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Link zur Studie Liebesleben in Deutschland: https://t1p.de/ephv
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Link zur Studie : Jugend und Pornografie: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-18859-7_5
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Link zu den Kolumnen bei Spektrum.de https://t1p.de/kpktz
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Link und Information zu Carsten Müller und Stefanie Bohle
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