Manchmal begegnet man einem Menschen, der auf dem Papier alles erreicht hat, was unsere Gesellschaft als Erfolg bezeichnet. Viel Geld, Sicherheit, Freiheit, ein Leben ohne finanzielle Sorgen. Ich habe kürzlich einen solchen Menschen kennengelernt, einen Millionär im Rentenalter, einen Atheisten, der sehr offen darüber spricht, wie es ist, reich zu sein. Und doch hat mich diese Begegnung auf eine Weise berührt, die ich nicht erwartet hätte. Nicht wegen seines Reichtums, sondern wegen dessen, was in seinen Erzählungen gefehlt hat.
Er sprach über sein Leben in Zahlen, über Investitionen, über kluge Entscheidungen, die sich ausgezahlt haben. Über Freiheit, die man sich erarbeitet und erkauft hat. Alles klang kontrolliert, rational, durchdacht. Doch während er erzählte, wurde mir immer deutlicher, dass zwischen all diesen Worten kaum Wärme lag. Kaum echtes Mitgefühl. Kaum Interesse an Menschen als fühlende Wesen. Beziehungen wirkten in seinen Erzählungen wie abgeschlossene Projekte, Gefühle wie etwas, das man analysiert, aber nicht wirklich zulässt.
Ich habe mich gefragt, wie es sich anfühlt, so viel zu besitzen und gleichzeitig so wenig berührbar zu sein. Reich an Geld, aber arm an Menschlichkeit. Vielleicht ist das eine Form von Armut, über die kaum gesprochen wird. Eine stille, unsichtbare Armut, die nicht im Außen auffällt, weil sie von Wohlstand überdeckt wird. Geld kann vieles erleichtern, es kann absichern, es kann Freiheit schenken, aber es kann keine Nähe ersetzen, keine Verbundenheit, kein echtes Interesse am Gegenüber.
Diese Begegnung hat mir gezeigt, dass ein erfülltes Leben nicht an Kontoständen messbar ist. Dass wahre Fülle dort entsteht, wo Menschen sich berühren lassen, wo sie zuhören, fühlen, sich selbst und andere ernst nehmen. Menschlichkeit ist keine Schwäche und kein Luxus, sie ist die eigentliche Substanz eines reichen Lebens. Vielleicht liegt der wahre Reichtum nicht darin, alles zu haben, sondern darin, noch etwas zu fühlen.
deine BUSE (Instagram @busenoor)