(Bildquelle: Elegoo / Bearbeitung: GIGA)
Mit einem Kampfpreis von unter 450 Euro will Elegoo den Markt für Heim-3D-Drucker aufmischen. Ich konnte den Centauri Carbon 2 vorab ausprobieren.
Elegoo erweitert sein Portfolio und bringt mit dem Centauri Carbon 2 Combo einen neuen 3D-Drucker auf den Markt, der sich gezielt an Heimanwender richtet. Das Gerät soll den oft komplexen Mehrfarbendruck vereinfachen und ihn damit auch für Einsteiger und Familien attraktiv machen. Ziel ist es, eine Brücke zwischen professioneller Leistung und einfacher Bedienbarkeit zu schlagen, um kreative Ideen unkompliziert in die Realität umzusetzen.
Centauri Carbon 2: Jetzt auch in Farbe
Das Herzstück des Druckers ist das intelligente „CANVAS“-System, das den Druck mit bis zu vier verschiedenen Farben gleichzeitig steuert. Es automatisiert den Farbwechsel und verfügt über eine RFID-basierte Filament-Erkennung, die Materialtypen selbstständig identifiziert und passende Einstellungen vorschlägt. Zusammen mit einer Ein-Klick-Kalibrierung und einer automatischen Nivellierung soll der gesamte Prozess vom Start bis zum fertigen Druckstück reibungslos ablaufen.
Der Centauri Carbon 2 Combo kann mit vier Farben drucken. (Bildquelle: Elegoo)
Elegoo hat den Centauri Carbon 2 Combo für den Einsatz im Wohn- oder Arbeitsumfeld konzipiert. Mit einer Lautstärke von nur 45 Dezibel arbeitet das Gerät angenehm leise, während die Bedienung über einen 5-Zoll-Touchscreen erfolgt, der elf Sprachen unterstützt. Dank einer geschlossenen Baukammer und einer gehärteten Stahldüse, die Temperaturen bis 350 Grad Celsius erreicht, ist der Drucker nicht nur auf einfache Materialien wie PLA beschränkt. Er kann auch anspruchsvollere Filamente wie PETG oder faserverstärkte Kunststoffe zuverlässig verarbeiten.
Mit diesem Gesamtpaket positioniert sich Elegoo als direkter Konkurrent zu etablierten Marken wie Bambu Lab, die den Mehrfarbendruck für den Heimgebrauch populär gemacht haben. Das zugehörige Ökosystem verbindet die Entdeckung von 3D-Modellen über die Plattform Nexprint, die Druckvorbereitung mit dem ELEGOOSlicer und die Fernsteuerung per MATRIX-App. Der Drucker soll zeigen, dass hohe Geschwindigkeiten und unkomplizierte Technik zum neuen Standard im Heimbereich werden.
Der Elegoo Centauri Carbon 2 Combo ist ab sofort über die offizielle Webseite des Herstellers erhältlich. Der Preis liegt bei 439 Euro (bei Elegoo anschauen). Das Bauvolumen beträgt 256 × 256 × 256 Millimeter, was für die meisten Projekte im Heimbereich ausreichen dürfte.
Erste ErfahrungenNicht jede Filamentrolle passt ohne Adapter auf die Halterung. (Bildquelle: GIGA)
Der Centauri Carbon 2 war der erste 3D-Drucker von Elegoo, den ich bisher ausprobieren konnte. Der Zusammenbau war im Vergleich zu einem Bambu-Lab- oder Creality-3D-Drucker etwas kompliziert. Das „CANVAS“-System sitzt außen und es muss einiges zusammengebaut und angeschraubt werden. Nach etwa einer Stunde war der Part erledigt.
Der Lüfter hatte sich beim Transport gelöst. Hier seht ihr ihn wieder in der Halterung und den Filter. (Bildquelle: GIGA)
Nach dem Einschalten gab es direkt die erste Enttäuschung. Der Lüfter wurde beim Transport gelöst. Er ist aus den Gummihalterungen gefallen. Ich musste die Rückseite entfernen und habe den Lüfter in die Halterungen geschoben. Das will man bei einem neuen 3D-Drucker eigentlich nicht machen.
Weiterhin weist der 3D-Drucker im Ruhezustand ein deutlich hörbares Spulenfiepen auf. Laut Elegoo soll es sich nur um ein Problem beim Vorseriengerät handeln. Mir wurde ein neues Mainboard zugeschickt, das das Problem beheben sollte. Leider tat es das nicht, weil mir einfach noch ein älteres Mainboard geschickt wurde. Ein zweites neues Mainboard ist auf dem Weg, kam zum Release dieses Artikels aber nicht rechtzeitig.
Gute und schnelle 3D-DruckeMit der 3D-Drucker bin ich seit dem letzten Software-Update sehr zufrieden. (Bildquelle: GIGA)
Die oben erwähnten Anfangsschwierigkeiten haben den 3D-Druck an sich aber nicht negativ beeinflusst. Tatsächlich war ich, zumindest nach dem letzten Firmware-Update, sehr beeindruckt von der Druckqualität. Ich habe einige Modelle in einer und mehreren Farben gedruckt und diese mit meinem Bambu Lab P2S verglichen. Die Druckzeit und Qualität waren beim Centauri Carbon 2 genauso gut und schnell – teilweise aber sogar besser.
Die Oberflächen wirken sehr glatt und einheitlich. (Bildquelle: GIGA)
Besonders gut gefallen hat mir die Oberflächenbeschaffenheit. Bei meinem Bambu Lab sehe ich auf der Oberfläche oft Wellen oder Ghosting. Beim Elegoo war das deutlich weniger zu sehen. Die automatischen Einstellungen sind also etwas besser – auch wenn man mit generischen Filamentprofilen druckt.
Bis zu vier Farben gleichzeitig sind möglich. (Bildquelle: GIGA)
Das Drucken in Farbe war genauso wenig ein Problem. Ihr könnt die Filamentrollen per RFID einscannen und bekommt die idealen Einstellungen ins System. Alternativ könnt ihr die Einstellungen selbst vornehmen. Das Filament wird an der Seite gelagert und ist so gut zugänglich.
Das Canvas-System sitzt an der rechten Außenseite. Dort befindet sich auch der RFID-Scanner. (Bildquelle: GIGA)
Was mir wirklich gut gefallen hat, ist die Druckplatte. Ihr bekommt eine normale Druckplatte auf einer Seite und eine Cold-Plate auf der anderen Seite. Wenn ihr kalt drucken wollt, müsst ihr also nicht eine Platte kaufen. Das mache ich immer gerne, um Energiekosten zu sparen. Die Druckplatte von Elegoo hat bei PLA und 35 Grad keine Schwächen gezeigt. Alles blieb auf der Platte und selbst große und lange Drucke waren an den Seiten fest.
Das Ökosystem
Elegoo wirbt mit einem guten Ökosystem aus Nexprint, dem ELEGOOSlicer und der MATRIX-App. Die sind für sich ganz okay. Das größte Problem damit ist, dass sie nicht verbunden sind. Ihr könnt also nicht mit der MATRIX-App auf Nexprint zugreifen und dort einen Auftrag an euren Centauri Carbon 2 schicken.
In der MATRIX-App könnt ihr den 3D-Druck beobachten. (Bildquelle: GIGA)
Selbst im ELEGOOSlicer ist standardmäßig nicht alles sinnvoll. Nach dem Slicen ist voreingestellt, dass ihr die Datei als G-Code exportiert. Jedes einzelne Mal muss ich umstellen, dass ich die Datei an den 3D-Drucker schicken muss. Das ist echt nervig. Genauso nervig ist auch, dass die MATRIX-App keine Benachrichtigung rausschickt, wenn ein Druck fertig ist.
Der Slicer funktioniert ähnlich wie bei der Konkurrenz, hat aber hier und da kleine Schwächen. (Bildquelle: GIGA)
Wenn das Ökosystem für Elegoo so eine große Rolle spielt, dann müssen alle drei Plattformen nahtlos zusammenarbeiten, wie man es von Bambu Lab kennt. Das ist ja nicht erst seit gestern der Fall, sondern schon seit Jahren.
Die OptikIns Wohn- oder Arbeitszimmer würde ich mir das nicht stellen. Bei mir steht der 3D-Drucker im Abstellraum. (Bildquelle: GIGA)
Der Centauri Carbon 2 sieht optisch ganz okay aus. Ich persönlich würde ihn mir aber nicht in einen sichtbaren Bereich im Wohnzimmer stellen, auch wenn er relativ leise arbeitet. Dazu sieht er mir zu verbastelt aus.
Die Filamentrollen sitzen an der Seite und sind der Umgebung ausgesetzt. Da hätte Elegoo auch irgendwie eine Lösung finden können, damit man das Filament trocken halten kann.
Das Display des Elegoo Centauri Carbon 2 hat mir hingegen sehr gut gefallen. (Bildquelle: GIGA)
Der Deckel auf der Oberseite sieht auch nicht wirklich schön aus. Hier folgt das Design der Funktion. Mich nervt beispielsweise auch, dass die PTFE-Schläuche beim Drucken andauernd irgendwo anstoßen. Das macht unnötig Geräusche. Und ich habe bereits zusätzliche Clips gedruckt, die die Schläuche in einer Position halten.
Fazit
Wenn ihr rein auf die Druckqualität achtet und euch auskennt mit 3D-Druck, dann könnte der Centauri Carbon 2 zu dem verlangten Preis eine gute Wahl für euch sein. Ich persönlich möchte so einfach wie möglich drucken. Und dafür habe ich am Elegoo-Modell einfach zu viel basteln müssen.
Ich finde das Preis-Leistungs-Verhältnis zwar gut, bevorzuge aber weiterhin meinen Bambu Lab P2S. Da funktioniert das Ökosystem perfekt. RFID-Spulen werden direkt im AMS gelesen und können sogar getrocknet werden. Sollte Elegoo das irgendwann auch schaffen, könnte ich mir einen 3D-Drucker von diesem Hersteller auch vorstellen.
Elegoo ist mit dem Centauri Carbon 2 dort, wo andere Hersteller vor zwei Jahren waren. Sie fangen jetzt erst mit dem Farbdruck an. Die Konkurrenz ist mittlerweile dabei, mit mehreren Düsen und Druckköpfen zu arbeiten, um Abfälle zu reduzieren. 2026 muss meiner Meinung nach mehr drin sein.