Der EcoFlow Stream Ultra umgeht die 800-Watt-Grenze. (Bildquelle: GIGA)
EcoFlow hat mit dem Stream Ultra einen komplett neuen Balkonkraftwerk-Speicher entwickelt, der die bisherige Grenze von 800 Watt geschickt umgeht. Selbst über Ikea wird das System mittlerweile verkauft. Ich habe 15 Wochen damit verbracht. Der Anfang war schwer, doch die Möglichkeiten sind vielfältig.
Fazit zum EcoFlow Stream Ultra
EcoFlow hat mit dem Stream Ultra einen Balkonkraftwerk-Speicher gebaut, der mit einem cleveren Trick die in Deutschland geltende 800-Watt-Einspeisegrenze umgeht. Für sich allein arbeitet er dabei wie jeder andere Balkonkraftwerk-Speicher. Ihr könnt bis zu vier Solarmodule anschließen und auf einen etwa 2 kWh großen Akku zugreifen. Eingespeist wird entweder mit einem statischen Wert, den ihr als Grundlast festlegt, oder mit dem tatsächlichen Verbrauch per Smart Meter.
Die wahre Magie beginnt erst in Verbindung mit den AC-Pro-Zusatzspeichern. Während andere Hersteller die Kapazität der Balkonkraftwerk-Speicher erweitern, indem sie mehrere Akkus stapeln, geht EcoFlow einen anderen Weg. Die Zusatzspeicher werden dort aufgestellt, wo die Verbraucher stehen.
Der Stream Ultra kommuniziert dann mit den AC-Pro-Speichern per WLAN und lädt diese über den Tag hinweg langsam auf, wenn die Sonne scheint. Da jeder Speicher über zwei Steckdosen verfügt, die bis zu 2.300 Watt ausgeben können, könnt ihr so mehr also die sonst maximal möglichen 800 Watt abrufen.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten funktionieren der Stream Ultra und die AC-Pro-Zusatzspeicher nach einigen Firmware-Updates genau so, wie es EcoFlow zu Beginn versprochen hat. Wer also maximal sparen und noch weniger Strom aus dem Netz kaufen möchte, sollte sich den Akku-Speicher anschauen (bei EcoFlow anschauen).
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Vorteile:
All-in-One-DesignViel LeistungAkkuspeicher erweiterbar4 MPPT-LadereglerZwei SteckdosenEinfache InstallationGerüstet für den Winter bis –20 Grad CelsiusIP65-ZertifizierungKompatibel mit dynamischen StromtarifenSmart Meter nicht zwingend notwendig
Nachteile:
Abo für vollen FunktionsumfangSpeicher machen GeräuscheLED-Licht nicht abschaltbarKeine Akku-PriorisierungDoppelter LadeverlustHolpriger Start
Insgesamt hatte ich den EcoFlow Stream Ultra mit mittlerweile drei AC-Pro-Zusatzspeichern 15 Wochen im Einsatz. Erst fünf Wochen vor Veröffentlichung dieses Tests hat das System dann so funktioniert, wie es EcoFlow versprochen hat. Bis dahin hatte ich diverse Probleme:
Die AC-Speicher machen verschiedene Geräusche: Es gab ein Fiepen, leises Knistern und das Relais schaltete sehr laut, wenn das Laden begann. Irgendwann haben sich die einzelnen Speicher im gleichen WLAN nicht mehr erkannt. Für eine gewisse Zeit wurde nur der Ultra-Speicher aufgeladen. Danach hat die Ladung per Solar einfach gestoppt und die AC-Speicher wurden nicht mehr geladen. Die Umstellung der Backup-Reserve, die das Problem mit dem Laden der AC-Speicher lösen sollte, hat dann plötzlich teuren Strom aus dem Netz gezogen – und das gleichzeitig und mit fast 5 kW.
Im Normalfall hätte ich die anfänglichen Schwierigkeiten in meinem Test gar nicht erwähnt, weil ich die Geräte vor dem offiziellen Marktstart bekommen habe und es normal ist, dass dann noch nicht alles funktioniert. Bis zum Marktstart sind die Probleme meist behoben.
Hier war das nicht der Fall. Selbst ausgelieferte Geräte hatten noch mit einigen der oben genannten Probleme zu kämpfen. Das darf nicht passieren. Wenn etwas beim Endkunden landet, muss es wie versprochen funktionieren. Nach einigen Firmware-Updates für die Speicher und App-Updates laufen zumindest die Grundfunktionen.
Überall Akku-SpeicherMöchte ich den Akku so in der Küche stehen haben?
Ihr könnt den EcoFlow Stream Ultra wie jeden anderen Balkonkraftwerk-Speicher verwenden. Dazu schließt ihr bis zu vier Solarmodule an und speist die benötigte Energie über die Steckdose ins Hausnetz ein. Maximal sind so aber nur 800 Watt möglich.
Ihr könnt bis zu vier Solarmodule anschließen.
Die echte Stärke spielt das System erst aus, wenn ihr zusätzliche AC-Pro-Speicher holt. Diese platziert ihr bei Geräten, die viel Energie auf einmal verbrauchen. Bei mir waren das die Klimaanlage, die Waschmaschine und der 3D-Drucker.
Das System funktioniert dann ganz einfach. Der EcoFlow Stream Ultra steht bei den Solarmodulen und ist an die Steckdose angeschlossen. Die AC-Pro-Speicher stehen da, wo ihr die Verbraucher stehen habt.
An jedem Speicher befinden sich zwei Steckdosen.
Schließt ihr eine Waschmaschine an eine der zwei Steckdosen am AC-Pro-Speicher an, dann holt sich die Waschmaschine ihre Energie in erster Linie aus dem Speicher und nicht aus dem Stromnetz. Das können auch mehr als 800 Watt sein. Bis zu 1.200 Watt sind mit einem AC Pro möglich. Verbindet ihr zwei AC-Pro-Speicher mit einem Kabel, sind bis zu 2.300 Watt möglich.
Der Clou: theoretisch landen so bei der Waschmaschine bis zu 2.000 Watt reine Sonnenenergie. 1.200 Watt aus dem AC Pro, den ihr vorher mit Sonnenenergie aufgeladen habt, und 800 Watt maximaler Einspeisung ins Hausnetz vom Stream Ultra. Braucht die Waschmaschine noch mehr Energie, wird erst danach Strom aus dem Netz gezogen, den ihr auch bezahlen müsst.
Das klingt im ersten Moment sehr kompliziert, ist aber ganz einfach, weil das System so gut wie alles von selbst macht. Im Gegensatz zu anderen Balkonkraftwerk-Speichern benötigt ihr für den Einsatz nicht einmal einen Smart Meter, weil alle Speicher ganz einfach über das WLAN direkt kommunizieren. Damit eignet sich das System perfekt für Wohnungen, wo der Zähler beispielsweise unerreichbar im Keller ist.
Ich habe trotzdem einen Shelly 3EM genutzt. Der arbeitet wunderbar mit dem ganzen System zusammen. Ihr könnt auch die KI-Funktion nutzen, doch die muss später bezahlt werden. Das lohnt sich meiner Meinung nach nicht, weil die Amortisierung des Speichers durch das Abo verzögert wird.
Das ideale Setup sieht für mich so aus:
EcoFlow Stream Ultra bei den Solarmodulen. Ein AC Pro per Kabel am Stream Ultra, um die Kapazität auf fast 4 kWh zu verdoppeln. Überall dort ein AC Pro hinstellen, wo große Verbraucher stehen. Beispielsweise bei der Waschmaschine, beim Trockner oder wie bei mir bei der Klimaanlage.
So könnt ihr das Optimum aus dem System herausholen und deckt die größten Verbraucher mit über 800 Watt in einem Haushalt ab, die über eine Steckdose angeschlossen sind.
Was nicht klappt: Mein Wasserkocher lässt sich über die AC Pro nicht betreiben. Das Gerät zieht einfach zu viel Energie und der Speicher steigt aus. Der OptiGrill und die Heißluftfritteuse haben hingegen funktioniert.
Mit der App alles im BlickIn der App habt ihr jeden Speicher im Blick.
EcoFlow hat passend zum neuen Stream Ultra seine App stark überarbeitet. Dort ist nun eine neue Übersicht zu finden, in der ihr alle einzelnen Akku-Speicher mit deren Ladestatus sehen könnt.
Das sind die zwei wichtigsten Einstellungsmöglichkeiten.
Wirklich viel selbst einstellen könnt ihr nicht, weil das meiste vom EcoFlow-System selbst entschieden wird.
Wichtig ist, dass ihr die „Backup-Reserve“ niedrig genug einstellt, damit die Speicher auch entladen werden. Die 13 Prozent gelten bei mir als Durchschnitt für alle verlinkten Speicher. Ich habe den Wert immer wieder auf 10 Prozent stellen wollen, das hat das System dann wieder rückgängig gemacht. Wieso weiß ich auch nicht.
Die „Lade- & Entladegrenze“ ist auch sehr wichtig. Diese legt ihr auch für alle Speicher fest. Das System funktioniert so, dass zunächst der Stream Ultra und dann die AC-Pro-Speicher langsam aufgeladen werden. Stellt ihr die Ladegrenze niedriger ein, dann landet die Energie schneller im AC-Pro-Speicher.
Mir fehlt hier ganz klar eine individuelle Priorisierung der einzelnen Speicher. Ich brauche im Stream Ultra nicht zuerst die ganze Energie, sondern im Akku im Abstellraum, wo die Waschmaschine angeschlossen ist. Dort will ich für den Waschvorgang die Energie haben. Da sollte EcoFlow eine Option einführen, damit man selbst bestimmen kann, wo die Energie landet.
Ich habe mir damit beholfen, dass ich die AC-Pro-Speicher an WLAN-Steckdosen angeschlossen habe. Wenn ich im Gartenhaus zum Laden des E-Bikes oder E-Scooters in absehbarer Zeit keine Energie brauche, habe ich den Speicher einfach ausgeschaltet. Das ist aber ein unnötiger Umweg, den EcoFlow ganz einfach per Software lösen könnte.
Alle Funktionen nur mit Abo.
Ich bin kein großer Fan davon, dass ihr das volle Potenzial des EcoFlow-Speichers nur per Abo abrufen könnt. Da sich die Zusatzfunktionen in erster Linie an Menschen richten, die einen dynamischen Stromtarif haben, dürfte die Zahl der Betroffenen noch nicht so hoch sein. Trotzdem finde ich es unschön, wenn man bei einem so hohen Preis auch noch Abogebühren für Features bezahlen muss, die andere Hersteller kostenlos anbieten.
Doppelter Ladeverlust
Bei diesem EcoFlow-System müsst ihr mit einem doppelten Ladeverlust leben. Während des langen Testzeitraums konnte ich genau beobachten, wie die einzelnen Akkus geladen wurden.
Zunächst wird der Akku des Stream Ultra über die angeschlossenen Solarmodule aufgeladen. Hier habt ihr den ersten Ladeverlust. Der ist bei jedem Akku-Speicher vorhanden – also ganz normal.
Um die AC-Pro-Speicher zu laden, entlädt EcoFlow den Ultra-Akku bis zu einem gewissen Punkt und lädt ihn dann wieder auf, bis das Ladelimit erreicht ist. Durch das Entladen des Ultra und Laden des AC Pro habt ihr noch einmal einen Ladeverlust. Ihr verliert auf dem Weg bis zum AC Pro also einiges an produzierter Sonnenenergie.
Große Akkuspeicher im Wohnraum
Wollt ihr wirklich die maximale Ersparnis herausholen, dann müsst ihr einige AC-Pro-Akkus in den Wohnräumen verteilen – und die benötigen Platz und kosten viel Geld. Außerdem machen die AC-Pro-Akkus hin und wieder Geräusche. Daneben schlafen könnte ich nicht. Im Abstellraum bei der Waschmaschine war es aber kein Problem.
Bei der Klimaanlage fand ich den Akku sehr praktisch.
Letztlich muss man selbst wissen, ob man wirklich überall diese 2-kWh-Akkus in der Wohnung stehen haben möchte. Ich glaube zwar nicht, dass sie gefährlich sind, es gibt aber einen Grund, wieso ich für meine Akku-Tests extra eine eigene Hütte im Garten gebaut habe, wo die Akkus etwas abseitsstehen. Wenn da doch etwas passieren sollte, ist das halb so schlimm.
Lohnt sich der Aufwand überhaupt?
Am Ende stellt sich die große Frage, ob sich der ganze Aufwand mit den Akkus im Haus oder der Wohnung auch wirklich lohnt. Und da kann ich nur aus meiner persönlichen Erfahrung und einem wichtigen Test für mich sprechen.
Ich habe mit der Anker Solix Solarbank 3 Pro im Mai 2025 nur 21 kWh Strom kaufen müssen. Das hätte ich sicher auch mit der EcoFlow Ultra mit den drei Zusatzakkus geschafft. Vielleicht hätte ich sogar noch etwas mehr gespart, wenn ich die vier Waschvorgänge in dem Monat auch mit der Energie aus den Akkus gemacht hätte.
Dann hätte ich vermutlich nur 19 kWh Strom einkaufen müssen. Wie ihr seht, ist der Unterschied gering. Das Umgehen der 800-Watt-Grenze klingt im ersten Moment zwar ziemlich gut, doch ihr spart mit viel Aufwand nur etwas mehr Geld als mit einem großen Akku-Speicher, der einfach irgendwo an einer Stelle steht.