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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Geliebte Gottes in Tailfingen,
Lasst mich das Jahr mit einer provokanten Frage beginnen: Wofür steht eigentlich die evangelische Kirche? Das ist keine Frage, die von mir stammt, sondern eine, die landauf-landab durchaus gestellt wird. Von Medien wie Spiegel oder FAZ, von Christ:innen anderer Konfessionen in der ökumenischen Begegnung, von Menschen, die in ihrer eigenen Kirche keine Heimat mehr finden und sich fragen, ob es sich lohnen könnte, evangelisch zu werden. Die Frage wird genauso gestellt von evangelischen Christ:innen, die sich fragen, ob es sich noch lohnt, länger Mitglied zu bleiben und Kirchensteuer zu zahlen. Und von anderen, die sich fragen, was eigentlich die zentrale Botschaft ihrer Kirche ist. Den einen reden wir zuviel über's Klima, den anderen zu wenig. Die einen wünschen sich mehr gesellschaftspolitische Impulse, die anderen mehr Spiritualität oder Bekehrungspredigten.
Wofür steht die evangelische Kirche? Und, damit das nicht zu einer allgemeinen Kirchenkritik an EKD oder württembergischer Landeskirche wird: Wofür steht die evangelische Kirche in Tailfingen? Oder noch direkter, weil Kirche ja nicht irgendeine abstrakte Größe ist, sondern wir alle -- ihr, die ihr hier sitzt und viele andere, die jetzt nicht hier sind -- Kirche sind: Wofür stehst du als evangelische:r Christ:in?
Ich behaupte, dass das beileibe keine unnötige Frage ist, in Zeiten wie diesen, wo die Kirchen kleiner werden und die Probleme größer. Was ist denn die Botschaft, die wir zu bringen haben in ungewissen Zeiten von Krieg und Inflation, von Energiekrise und Lieferkettenproblemen, von kalten Wohnzimmern und leeren Konten, von heißen Wintertagen und schneelosem Weihnachten? Was ist denn das, was die Menschen sehen, hören und erleben, wenn sie uns begegnen? Wenn sie unsere Gottesdienste besuchen? Wenn sie uns von unserem Glauben reden hören und unseren Glauben leben sehen? Braucht es uns überhaupt? Welche Stimme würde untergehen, welches Licht verlöschen, wenn wir nicht mehr da wären?
Wofür stehen wir, heute, an Epiphanias 2023 und an 359 weiteren Tagen in diesem Jahr? Dieser Tag heute erzählt von der Strahlkraft eines Sterns, die groß genug war, dass Menschen ihr Land verließen und in die Ferne reisten, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen. Dieser Tag erzählt von dem, was sie gefunden haben. Welche Strahlkraft geht von uns und unserem Evangelium aus? Was finden die Menschen, wenn sie hierher finden? Oder anders gefragt: Wie schön leuchtet der Morgenstern denn in Tailfingen?
Wenn wir Paulus fragen würden, nach dem diese Kirche hier benannt ist, dann wäre das alles ganz klar. Hört einmal, was er in seinem 2. Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt, im 4. Kapitel:
3 Ist aber unser Evangelium verdeckt, so ist's denen verdeckt, die verloren werden, 4 den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes. 5 Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. 6 Denn Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. (2. Kor 4,3-6)Eigentlich ist damit doch alles beantwortet und diese Predigt könnte schon zu Ende sein. Wofür wir stehen ist das Licht des Evangeliums. Das ist nicht irgendeine theoretische Größe, ein dogmatisches Lehrwerk oder ein Bekenntnis, das man auswendig lernen kann. Das Licht des Evangeliums kommt von einer Person -- von Jesus Christus selbst, der gekommen ist als Herr der Welt, als Ebenbild Gottes. Sein Licht leuchtet in unseren Herzen und, so hofft es Paulus (und ich mit ihm) durch uns auch in die Welt. Denn, wo sein Schein verdeckt ist, da gehen Menschen in der Dunkelheit verloren.
Wir stehen für das Evangelium des zu uns gekommenen Herrn Jesus Christus!
Amen.
Wobei... wartet!
Das klingt alles gut und ganz einfach. Ist es im Grunde auch: Wir müssen es nur noch im praktischen Leben ausbuchstabieren, so dass die ganze Welt es sieht. Oder zumindest Tailfingen. Das wäre ja schonmal ein Anfang.
Und vermutlich wird das ganze restliche Jahr 2023 dafür kaum genug Zeit sein, so viel steckt da drin. Als kleine Hilfestellung will ich heute ein paar Aspekte davon anreißen -- damit das Licht des Morgensterns hier im Gottesdienst und in unseren Herzen schon einmal ganz hell aufleuchtet und der Schein nachher mit uns geht, genug für jeden Tag. Jesus Christus also -- der Morgenstern. Ich mache ein paar Anleihen beim Liederdichter bei Johann Ludwig Konrad Allendorf, der das 1736 so schön in sein "Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude" gefasst hat.
Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude.
Geliebte Gottes, lasst uns 2023 deutlich sichtbar Menschen der Freude in Tailfingen sein. Nicht nur bei unserem großen Festival, das wir für den Sommer geplant haben. Sondern jeden Tag. Ich glaube, das braucht es ganz dringend. Nach drei Jahren Corona, nach Krieg und Teuerung und angesichts so vieler Ungewissheiten ist die Freude ja vielen abhanden gekommen. Wie oft werden nur noch verbissen Meinungen vertreten. Wie oft sieht man nur noch das Negative. Wie oft habe ich schon gehört, dass unser Land "abgewirtschaftet habe". Wir könnten alle dringend mal wieder ein wenig Freude gebrauchen. Oder besser gleich ganz viel. Und damit meine ich nicht eine Freude, die all das Schlimme einfach mal einen Moment lang vergisst, um wenigstens eine Weile mal wieder ungestört fröhlich sein zu können. Wir alle wissen, dass das nicht funktioniert. Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude. Das ist es, was wir alle brauchen. Ewige Freude. Wir brauchen die Botschaft, die wir an Weihnachten gefeiert haben, die Botschaft von der dieser Epiphaniastag handelt: Dass Gott uns Menschen ganz nahe kommt. Immanuel: Gott mit uns. Dass er uns nicht vergessen hat, sondern sich an unsere Seite stellt. Dass bei aller Ungewissheit A und O, Anfang und Ende in ihm vereint liegen und dass er, der Anfang und das Ende aller Dinge, ganz gewiss für uns ist. Diese Botschaft hat einen Namen: Jesus. Lasst uns 2023 für ihn stehen! Dann leuchtet der Morgenstern auch hier.
Jesus ist kommen, nun springen die Bande.
Geliebte Gottes, lasst uns 2023 laut von dem Jesus erzählen, der Menschen frei macht. Nicht nur in alten Geschichten -- sondern auch heute. In einer Welt, in der einschneidende Lösungen plötzlich alternativlos sind, in der Menschen sich in alle möglichen Ecken und Richtungen und Verschwörungserzählungen einsperren lassen -- lasst uns für die eine Botschaft stehen, die wahrhaft und kompromisslos frei macht: Von Gott, der uns durch Jesus Christus gnädig ist. Von seiner Liebe und Annahme für alle Menschen. Von seiner bedingungslosen Zuwendung zu uns. Davon, dass man bei ihm nicht erst jemand sein muss. Dass man nicht die richtige Abstammung oder Ausbildung oder politische Ausrichtung oder Sexualität oder Frömmigkeit oder was auch immer braucht. Sondern dass man einfach geliebt ist bei ihm. Das ist es, was Luther die Freiheit eines Christenmenschen nennt. Lasst uns 2023 als fröhliche, freie Menschen leben -- ohne Zwang und das direkt im Angesicht der Welt, die Freiheit sucht und immer weniger davon findet. Und lasst uns, befreit von dem Zwang, etwas verdienen zu müssen, frei sein, selbst zu lieben wie Gott es tut. Wenn sie uns fragen, wie wir so sein können, dann zeigen wir auf den, in dem das alles wahr wird: Auf Jesus. Lasst uns 2023 für ihn stehen! Dann leuchtet der Morgenstern auch hier.
Jesus ist kommen, der starke Erlöser, bricht dem gewappneten Starken ins Haus.
Geliebte Gottes, lasst uns 2023 für den Frieden stehen. Der fehlt ja gerade so dringend in unserer Welt. Die Lösungen sind rar. Die Prognosen sind schlecht. Selbst untereinander sind wir uns nicht einig, was angesichts des Krieges denn nun die beste Handlungsweise wäre. Zu stark, zu überwältigend scheinen die Mächtigen, die da im Moment um ihre Positionen streiten. Aber ist das denn wirklich so anders, wie es schon immer war? Die Weihnachtsgeschichte beginnt mit Augustus. Auch so ein Mächtiger. Ihm stellt sie einen entgegen, der nicht mit noch mehr Stärke auftrumpft -- und gerade deshalb alles verändert. Seine Botschaft ist die von einem Reich Gottes, das ganz anders ist als alle Reiche und Machtstrukture dieser Welt. Ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit -- nicht nur eine Utopie für irgendeine ewige Zukunft, sondern, das betont er immer "ganz nahe gekommen" durch ihn. Lasst uns 2023 so leben, als wären wir bereits Bürger dieses so anderen Reichs -- weil wir es auch sind. Gott stellt sich immer wieder gerade auf die Seite der Schwachen, der Machtlosen. Jesus sagt: "Selig sind die Sanftmütigen. Selig sind die Friedensstifter." Das könnten 2023 doch wir sein -- an allen Ecken und Enden. Die Welt braucht keine halbgaren Kompromisse, keinen Waffenstillstand, sondern echten Frieden. Und der hat einen Namen: Jesus. Lasst uns 2023 für ihn stehen! Dann leuchtet der Morgenstern auch hier.
Jesus ist kommen, der Fürste des Lebens.
Geliebte Gottes, lasst uns 2023 für das Leben stehen! Lasst uns suchen und sagen und machen, was das Leben fördert -- in allen Bereichen. Gott selbst ist es, der uns Leben schenkt. Lasst uns jeden Menschen um uns herum mit diesen Augen sehen: Als ein Geschenk Gottes, als sein Ebenbild, als unendlich geliebt und wertvoll. Lasst uns das Beste für jeden dieser Menschen suchen. Lasst uns aufstehen, da wo das Beste Menschen genommen wird. Lasst uns Gott in den Augen und Händen und im Leben des anderen entdecken. Vielleicht begegnet uns Christus genau da! Dann leuchtet der Morgenstern auch für uns noch viel heller.
Bei alledem werden wir wahrscheinlich auch ganz schnell an unsere Grenzen stoßen. Das hat das Leben so an sich in dieser Welt. Die Begrenztheit ist ein Teil davon. Immer wieder stehen wir betroffen da, wenn der Tod eines Menschen uns das ganz schmerzlich bewusst macht. Aber wo wir Grenzen haben, da hat Gott keine. Selbst der Tod hat durch Jesus Christus seine unbarmherzige Endgültigkeit verloren. Er ist auferstanden! Wahrhaftig auferstanden! Und er verspricht uns Anteil an seinem neuen Leben.
Geliebte Gottes, lasst uns das 2023 nicht nur an Ostern feiern und nicht nur auf dem Friedhof bekennen. Lasst uns jeden Tag mit dieser Perspektive angehen. Wir haben Hoffnung! Wir haben Zukunft! Wir haben Leben! Das brauchen wir, das braucht die Welt. Und dieses Leben hat einen Namen: Jesus. Lasst uns 2023 für ihn stehen! Dann leuchtet der Morgenstern auch hier.
Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden.
Geliebte Gottes, lasst uns 2023 für die Vergebung stehen. So vieles ist geschehen und geschieht täglich in der Welt, wo Gutes unwiderruflich kaputt geht. Jeder von uns tut Dinge, die wir nicht zurücknehmen können. Und jeder von uns leidet daran. Manche zerbrechen an der Wucht dessen, was man ihnen angetan hat. Manches ist so massiv, dass es unmöglich wird, jemals wieder Gutes und Frieden und Freude zu finden. Wir kennen einen, der den Hass überwunden hat. Wir kennen einen, der das Böse besiegt hat. Wir wissen von dem, dem sein Leben nicht zu schade war, um die ganze Dunkelheit der Welt auf sich zu nehmen. Wir leben von der Vergebung und der Gnade und Liebe, die uns Gott in Jesus Christus zeigt. Wenn jemand die Antwort weiß auf die tiefen Risse und die garstigen Wunden, die Menschen mit sich herumtragen, dann sind wir das. Wir wissen, wie Vergebung aussieht. Wir wissen, wie Liebe alles verändert. Wir kennen die Antwort und die Antwort hat einen Namen: Jesus. Lasst uns 2023 für ihn stehen! Dann leuchtet der Morgenstern auch hier.
Jesus ist kommen, sagt's aller Welt Endne.
Geliebte Gottes, ich könnte noch lange weiter machen. Allein das Lied hat 9 Strophen und nirgends steht, dass das alles ist, was wir in Jesus haben. Ich bin mir sicher, es gibt nicht genügend Sekunden in 2023, um abschließend von der Herrlichkeit dessen zu erzählen, was Gott uns in Christus schenkt. Das soll uns auf keinen Fall davon abhalten, wenigstens anzufangen.
Geliebte Gottes, wenn am Epiphaniastag 2024 jemand fragt, wofür die evangelische Kirche steht, die Kirchengemeinde in Tailfingen, wofür wir stehen, dann wird ein Jahr hinter uns liegen mit ganz vielen Dingen, zu denen wir etwas gesagt und getan haben. Ich wünsche mir, dass wir alles, was uns in diesem Jahr begegnet, von Jesus her anschauen. Von Jesus her anpacken. Dass wir so leben, reden und handeln, dass Jesus darin sichtbar wird.
Geliebte Gottes, ich wünsche mir so sehr, dass wenn 2024 dieselbe Frage wieder gestellt wird, jeder wie aus der Pistole geschossen antworten kann, was man an uns das ganze Jahr gesehen hat: Jesus.
Jesus. Jesus.
So schön leuchtet der Morgenstern. Sein Licht ist es, das unsere Herzen erleuchtet. Möge es hell sein, dass jeder es sieht.
Dass man über Tailfingen 2023 schreiben kann:
Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. 6 Denn Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. (2. Kor 4,5-6)Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Geliebte Gottes in Tailfingen,
Lasst mich das Jahr mit einer provokanten Frage beginnen: Wofür steht eigentlich die evangelische Kirche? Das ist keine Frage, die von mir stammt, sondern eine, die landauf-landab durchaus gestellt wird. Von Medien wie Spiegel oder FAZ, von Christ:innen anderer Konfessionen in der ökumenischen Begegnung, von Menschen, die in ihrer eigenen Kirche keine Heimat mehr finden und sich fragen, ob es sich lohnen könnte, evangelisch zu werden. Die Frage wird genauso gestellt von evangelischen Christ:innen, die sich fragen, ob es sich noch lohnt, länger Mitglied zu bleiben und Kirchensteuer zu zahlen. Und von anderen, die sich fragen, was eigentlich die zentrale Botschaft ihrer Kirche ist. Den einen reden wir zuviel über's Klima, den anderen zu wenig. Die einen wünschen sich mehr gesellschaftspolitische Impulse, die anderen mehr Spiritualität oder Bekehrungspredigten.
Wofür steht die evangelische Kirche? Und, damit das nicht zu einer allgemeinen Kirchenkritik an EKD oder württembergischer Landeskirche wird: Wofür steht die evangelische Kirche in Tailfingen? Oder noch direkter, weil Kirche ja nicht irgendeine abstrakte Größe ist, sondern wir alle -- ihr, die ihr hier sitzt und viele andere, die jetzt nicht hier sind -- Kirche sind: Wofür stehst du als evangelische:r Christ:in?
Ich behaupte, dass das beileibe keine unnötige Frage ist, in Zeiten wie diesen, wo die Kirchen kleiner werden und die Probleme größer. Was ist denn die Botschaft, die wir zu bringen haben in ungewissen Zeiten von Krieg und Inflation, von Energiekrise und Lieferkettenproblemen, von kalten Wohnzimmern und leeren Konten, von heißen Wintertagen und schneelosem Weihnachten? Was ist denn das, was die Menschen sehen, hören und erleben, wenn sie uns begegnen? Wenn sie unsere Gottesdienste besuchen? Wenn sie uns von unserem Glauben reden hören und unseren Glauben leben sehen? Braucht es uns überhaupt? Welche Stimme würde untergehen, welches Licht verlöschen, wenn wir nicht mehr da wären?
Wofür stehen wir, heute, an Epiphanias 2023 und an 359 weiteren Tagen in diesem Jahr? Dieser Tag heute erzählt von der Strahlkraft eines Sterns, die groß genug war, dass Menschen ihr Land verließen und in die Ferne reisten, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen. Dieser Tag erzählt von dem, was sie gefunden haben. Welche Strahlkraft geht von uns und unserem Evangelium aus? Was finden die Menschen, wenn sie hierher finden? Oder anders gefragt: Wie schön leuchtet der Morgenstern denn in Tailfingen?
Wenn wir Paulus fragen würden, nach dem diese Kirche hier benannt ist, dann wäre das alles ganz klar. Hört einmal, was er in seinem 2. Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt, im 4. Kapitel:
3 Ist aber unser Evangelium verdeckt, so ist's denen verdeckt, die verloren werden, 4 den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes. 5 Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. 6 Denn Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. (2. Kor 4,3-6)Eigentlich ist damit doch alles beantwortet und diese Predigt könnte schon zu Ende sein. Wofür wir stehen ist das Licht des Evangeliums. Das ist nicht irgendeine theoretische Größe, ein dogmatisches Lehrwerk oder ein Bekenntnis, das man auswendig lernen kann. Das Licht des Evangeliums kommt von einer Person -- von Jesus Christus selbst, der gekommen ist als Herr der Welt, als Ebenbild Gottes. Sein Licht leuchtet in unseren Herzen und, so hofft es Paulus (und ich mit ihm) durch uns auch in die Welt. Denn, wo sein Schein verdeckt ist, da gehen Menschen in der Dunkelheit verloren.
Wir stehen für das Evangelium des zu uns gekommenen Herrn Jesus Christus!
Amen.
Wobei... wartet!
Das klingt alles gut und ganz einfach. Ist es im Grunde auch: Wir müssen es nur noch im praktischen Leben ausbuchstabieren, so dass die ganze Welt es sieht. Oder zumindest Tailfingen. Das wäre ja schonmal ein Anfang.
Und vermutlich wird das ganze restliche Jahr 2023 dafür kaum genug Zeit sein, so viel steckt da drin. Als kleine Hilfestellung will ich heute ein paar Aspekte davon anreißen -- damit das Licht des Morgensterns hier im Gottesdienst und in unseren Herzen schon einmal ganz hell aufleuchtet und der Schein nachher mit uns geht, genug für jeden Tag. Jesus Christus also -- der Morgenstern. Ich mache ein paar Anleihen beim Liederdichter bei Johann Ludwig Konrad Allendorf, der das 1736 so schön in sein "Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude" gefasst hat.
Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude.
Geliebte Gottes, lasst uns 2023 deutlich sichtbar Menschen der Freude in Tailfingen sein. Nicht nur bei unserem großen Festival, das wir für den Sommer geplant haben. Sondern jeden Tag. Ich glaube, das braucht es ganz dringend. Nach drei Jahren Corona, nach Krieg und Teuerung und angesichts so vieler Ungewissheiten ist die Freude ja vielen abhanden gekommen. Wie oft werden nur noch verbissen Meinungen vertreten. Wie oft sieht man nur noch das Negative. Wie oft habe ich schon gehört, dass unser Land "abgewirtschaftet habe". Wir könnten alle dringend mal wieder ein wenig Freude gebrauchen. Oder besser gleich ganz viel. Und damit meine ich nicht eine Freude, die all das Schlimme einfach mal einen Moment lang vergisst, um wenigstens eine Weile mal wieder ungestört fröhlich sein zu können. Wir alle wissen, dass das nicht funktioniert. Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude. Das ist es, was wir alle brauchen. Ewige Freude. Wir brauchen die Botschaft, die wir an Weihnachten gefeiert haben, die Botschaft von der dieser Epiphaniastag handelt: Dass Gott uns Menschen ganz nahe kommt. Immanuel: Gott mit uns. Dass er uns nicht vergessen hat, sondern sich an unsere Seite stellt. Dass bei aller Ungewissheit A und O, Anfang und Ende in ihm vereint liegen und dass er, der Anfang und das Ende aller Dinge, ganz gewiss für uns ist. Diese Botschaft hat einen Namen: Jesus. Lasst uns 2023 für ihn stehen! Dann leuchtet der Morgenstern auch hier.
Jesus ist kommen, nun springen die Bande.
Geliebte Gottes, lasst uns 2023 laut von dem Jesus erzählen, der Menschen frei macht. Nicht nur in alten Geschichten -- sondern auch heute. In einer Welt, in der einschneidende Lösungen plötzlich alternativlos sind, in der Menschen sich in alle möglichen Ecken und Richtungen und Verschwörungserzählungen einsperren lassen -- lasst uns für die eine Botschaft stehen, die wahrhaft und kompromisslos frei macht: Von Gott, der uns durch Jesus Christus gnädig ist. Von seiner Liebe und Annahme für alle Menschen. Von seiner bedingungslosen Zuwendung zu uns. Davon, dass man bei ihm nicht erst jemand sein muss. Dass man nicht die richtige Abstammung oder Ausbildung oder politische Ausrichtung oder Sexualität oder Frömmigkeit oder was auch immer braucht. Sondern dass man einfach geliebt ist bei ihm. Das ist es, was Luther die Freiheit eines Christenmenschen nennt. Lasst uns 2023 als fröhliche, freie Menschen leben -- ohne Zwang und das direkt im Angesicht der Welt, die Freiheit sucht und immer weniger davon findet. Und lasst uns, befreit von dem Zwang, etwas verdienen zu müssen, frei sein, selbst zu lieben wie Gott es tut. Wenn sie uns fragen, wie wir so sein können, dann zeigen wir auf den, in dem das alles wahr wird: Auf Jesus. Lasst uns 2023 für ihn stehen! Dann leuchtet der Morgenstern auch hier.
Jesus ist kommen, der starke Erlöser, bricht dem gewappneten Starken ins Haus.
Geliebte Gottes, lasst uns 2023 für den Frieden stehen. Der fehlt ja gerade so dringend in unserer Welt. Die Lösungen sind rar. Die Prognosen sind schlecht. Selbst untereinander sind wir uns nicht einig, was angesichts des Krieges denn nun die beste Handlungsweise wäre. Zu stark, zu überwältigend scheinen die Mächtigen, die da im Moment um ihre Positionen streiten. Aber ist das denn wirklich so anders, wie es schon immer war? Die Weihnachtsgeschichte beginnt mit Augustus. Auch so ein Mächtiger. Ihm stellt sie einen entgegen, der nicht mit noch mehr Stärke auftrumpft -- und gerade deshalb alles verändert. Seine Botschaft ist die von einem Reich Gottes, das ganz anders ist als alle Reiche und Machtstrukture dieser Welt. Ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit -- nicht nur eine Utopie für irgendeine ewige Zukunft, sondern, das betont er immer "ganz nahe gekommen" durch ihn. Lasst uns 2023 so leben, als wären wir bereits Bürger dieses so anderen Reichs -- weil wir es auch sind. Gott stellt sich immer wieder gerade auf die Seite der Schwachen, der Machtlosen. Jesus sagt: "Selig sind die Sanftmütigen. Selig sind die Friedensstifter." Das könnten 2023 doch wir sein -- an allen Ecken und Enden. Die Welt braucht keine halbgaren Kompromisse, keinen Waffenstillstand, sondern echten Frieden. Und der hat einen Namen: Jesus. Lasst uns 2023 für ihn stehen! Dann leuchtet der Morgenstern auch hier.
Jesus ist kommen, der Fürste des Lebens.
Geliebte Gottes, lasst uns 2023 für das Leben stehen! Lasst uns suchen und sagen und machen, was das Leben fördert -- in allen Bereichen. Gott selbst ist es, der uns Leben schenkt. Lasst uns jeden Menschen um uns herum mit diesen Augen sehen: Als ein Geschenk Gottes, als sein Ebenbild, als unendlich geliebt und wertvoll. Lasst uns das Beste für jeden dieser Menschen suchen. Lasst uns aufstehen, da wo das Beste Menschen genommen wird. Lasst uns Gott in den Augen und Händen und im Leben des anderen entdecken. Vielleicht begegnet uns Christus genau da! Dann leuchtet der Morgenstern auch für uns noch viel heller.
Bei alledem werden wir wahrscheinlich auch ganz schnell an unsere Grenzen stoßen. Das hat das Leben so an sich in dieser Welt. Die Begrenztheit ist ein Teil davon. Immer wieder stehen wir betroffen da, wenn der Tod eines Menschen uns das ganz schmerzlich bewusst macht. Aber wo wir Grenzen haben, da hat Gott keine. Selbst der Tod hat durch Jesus Christus seine unbarmherzige Endgültigkeit verloren. Er ist auferstanden! Wahrhaftig auferstanden! Und er verspricht uns Anteil an seinem neuen Leben.
Geliebte Gottes, lasst uns das 2023 nicht nur an Ostern feiern und nicht nur auf dem Friedhof bekennen. Lasst uns jeden Tag mit dieser Perspektive angehen. Wir haben Hoffnung! Wir haben Zukunft! Wir haben Leben! Das brauchen wir, das braucht die Welt. Und dieses Leben hat einen Namen: Jesus. Lasst uns 2023 für ihn stehen! Dann leuchtet der Morgenstern auch hier.
Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden.
Geliebte Gottes, lasst uns 2023 für die Vergebung stehen. So vieles ist geschehen und geschieht täglich in der Welt, wo Gutes unwiderruflich kaputt geht. Jeder von uns tut Dinge, die wir nicht zurücknehmen können. Und jeder von uns leidet daran. Manche zerbrechen an der Wucht dessen, was man ihnen angetan hat. Manches ist so massiv, dass es unmöglich wird, jemals wieder Gutes und Frieden und Freude zu finden. Wir kennen einen, der den Hass überwunden hat. Wir kennen einen, der das Böse besiegt hat. Wir wissen von dem, dem sein Leben nicht zu schade war, um die ganze Dunkelheit der Welt auf sich zu nehmen. Wir leben von der Vergebung und der Gnade und Liebe, die uns Gott in Jesus Christus zeigt. Wenn jemand die Antwort weiß auf die tiefen Risse und die garstigen Wunden, die Menschen mit sich herumtragen, dann sind wir das. Wir wissen, wie Vergebung aussieht. Wir wissen, wie Liebe alles verändert. Wir kennen die Antwort und die Antwort hat einen Namen: Jesus. Lasst uns 2023 für ihn stehen! Dann leuchtet der Morgenstern auch hier.
Jesus ist kommen, sagt's aller Welt Endne.
Geliebte Gottes, ich könnte noch lange weiter machen. Allein das Lied hat 9 Strophen und nirgends steht, dass das alles ist, was wir in Jesus haben. Ich bin mir sicher, es gibt nicht genügend Sekunden in 2023, um abschließend von der Herrlichkeit dessen zu erzählen, was Gott uns in Christus schenkt. Das soll uns auf keinen Fall davon abhalten, wenigstens anzufangen.
Geliebte Gottes, wenn am Epiphaniastag 2024 jemand fragt, wofür die evangelische Kirche steht, die Kirchengemeinde in Tailfingen, wofür wir stehen, dann wird ein Jahr hinter uns liegen mit ganz vielen Dingen, zu denen wir etwas gesagt und getan haben. Ich wünsche mir, dass wir alles, was uns in diesem Jahr begegnet, von Jesus her anschauen. Von Jesus her anpacken. Dass wir so leben, reden und handeln, dass Jesus darin sichtbar wird.
Geliebte Gottes, ich wünsche mir so sehr, dass wenn 2024 dieselbe Frage wieder gestellt wird, jeder wie aus der Pistole geschossen antworten kann, was man an uns das ganze Jahr gesehen hat: Jesus.
Jesus. Jesus.
So schön leuchtet der Morgenstern. Sein Licht ist es, das unsere Herzen erleuchtet. Möge es hell sein, dass jeder es sieht.
Dass man über Tailfingen 2023 schreiben kann:
Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. 6 Denn Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. (2. Kor 4,5-6)Amen.

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