Durch die moralische Analyse des Triagekonzeptes aus der medizinischen Versorgung wird
neben der allgemein üblichen Verwendung dieser Konzeption in Notfallkontexten die
Anwendbarkeit als Orientierungsmittel bei der strategischen Planung bi- und multilateraler
Operationen in entwicklungspolitischen Programmen eruiert.
Dabei zeigt sich die besondere Eignung der Triagekonzeption als Verwaltungsstrategie
chronischer Mangelsituationen sowie ihre Fähigkeit vorhandene Ressourcen Effizienz
maximierend einzusetzen.
Anders als in der Debatte um positive wie negative Konditionalität im internationalen
Menschenrechtsschutz ist die strategische Triage als utilitaristische Auswahlregel weniger
stark politisch geprägt und orientiert sich weitaus stärker an der Wirkungseffizienz der
eingesetzten Mittel als an den Möglichkeiten politischer Einflussnahme.
Trotz umfassender moralischer Einwände gegenüber einer strategischen Anwendung bleibt
die Triage unter der Annahme einer persistenten Unterversorgung in der internationalen
Entwicklungszusammenarbeit letztlich alternativlos.