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In dieser Podcastepisode geht es um den Gebrauch des Genderns in der Praxis und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die zwischen dem Deutschen und anderen Sprachen hinsichtlich der damit einhergehenden Strategien und Praktiken bestehen. Mit dem Begriff 'Gendern' beschreiben wir dabei den Gebrauch sprachlicher Formen, die zum Ziel haben, Personen unterschiedlicher Geschlechter in der Sprache sichtbar zu machen. Genauso wie im deutschen Sprachraum existieren diesbezüglich auch in anderen Sprachräumen auf ähnliche Art und Weise geführte Diskussionen bezüglich der Möglichkeiten, auf ein solches Ziel hinzuarbeiten. Es handelt sich demensprechend keineswegs um ein rein deutsches Phänomen. Konkret haben wir uns dabei – neben dem Deutschen – mit dem Italienischen, Spanischen und Französischen beschäftigt und konnten bezüglich des Genderns im Französischen der Sprachwissenschaftlerin Dr. Aline Siegenthaler, die sich im Rahmen ihrer Forschung unter anderem mit gendersensibler Sprache und dem Französischen als Fremdsprache beschäftigt, in dieser Episode einige Fragen stellen.
Wir fragen uns in dieser Folge: Kann Sprache gleichzeitig korrekt, barrierefrei und gendergerecht sein? Um diese Frage zu beantworten, schauen wir uns zunächst kurz an, welche Formen des Genderns es gibt, und sprechen dann über den Rat der deutschen Rechtschreibung. Gesprächsgast in der Episode ist Henning Lobin, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim und selbst Mitglied im Rechtschreibrat. Wir konzentrieren uns auf die Frage, ob Gendern mit Sonderzeichen überhaupt orthographisch korrekt ist und für wen ein Verbot, wie es teilweise diskutiert wird und in einigen Bundesländern schon umgesetzt wurde, gelten würde. Außerdem beschäftigen wir uns damit, wie gut gegenderte Texte für verschiedene Menschen verständlich sind, indem wir eine Studie von der Universität Graz und capito zusammenfassen.
Spoiler: Wir beantworten die Frage mit einem JA, gendergerechte Sprache ist vereinbar mit der deutschen Rechtschreibung und auch mit dem Ziel der Barrierefreiheit. Wenn ihr wissen wollt warum, hört gerne rein!
Warum gibt es so viele vermeintlich humoristische Äußerungen über Frauen? Wie funktioniert diese Art von Humor eigentlich? In dieser Episode setzen wir uns mit antifeministischem Humor auseinander. Zunächst erklären wir, was Humor ist und wie humoristische Effekte entstehen. Anschließend betrachten wir Witze über Frauen, die häufig auf vermeintliche Stereotype zurückgreifen.
Mittels antifeministischen Humors können politische und ideologische Einstellungen quasi als „Witz“ präsentiert werden. Häufig geht es dabei um Statusverlust und die Verschiebung klassischer Rollenbilder. Wird die Kritik daran als „Witz“ präsentiert, dann war „alles ja nur ein Spaß“.
In Deutschland ist geschlechtergerechte Sprache ein politisches Thema geworden, mit dem sich nicht nur politische Parteien, sondern auch sogenannte Sprachvereine auseinandersetzen. Das Ziel dieser Vereine besteht unter anderem in der Pflege und Förderung der deutschen Sprache. Einige Sprachvereine – beispielsweise der ‚Verein Deutsche Sprache‘– setzen sich gegen einen vermeintlichen Verfall des Deutschen ein. Eine Zeit lang betraf dies vor allem Anglizismen, inzwischen geht es vor allem um die angeblich negativen Auswirkungen der „Gendersprache“.
Im Interview spricht Dr. Falco Pfalzgraf über die Geschichte und Hintergründe der wichtigsten Sprachvereine und erläutert, weshalb der Widerstand gegen das Gendern mit dem Kampf gegen Anglizismen einhergeht. Damit beleuchtet diese Episode einen wichtigen Akteur im öffentlichen Antigender-Diskurs.
In dieser Folge geht es um die Frage, wie gegenderte Sprachformen mentale Repräsentationen beeinflussen. Nach einer Einführung in verschiedene Formen des Genderns und deren Unterschiede in gesprochener und geschriebener Sprache werden zentrale Studien zur Wirkung gendersensibler Sprache vorgestellt. Im Fokus steht dabei insbesondere die Studie „Wirkung gendersensibler Ansprachen in Anmoderationen bei Erwachsenen und Heranwachsenden“, die untersucht, wie unterschiedliche Genderformen verarbeitet werden und welche Vorstellungen sie bei Erwachsenen und Heranwachsenden auslösen. Die Ergebnisse zeigen, dass gendersensible Sprache unterschiedliche Personengruppen stärker in die mentale Repräsentation einbezieht, ohne die Verständlichkeit wesentlich zu beeinträchtigen.
In dieser Folge spricht Dominic Schmitz mit Ann-Sophie Haan über den Forschungsstand zu Gendern und Textverständlichkeit sowie über ihre experimentelle Studie zur Verarbeitung des Gendersterns. Gemeinsam erklären sie, wie die Psycholinguistik Leseprozesse misst, warum subjektiv empfundene Schwierigkeit nicht mit tatsächlichen Verständnisproblemen gleichzusetzen ist und welche Rolle Gewöhnung, Einstellungen und individuelle Erfahrungen spielen. Die Ergebnisse zeigen: Gendergerechte Formen können punktuell kleine Verzögerungen hervorrufen, von einer grundlegenden Überforderung des Lesens kann jedoch keine Rede sein.
In dieser Episode setzen wir uns kritisch mit Argumenten aus Fabian Payrs Buch “Von Menschen und Mensch*innen. 20 gute Gründe, mit dem Gendern aufzuhören” auseinander. Wir analysieren sieben zentrale Thesen aus linguistischer Perspektive und prüfen deren wissenschaftliche Grundlage. Ausgewählte Thesen:
1. Gendern ist unwissenschaftlich.
2. Gendern ist nicht Sprachwandel.
3. Konsequentes Gendern ist unmöglich.
4. Gendern widerspricht dem Prinzip der Sprachökonomie.
5. Gendern führt zu sprachästhetischen Defiziten.
6. Gendern ist dysfunktional.
7. Der Genderstern ist keine Lösung.
Weitere Informationen findet ihr auf unserer Homepage. Dort könnt ihr auch sämtliche Literatur zur Folge nachlesen.
In dieser Episode setzen wir uns kritisch mit Argumenten aus Fabian Payrs Buch “Von Menschen und Mensch*innen. 20 gute Gründe, mit dem Gendern aufzuhören” auseinander. Es geht um im weitesten Sinne gesellschaftspolitischen Argumente gegen das Gendern. Ist Gendern nutzlos oder sexistisch? Ist die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern längst geglückt, weshalb das Gendern die Gesellschaft unnötig spalte? Wie steht es um die demokratische Legitimation des Genderns, ist es gar autoritär? Diesen Fragen gehen wir wissenschaftlich nach!
Seit wann gibt es eigentlich das generische Maskulinum? Und seit wann werden in welchen Kontexten sogenannte movierte Formen wie “Lehrerin”, “Bäckerin” usw. verwendet? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Tanja Stevanović und Jakob Böhm, die in unserer heutigen Podcast-Folge zu Gast sind und im Gespräch mit Stefan Hartmann aus ihrer Arbeit berichten. Dabei geht es unter anderem um die Herausforderungen in der Arbeit mit historischen Daten und um die Frage, was uns diese Daten für aktuelle Debatten sagen können.
Zum Weiterhören:
Den Podcast “Sprachpfade” gibt es hier: https://sprachpfade.letscast.fm/ - mit mehreren Folgen zu Sprache und Gender, aber auch einer großen Bandbreite anderer Themen!
In dieser Folge geht es um Genus und Genusentwicklung. Es geht darum, was Genus überhaupt ist und wie Genus sich in Deutsch und anderen Sprachen entwickelt hat. Zu Beginn der Folge geht es auch um die Zusammenhänge und Unterschiede von Genus, Geschlecht und Gender.
Genus ist eine grammatikalische Kategorie, die sich von anderen Geschlechtsbegriffen differenziert. Sie hat eigentlich nichts mit menschlichen und körperlichen Geschlechtsbegriffen zu tun, sondern beschreibt Gruppen, in die Substantive eingeordnet sind. Im Deutschen gibt es drei Genera mit dem Maskulinum, Femininum und Neutrum.
Die ursprünglichen Kategorien, auf denen unsere drei Genera basieren, hatten zuerst gar nichts mit Sexus zu tun. Genus und seine Zuordnung kann ganz verschieden passieren und die Zuordnung eines Nomens sagt nicht unbedingt viel über das eigentliche Wort aus. Die Entwicklung von Genus ist nicht nur historisch spannend, sondern kann auch für die Debatte heutzutage, zum Beispiel zu geschlechtersensibler Sprache, wichtig sein. Es ist also wichtig, die Begriffe Genus, Sexus und Gender nicht durcheinander zu werfen. Genus ist kein starres System, sondern unterscheidet sich zwischen Sprachen, aber auch in der Entwicklung einer Sprache können sich Genussysteme verändern.
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