Der Fall Eine etwa 40-jährige Patientin erleidet in der häuslichen Umgebung einen generalisierten Krampfanfall. Bei Eintreffen des Rettungsdienstes ist sie postiktal nicht ansprechbar. Hendrik arbeitet sich über ABCDE systematisch an die Patientin heran: GCS deutlich reduziert, kein suffizienter Atemantrieb, Hypertonie um 220 mmHg systolisch, Bradykardie, auffälliges Atemmuster – die klassische Cushing-Trias. Arbeitsdiagnose: intrakranielle Blutung, am ehesten eine Subarachnoidalblutung aus rupturiertem Aneurysma.
Mit Prof. Dr. med. Markus Holling schlüsseln Anka und Hendrik auf, was präklinisch die richtigen Prioritäten sind: Warum eine ischämische Ursache bei einer 40-Jährigen deutlich unwahrscheinlicher ist als eine hämorrhagische. Warum die bloße Verdachtsdiagnose für die präklinische Entscheidungskette reicht – und das CT in der Klinik bleibt. Welche körperlichen Untersuchungen (Babinski, Meningismus) zwar lehrbuchmäßig korrekt sind, präklinisch aber keine Konsequenz haben.
Besonderer Fokus auf der
Blutdrucksteuerung: Der Spagat zwischen dem Risiko einer Reruptur (bei zu hohen Werten) und dem Verlust des zerebralen Perfusionsdrucks (bei zu niedrigen Werten). Klinikziel unter 140 mmHg systolisch, präklinisch realistisch unter 160 mmHg – und warum jede Aufregung der Patientin (wach werden, Erschrecken, unangenehme Maßnahmen) zur Reruptur führen kann, die per Definition mit deutlich schlechterem Outcome vergesellschaftet ist.
Weitere Themen:
Tranexamsäure bei intrakranieller Blutung – nicht grundsätzlich empfohlen, aber bei langen Transportzeiten diskutabel.
Hyperventilation – pathophysiologisch nachvollziehbar, präklinisch über längere Strecken nicht sinnvoll.
Mannitol als osmotisch wirksame Substanz zur kurzzeitigen Drucksenkung – „kann ich damit schaden? Wahrscheinlich nicht. Kann ich damit helfen? Vielleicht schon.”
Die Zielklinik: Die wichtigste präklinische Entscheidung. Nicht die nächste Klinik, sondern das nächste neurovaskuläre Zentrum mit Neurochirurgie und Neuroradiologie. Hubschrauber-Nachforderung als Standard, sobald die Verdachtsdiagnose steht. Warum ein Umweg über ein Haus der Grund- und Regelversorgung die Diagnose erhärten kann, aber therapeutisch keinen Vorteil bringt.
Unser Gast Prof. Dr. med. Markus Holling ist Facharzt für Neurochirurgie an der Universitätsklinik Münster. Seinen beruflichen Weg begann er im Rettungsdienst. Der Notfallmedizin ist er inhaltlich wie praktisch bis heute treu geblieben und verbindet in seiner Arbeit präklinische Erfahrung mit neurochirurgischer Expertise.
Wer wir sind Ann-Kathrin „Anka” Möller – B. Sc. in Gesundheitswissenschaften und Sport, Notfallsanitäterin beim ASB-RV Niedersachsen-West
Hendrik Sudowe – Diplom-Gesundheitslehrer, Notfallsanitäter und Leiter Aus- und Fortbildung beim ASB-RV Niedersachsen-West
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Der Podcast wird produziert vom Verlag Stumpf & Kossendey und der Fachzeitschrift RETTUNGSDIENST.
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