Es mag Ereignisse geben, die sich für eine Biografie haftbar machen lassen, so wie es Delphine de Vigan in ihrem Roman „Das Lächeln meiner Mutter“ zunächst versucht. Aber es gibt auch die erinnerten Bilder, die schon bald auf eine andere Sprache deuten. Die Autorin möchte sich mit den Ereignissen von früher vertraut machen und sie zugleich imaginieren und fiktionalisieren. Ihre Frage, ob am Ende nicht der Wahrheitsgehalt entscheidend ist, sondern die Wirkung, die diese Gedankenbilder hinterlassen, prägt auch die Inszenierung. Schirin Khodadadian hat sich für das Deutsche Theater in der Gipsabdrucksammlung des Archäologischen Instituts mit einer dramatisierten Fassung des Romans auf Spurensuche begeben. Bruchstücke und Splitter einer Familiengeschichte verdichten sich zu einem Schauspiel für drei Stimmen, „Nichts widersetzt sich der Nacht“, über das beredte Schweigen, das eine Mutter ihrer Tochter mit ihrem Selbstmord hinterlassen hat. Tina Fibiger berichtet.