Warum wir Platz für Kinder(rechte) statt für Autos schaffen müssen
Diese Podcast-Folge befasst sich mit Kinderrechten im Bereich der Verkehrsplanung und dem Recht auf ein unversehrtes, sicheres Aufwachsen. Gast ist die Stadt- und Verkehrsplanerin Katalin Saary (deren Namen wir leider im Gespräch falsch aussprechen; sorry dafür! Der Name Saary hat eigentlich einen "sch"-Laut am Anfang._) Saary betont, dass Kinder das Recht auf einen angenehmen Schulweg und ein lebenswertes Umfeld für ihre Freizeit haben. Es sei ein Wandel von der Haltung des „verkehrsgerechten Kindes“ zum „kindgerechten Verkehr“ nötig. Dies bedeutet, die Stadt aus der Augenhöhe von Kindern zu betrachten, um neben der objektiven Verkehrssicherheit auch das subjektive Sicherheitsempfinden zu berücksichtigen. Kinder achten auf Gerüche, bellende Hunde oder zu schmale Wege, die sie zum Straßenseitenwechsel zwingen.
Die aktuelle Situation in Deutschland bewertet Saary als einen „Rollback“, bei dem das Auto wieder stärker im Fokus steht.
Die Zunahme der Größe und Anzahl von PKWs führt dazu, dass Gehwege immer schmaler werden (oft 1,50 m statt der regelkonformen 2,50 m). Dies steht im Konflikt mit der Vision Zero (keine Unfälle bis 2050), da die Unfallzahlen von Kindern und Jugendlichen auf Schulwegen zunehmen.
Kinder benötigen breite Wege, auf denen sie nebeneinander laufen können, sowie abgesenkte Bordsteine und adäquate Grünzeiten an Ampeln, da ihre Gehgeschwindigkeit langsamer bemessen werden muss (ca. 0,9–1,0 m/s).
Die Umsetzung notwendiger baulicher Maßnahmen wird oft durch leere Kassen und die politische Angst vor dem Wegfall von Parkplätzen blockiert.
Positive Ansätze sind die gesetzlich vorgeschriebene Kinder- und Jugendbeteiligung sowie Programme wie die Schulmobilitätspläne in Hessen, bei denen Kinder aktiv ihre Wege auf Barrieren überprüfen. Saary fordert, die existierenden Gesetze und Richtlinien (wie das 3:4:3-Verhältnis zur Flächenverteilung) endlich ernst zu nehmen und umzusetzen. Angesichts des dramatischen Verhältnisses von 3,5 PKWs pro Kind (im Vergleich zu 1:1 im Jahr 1970) seien Kinder heute eine „Minderheit ohne Schutz“, die sichere, grüne und langsame Straßenräume benötige.
Weiterführende Links:
Studiengänge der Hochschule Kehl
The Guardian: London's Ultra Low Emmission Zone and the case of Ella
Produktion:
Koproduktion der Städte Mannheim, Köln und des Berliner Bezirks Pankow
Redaktion: Jürgen Brecht, Anica Latzer-Schulte und Aline Fraikin
Moderation: Aline Fraikin
Jingle und Schnitt: Dylan White