Schaubühne Podcast

Streitraum: »Von Körpern und Codes – Identität in der Hypermoderne«


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Carolin Emcke im Gespräch mit Alan N. Shapiro (Science-Fiction und
Medientheoretiker, Autor, Professor, Softwareentwickler)
Am 23. Februar 2020
In Shakespeares »Hamlet« gibt Polonius seinem Sohn Laertes den Rat: »Das über allem: sei treu deinem Selbst und folgen muss, so wie die Nacht dem Tag: Du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen.« Lionel Trilling nannte diese Aufrichtigkeit die Erfüllung des Selbst durch Ehrlichkeit gegenüber anderen. Die großen Erzählungen der Moderne – Fortschritt, Industrie oder Social Engineering – überschatten das entfremdete Ich und lösen aus, was Trilling als Suche nach Authentizität bezeichnet: Das moderne Individuum sucht gegenüber der Gesellschaft nach Erfüllung.
In der Postmoderne wird das Soziale durch Muster und Codes simuliert und der Körper wird zum Ort des ständigen Medienkonsums.
Mit der Digitalisierung tritt das moderne Individuum in die Ära der »Hypermoderne«: Entwicklungen wie personalisierte Werbung oder »Smart Homes« bestätigen das narzisstische Ich. So entwickelt sich der Mensch zur »Software-Zustandsmaschine«, auf der die Algorithmen arbeiten.
Was geschieht mit unserer Identität, unserem Selbst, unserem Körper, wenn wir von einem intelligenten Alter Ego im Netz vertreten werden? Ist ein Dialog zwischen uns und unserer körperlosen digitalen Kopie in einer utopischen Zukunft vorstellbar?
Der interdisziplinäre Denker Alan N. Shapiro bringt in seiner Forschung und Lehre Philosophie, Medien, Informatik und Design zusammen und zeigt auf, wie sich aus der Science-Fiction Impulse für die Wissenschaft und zukünftige Technologien ableiten lassen.
ALAN N. SHAPIRO (*1956, New York) ist Softwareentwickler, Science-Fiction- und Medientheoretiker. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen Posthumanismus, Creative Coding, Technologische Kunst, Kultursoziologie, Softwaretheorie, Robotik, KI sowie Futuristisches und Transdisziplinäres Design. Als Gründungsmitglied des Instituts für Sozialchoreografie in Frankfurt entwickelte er viele der Kernideen dieses neuen Forschungsfeldes mit. Seit 2017 ist Shapiro Dozent an der Hochschule für Künste Bremen und lehrt Design & Informatik an der University of Applied Sciences and Arts, Luzern. Zuvor lehrte er als Gastprofessor an der Folkwang Universität der Künste in Essen und an der Nuova Accademia di Belle Arti in Mailand und gab Seminare an diversen Hochschulen, so u. a. in Frankfurt a. M., Karlsruhe und Offenbach. Seine Auftritte als Keynotespeaker führten ihn zu zahlreichen internationalen Festivals und Konferenzen u. a. nach London, Paris, Amsterdam, Wien, Turin und Zürich. Sein Buch »Star Trek: Technologies of Disappearance« (Avinus Verlag, 2004) verknüpft die Konzepte des Philosophen Jean Baudrillard mit Science-Fiction-Forschung und einer futuristischen Technowissenschaft und trug zu einer Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung zur Bedeutung von Star Trek für die Gegenwartskultur bei. Inzwischen veröffentlichte er über 250 Artikel, sowohl auf seiner eigenen Website als auch in Zeitschriften, so z. B. im International Journal of Baudrillard Studies. Er publiziert zudem Beiträge in Sammelbänden, so kürzlich u. a. in »Design und Mobilität: Wie werden wir bewegt sein?« (Fruehwerk Verlag, 2019) und »Nevertheless: Manifestos and Digital Culture« (Textem Verlag, 2018).
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