Es ist das Höhlengleichnis des griechischen Philosophen Platon, das Christoph Quarch in den Sinn kommt. Es erinnert ihn - übertragen auf das 21. Jahrhundert - an Smartphone- und Mediennutzer, "die wie Gefangene in einer Höhle sitzen und gezwungen sind, Zeit ihres Lebens auf eine Wand zu starren, auf der sie nichts anderes sehen als die Schatten von Gegenständen, die hinter ihnen vorbeigetragen werden."
Die digitale Transformation hat unsere Welt nachhaltig verändert. Da gibt es keinen Weg mehr zurück.
Quelle: Christoph Quarch, Philosoph und Buchautor
Die Scheinwelt werde zum Wirklichkeits-Ersatz für diese Menschen. "Sie sträuben sich mit Händen und Füßen dagegen, wenn man sie davon zu überzeugen versucht, dass es sich bloß um Schatten handelt", ergänzt der Philosoph und benennt das geistige Dilemma, in dem die Gesellschaft seiner Meinung feststeckt: "Erst wenn wir begreifen, dass die Wirklichkeit nicht das ist, was auf dem Handy-Screen erscheint, haben wir eine Chance auf Veränderung."
Smartphone-Konsum behindert das Denken
Für den Philosophen gibt diese Entwicklung auch deshalb Anlass zur Sorge, weil Studien aus der Hirnforschung die negativen Auswirkungen gerade bei jungen Leuten belegt hätten. Der Smartphone-Screen behindere das, "was Philosophie im Kern ausmacht: das Denken". Ohne radikale Veränderungen bewege sich die Gesellschaft schnurstracks in eine "Mental Disruption". Christoph Quarch fordert deshalb eine "Neujustierung unseres geistigen Kompasses - eine Besinnung auf das, was uns wirklich wichtig ist". Die mentalen und geistigen Dynamiken, die die Welt zurzeit umkrempelten, müssten schonungslos aufgedeckt werden.
Wir müssen unsere "Wertmatrix" ändern
Die ständig zunehmende Smartphone-Nutzung führt der Philosoph auf Bequemlichkeit zurück. Gefahren, die die Technologie mit sich bringt, würden ignoriert. Denn digitale Korrespondenz könne von KI "ausgelesen und ausgewertet" - Menschen könnten "komplett kontrollierbar" gemacht werden.
Dieser Technik kann die Gesellschaft nach Ansicht von Christoph Quarch nur beikommen, "wenn wir unsere Wertmatrix ändern". Die Menschen müssten wieder die Erfahrung machen, dass das Erleben der Natur oder die Gespräche mit anderen kostbarer sind, als die "verplemperte Zeit am Smartphone". Denn es gehe darum, "die Lebendigkeit der eigenen Existenz als etwas Höheres zu achten als Bequemlichkeit. Und dafür unermüdlich zu werben, das ist die Sache, die mir als Philosoph bleibt."