Im vergangenen Jahr sind bundesweit mehr als 62.000 Fälle von Kindeswohlgefährdung registriert worden – so viele wie noch nie zuvor.
Von Kindeswohlgefährdung wird ausgegangen, wenn die Lebensumstände für einen jungen Menschen so schlecht sind, dass sie sich absehbar negativ auf die Entwicklung auswirken oder sogar das Leben massiv gefährden. Klaus Peter Lohest ist Vorsitzender des Kinderschutzbundes in Rheinland-Pfalz. Er sagte im SWR: "Es ist gut, dass die Öffentlichkeit aufmerksamer geworden ist. Dazu tragen Kinderschutzgesetze der Länder und des Bundes bei." Andererseits seien die Familien nach Corona, Ukraine-Krieg und Inflation erschöpft. Das alles sei mit großen Ängsten verbunden. "Und wir wissen, dass es immer dann auch zu Kinderschutzfällen kommen kann." Deshalb sei es wichtig, dass die Kindergrundsicherung umgesetzt wird. "Das wäre eine strukturelle Maßnahme gegen Kinderarmut", sagte Klaus Peter Lohest im Gespräch mit SWR2 Aktuell-Moderator Ralph Hecht. "Es ist ein Drama, dass es in dieser Bundesregierung nicht gelingt, sich auf eine ordentliche Kindergrundsicherung zu verständigen, obwohl es so im Koalitionsvertrag steht." Die Kindergrundsicherung soll nach dem Entwurf des Bundesbildungsministeriums aus zwei Teilen bestehen. Aus einem fixen Grundbetrag und einem flexiblen Zusatzbetrag. Der Grundbetrag soll dabei mindestens dem aktuellen Kindergeld entsprechen. Das sind derzeit 250 Euro im Monat für jedes Kind.