Zu wenig Personal. Wer ins Café oder Restaurant geht, sieht so gut wie immer Aushänge, auf denen nach Aushilfen gesucht wird. Aber nicht nur in der Gastronomie fehlen Mitarbeiter. Auch in den Kinos ist die Personaldecke dünn. Das zeigt eine Umfrage von dem Verband HDF Kino unter Kinobetreibern. Demnach suchen fast 90 Prozent nach Personal – und dabei gibt es mit Blockbustern wie Barbie und Oppenheimer gerade wieder so etwas wie einen Kinoboom. Wie sich das auf einen Betrieb auswirkt, hat unser Reporter Moritz Kluthe in einem Kino in Ravensburg in Oberschwaben erfahren.
(Atmo Menschen, Popcorn wird abgefüllt, Nachos zubereitet)
Es ist Nachmittag im Kino die Burg. Neben Barbie und Oppenheimer stehen unter anderem ein Turtles- und ein Lassie-Film auf dem Programm. Vor dem kleinen Kioskbereich unter einer Treppe stehen ungefähr zwanzig Kinder und Jugendliche sowie einige Erwachsene an. Die Popcorn-Verkäuferin ist gut beschäftigt. Neben ihr steht Zora Seidenspinner und füllt aus einem großen Glasbehälter Nachos in Plastikschalen. Die Studentin ist am Kiosk eingesprungen, obwohl sie im Kino meist einen anderen Job macht.
O-Ton „Zum Beispiel mach ich Einlass. Aber jetzt helfe ich auch einmal hier mit. Eigentlich kriegen wir das trotzdem immer hin, weil sich dann immer andere Leute freiwillig doch immer melden.“ (9 Sek.)
Ihr Chef, Gallion Anastassiades, dem die Burg zusammen mit einem zweiten Kino am Ravensburger Frauentor gehört, sagt, er würde insgesamt zwar immer noch genug Aushilfen finden. Momentan hat er etwa 40, überwiegend Schüler und Studenten. Zudem beschäftigt er acht Festangestellte in Teilzeit. Doch Dienstplanlücken gibt es immer wieder:
O-Ton „Das sind manchmal Tage, wo niemand drin ist. Da kann man suchen, wie man will. Da findet man niemand. Wochenende beispielsweise. Samstag ist immer so eine Geschichte für sich. Wenn man Schüler und Studenten hat, muss man immer damit rechnen, dass niemand da ist.“ (14 Sek.)
Und dann wird improvisiert.
O-Ton „Oft arbeitet man selber oder hat einen harten Kern, der immer mithilft.“ (5 Sek.)
Anastassiades ist nicht allein mit den Dienstplanproblemen. Laut der HDF-Kino-Umfrage unter Kinobetreibern können mehr als 60 Prozent von ihnen nicht alle Positionen ohne weiteres besetzen, bei 80 Prozent ist das am schwierigsten im Service- und Thekenbereich. HDF-Kino-Geschäftsführerin Christine Berg sagt, dass einige Betreiber sogar schon Vorstellungen an den Randzeiten streichen würden:
„Da gibt es manche Kinos, die sagen: ok, ich kann die 11-Uhr-Vorstellung nicht halten, weil ich muss alles dahin ziehen, wo wirklich die Massen kommen.“ (9 Sek.)
Auch Anastassiades hat einige Spätvorstellungen aus dem Programm genommen und unter der Woche laufen vor 16 Uhr noch keine Filme. Kurzfristig Vorstellungen absagen, gibt es bei ihm nicht, auch wenn es eng wird, wenn beispielsweise in Stoßzeiten 400 bis 500 Menschen ins Kino kommen, aber nur ein Mitarbeiter im Kioskverkauf arbeitet:
„Kartenverkauf und Popcorn gibt es auf jeden Fall. Dann muss man mit einer längeren Schlange rechnen. Dann muss man sich etwas gedulden oder man läuft direkt gleich rein und schaut den Film an.“ (10 sek.)
Das heißt aber auch: Fehlt das Personal, entgehen dem Kinobetreiber zum Teil Einnahmen.
(Atmo Kartenabreißen)
An diesem Nachmittag muss aber niemand auf Popcorn und Nachos verzichten. Ein älterer Mitarbeiter reißt vorher noch die Karten ab und dann fängt der Film bald an.