Am 20. August 2018 hat sich Greta Thunberg zum ersten Mal schulstreikend vor das schwedische Parlament gesetzt. Welchen Einfluss und Bedeutung hat und hatte die Bewegung auf die deutsche Klimapolitik?
Die Klimaproteste haben auf jeden Fall die Politik und Gesellschaft aufgerüttelt, sagt ARD-Hauptstadtkorrespondent Christopher Jähnert.
Fünf Jahre gibt es „Fridays For Future“ jetzt schon. Was war das für ein Skandal! Kinder gehen nicht zur Schule und demonstrieren stattdessen für einen besseren Klimaschutz. Die damalige Bildungsministerin Anja Karliczek fand das gar nicht mal so gut – und hat vorgeschlagen, dass die Schülerinnen und Schüler doch einfach samstagsmorgens auf die Straße gehen könnten. Also dann, wenn es wirklich keinen interessiert. Und Christian Lindner, damals noch nicht Finanzminister, meinte, Klimaschutz sollten doch bitte die Profis machen.
Die haben sich dann übrigens kurz später auch angeschlossen – die „Scientists for future“ nämlich. 1000 Unternehmer aus Deutschland sind benefalls dazugestoßen und auch die “Parents for future” haben sich gegründet. Will heißen: Die Klimademos der jungen Menschen haben den Grundstein gelegt für vieles, was in den vergangenen fünf Jahren nachkam. Sie haben das Problem mit dem Klimawandel in das Bewusstsein der Menschen gerückt – und nicht zuletzt auch in das Bewusstsein der Politik. Die damalige Kanzlerin Angela Merkel sagte „Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört“. Und mit großer Sicherheit hat die Stimmung, die auch durch die Schülerdemos aufkam, der Bundesregierung einen gewissen Rückenwind verschafft für das Klimaschutzgesetz von 2019.
Man könnte fast sagen: Die paar Stunden Unterrichtsausfall haben sich gelohnt. Es gab Anerkennung aus Politik und Wissenschaft. Aktivisten der „Fridays for future“-Bewegung wurden gern gesehene Gäste in Talkshows und in anderen Diskussionsrunden – und sogar als Rednerinnen auf Klimakonferenzen.
Das ist schön und zeigt, dass der Plan aufgegangen ist. Aber es zeigt auch: Eigentlich gehören die Rebellen von damals mittlerweile zum Establishment. Keiner regt sich mehr auf über schwänzende Schüler. Die wahren Aufreger kleben auf Straßenkreuzungen und Autobahnen. Und sie erweisen dem Klimaschutz damit regelmäßig einen Bärendienst. Sie gehen eher den Menschen auf die Nerven, die sie hinter sich bringen sollten - statt der Politik, die in ihren Augen zu wenig tut. Als Nachfolger der „Fridays for future“ taugen sie deshalb eher weniger. Und trotzdem: Es braucht die neuen Aufreger, die alle aufrütteln. Die zeigen: Der Klimaschutz geht immer noch nicht weit genug! Einfach mal freitags nicht in die Schule gehen – das reicht dafür aber wohl nicht mehr.