Wir müssen daran glauben, dass unsere Handlungen Einfluss haben. Dass wir als Konsumenten, als die, die am Ende die Klamotten kaufen, mit unserem Kauf jedes Mal eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung darüber, was im System Textilwirtschaft möglich ist und was nicht. Und damit auch darüber, unter welchen Bedingungen Menschen irgendwo auf dieser Welt unsere Kleidung für uns herstellen.
Kurz nach dem schweren Unglück von Rana Plaza, da war für viele klar: Es muss sich was ändern! Die Modeketten gerieten unter Druck und riefen freiwillige Selbstverpflichtungen ins Leben. Hinzu kamen Siegel, wie der grüne Knopf oder das der Fair Wear Foundation. Viele der Selbstverpflichtungen fallen aber bis heute eher unter die Kategorie Green Washing und die Siegel weisen aus Sicht von Menschenrechtsorganisationen erhebliche Mängel auf. Seit Jahresbeginn gilt das Lieferkettengesetz, dass deutsche Firmen verpflichtet bei der Produktion egal wo auf der Welt Menschenrechte und Umweltschutz einzuhalten. Doch es bringt bislang nicht den Effekt, den sich manche erhofft hatten. Vielmehr zerfasert es zwischen den Fronten. Den Wirtschaftsverbänden sind die Sanktionsmöglichkeiten zu streng und der bürokratische Aufwand zu groß. Sozial- und Menschrechtsverbände kritisieren zu viele Ausnahmen und einen fehlenden Anspruch auf Schadenersatz für Betroffene.
Ein Jahrzehnt nach Rana Plaza müssen wir also feststellen, dass Gesetze und Verpflichtungen allein nicht ausreichen. JA, sie müssen nachgeschärft werden. Werder die Politik, noch die Unternehmen dürfen sich aus der Verantwortung stehlen. Aber auch wir nicht. Denn am Ende bestimmt maßgeblich der Konsument den Markt. Was nachgefragt wird, wird auch angeboten. Und die Nachfrage nach fast fashion, nach billig produzierter Wegwerfmode, ist ungebrochen groß. 2022 erwirtschaftete der Weltmarktführer Inditex, zu dem zum Beispiel Zara gehört, einen Umsatz von rund 33 Milliarden Euro. Fast doppelt so viel, wie zum Zeitpunkt des Rana Plaza-Einsturzes.
Genau hier müssen WIR ansetzen. Uns bewusst machen, dass wir mit jeder Kaufentscheidung für ein fragwürdig billiges Kleidungsstück auch eine Entscheidung FÜR ein Textilsystem fällen, das Menschen ausbeutet. Dieses bewusste Konsumieren ist manchmal unangenehm, aber es lohnt sich, denn unsere Handlungen haben Einfluss. Wir müssen nur handeln.