2023-02-12 SWR1 Sonntagmorgen Standpunkt Büttenrede Strack-Zimmermann
MoVo
So, kurz die Zeitansage. Es ist… (Und welche Jahreszeit?)
(Karnevals-Tusch)
Genau, die Fünfte. Da haben die Närrinnen und Narren bekanntlich Narrenfreiheit und nutzen das für manch derbe Pointen. CDU-Chef Friedrich Merz zum Beispiel war nicht amüsiert, als er bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst in Aachen vor einer Woche im Publikum saß und sich so einiges anhören musste, was ihm die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann in ihrer Büttenrede auf die Ohren gab, im Kostüm der bösen Stiefmutter aus Schneewittchen sprach sie über Männer an der Macht als Zwerge, und über Merz z.B. als „Flugzwerg“. Diese Woche hat nun Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn zurückgestichelt und Strack-Zimmermann eine „Giftzwergin“ genannt. Darf man das? Mark Kleber hat sich dazu so seine Gedanken gemacht, in seinem Zwischenruf zur Narrenzeit.
Jetzt mal unter uns: Das war ja auch wirklich nicht nett, was sich Friedrich Merz da anhören musste. „Noch so ein alter weißer Mann, der glaubt, dass er es besser kann“, reimte Frau Strack-Zimmermann. „Nach außen bürgerlicher Schein, im Herzen aber voll gemein.“ Das kann schon weh tun. Ja, auch Männer haben Gefühle. Sogar prominente Politiker. Andererseits: War das mit der Narren- und Närrinnenfreiheit nicht gerade dafür gedacht, den Großen und Mächtigen auch mal etwas an den Kopf zu werfen, eine bissige Bemerkung zum Beispiel. Oder noch schlimmer: Die Wahrheit! Und hey, groß und mächtig – als CDU-Chef will man das doch sein, oder? Marie-Agnes Strack-Zimmermann tritt auch sonst gerne selbstbewusst auf und z.B. auch dem Kanzler mal auf die Füße. Im echten Leben. Also, was macht es da schon, wenn sie einem im Karneval eine mitgibt? Ist ja nicht so, dass Friedrich Merz deshalb etwas verliert. Außer seiner guten Laune. Ich finde die Rede nicht super gelungen. Wenn es um vergiftende Männlichkeit geht, gibt es schon Unterschiede zwischen Merz, Scholz und Wirtschaftsminister Habeck einerseits und dem russischen Präsidenten Putin zum Beispiel andererseits. Der Spiegel, den die „böse Karneval-Königin“ Strack-Zimmermann den männlichen Polit-„Zwergen“ vorhält, verzerrt das Bild. Aber witzig war die Rede schon. Und Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat auch sich selbst und die Ampelkoalition kräftig auf die Schippe genommen. Ja! So geht fünfte Jahreszeit! Deshalb finde ich, für so eine Rede braucht es keine Entschuldigung. Und wenn Jens Spahn als karnevalistische Retourkutsche zurückstichelt, Strack-Zimmermann sei eine „Giftzwergin“, dann gilt auch dafür Narrenfreiheit. Ich bin kein geborener Karnevalist. Trotzdem finde ich: Wer als Politprofi austeilt, der sollte auch einstecken können. Und wer das in Karneval, Fasching oder Fasnet nicht kann, der macht sich am Ende damit nur selbst, genau, zum Narren.