SWR2 Zeitgenossen

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SWR2 Zeitgenossen episodes

  • Hanns-Josef Ortheil: „Ich will mir selbst auf die Spur kommen“
    Auf „Die Erfindung des Lebens“ folgt bei Hanns-Josef Ortheil „Das Panorama des Schreibens“. Auf der Basis von Gesprächen mit seinem Lektor erzählt er von den ersten Schreibversuchen als Kind in einer Blockhütte im Westerwald, von seinem ersten Klavier und wie es die Musikalität der Sprache prägte, auch von Comics in einem Kölner Kiosk und wie die Bilder sein Schreiben beeinflussten. Für dieses Memoir kann der Autor auf ein gigantisches persönliches Archiv zurückgreifen, es füllt eine ganze Scheune im Westerwald. Jetzt wird er 75 Jahre alt. Sein lapidarer Kommentar: „Was soll mir das sagen?“
    57 min
  • Wolf Biermann: „Ich bin kein Lämmerschwänzchen, nie gewesen, ich bin ein Wolf“
    Wann begann das Ende der DDR? Viele, die es miterlebt haben, sagen: 1976 mit der Ausbürgerung von Wolf Biermann – nachdem der Liedermacher und Lyriker in Köln ein legendäres Konzert gespielt hatte und nicht zurückreisen durfte. Viele Jahre lang war er damals, zusammen mit wenigen anderen Mutigen, wie Robert Havemann und Jürgen Fuchs, die einzige echte Opposition, die von den Mächtigen der DDR wirklich gefürchtet wurde. Im November 2026 wird er 90. Er hat kürzlich seine Tagebücher veröffentlicht und blickt nun zurück: viel milder, als man es vom Büchnerpreisträger des Jahres 1991 gewohnt ist.
    57 min
  • Sven Regener: „In der Literatur wird viel zu wenig über Kunst gesprochen“
    Mit „Herr Lehmann“ fing alles an, vor inzwischen fünfundzwanzig Jahren. Bis dahin war Sven Regener Sänger, Trompeter, Gitarrist und Songtexter der Band Element of Crime gewesen, nun war er auch Autor. Inzwischen sind sechs weitere Bücher um Frank Lehmann und Co entstanden, dazu Hörbücher und Verfilmungen. Sven Regener wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Mainzer Stadtschreiberpreis. Sein Stil: In scheinbar endlosen Dialogen verhandeln seine Figuren Probleme des Alltags und zugleich existentielle Lebensfragen, immer sehr ernst, dennoch oft sehr komisch.
    46 min
  • Nana Hülsewig: „Ich weigere mich unsichtbar zu werden“
    „Iconic: Schattenseiten einer Künstlerin“. So nennt Nana Hülsewig ihre zweite große Installation und Performance in ihrer Stuttgarter Wohnung, die sie damit in ein sehr persönliches Künstlerinnenmuseum verwandelt und zwei Monate lang fürs Publikum öffnet. Nach „Iconic: Goldene Stunden einer Künstlerin“ gibt sie diesmal Einblicke in Ängste, Älterwerden, wie man nicht verschwindet und jede Verletzung ein Potenzial der Aufsässigkeit in sich trägt. Denn „Norm ist Fiktion“. Unter diesem Titel befragt die 1964 geborene Künstlerin seit langem Formen der Repräsentation, in Museen wie in Shoppingmalls.
    44 min
  • Alice Horáčková: „Mein Opa wollte nach dem Krieg 100 Prozent Tscheche sein“
    „Schmerzhaft und therapeutisch“, sagt Alice Horáčková, sei das Schreiben an ihrem Buch „Geteiltes Haus“ gewesen. Die tschechische Journalistin erzählt darin vom Schicksal eines kleinen Bergdorfs im ehemaligen Sudetenland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: was Deutsche und Tschechen während zweier Weltkriege aneinander angetan haben.
    „Geteiltes Haus“ ist Roman und zugleich das Ergebnis einer jahrelangen Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte. Und ein Plädoyer dafür, die verdrängte tschechisch-deutsche Vergangenheit gemeinsam neu zu erzählen.
    44 min
  • Anke Feuchtenberger: „Bei mir ist ein großes Gefühl für Solidarität geblieben“
    „Alle Frauen sind mutig, stark und schön!“ Den Satz schrieb Anke Feuchtenberger, geboren 1963 in Ost-Berlin, im Wendejahr 1990 auf das Plakat zur Gründung des „Unabhängigen Frauenverbands“. Damit wurde sie bekannt. In der Comic- und Graphic-Novel-Szene verehrt man sie international für ihre Bücher, etwa für „Genossin Kuckuck“, eine zugleich autobiografische und fantastische Geschichte über 40 Jahre Frauenleben: von der sozialistischen Erziehung in den 1960er Jahren bis zur Privatisierung nach dem Ende der DDR. Eine feministische Perspektive steht auch bei der Reihe „Die Hure H“ im Mittelpunkt.
    46 min
  • Sasa Hanten: „Subversive Strategien sind genau mein Ding“
    „Talent zum Glück“. Der Erbe eines Schausteller-Imperiums hat es im gleichnamigen ersten Roman von Sasa Hanten, Rechtsanwältin, Kunstsammlerin und Kolumnistin, aufgewachsen auf einem Bauernhof, Internat in Kaiserslautern. Worin besteht dieses Talent, im Roman wie im Leben? „Die Welt so zu formen, dass die Wahrscheinlichkeit für Glück sich erhöht“. Insgesamt sei ihr Roman ein Aufruf zur Opulenz, vor allem zur inneren Fülle. Denn „Talent verpflichtet“. Außerdem brauche man „Witz und Würde im Umgang mit Dingen, die man nicht ändern kann“. Nicht zu vergessen: „Impertinenz zahlt sich aus“.
    46 min
  • Marieke Reimann: „Der negative Ton sorgt für Verdruss“ | Lukas Rietzschel: „Man kann den Osten nicht generalisieren“
    Menschen mit Ost-Biografie seien nicht ausreichend vertreten in Politik, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Außerdem würden ostdeutsche Realitäten oft verzerrt dargestellt. Erklärt die Publizistin Marieke Reimann und fordert eine „zweite Wende“.
    Ostdeutsche Biografien beschreibt der Schriftsteller Lukas Rietzschel in Romanen und Theaterstücken, zum Beispiel über das Leben eines AfD-Politikers. Oder über Leute, die seit Jahren in einem Schwebezustand leben. Den Aufstieg der Rechten könne man aber nicht mit Befindlichkeiten erklären. Eher mit einer Demokratie, die sich selbst schwächt.
    46 min
  • Monchi: „Ich hab‘ Bock auf konstruktives Streiten“ | Jana Hensel: „Die westdeutsch dominierte Politik hat Fehler gemacht“
    Zwei prominente ostdeutsche Stimmen zum Erfolg der Rechten. Die Publizistin Jana Hensel erklärt, „warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet“. Und meint, eine westdeutsch dominierte Politik habe seit der Wende dazu geführt, dass eine in Teilen rechtsextreme Partei im Osten zur stärksten politischen Kraft werden konnte.
    Was tun, wenn nicht mit der AfD Reden nicht mehr geht, weil die Nachbarschaft mehrheitlich rechts wählt? Diesen Alltag in seinem „54-Prozent-Dorf“ beschreibt Monchi, Sänger der Band „Feine Sahne Fischfilet“, in seinem Buch „Jenseits der Brandmauer“.
    46 min
  • Carolin Amlinger: „Alles, was der AfD schadet, nutzt der Demokratie“
    „Seit den 1930er Jahren hat die radikale Rechte keinen solchen Aufschwung erlebt“, sagt Carolin Amlinger. Die Literatursoziologin diagnostiziert aktuell eine grassierende „Zerstörungslust“ als Kern dessen, was sie „Demokratischen Faschismus“ nennt. Statt sich programmatisch rechten Parteien wie der AfD anzunähern, fordert sie die Parteien der politischen Mitte auf, eigene Zukunftsvisionen zu entwickeln. Ziel müsse es sein, die vielen frustrierten Menschen in Deutschland wieder für die Demokratie zu begeistern.
    Buch-Tipp:
    Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey: „Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus“, Suhrkamp Verlag, 30 Euro
    45 min

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Wir sprechen jede Woche mit Zeitgenossen, die auf einen besonderen Lebensweg zurückblicken: Sie sind Aktivist*innen, Künstler*innen oder Forscher*innen. Sie haben Zeitgeschichte erlebt und geprägt –…