Table of Content - der Sachbuch-Podcast

Table of Content - der Sachbuch-Podcast

Download on the App Store

Table of Content - der Sachbuch-Podcast episodes

  • Konstantin Richter über "Dreihundert Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG"
    (Ausgezeichnet mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2026)

    Im neu geeinten Deutschland des späten 19. Jahrhunderts entwickelte sich ein spezifisches Wirtschaftsmodell, das unser Land entscheidend geprägt hat. Es zeichnete sich unter anderem durch eine enge Verflechtung von Unternehmen, Banken und Lobbyverbänden aus, die von einer überschaubaren Zahl von Personen getragen wurde und sich als erstaunlich langlebig erwies. „Dreihundert Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents“, schrieb der Industrielle und Politiker Walter Rathenau 1909. Doch dieses später als Deutschland AG bezeichnete Phänomen war weit mehr als nur ein Beteiligungsnetzwerk. Es war „eine Haltung, eine Kultur, eine Denkweise“. So formuliert es Konstantin Richter in seinem glänzend erzählten Buch „Dreihundert Männer“, das mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2026 ausgezeichnet worden ist.

    Was macht dieses deutsche Modell so besonders, worin unterschied es sich beispielsweise von dem der USA? Was waren seine Vorzüge, was seine Nachteile? Welchen Platz hatten Frauen darin? Und warum ist es spätestens in den 1990er Jahren untergegangen? Darüber unterhalte ich mich mit Konstantin Richter. Gemeinsam erkunden wir 150 Jahre deutscher Wirtschaftsgeschichte und begegnen dabei prominenten Unternehmen wie Daimler Benz, Mannesmann oder der Deutschen Bank und wichtigen Protagonisten wie Edzard Reuter und Alfred Herrhausen. Welche Rolle haben deutsche Unternehmen im Nationalsozialismus gespielt? Wie ist es der Deutschland AG gelungen, sich über Zäsuren wir 1918 und 1945 hinwegzuretten? Wie machte sich die Kulturrevolution von 1968 in der Wirtschaft bemerkbar? Und schließlich: Hat die deutsche Industrie noch eine Zukunft?

    Außerdem spricht Konstantin Richter über die Entstehung des Buches. Denn obwohl er die Idee dazu schon im vergangenen Jahrtausend hatte, dauerte es noch knapp zwei Jahrzehnte, bis der Knoten platzte und ein wunderbar unterhaltsames Geschichtswerk entstand.

    Konstantin Richter ist Autor und Journalist. Er hat regelmäßig für deutsch- und englischsprachige Medien wie The Wall Street Journal, The Guardian, The New York Times oder Die Zeit geschrieben. Darüber hinaus hat er mehrere Bücher veröffentlicht.

    Links

    Konstantin Richters mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2026 ausgezeichnetes Werk:

    Dreihundert Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG. Suhrkamp 2025.

    Konstantin Richters Buchempfehlung:

    Nikita Afanasjew: Mein Eiserner Vorhang. Eine persönliche Spurensuche entlang der neuen Trennlinie zwischen Ost und West. btb 2026.

    Weitere Bücher, die erwähnt wurden:

    Hartmut Berghoff: Trügerischer Wohlstand. Eine Wirtschaftsgeschichte der Berliner Republik seit 1990. C.H. Beck 2026.

    Dank an:

    Deutscher Sachbuchpreis

    Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, besonders an Anne-Mette Noack und Gunvor Schmidt.

    Martin Gronemeyer (Regie & Technik, Sagamedia)

    Adrian Polley (Jingle)

    Johanna Polley (Ansage, Website hier)

    Eine Produktion von Sagamedia

    1 hr 9 min
  • Juliane Marie Schreiber über "Wir sind Dynamit. Ein Manifest für Introvertierte in einer Welt der Selbstdarstellung"

    Unsere Gesellschaft belohnt Extrovertiertheit. In der Schule, im Beruf, auf Social Media: Permanent wird von uns Selbstdarstellung verlangt. Für introvertierte Menschen – immerhin fast die Hälfte der Bevölkerung – bedeutet das eine massive Benachteiligung. Welche Konsequenzen hat das für die Betroffenen? Und was entgeht der Gesellschaft dadurch, dass sie das Potenzial dieser „Innenmenschen“ brachliegen lässt? Darum geht es in Juliane Marie Schreibers Buch Wir sind Dynamit.

    Im Podcast sprechen wir über ihre persönliche Motivation hinter diesem Buch. Was macht Introvertiertheit eigentlich aus, wodurch unterscheidet sie sich von Schüchternheit? Und warum halten sich Innenmenschen besonders gerne auf Friedhöfen und Gästetoiletten auf? Introvertiertheit kommt in Ostdeutschland häufiger vor als im Westen, in den oberen sozialen Schichten häufiger als in den unteren. Warum ist das so? Und woher kommt die Privilegierung von Extrovertiertheit? Gerade in Zeiten der Polykrisen erweist sie sich Schreiber zufolge jedenfalls als fatal. Und sie legt offen, welche explosiven Qualitäten sich unter der zurückhaltenden Oberfläche vieler Menschen verbergen, die wir dringend brauchen. Außerdem verrät Schreiber, welche Bedeutung Farben für sie beim Schreibprozess haben und warum sie literarische Klassiker für ihr Thema adaptiert hat. Und sie erklärt, weshalb es bei Nietzsche um die Wurst geht.

    Links

    Juliane Marie Schreibers Buch:

    Juliane Marie Schreiber: Wir sind Dynamit. Ein Manifest für Introvertierte in einer Welt der Selbstdarstellung. Piper 2026.

    Juliane Marie Schreibers Sachbuchempfehlung:

    Raoul Schrott: Atlas der Sternenhimmel und Schöpfungsmythen der Menschheit. Hanser 2024.

    Außerdem erwähnt wurden:

    Juliane Marie Schreiber: Ich möchte lieber nicht. Eine Rebellion gegen den Terror des Positiven. Piper 2022.

    Joseph Henrich: Die seltsamsten Menschen der Welt. Wie der Westen reichlich sonderbar und besonders reich wurde. Suhrkamp 2022.

    WEIRD ist ein Akronym für: western (westlich), educated (gebildet), industrialized (industrialisiert), rich (wohlhabend) und democratic (demokratisch)

    Dank an

    Martin Gronemeyer (Regie & Technik, Sagamedia)

    Adrian Polley (Jingle)

    Johanna Polley (Ansage, Website hier)

    Eine Produktion von Sagamedia

    59 min
  • Thomas Sparr über "Come out! Wie der Aufstand in der Christopher Street die Welt veränderte"

    In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 löste eine Razzia im New Yorker „Stonewall Inn“, in einer Bar, wo Schwule, Lesben und Transgender verkehrten, tagelange gewaltsame Proteste aus, die sich gegen die ständige Diskriminierung und polizeiliche Willkür richteten. An diesen „Aufstand der Anstößigen“ erinnern seitdem jedes Jahr Gay-Pride-Paraden auf der ganzen Welt. Was macht den Mythos „Stonewall“ aus – und an welchen Punkten muss er revidiert werden? Darüber spreche ich mit Thomas Sparr.

    Dabei leistet Sparrs Buch weit mehr die bloße Rekonstruktion eines singulären Vorfalls. Es zeichnet eine breite Wirkungsgeschichte der schnell verklärten Proteste und verortet sie im Gesamtbild der Befreiungs- und Emanzipationsgeschichte queerer Menschen, in Deutschland wie den USA. Inwiefern hat der Nationalsozialismus für die Homosexuellen in der Bundesrepublik nach 1945 nicht aufgehört, wie der Historiker Hans-Joachim Schoeps 1963 schrieb? Warum hat es dennoch kein deutsches Stonewall gegeben? Und wie war die Situation von Homosexuellen nach der Liberalisierung des berüchtigten Paragraphen 175 im Jahr 1969 – war auf einmal alles gut?

    Eine wichtige Rolle für die queere Bewegung und in Sparrs Buch spielen Literatur, Film und Kunst. Warum kam Homosexualität in der deutschen Literatur lange Zeit kaum vor – in der Literatur anderer Länder aber sehr wohl? Was macht die Bedeutung von Rosa von Praunheims Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ aus?

    Schließlich reden wir darüber, warum das Private bei queeren Menschen besonders politisch ist, und über das große Trauma AIDS. Und weshalb endet das Buch ausgerechnet mit Peter Thiel, dem Tech-Oligarchen und Trump-Unterstützer?

    Links

    Thomas Sparrs Buch

    Come out! Wie der Aufstand in der Christopher Street die Welt veränderte. C.H. Beck 2026.

    Thomas Sparrs Sachbuchempfehlung

    Helmuth Kiesel: Schreiben in finsteren Zeiten. Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933-1945. C. H. Beck 2026.

    Dank an:

    Martin Gronemeyer (Regie & Technik, Sagamedia)

    Adrian Polley (Jingle)

    Johanna Polley (Ansage, Website hier)

    Eine Produktion von Sagamedia

    53 min
  • Katrin Harlaß über die Herausforderung, Sachbücher zu übersetzen (auf dem Forum Übersetzen der Leipziger Buchmesse 2026)

    Biografie und Gesundheitsratgeber, Zweiter Weltkrieg und Astrophysik, Finanzpolitik und Erkenntnistheorie – der Begriff „Sachbuch“ bezeichnet ein denkbar breites und vielfältiges Genre. Was bedeutet das für das Übersetzen von Sachbüchern? Darüber habe ich auf der Leipziger Buchmesse 2026 im Rahmen des Forums Übersetzen mit der Übersetzerin Katrin Harlaß gesprochen, die unter anderem Werke von Judith Butler und Ezra Klein ins Deutsche übertragen hat. Titel der Veranstaltung war „Wirtschaft, Wildnis, Weltgeschichte. Herausforderung Sachbuchübersetzen“.

    Wer Sachbücher übersetzt, ist immer wieder mit unterschiedlichen Themenfeldern konfrontiert. Wie geht man damit um, wenn einem das Thema eines Buches völlig neu ist? Und dann gibt es neben dem Haupttext noch Elemente wie Zitate, Fußnoten, Bibliografie. Bei der Übertragung ins Deutsche bringen sie einen enormen Arbeitsaufwand mit sich, aber Katrin Harlaß erklärt auch, inwieweit sie den Einstieg in ein Thema erleichtern können.

    Welche praktischen Probleme tun sich beim Übersetzen von Sachliteratur außerdem auf? Darüber sprechen wir anhand konkreter Beispiele, etwa des Buches „Wer hat Angst vor Gender?“ von Judith Butler, das Harlaß übersetzt hat. Bestehen beim Übersetzen von Sachbüchern generell größere Freiheiten als bei der Literatur? Und wenn ja, gelten diese dann nur für die Korrektur von sachlichen Fehlern im Originaltext, oder auch für Kürzungen oder stilistische Verbesserungen? Erwarten die Verlage sogar ein nachholendes Lektorat?

    Katrin Harlaß ist nicht nur Übersetzerin, sondern auch Lektorin – was hat sie von der jeweils einen Tätigkeit für die jeweils andere gelernt? Häufig wird prognostiziert, die Künstliche Intelligenz werde die Arbeit von Übersetzer:innen überflüssig machen. Wie sieht Harlaß das? Ist sie in der Lage, KI-Übersetzungen von menschlichen zu unterscheiden? Und zu guter Letzt: Was können und sollten Übersetzer:innen im Sachbuch tun, um mit ihrer wichtigen Arbeit sichtbarer zu werden?

    Links

    Katrin Harlaß‘ Sachbuchempfehlung:

    Kerri Andrews: Frauen, die wandern, sind nie allein. Goldmann 2022.

    Katrin Harlaß im Netz:

    Private Homepage
    Sachbuchwerkstatt

    Das Forum Übersetzen auf der Leipziger Buchmesse

    Berufsverband der deutschsprachigen Literaturübersetzer*innen (VdÜ)

    Deutscher Übersetzerfonds

    Dank an:

    Martin Gronemeyer (Regie & Technik, Sagamedia)

    Adrian Polley (Jingle)

    Johanna Polley (Ansage, Website hier)

    Eine Produktion von Sagamedia

    45 min
  • Anne Brorhilker über "Cum/Ex, Milliarden und Moral. Warum sich der Kampf gegen Wirtschaftskriminalität lohnt"

    Sie war die bekannteste Ermittlerin beim größten Steuerbetrug Deutschlands – und hat den Staatsdienst verlassen, um bei einer NGO zu arbeiten: Anne Brorhilker. Was hat sie zu diesem spektakulären Schritt bewogen? Darüber unterhalte ich mich mit der ehemaligen Staatsanwältin im Podcast. Sie erklärt, was sich hinter den Begriffen „Cum-Ex“ und „Cum-Cum“ verbirgt, die für den Raubzug der Banken und Superreichen stehen, und warum das alles gar nicht so kompliziert ist, wie die Finanzindustrie uns glauben machen will. Doch wie konnte die Branche überhaupt jahrelang ungehindert die Steuerkassen plündern und sich unser aller Geld einverleiben? Wir sprechen über die fehlende Waffengleichheit zwischen Staat und Finanzwelt, aber auch darüber, wie die Strukturen und eine spezifische Kultur in den Behörden nicht nur dafür sorgen, dass Wirtschaftskriminelle meist wenig zu befürchten haben, sondern sogar politisch gefährlich sind. Außerdem erzählt sie, was sie durch ihre Arbeit in einer Gnadenstelle über die soziale Unwucht in unserem Rechtssystem gelernt hat.

    Wenn man gewohnt ist, juristische Schriftsätze zu verfassen – welche Herausforderungen bringt dann das Schreiben für ein größeres Publikum mit sich? Wie sah die Zusammenarbeit mit ihrer Co-Autorin Traudl Bünger konkret aus? Und was hat es mit den geschwärzten Stellen im Buch auf sich? Über all das sprechen wir ebenso wie über ihre neue Rolle bei der „Bürgerbewegung Finanzwende“.

    Links

    Anne Brorhilkers Buch:

    Cum/Ex, Milliarden und Moral. Warum sich der Kampf gegen Wirtschaftskriminalität lohnt. Heyne 2025.

    Anne Brorhilkers Empfehlung

    Martyna Linartas: Unverdiente Ungleichheit. Wie der Weg aus der Erbengesellschaft gelingen kann. Rowohlt 2025.

    Die Bürgerbewegung Finanzwende

    Dank an:

    Martin Gronemeyer (Regie & Technik, Sagamedia)

    Adrian Polley (Jingle)

    Johanna Polley (Ansage, Website hier)

    Eine Produktion von Sagamedia

    1 hr 27 min
  • Katja Gloger und Georg Mascolo über "Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik"

    „Mit so jemandem möchte man nicht befreundet sein“ notiert ein deutscher Diplomat bereits im Jahr 2000 nach einem Treffen mit Wladimir Putin. Er ist weder die erste noch die einzige Stimme aus dem deutschen Behörden- und Regierungsapparat, die zu Vorsicht im Umgang mit Russland rät. Trotzdem werden die beiden Nord-Stream-Pipelines gebaut, die Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas erhöhen, sogar auf eine Partnerschaft zur Rüstungsmodernisierung lässt die Bundesregierung sich ein. Rote Linien werden dagegen keine gezogen. Wie ist das zu erklären?

    Katja Gloger und Georg Mascolo haben recherchiert, wie weit die deutsch-russische Zusammenarbeit ging und wie sehr dabei über Jahrzehnte alle kritischen Stimmen beiseite gewischt wurden. Im Gespräch berichten sie von einem „Moment der professionellen Beunruhigung“, der Ausgangspunkt für das Buch war. Sie erläutern die Motive hinter der gescheiterten Russlandpolitik und beleuchten dabei nicht nur die Rolle von Gerhard Schröder, sondern auch die von Angela Merkel. Was hat es mit dem häufig geäußerten Vorwurf auf sich, letztlich habe der Westen Putins Kurs provoziert? Und wo sehen die beiden Fehleinschätzungen bei sich selbst? Schließlich geben sie Einblick in den Entstehungsprozess des Buches: Katja Gloger verrät, womit ihr Co-Autor ihr schlaflose Nächte bereitet hat, Georg Mascolo wiederum erläutert, wie sie recherchiert haben und an brisante Dokumente gelangt sind.

    Links

    Das Buch von Katja Gloger und Georg Mascolo:

    Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik. Ullstein 2025.

    Die Buchempfehlung von Katja Gloger und Georg Mascolo:

    Gabriel Zuchtriegel: Pompejis letzter Sommer. Als die Götter die Welt verließen. Propyläen 2025.

    Dank an:

    Martin Gronemeyer (Regie & Technik, Sagamedia)

    Adrian Polley (Jingle)

    Johanna Polley (Ansage, Website hier)

    Eine Produktion von Sagamedia

    51 min
  • Sven Beckert über "Kapitalismus - Geschichte einer Weltrevolution"

    Kein anderes Ereignis in der Geschichte hat die Menschheit so tiefgreifend beeinflusst wie der Kapitalismus. Er prägt Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, unser Denken und Fühlen, ja sogar den Planeten, auf dem wir leben. Und doch ist es ein großes Rätsel, wie es zu seiner Ausbreitung kam. Immer noch ist die Vorstellung weit verbreitet, der Kapitalismus sei mit der Industriellen Revolution in Europa erfunden und von dort in alle Welt exportiert worden. Aber das ist falsch.

    Wie Sven Beckert in seinem Buch „Kapitalismus – Geschichte einer Weltrevolution“ zeigt, gibt es den Kapitalismus nicht nur seit etwa tausend Jahren, er ist auch von Anfang an ein global vernetztes Phänomen gewesen. Wir sprechen über wichtige Etappen in der Geschichte des Kapitalismus, die Menschen, die ihn geformt und unter ihm gelitten haben, die Rolle von Kolonialismus und Sklaverei und über unsere Gegenwart, in der Beckert zufolge etwas zum Abschluss kommt. Was lässt sich für sie aus der Geschichte des Kapitalismus lernen?

    Für Beckert ist es unmöglich, von der Welt zu erzählen, ohne die Welt zu kennen. Wie haben seine Reise an die Orte des Geschehens, die Begegnungen mit Menschen von Barbados über das Saarland bis Kambodscha seine Darstellung beeinflusst? Wie organisiert man das Schreiben eines 1300-Seiten-Buches – und wie hält man über acht Jahre die Motivation aufrecht? Und was ist es für ein Gefühl, sich selbst in Übersetzung zu lesen?

    Sven Beckert ist Professor für Amerikanische Geschichte an der Harvard University. 2022 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Sein Buch King Cotton (2014) wurde mit dem Bancroft-Preis und dem Philip Taft Award ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den Pulitzer-Preis.

    Links

    Homepage des Autors

    Sven Beckerts Buch:

    Kapitalismus. Geschichte einer Weltrevolution. Rowohlt 2025.

    Sven Beckerts Buchempfehlung

    Isabella M. Weber: Das Gespenst der Inflation. Wie China der Schocktherapie entkam. Suhrkamp 2023.

    Dank an:

    Martin Gronemeyer (Regie & Technik, Sagamedia)

    Adrian Polley (Jingle)

    Johanna Polley (Ansage, Website hier)

    Eine Produktion von Sagamedia

    1 hr 3 min
  • Victor Schiferli über den (Sach)Buchmarkt in den Niederlanden.

    Unser Nachbar, das Leseland: In den Niederlanden kommen jedes Jahr pro Einwohner etwa doppelt so viele Neuerscheinungen auf den Markt wie in Deutschland. Manche Titel erreichen dort Verkaufszahlen, mit denen sie selbst hierzulande ein Megaseller wären. Wie sieht der niederländische Buchmarkt aus, besonders für Sachbücher? Darüber spreche ich mit Victor Schiferli vom Nederlands Letterenfonds, der niederländischen Literaturförderung.

    Wir unterhalten uns über die Verlagslandschaft und den Buchhandel in den Niederlanden – und den erstaunlichen Befund, dass amazon darin keine annähernd so große Rolle spielt wie in Deutschland. Gibt es Veränderungen bei der Vermittlung von Büchern, etwa in den Medien? Wie entwickelt sich das Leseverhalten? Und was bedeutet es für den Buchmarkt, dass in unserem Nachbarland so viele Menschen fließend Englisch sprechen?

    Rutger Bregman, Geert Mak, Hein de Haas, Eva Meijer oder der Belgier David Van Reybrouck gehören zu den niederländisch schreibenden Sachbuchautorinnen und -autoren, die man auch bei uns kennt. Was zeichnet den niederländischen Sachbuchmarkt generell aus? Was verkauft sich gut als Übersetzung ins Ausland? Und gibt es umgekehrt deutsche Sachbücher, die auch in den Niederlanden gefragt sind?

    Victor Schiferli ist Autor, Kritiker, Fotograf, Musiker und beim Nederlands Letterenfonds, der niederländischen Literaturförderung, zuständig für die Förderung von Übersetzungen niederländischer Lyrik und Sachbücher. Auf Deutsch ist die von ihm herausgegebene Anthologie „Amsterdam – Eine Stadt in Geschichten“ (2016) erschienen.

    Links

    Homepage des Nederlands Letterenfonds (englisch)

    Victor Schiferlis private Homepage

    Victor Schiferlis Buchempfehlung:

    Jan Brokken: Baltische zielen. Lotgevallen in Estland, Letland en Litouwen (engl.: Baltic souls). Atlas Contact 2010. (Originalausgabe hier, engl. Buchvorstellung beim Letterenfonds hier)

    Dank an:

    Martin Gronemeyer (Regie & Technik, Sagamedia)

    Adrian Polley (Jingle)

    Johanna Polley (Ansage, Website hier)

    Eine Produktion von Sagamedia

    1 hr 7 min
  • Fabian Ritter über "Wir Wale. Die Welt der Meeressäuger durch ihre Augen"

    Was wäre, wenn Wale und Delfine zu uns sprechen könnten? Der Meeresbiologe Fabian Ritter erforscht die Meeressäuger seit Jahrzehnten. In seinem aktuellen Buch wagt er ein Experiment: Er lässt verschiedene Wal- und Delfinarten aus ihrer eigenen Perspektive erzählen – von sich, ihrem Leben im Ozean und ihrem Blick auf uns Menschen. Wie ist er auf die Idee gekommen? Welche Schwierigkeiten brachte die Umsetzung? Und was will er damit erreichen?

    Wir unterhalten uns über die faszinierenden sinnlichen Möglichkeiten der Cetaceen, wie der wissenschaftliche Oberbegriff für Wale und Delfine lautet. Dazu gehört die Orientierung via Echo, aber auch die Fähigkeit, sich mit Ruflauten über gigantische Distanzen zu verständigen. Die Intelligenz der Meeressäuger ist legendär, aber woran lässt sie sich eigentlich festmachen? Nicht ganz so bekannt ist, dass es außer dem Menschen keine derart soziale Lebensform gibt wie sie: Wale und Delfine sprechen Dialekte, pflegen Traditionen und bilden Kulturen. Außerdem sind Persönlichkeit und Charakter individuell sehr ausgeprägt.

    Und schließlich: Pflegen Wale und Delfine wirklich eine besondere Beziehung zu uns Menschen – oder ist das nur unsere Projektion? Und wie erleben sie die Veränderung ihres Lebensraums durch unser Wirken – was haben sie uns zu den globalen Umweltveränderungen zu sagen?

    Fabian Ritter forscht seit seinem Biologiestudium zu Walen und Delfinen; zugleich setzt er sich auf vielfältige Weise für den Schutz der Meeressäuger und ihres Lebensraums ein. Er hat zehn Jahre den Bereich Meeresschutz bei Whale and Dolphin Conservation (WDC) geleitet, der weltweit führenden Organisation zum Schutz von Walen und Delfinen, und ist seit 2003 Mitglied im Wissenschaftsausschuss der Internationalen Walfangkommission (IWC). Außerdem hat er den gemeinnützigen Verein M.E.E.R. mitgegründet, dessen Vorsitzender und wissenschaftlicher Leiter er bis heute ist.

    Links

    Fabian Ritters Buch:

    Wir Wale. Die Welt der Meeressäuger durch ihre Augen: Wie sie leben, lieben, lernen. Penguin 2025.

    Fabian Ritters Buchempfehlung:

    Janet Mann: Geniale Giganten: Die Weisheit der Wale und Delfine. WBG Theiss 2018.

    Homepage von M.E.E.R. e.V.

    Dank an:

    Martin Gronemeyer (Regie & Technik, Sagamedia)

    Adrian Polley (Jingle)

    Johanna Polley (Ansage, Website hier)

    Eine Produktion von Sagamedia

    1 hr 8 min
  • Aline Abboud über "Barfuß in Tetas Garten. Berlin, mein Libanon und ich"

    Ein kleines Land als Mikrokosmos des gesamten Mittelmeerraumes: Die ehemalige Tagesthemen-Moderatorin Aline Abboud zeichnet in ihrem autobiografischen Buch “Barfuß in Tetas Garten - Berlin mein Libanon und ich” ein warmherziges Porträt des Libanons, das Land ihres Vaters. Dabei leistet sie sensible Aufklärungsarbeit und zeigt, wie weit gängige Klischees über “die arabische Welt” gerade mit Blick auf den Libanon meist an der Realität vorbei gehen. Daneben setzt sie sich mit ihrer ostdeutschen Herkunft auseinander.

    Ich spreche mit Aline Abboud darüber, was ihre Beziehung zum Libanon ausmacht und warum sie so eine starke Bindung zu einem Land empfindet, das sie nur aus den Sommerferien kennt. Sie gibt Einblicke, wie sich Krieg auf die Psyche auswirkt und wie die Menschen im Libanon mit der Dauerkrise in ihrem Land umgehen. Was bedeutet es auszuwandern – und welche Erfahrungen teilen Menschen mit Migrationsgeschichte und Ostdeutsche im vereinten Deutschland? Und wir unterhalten uns darüber, wie es ist, ein Buch über die eigene Familiengeschichte zu schreiben, wenn man es gewohnt ist, die journalistische Distanz zu wahren und als Person des öffentlichen Lebens nicht zu viel Privates preiszugeben. Last but not least erklärt sie, warum sie den Libanon trotz aller Herausforderungen auch als Reiseland uneingeschränkt empfehlen kann, und worauf man unbedingt achten sollte, wenn man einen Flug nach Beirut bucht.

    Aline Abboud, geboren 1988 in Ost-Berlin, ist Kommunikationsberaterin, Journalistin, und Moderatorin. Von 2021 bis 2024 moderierte sie neben anderen die ARD „tagesthemen“ und „tagesschau24“. In „Zenith – Der Nahost Podcast” beleuchtet sie die Lage im Nahen Osten, bei funk präsentiert sie das Erklärformat „DIE DA OBEN!”.

    Links

    Instagram-Kanal der Autorin

    Aline Abbouds Buch:

    Barfuß in Tetas Garten. Berlin, mein Libanon und ich. Ullstein Paperback 2025.

    Aline Abbouds Buchempfehlung:

    Ursula Weidenfeld: Das doppelte Deutschland. Eine Parallelgeschichte, 1949 – 1990. Rowohlt Berlin 2024.

    Dank an:

    Martin Gronemeyer (Regie & Technik, Sagamedia)

    Adrian Polley (Jingle)

    Johanna Polley (Ansage, Website hier)

    Eine Produktion von Sagamedia

    1 hr 10 min

About Table of Content - der Sachbuch-Podcast

From the publisher's feed

Ich bin seit vielen Jahren Lektor und spreche im Podcast mit Autorinnen und Autoren von populären Sachbüchern über ihre Werke. Außerdem lade ich Menschen ein, die bei Verlagen, Agenturen oder in den…