(Ausgezeichnet mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2026)
Im neu geeinten Deutschland des späten 19. Jahrhunderts entwickelte sich ein spezifisches Wirtschaftsmodell, das unser Land entscheidend geprägt hat. Es zeichnete sich unter anderem durch eine enge Verflechtung von Unternehmen, Banken und Lobbyverbänden aus, die von einer überschaubaren Zahl von Personen getragen wurde und sich als erstaunlich langlebig erwies. „Dreihundert Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents“, schrieb der Industrielle und Politiker Walter Rathenau 1909. Doch dieses später als Deutschland AG bezeichnete Phänomen war weit mehr als nur ein Beteiligungsnetzwerk. Es war „eine Haltung, eine Kultur, eine Denkweise“. So formuliert es Konstantin Richter in seinem glänzend erzählten Buch „Dreihundert Männer“, das mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2026 ausgezeichnet worden ist.
Was macht dieses deutsche Modell so besonders, worin unterschied es sich beispielsweise von dem der USA? Was waren seine Vorzüge, was seine Nachteile? Welchen Platz hatten Frauen darin? Und warum ist es spätestens in den 1990er Jahren untergegangen? Darüber unterhalte ich mich mit Konstantin Richter. Gemeinsam erkunden wir 150 Jahre deutscher Wirtschaftsgeschichte und begegnen dabei prominenten Unternehmen wie Daimler Benz, Mannesmann oder der Deutschen Bank und wichtigen Protagonisten wie Edzard Reuter und Alfred Herrhausen. Welche Rolle haben deutsche Unternehmen im Nationalsozialismus gespielt? Wie ist es der Deutschland AG gelungen, sich über Zäsuren wir 1918 und 1945 hinwegzuretten? Wie machte sich die Kulturrevolution von 1968 in der Wirtschaft bemerkbar? Und schließlich: Hat die deutsche Industrie noch eine Zukunft?
Außerdem spricht Konstantin Richter über die Entstehung des Buches. Denn obwohl er die Idee dazu schon im vergangenen Jahrtausend hatte, dauerte es noch knapp zwei Jahrzehnte, bis der Knoten platzte und ein wunderbar unterhaltsames Geschichtswerk entstand.
Konstantin Richter ist Autor und Journalist. Er hat regelmäßig für deutsch- und englischsprachige Medien wie The Wall Street Journal, The Guardian, The New York Times oder Die Zeit geschrieben. Darüber hinaus hat er mehrere Bücher veröffentlicht.
Links
Konstantin Richters mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2026 ausgezeichnetes Werk:
Dreihundert Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG. Suhrkamp 2025.
Konstantin Richters Buchempfehlung:
Nikita Afanasjew: Mein Eiserner Vorhang. Eine persönliche Spurensuche entlang der neuen Trennlinie zwischen Ost und West. btb 2026.
Weitere Bücher, die erwähnt wurden:
Hartmut Berghoff: Trügerischer Wohlstand. Eine Wirtschaftsgeschichte der Berliner Republik seit 1990. C.H. Beck 2026.
Dank an:
Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, besonders an Anne-Mette Noack und Gunvor Schmidt.
Martin Gronemeyer (Regie & Technik, Sagamedia)
Johanna Polley (Ansage, Website hier)
Eine Produktion von Sagamedia