"Siehe, wie der Ton in des Töpfers Hand, so seid auch ihr in meiner Hand."
"Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen."
Es kommt bekanntlich immer auf den Vergleichspunkt an. In dem Bild von Ton und Töpfer im heutigen Losungswort geht es keineswegs darum, dass wir eine willenlose und passive Masse in Gottes Hand sind.
Der Prophet sieht vielmehr einen Töpfer, der an der Scheibe arbeitet; doch das Gefäß, das er urspr. im Sinn hat, missrät und so macht er etwas anderes daraus: Wenn ein Volk, das Gott zum Untergang bestimmt hat, sich zu Gott bekehrt, so hält Gott nicht stur an seinem urspr. Vorhaben fest, sondern gibt diesen Volk eine zweite Chance. Im umgekehrten Fall gilt gleiches.
Damit sich Gottes heilvolle Absichten in unserem Leben also verwirklichen, bedarf es unseres Zutuns, und sei es im Sinne unserer Zustimmung. Gott handelt nicht über unseren Kopf hinweg an uns und zwingt uns sein Heil nicht auf. Es gibt keinen Heilsautomatismus. Seine Liebe zu uns verbietet das. Gott nimmt uns ernst. Es macht etwas aus, ob wir uns für Gott öffnen, oder uns ihm gegenüber verschließen; ob wir ihn "fürchten", oder ob er uns egal ist. Die Frage, die Jesus dem blinden Bartimäus stellt, ist also ganz grundsätzlicher Art: "Was willst du, dass ich für dich tun soll?" (Lukas 18, 41) Das Heil kommt nicht in wundersamer Weise über dich; sondern du wählst es - oder verwirfst es eben.
Der Apostel Paulus geht im Lehrtext noch einen Schritt weiter. Was ist denn, wenn mein Wille und meine Entscheidungsfähigkeit so verkrümmt sind, dass ich mich gar nicht frei und ungehindert für das Heil entscheiden kann? Was, wenn ich das Heil schon will, aber nicht in der Lage bin, diese Entscheidung durchzutragen? Wenn ich über die gute Absicht nicht hinauskomme? Ein russisches Sprichwort sagt bekanntlich: "Die schlimmsten Dinge auf unserer Welt sind aus guter Absicht entstanden"! Paulus erweist sich wieder einmal als Kenner der Abgründe unserer Seele und als brillianter Seelsorger: Auch und gerade in unserem Ringen, das Gute zu wollen - aber eben nicht nur "den guten Willen" zu zeigen, sondern ihn auch zu tun - dürfen wir uns von Gott umfangen wissen.
Es gehört wohl zum Geheimnis der Liebe Gottes, dass er uns ganz frei gibt, ohne jede Manipulation und uns ganz ernst nimmt in unserer Verantwortlichkeit - und doch in uns wirkt, was vor ihm wohlgefällig ist.
So sei in den hellen Schein der Liebe Gottes hineingestellt.
Dein Wille und deine Entschlusskraft seinen aufgerichtet und gesegnet.
Sei mit neuem Vertrauen in den "Christus in dir" gesegnet, damit sein Wirken zu deinem Wirken wird.