Gordon Bonnet (ZZF/Interzoo) im Gespräch über die größte Fachmesse aller Zeiten, kultiviertes Fleisch, das Green Claims Label und die Rolle von KI im Tierwohl.
Nürnberg, Mai 2026 — vier Tage, 150.000 Quadratmeter, über 2.400 Aussteller aus 70 Ländern. Die Interzoo 2026 ist Geschichte. Und sie war, nach allem was messbar ist, die größte und internationalste, die diese Branche je gesehen hat.
Mein Gesprächspartner ist Gordon Bonnet — Geschäftsführer des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF), dem politischen Interessenvertreter der deutschen Heimtierbranche, und gleichzeitig Geschäftsführer der WZF GmbH, der operativen Tochtergesellschaft, die als Veranstalterin hinter der Interzoo steht. Bonnet ist Jurist, Wirtschaftsmediator und Journalist — ein Mann, der die Heimtierbranche von innen kennt und nach außen kommuniziert.
Ich frage nach dem, was hinter den Messestatistiken steckt.
Was wir besprochen haben:
- Interzoo 2026 — die Bilanz: 7 % mehr Besucher trotz gestiegener Reisekosten und geopolitischer Spannungen. Was das bedeutet und warum die Messe funktioniert, während gleichzeitig weltweit Protektionismus wächst.
- Globalisierung vs. Tierwohl: China und USA unter den Top-4-Ausstellerländern — und Gordon Bonnets klare Aussage: Tierwohl-Standards sind weltweit unterschiedlich. Was bei uns als Errungenschaft gilt, steht anderswo noch am Anfang.
- Alternative Proteinquellen & CO2-Fußabdruck: Warum "ohne Fleisch = bessere Ökobilanz" zu kurz gedacht ist. Lieferwege, Trocknungsenergie, Insektenproduktion — Bonnet differenziert, wo manche nur Marketingbotschaften liefern.
- Kultiviertes Fleisch für Tiere: Erste Studienergebnisse, wirtschaftliche Skalierungsfragen und die Frage, ob das Tierfutter der Zukunft im Labor entsteht.
- Verarbeitungsqualität & AGEs: Das Pet Food Forum auf der Interzoo hatte Herstellungsverfahren, Hitzebelastung, Maillard-Reaktion und Lysin-Bioverfügbarkeit explizit auf der Agenda. Bonnet bestätigt: Die Branche diskutiert das — endlich.
- Green Claims Label ab September 2026: Was kommt auf Unternehmen zu, die munter mit "nachhaltig", "klimaneutral" und "schonend verarbeitet" werben — ohne Belege? Bonnet ist klar: Entweder belegen oder versprechen streichen.
- Greenwashing — wie offen ist die Branche wirklich? Eine ehrliche Antwort: grundsätzliche Offenheit, aber erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Unternehmen. Der Markt differenziert sich — auch weil Verbraucher Aussagen nicht mehr einfach glauben.
- KI, Tracking & Datenschutz: Katzenklappe mit Gesichtserkennung, Aquarium-Monitoring, biometrische Gesundheitsdaten über Halsbänder. Bonnet sieht große Chancen für das Tierwohl — und bleibt nicht blind gegenüber den Datenschutzfragen.
Das Vermächtnis von Norbert Holthenrich: Der ZZF-Präsident tritt nächstes Jahr nicht mehr an. Bonnet hält die Laudatio für den Interzoo Personality Award — und erklärt, was 14 Jahre ruhige, diplomatische Führungsarbeit für eine Branche bedeuten können.Die Katze: Weltweit auf dem Vormarsch. Und die KI-generierte Katze im Interzoo-Opening-Video? Echte Katze, generierter Einlauf. Bonnet erklärt den Unterschied — und warum echte Katzen auf der Messe keine Option sind.
Gordon Bonnet ist seit Januar 2021 Geschäftsführer des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF) — dem Branchenverband, der die wirtschaftlichen und sozialpolitischen Interessen der deutschen Heimtierbranche gegenüber Politik und Öffentlichkeit vertritt — sowie Geschäftsführer der Wirtschaftsgemeinschaft Zoologischer Fachbetriebe GmbH (WZF), Veranstalterin der Interzoo in Nürnberg, der weltweit größten Fachmesse der Heimtierbranche.
Bonnet ist ausgebildeter Jurist und Wirtschaftsmediator. Vor seiner Zeit beim ZZF war er in leitenden Kommunikationspositionen bei den Industrie- und Handelskammern Frankfurt und Wiesbaden tätig, bevor er als Mitglied der Geschäftsleitung einer auf Live-Kommunikation spezialisierten Agentur arbeitete. Er beschreibt sich selbst als "Kommunikator aus Leidenschaft."
ZZF: zzf.de
WZF & Interzoo: interzoo.com
Pet Food Forum: petfoodeurope.eu (Sustainability & Ingredients Track)
EU Green Claims Directive: European Commission