Der KI-Jahresrückblick: Google, Gemini, Nano Banana und Vibe Coding
Welches KI-Tool hat das Jahr 2025 tatsächlich überlebt, und was war nur der geile heiße Scheiß von vorletzter Woche? Mark und Jens ziehen in der letzten Folge des Jahres einen schonungslosen Bilanzstrich durch die KI-Toollandschaft, sortiert nach den drei Nutzungsarten, die für die meisten Menschen zählen: Prompten und Suchen, Bilder erzeugen, zur Weihnachtszeit auch Musik generieren. Beim Suchen bleibt Perplexity AI für Mark der verlässlichste Begleiter für Quellenrecherche, während im Hintergrund ein Modellkarussell aus Mistral, Grok, Anthropic Claude und OpenAI sich im Wochentakt gegenseitig überholt. Besonders unangenehm dabei: das, was die beiden Prompt-Drift nennen, also etablierte Prompts, die mit GPT-4 sauber liefen und nach dem Sprung über GPT-5 zu GPT-5.1 und GPT-5.2 plötzlich ungefragte Zusatzinformationen oder ganz andere Textbausteine produzieren.
Den größten Umbruch sehen beide bei der klassischen Google-Suche. Seit Gemini im Hintergrund direkt ins Suchfeld eingezogen ist, empfindet Mark die KI-Antworten seit Dezember 2025 erstmals als wirklich gut, nach holprigen ersten Monaten mit fragwürdigen Quellen. Für klassische Websitebetreiber ist das eine schlechte Nachricht: Wenn Google die Antwort direkt liefert, bleibt der Klick auf die eigentliche Quelle aus, und 2026 soll laut den beiden auch noch Werbung in diese KI-Suchergebnisse einziehen. Gleichzeitig zeigt Google, wie breit sich der eigene Vorteil aus eigenen Chips, eigener Cloud und Endgeräten ausspielen lässt: von Google Labs-Experimenten mit personalisierten Lernmaterialien über NotebookLM bis zum Deal, mit dem Apple ein Gemini-Modell einkauft, um eine schlauere Siri zu bauen.
Apple und Amazon kommen dabei schlechter weg. Siri mit angeflanschtem ChatGPT-Pro-Zugriff fühlt sich für Mark durch Latenz und den ewig gleichen Disclaimer-Satz immer noch klobig an, und Alexa bleibt bei Jens bei zehn bis fünfzehn simplen Sprachbefehlen am Tag hängen: Wetter, Musik, Lichtsteuerung, aber meilenweit von einem echten Dialog mit einem LLM entfernt. Die Hoffnung der beiden: Sobald Standards wie das Model Context Protocol (MCP) und Agent-to-Agent-Protokolle (A2A) ausgereift genug sind und die Boxen zu Hause mehr Rechenleistung für lokale Modelle bekommen, könnte den etablierten Sprachassistenten-Herstellern eine Art Renaissance bevorstehen, weil sie im Gegensatz zu neuen Anbietern schon in jedem Wohnzimmer stehen.
Ein wiederkehrendes Ärgernis des Jahres: UX-Experimente rund um Reasoning-Anzeigen, mal wird das Nachdenken der Modelle transparent eingeblendet, mal versteckt, mal darf man selbst zwischen Sofortantwort und Deep-Research-Modus wählen. Auch das Nebeneinander-Anzeigen zweier Antwortvarianten zum Vergleichen empfinden beide eher als Entscheidungsstress denn als Komfort. Bei den Kreativ-Tools hat sich für Mark dagegen über Nacht die Welt verschoben: Aus Gamma für Folien wurde durch Nano Banana plötzlich eine 4K-fähige Infografik- und Bildmaschine, und wer die Folien als PowerPoint statt nur als Google Slides braucht, schiebt sie eben noch durch Manus. Ein Schul-Beispiel zeigt, wie mächtig das inzwischen ist: Fotografierte Mitschriften landen in NotebookLM, das daraus Infografiken, Erklärvideos, Quizfragen und Lernkarten für den nächsten Test baut.
Ganz nebenbei verraten Mark und Jens auch, wie sehr KI inzwischen die eigene Podcast-Produktion trägt: Aufnahme über Riverside.fm, Tonveredelung über die Anthropic-API, automatische Kapitelmarken und Show Notes über Podigee sowie n8n-Workflows, die sogar Manus-Agenten per API anstoßen. Beim Programmieren hat sich ähnlich viel verschoben: von Lovable und Bubble über Replit bis zu Manus, das aus wenigen Prompts komplette Anwendungen mit Login, Datenbank und Datei-Upload baut: Vibe Coding, ganz ohne Programmierkenntnisse. Ihr Fazit für 2025 bleibt trotzdem nüchtern: Wer das meiste rausholen wollte, brauchte weiterhin Herrschaftswissen, welches Abo, welches Tool, welcher Workflow gerade passt. Die große Delegation ganzer Ziele statt einzelner Prompts wird eher ein Thema für 2026.
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Think Different. Think AI. mit Mark Zimmermann und Jens Scharnetzki.
Hören: Apple, Spotify, YouTube, RSS
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Neue Folge zuerst im WhatsApp-Kanal
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Wenn euch die Folge was gebracht hat: einmal bei Apple bewerten. Das entscheidet, ob jemand Neues uns findet.
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