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Elf Jahre lang war Michael Selmeier selbstständiger Tennistrainer, und das Geschäft lief stabil. Über die Jahreswende 2019/20 war die Freude daran plötzlich weg. Sein Kopf fragte, warum er etwas ändern sollte. Sein Bauch hatte längst entschieden. Er bewarb sich bei GBN Systems, unterschrieb, und eine Woche später kam der Lockdown.
Danach ging es schnell. Der vorgesehene Nachfolger verließ das Unternehmen, Selmeier übernahm direkt nach der Probezeit die Teamleitung, und bald darauf fragte ihn der Gründer, ob er in die Geschäftsführung kommen will. War er bereit? „Nein.“ Er schlief eine Nacht darüber und sagte zu. Heute führt er das Unternehmen gemeinsam mit dem Gründer und will den Betrieb aus der Manufaktur in eine Zukunft mit KI führen, ohne dabei Leute zu verlieren.
Ein Gespräch über Intuition in der Führung, über eine Nachfolge von außen und über die Frage, wie man eine Mannschaft mitnimmt, die nicht von selbst mitwill.
„Das Leben lebst du vorwärts, aber verstehen tut man es rückwärts.“
Über den Podcast:
Die Krise trifft den Mittelstand hart. Aufträge brechen weg, Margen schmelzen. Viele greifen nach dem Halt, der sich gerade anbietet. Ich halte das für den falschen Weg. Es gibt einen anderen.
Ich bin Angela Imdahl. Seit fünfundzwanzig Jahren arbeite ich mit der Engpasskonzentrierten Strategie im inhabergeführten Mittelstand, in der Industrie. „Unternehmer in der Brandung“ gibt Menschen eine Stimme, die den Mut haben, sich des eigenen Verstandes zu bedienen: Unternehmer, die ihre eigenen Antworten gefunden haben, jenseits des Mainstreams, und Strategen, die sich das Selbstdenken nicht verbieten lassen.
Mehr zum Podcast: imdahl-institut.de/brandung
Ein Federnhersteller aus dem Nordschwarzwald verschenkt sein Wissen. An jeden. Auch an den Modellbauer, der für 300 Euro eine einzige Feder für sein altes Motorrad braucht.
Hagen Gutekunst hat vor 25 Jahren gemerkt: Seine Techniker beraten mehr, als sie produzieren. Statt das abzustellen, hat er es zum Kern gemacht. Heute empfehlen ihn Entwickler weiter, und die großen Aufträge kommen hinterher. Aufträge, die ihn wieder zum reinen Teilelieferanten machen würden, lehnt er ab. Auch große.
Wissen, das man teilt, wird mehr.
Gutekunst Formfedern: https://www.gutekunst-formfedern.de/
Dr. h. c. Wolfgang Leonhardt führt in zweiter Generation einen Betrieb, den sein Vater 1960 als Graveur in einer Werkstatt von zwölf Quadratmetern gegründet hat. Keine Pokale, keine Klingelschilder. Feine Strukturen auf Spritzgusswerkzeugen für Märklin-Lokomotiven, die Steine des Lichtenstein für Faller, die Punkte auf dem alten Nutella-Deckel, von Hand geschlagen, damit sie leben. Heute fertigt Leonhardt Tooling in Hochdorf Werkzeuge mit Toleranzen von zwei Mikrometern, hält Patente und wurde neun Mal als Top-Innovator ausgezeichnet. In einer Branche, von der viele sagen, sie sei in Deutschland nicht mehr zu retten.
1992 übergibt der Vater. Im selben Jahr kommt die Krise. Bis dahin war der Betrieb zu 85 Prozent verlängerte Werkbank anderer Werkzeugbauer. Leonhardt entscheidet, komplette Werkzeuge zu bauen, und wird damit Mitbewerber seiner eigenen Kunden. Warum das trotzdem funktioniert hat, ist der Kern dieses Gesprächs: Er hat seinen Kunden immer das angeboten, was sie selbst nicht konnten. Sein Satz dazu: Wir sind Mitbewerber, aber keine direkten Wettbewerber. Je stärker unsere Kunden am Markt stehen, desto länger bleiben sie. Und wir rutschen hinterher.
Wir sprechen darüber, warum er geblieben ist, als andere in den Osten verlagert haben. Über eine Keramik, die härter ist als Stahl und die weltweit sonst niemand für den Formenbau bearbeitet. Über 24 Mitarbeiter, von denen mehr als die Hälfte einen Meisterbrief hat. Über einen Auszubildenden, der 6.500 Kilometer aus Indien angereist ist, weil sich hier niemand mehr bewirbt, und der vorher auf eigene Faust Deutsch gelernt hat. Über den Reinraum für die Medizintechnik, den ein Betrieb dieser Größe eigentlich nicht baut. Und über KI, die er nutzt, um schneller zu entscheiden, aber nicht, um sich sagen zu lassen, was zu tun ist.
Sein Rat an Unternehmer, denen gerade die Orientierung fehlt, ist unbequem: Das tatsächliche Machen ist uns abhandengekommen. Wir reden, wir diskutieren, wir halten Meetings, und das Ergebnis ist, dass man weiß, wann der nächste Termin ist. Wer sich in der Unsicherheit klein macht, geht den falschen Weg. Groß bleiben, die Zukunft im Blick behalten, damit die Gegenwart einen nicht überholt.
Unternehmer in der Brandung. Hier erzählen Unternehmer ihre Brandungsgeschichte, und wir finden gemeinsam die Strategie dahinter: die Maximen, nach denen sie entschieden haben, als es drauf ankam.
Leonhardt Tooling finden Sie unter https://leonhardt-tooling.de/
Martin Hoffmann führt in dritter Generation die Iseki-Maschinen GmbH. Hinter ihm ein japanischer Weltkonzern als Minderheitsgesellschafter, vor ihm der deutsche Markt für Kommunaltechnik. Seine Maschinen mähen die Parks, räumen die Radwege, halten das Straßenbegleitgrün kurz. Kaum jemand kennt den Namen. Fehlen würden sie sofort.
Und dieser Unternehmer hat etwas getan, was ich in vielen Jahren so noch nicht gehört habe: Er hat ausgerechnet, dass sein heutiges Kerngeschäft verschwindet. Nicht vielleicht. Sicher. Sein Satz dazu: Es ist undenkbar, dass ich in 20 Jahren noch dieselben 2.000 Diesel-Traktoren verkaufe wie heute. Entweder scheitert die Welt an der Klimakrise oder mein Geschäft, wie es ist, gibt es nicht mehr.
Wie führt man ein Unternehmen mit einer solchen Vision? Darüber sprechen wir. Über eine elektrische Großmaschine, die sich vor einem Jahr nach fünf Jahren rechnete und heute nach einem. Über 150.000 Tonnen CO2, von denen zwei Drittel erst beim Kunden entstehen, und was das für ein Geschäftsmodell bedeutet, das vom Verkaufen lebt. Über den Umbau vom Verkäufer zum Dienstleister, der schon heute die Hälfte des Ertrags aus Service holt. Und über die eigentliche Herausforderung: als Einziger in der Branche eine andere Richtung zu gehen und nicht zu wissen, ob man der Geisterfahrer ist oder die anderen.
Martin Hoffmann ist außerdem einer der wenigen Unternehmer, die sich öffentlich für Vermögens- und Erbschaftssteuer einsetzen, als Mitglied von TaxMeNow. Warum er das tut und woher der Gegenwind wirklich kommt, auch das ist Teil dieses Gesprächs.
Sein Rat an Unternehmer, die gerade verunsichert sind: Erst bei sich selbst anfangen. Welche Ängste steuern mich, ohne dass ich es merke? Dann die Fakten anschauen. Und dann nur testweise durchrechnen, was es für das eigene Geschäft bedeutet, wenn man die Lage einmal ernst nimmt.
Unternehmer in der Brandung. Hier erzählen Unternehmer ihre Brandungsgeschichte, und wir finden gemeinsam die Strategie dahinter: die Maximen, nach denen sie entschieden haben, als es drauf ankam.
Martin Hoffmann finden Sie auf LinkedIn und Instagram. Er liest seine Kommentare selbst.
https://www.instagram.com/iseki_maschinen_gmbh/
https://www.linkedin.com/in/marthoff/
Eine Schmiede seit 1596, Weltmarktführer bei Federstahlzinken, und ein Geschäftsführer, der sagt: Wir sind in keiner Krise. Die Betonung liegt auf noch.
Ulrich Pfetzing erzählt, warum man ihn den Totengräber der SHW Schmiedetechnik nannte, als er neben dem Fachhandel den E-Commerce aufbaute. Wie er seine Mannschaft hinter eine unbequeme Haltung bekam: Wir warten nicht darauf, dass sich von außen etwas ändert. Und woran er erkennt, wo der Ball morgen liegt.
Ein Gespräch über Verantwortung, die im eigenen Haus bleibt.
Meine
Mehr über meine Arbeit: www.imdahl-institut.de
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