Führung mit Freude

Vielleicht kennst du auch diesen einen Kollegen…


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… der immer und immer wieder erzählt, was er alles für das Unternehmen und das Team leistet. Eigentlich kommt Herr Großartig immer relativ spät zur Arbeit und ist auch nicht gerade derjenige, der als letzter Feierabend macht. Und irgendwie scheint er generell relativ viel Zeit zu haben, zumindest sieht man ihn im Laufe des Tages selten an seinem Platz ...
Bereits morgens erzählt er in der Kaffeeküche, was er heute alles vorhat und wie voll sein Arbeitstag sein wird. Wenn man Herrn Großartig am Vormittag zufällig im Flur begegnet, erzählt er, was er heute schon alles gemacht hat. Es hört sich unheimlich wichtig und umfangreich an. Am Abend berichtet er so ausführlich darüber, was er alles getan hat, dass die Anderen direkt das Gefühl bekommen, er schmeißt den ganzen Laden praktisch komplett alleine, und sie selbst sind neben ihm nur Low-Performer.
Irgendwie landen aber die Aufgaben, für die eigentlich Herr Großartig zuständig wäre, regelmäßig bei den Anderen.
Will man das aber ganz vorsichtig zur Sprache bringen, erzählt Herr Großartig ausführlichst, was er alles leistet, wie viel er verantwortet und wie extrem ausgelastet er ist. Wenn man jedoch genauer hinhört, klingt es in etwa so:
“Heute musste ich schon den Knopf am PC drücken und dann den PC hochfahren. Danach habe ich die eine wichtige Adresse rausgesucht, ich musste ja diese ganz wichtige E-Mail schreiben. Dann habe ich diese Adresse in die Adressleiste eingefügt. Schließlich habe ich mir ganz viele Gedanken gemacht und den perfekten Betreff formuliert. Das war echt arbeitsintensiv. Anschließend habe ich an der Formulierung der einzelnen Sätze gearbeitet und jedes Wort extra Buchstabe für Buchstabe eingetippt. Es kostet natürlich schon sehr viel Energie, so eine perfekte E-Mail zu verfassen. Dann habe ich sie sogar nochmal gelesen, bevor ich sie über das Drücken des “Senden-Buttons” abgeschickt habe. Also jetzt brauche ich unbedingt eine Pause, nach diesem Energieaufwand muss mein Kopf erstmal freiwerden.”
Natürlich übertreibe ich an dieser Stelle, aber dass der Kollege es tatsächlich schafft, 20 Min über eine E-Mail zu reden, die er verfasst hat, besteht durchaus den Faktencheck.
Und auch wenn die Zuhörer davon genervt sind, bekommen sie skurrilerweise nicht selten ein schlechtes Gewissen, fühlen sich irgendwie klein und schämen sich fast darüber, wie vermeintlich wenig sie im Vergleich zu Herrn Großartig leisten. Und während Herr Großartig weitereilt, um von seinem Work-Overload und seiner überdurchschnittlichen Performance anderweitig zu berichten, setzen sich die Andern brav hin und erledigen mal wieder seine Arbeit.
Wenn dir diese Geschichte etwas bekannt vorkommt, hinterlasse gerne einen Kommentar oder schreibe mir eine PN und wir tauschen uns aus, wie man so eine Situation vernünftig, nachhaltig und mit gutem Gefühl lösen kann. ... oder, was man von genau diesem Kollegen lernen kann. ;) https://aldonagiesbrechtconsulting.de/termin/
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Führung mit FreudeBy Aldona Giesbrecht