Vogel der Woche

Vogel der Woche: #131 - Mettente


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Mettente

(Metta botula KAIBONN, 2014)

Mettenten sind ausgesprochen fixiert auf ihre Partner. Sie sind sich gegenseitig so treu ergeben, dass man sie eigentlich nie­mals alleine antrifft. Wo eine Mettente ist, da ist grundsätzlich auch eine zweite. Meistens stehen sie so dicht beieinander wie die Backen eines menschlichen Gesä­ßes. Ihre Körperseiten sind stark abgeflacht, so dass Mettenten von oben gese­hen länglicher wirken als andere Enten und entfernt an Würstchen erinnern.

Andere Entenarten sind ihren Partnern ebenfalls sehr treu, aber bei denen beginnt es nicht direkt nach dem Schlupf aus dem Ei, sondern erst mit dem Zeitpunkt, den man vielleicht als Entenpubertät bezeichnen könnte.

Mettenten finden sich hingegen ex ovo zu Paaren zusammen, sie warten nicht erst ab, bis ihr Flausch getrocknet ist, und auch die Prägephase auf das artspezifische Mutter­tier steht in der Prioritäten-­Liste eins weiter hinten als bei anderen Enten.

Die berühmte Verhaltensforscherin Irene Deibel­-Eibenfels hat sich detailliert der Mettentenforschung gewidmet und in einem Freilandexperiment herausgefunden, wa­rum es nicht zu Geschwisterverpaarung und damit zu Inzucht kommt. Dazu hat sie insgesamt 54 Mettenten mit RFID­-Chips versehen und an den Nestern kleine Lese­stationen mit Datenloggern angebracht. Die Nester der Mettenten bestehen aus einer Art Mehlpamps mit gemauerten Bohnen darin und werden über viele viele Jahre hinweg benutzt.

Durch die Chip-­ und­ Lesestations­-Ge­schichte gelang ihr der Nachweis, dass die Partner eines Entenpärchens sich beim Brüten nicht abwechselten. Entweder sa­ßen beide Enten gleichzeitig auf den Eiern, oder keine. Und wenn sie nicht auf ihren Eiern saßen, dann saß ein anderes Mett­entenpärchen darauf und anschließend war ein Ei mehr im Nest.

Im folgenden Jahr implantierte Frau Deibel­-Eibenfels den nachts eingefangenen Mett­enten­-Weibchen unter Narkose ein Farb­-Depot in den letzten Abschnitt des Eileiters, so dass nun jede Ente ihre Eier in einer anderen Farbe legte. Wiederum ergab es aufsehenerregende Ergebnisse: die insge­samt 26 beobachteten Mettentenpärchen betrieben eine Extremform des Brutpara­sitismus, sie rotierten durch alle erreich­baren Nester, legten überall ein Ei ­– außer in ihr eigenes Nest. Jedes einzelne Pär­chen zog auf diese Weise wildfremde Kü­ken groß, und keine zwei Küken eines Nestes stammten von den selben Eltern – Inzucht war hierdurch wirksam ausge­schlossen.

Für diese Forschungen bekam Irene Deibel­-Eibenfels den heißbegehrten Intelli­gent­-Design­-Award, der ausschließlich an Forscher vergeben wird, die mit bekloppten Klischees wie der Sage vom Osterhasen, und mit der Darwin’­schen Evolutionslehre gründlich aufräumen.

Mit dem Preisgeld erfüllte sich Frau Deibel­-Eibenfels einen Lebenstraum und machte sich 2011 selbstständig mit einer Mettenten­-und­-Bunte-­Eier-­Farm. Des weiteren bietet sie im Ambiente geschmackvoll schnattern­den Federviehs Intelligenzkurse, Themen­töpfern und Manager­-Seminare zur Selbst­findung mittels Körperöffnungsmalerei an. Irene hat auch eine Seite bei facebock.

Und die Mettentenpopulation aus ihrer For­schung? ­ Die funken noch heute ihre Da­ten in die Logger; Mettenten geben einen Nistplatz, den sie mühsam ermauert haben und der sich einmal bewährt hat, nämlich nicht auf. Sie sind nicht nur partner-­, son­dern auch standorttreu.

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