Die Geschichte von Harald Geyer
Ein Leben gegen den Strom: Harald Geyer
Manche Gespräche sind mehr als Interviews. Dieses ist eines davon.
In dieser Folge spricht Matti Geyer mit seinem eigenen Vater – Harald Geyer. Ein Gespräch unter besonderen Umständen: Harald befindet sich in Palliativpflege. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Das Sprechen fällt ihm bereits schwer.
Geboren 1939, wächst er in den letzten Kriegsjahren und der unmittelbaren Nachkriegszeit auf. Früh verliert er seinen Vater. Kurz nach Kriegsende wird die Familie von sowjetischen Soldaten aus ihrem Zuhause vertrieben. Hunger prägt den Alltag – bis eine Beziehung seiner Mutter zu einem sowjetischen Offizier das Überleben sichert.
Harald träumt davon, Regisseur zu werden. Doch in der DDR bleibt dieser Weg verschlossen. Er entscheidet sich für ein Lehramtsstudium – ein Kompromiss. Als seine Mutter in den Westen geht, plant er, ihr zu folgen. Doch dann wird die Mauer gebaut. Die Grenze schließt sich, und Mutter und Sohn werden getrennt.
In der DDR wird von ihm erwartet, der Partei beizutreten. Harald weigert sich. Eine Entscheidung mit Konsequenzen: Überwachung durch die Stasi, eingeschränkte berufliche Perspektiven. Schließlich gibt er den Lehrerberuf auf.
Sein weiterer Weg ist geprägt von Brüchen und Neuanfängen. Er arbeitet in verschiedenen Jobs, fährt illegal Taxi, schlägt sich durch – und bleibt dabei unabhängig.
Nach der Wende beginnt ein neues Kapitel: Er unterrichtet vietnamesische Vertragsarbeiter in Deutsch und engagiert sich später in der jüdischen Gemeinde, wo er russischen Einwanderern beim Ankommen hilft. Sprache wird für ihn zum Mittel der Verbindung.
Bis ins hohe Alter bleibt er aktiv, kritisch und eigenständig. Erst eine Krebsdiagnose verändert alles.
In dieser Folge spricht Matti Geyer mit seinem Vater über ein Leben gegen den Strom – und hält einen Moment fest, der zugleich Abschied und Erinnerung ist.
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Matti Geyer arbeitet als Redakteur beim Berliner Radiosender FluxFM. Speziell durch seine Arbeit als Stadtführer von toursofberlin bringt er Expertise in Sachen Historie ins Programm ein.