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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Aus dem Buch des Propheten Jesaja, aus dem 49. Kapitel:
1 Hört mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merkt auf! Der Herr hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. 2 Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt. 3 Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will. 4 Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz. Doch mein Recht ist bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott. 5 Und nun spricht der Herr, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde – und ich bin vor dem Herrn wert geachtet und mein Gott ist meine Stärke –, 6 er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde. (Jesaja 49,1-6)Geliebte Gottes in der Augustenhilfe,
Von der Heilungsgeschichte aus dem Evangelium zum fragenden Propheten. Eine Reise zurück in die Zeit, Jahrhunderte vor Jesus. Eine Reise nach Babylon, ins Exil des Volkes Israel, in die Gefangenschaft. Eine Reise zu den Entmutigten, die ihre berühmten Harfen aufhängen an den Flüssen Babylons, die klagen und weinen, die keine Hoffnung mehr haben. Und zu ihm, dem Propheten Gottes dort.
Was mache ich hier eigentlich?
Das ist seine große Frage, die ich aus diesem Text heraushöre.
Was mache ich hier eigentlich?
Dabei hatte doch alles so gut angefangen. Er weiß sich von Gott berufen. Das kann nicht jeder von sich behaupten. Berufen "von Mutterleibe an". Sein ganzes Leben steht unter diesem Vorzeichen: Gott hat etwas mit mir vor. Er hat einen Plan. Er will durch mich die Welt verändern. Und er hat mich perfekt dafür gemacht: Ein Mundwerk wie ein scharfes Schwert. Ein spitzer Pfeil im Köcher Gottes. Wenn ich rede -- so dachte ich zumindest immer -- dann horchen die Menschen auf. Meine Worte treffen sie ins Mark. Wenn Gott durch mich redet, dann geschieht etwas.
So dachte ich eigentlich immer. Bis ich hier gelandet bin -- im Land der Hoffnungslosigkeit und der Trauer.
Sollte ein Prophet die Traurigen nicht trösten können? Sollte es die Menschen nicht aufrichten, neu motivieren, wenn Gott selbst zu ihnen spricht -- wenn auch durch die Worte eines Menschen? Sollte sein Reden nicht Veränderung bewirken. Mut geben? Neue Hoffnung? Sollte man nicht erwarten können, dass da etwas geschieht?
Was mache ich hier eigentlich?
"Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz."
Was mache ich hier eigentlich?
Vielleicht habt ihr euch das auch schon mal gefragt. Es gibt Zeiten im Leben, da scheint alles nur verlorene Liebesmüh. Wir ackern und rackern, wir arbeiten und investieren -- Zeit, Kraft, Mut, Geld -- und am Ende, so scheint es, kommt nichts dabei heraus. Was bleibt denn von alledem? Was lohnt sich denn überhaupt, anzupacken? Ist nicht am Ende so vieles einfach umsonst?
Wenn man sein Leben lang gearbeitet hat und am Schluss das Geld wie Sand zwischen den Fingern zerrinnt?
Wenn man sich über Jahrzehnte etwas aufgebaut hat und der ganze Wohlstand nun in Gefahr scheint?
Wenn man in Beziehungen -- in Familie, in Freunde -- investiert hat und jetzt doch ganz allein ist?
Wenn man sich immer fit gehalten hat, wenn man immer aktiv war und jetzt nichts mehr ohne Hilfe kann?
Wenn man sich dem Lebensende nähert und merkt, dass man nichts von dem, was hier so wichtig schien, mitnehmen kann?
Wenn Dinge, die man für wahr und wertvoll und wichtig gehalten hat, plötzlich nichts mehr gelten?
Was mache ich hier eigentlich?
Geliebte Gottes in der Augustenhilfe,
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat (1. Joh 5,4c)
Ein toller Wochenspruch! Der klingt ganz anders, als der fragende Prophet von Babylon. Er klingt nach Glaubenskraft, nach Triumph, nach Gottes Wirken in meinem Alltag. Er klingt nach Siegergeschichten, über die man staunen kann. Er klingt nach getaner Arbeit, nach großem Lohn, nach Dingen, auf die man Stolz sein kann.
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat (1. Joh 5,4c)
Ob der Prophet in Babylon das auch so gesehen hätte?
Wahrscheinlich nicht bis zu dem Moment, in dem Gott wieder zu ihm redet. Jetzt hat er sogar noch einen größeren Auftrag: Nicht nur die Entmutigten Israels sollen neue Hoffnung bekommen. Alle Völker sollen das Heil Gottes erfahren. Wie das, wenn schon das Bisherige nicht zum Erfolg kam?
Was mache ich hier eigentlich?
Die Antwort steckt in einem Nebensatz. In der Lutherübersetzung ist er eingeschoben in das Reden Gottes, durch Gedankenstriche abgesetzt:
Und ich bin vor dem Herrn wert geachtet und mein Gott ist meine Stärke.
Was mache ich hier eigentlich?
Geliebte Gottes, das ist die falsche Frage. Die Frage sollte eigentlich noch viel grundlegender sein:
Wer bin ich eigentlich?
Die Antwort: Ich bin vor dem Herrn wert geachtet und Gott ist meine Stärke.
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat (1. Joh 5,4c)
Geliebte Gottes, vielleicht hätten wir gleich innehalten und darüber nachdenken sollen, was das eigentlich bedeutet mit dem "Glauben", der den Sieg über die Welt darstellen soll. Es ist ja nicht, als sei Glaube ein Schwert, das man schwingen könnte, gegen alle Probleme und Widrigkeiten des Lebens. Es ist ja nicht, als sei Glaube eine magische Zauberformel, die man nur aktivieren muss, um alles triumphierend zu überwinden. Es ist ja nicht, als sei Glaube irgendetwas, was man "richtig machen" oder überhaupt "machen" könne, um vorwärts zu kommen gegen den Strom an Umständen, die mir entgegenkommen.
Was ist denn "Glaube" überhaupt?
Man kann es nicht genug betonen: In seiner Grundbedeutung ist "Glaube" einfach "Vertrauen". Es ist ein Zustand, eine Lebenshaltung, viel mehr als irgendetwas, was man halten, vor sich hertragen, oder gar "nutzen" könnte. Glaube heißt, ich vertraue auf Gott, der mich wert achtet und der meine Stärke ist. Glaube heißt, ich verlasse mich darauf, dass Gott die Antwort für mein Leben schon ausgesprochen hat. Er hat nämlich "Ja" gesagt zu mir. Er hat schon gesagt, dass er mich mag. Dass er mich liebt, sogar. Er hat mich angenommen. Er hat mir durch Christus sein Leben geschenkt. Er hat mir versprochen, mich nie im Stich zu lassen. Immer bei mir zu sein. Und er hat gesagt, dass er das, was er begonnen hat, zu einem guten Ende bringt.
Darauf verlasse ich mich.
Das ist Glaube.
Mit dieser Einstellung verändern sich die Dinge um mich her nicht auf einen Schlag grundlegend. Ich werde nicht plötzlich der erfolgreiche Überflieger, den kein Problem der Welt mehr beeindrucken kann. Ich eile nicht von einem Sieg zum anderen.
Was sich aber verändert, ist, wie ich mit den Dingen umgehe. Wie ich die Welt um mich herum sehe. Wie ich mich selbst sehe.
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Vielleicht ist es ja gar nicht so sehr die Welt, die besiegt werden musste, sondern vielmehr meine eigene Herzenshaltung. Mein Selbstwertgefühl. Mein Bild von mir.
Ich bin vor dem Hern wert geachtet und Gott ist meine Stärke.
Was mache ich hier eigentlich?
Das frage ich mich immer noch gelegentlich. Aber jetzt kenne ich die Antwort darauf: Egal, was ich hier mache -- oder was ich nicht machen kann -- Ich bin vor dem Herrn wert geachtet und Gott ist meine Stärke. Das kann mir keiner nehmen. Und im Vertrauen darauf liegt der Sieg, der die Welt überwunden hat.
Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Aus dem Buch des Propheten Jesaja, aus dem 49. Kapitel:
1 Hört mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merkt auf! Der Herr hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. 2 Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt. 3 Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will. 4 Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz. Doch mein Recht ist bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott. 5 Und nun spricht der Herr, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde – und ich bin vor dem Herrn wert geachtet und mein Gott ist meine Stärke –, 6 er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde. (Jesaja 49,1-6)Geliebte Gottes in der Augustenhilfe,
Von der Heilungsgeschichte aus dem Evangelium zum fragenden Propheten. Eine Reise zurück in die Zeit, Jahrhunderte vor Jesus. Eine Reise nach Babylon, ins Exil des Volkes Israel, in die Gefangenschaft. Eine Reise zu den Entmutigten, die ihre berühmten Harfen aufhängen an den Flüssen Babylons, die klagen und weinen, die keine Hoffnung mehr haben. Und zu ihm, dem Propheten Gottes dort.
Was mache ich hier eigentlich?
Das ist seine große Frage, die ich aus diesem Text heraushöre.
Was mache ich hier eigentlich?
Dabei hatte doch alles so gut angefangen. Er weiß sich von Gott berufen. Das kann nicht jeder von sich behaupten. Berufen "von Mutterleibe an". Sein ganzes Leben steht unter diesem Vorzeichen: Gott hat etwas mit mir vor. Er hat einen Plan. Er will durch mich die Welt verändern. Und er hat mich perfekt dafür gemacht: Ein Mundwerk wie ein scharfes Schwert. Ein spitzer Pfeil im Köcher Gottes. Wenn ich rede -- so dachte ich zumindest immer -- dann horchen die Menschen auf. Meine Worte treffen sie ins Mark. Wenn Gott durch mich redet, dann geschieht etwas.
So dachte ich eigentlich immer. Bis ich hier gelandet bin -- im Land der Hoffnungslosigkeit und der Trauer.
Sollte ein Prophet die Traurigen nicht trösten können? Sollte es die Menschen nicht aufrichten, neu motivieren, wenn Gott selbst zu ihnen spricht -- wenn auch durch die Worte eines Menschen? Sollte sein Reden nicht Veränderung bewirken. Mut geben? Neue Hoffnung? Sollte man nicht erwarten können, dass da etwas geschieht?
Was mache ich hier eigentlich?
"Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz."
Was mache ich hier eigentlich?
Vielleicht habt ihr euch das auch schon mal gefragt. Es gibt Zeiten im Leben, da scheint alles nur verlorene Liebesmüh. Wir ackern und rackern, wir arbeiten und investieren -- Zeit, Kraft, Mut, Geld -- und am Ende, so scheint es, kommt nichts dabei heraus. Was bleibt denn von alledem? Was lohnt sich denn überhaupt, anzupacken? Ist nicht am Ende so vieles einfach umsonst?
Wenn man sein Leben lang gearbeitet hat und am Schluss das Geld wie Sand zwischen den Fingern zerrinnt?
Wenn man sich über Jahrzehnte etwas aufgebaut hat und der ganze Wohlstand nun in Gefahr scheint?
Wenn man in Beziehungen -- in Familie, in Freunde -- investiert hat und jetzt doch ganz allein ist?
Wenn man sich immer fit gehalten hat, wenn man immer aktiv war und jetzt nichts mehr ohne Hilfe kann?
Wenn man sich dem Lebensende nähert und merkt, dass man nichts von dem, was hier so wichtig schien, mitnehmen kann?
Wenn Dinge, die man für wahr und wertvoll und wichtig gehalten hat, plötzlich nichts mehr gelten?
Was mache ich hier eigentlich?
Geliebte Gottes in der Augustenhilfe,
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat (1. Joh 5,4c)
Ein toller Wochenspruch! Der klingt ganz anders, als der fragende Prophet von Babylon. Er klingt nach Glaubenskraft, nach Triumph, nach Gottes Wirken in meinem Alltag. Er klingt nach Siegergeschichten, über die man staunen kann. Er klingt nach getaner Arbeit, nach großem Lohn, nach Dingen, auf die man Stolz sein kann.
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat (1. Joh 5,4c)
Ob der Prophet in Babylon das auch so gesehen hätte?
Wahrscheinlich nicht bis zu dem Moment, in dem Gott wieder zu ihm redet. Jetzt hat er sogar noch einen größeren Auftrag: Nicht nur die Entmutigten Israels sollen neue Hoffnung bekommen. Alle Völker sollen das Heil Gottes erfahren. Wie das, wenn schon das Bisherige nicht zum Erfolg kam?
Was mache ich hier eigentlich?
Die Antwort steckt in einem Nebensatz. In der Lutherübersetzung ist er eingeschoben in das Reden Gottes, durch Gedankenstriche abgesetzt:
Und ich bin vor dem Herrn wert geachtet und mein Gott ist meine Stärke.
Was mache ich hier eigentlich?
Geliebte Gottes, das ist die falsche Frage. Die Frage sollte eigentlich noch viel grundlegender sein:
Wer bin ich eigentlich?
Die Antwort: Ich bin vor dem Herrn wert geachtet und Gott ist meine Stärke.
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat (1. Joh 5,4c)
Geliebte Gottes, vielleicht hätten wir gleich innehalten und darüber nachdenken sollen, was das eigentlich bedeutet mit dem "Glauben", der den Sieg über die Welt darstellen soll. Es ist ja nicht, als sei Glaube ein Schwert, das man schwingen könnte, gegen alle Probleme und Widrigkeiten des Lebens. Es ist ja nicht, als sei Glaube eine magische Zauberformel, die man nur aktivieren muss, um alles triumphierend zu überwinden. Es ist ja nicht, als sei Glaube irgendetwas, was man "richtig machen" oder überhaupt "machen" könne, um vorwärts zu kommen gegen den Strom an Umständen, die mir entgegenkommen.
Was ist denn "Glaube" überhaupt?
Man kann es nicht genug betonen: In seiner Grundbedeutung ist "Glaube" einfach "Vertrauen". Es ist ein Zustand, eine Lebenshaltung, viel mehr als irgendetwas, was man halten, vor sich hertragen, oder gar "nutzen" könnte. Glaube heißt, ich vertraue auf Gott, der mich wert achtet und der meine Stärke ist. Glaube heißt, ich verlasse mich darauf, dass Gott die Antwort für mein Leben schon ausgesprochen hat. Er hat nämlich "Ja" gesagt zu mir. Er hat schon gesagt, dass er mich mag. Dass er mich liebt, sogar. Er hat mich angenommen. Er hat mir durch Christus sein Leben geschenkt. Er hat mir versprochen, mich nie im Stich zu lassen. Immer bei mir zu sein. Und er hat gesagt, dass er das, was er begonnen hat, zu einem guten Ende bringt.
Darauf verlasse ich mich.
Das ist Glaube.
Mit dieser Einstellung verändern sich die Dinge um mich her nicht auf einen Schlag grundlegend. Ich werde nicht plötzlich der erfolgreiche Überflieger, den kein Problem der Welt mehr beeindrucken kann. Ich eile nicht von einem Sieg zum anderen.
Was sich aber verändert, ist, wie ich mit den Dingen umgehe. Wie ich die Welt um mich herum sehe. Wie ich mich selbst sehe.
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Vielleicht ist es ja gar nicht so sehr die Welt, die besiegt werden musste, sondern vielmehr meine eigene Herzenshaltung. Mein Selbstwertgefühl. Mein Bild von mir.
Ich bin vor dem Hern wert geachtet und Gott ist meine Stärke.
Was mache ich hier eigentlich?
Das frage ich mich immer noch gelegentlich. Aber jetzt kenne ich die Antwort darauf: Egal, was ich hier mache -- oder was ich nicht machen kann -- Ich bin vor dem Herrn wert geachtet und Gott ist meine Stärke. Das kann mir keiner nehmen. Und im Vertrauen darauf liegt der Sieg, der die Welt überwunden hat.
Amen.

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