Was macht Musik?

Was macht Musik?

By SWR3, Bernd Lechler, Matthias KuglerMusicMusic History
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Was macht Musik? episodes

  • Der Plattenspieler
    Mit dem Plattenspieler in der Discothek
    Schlagzeuger oder Pianisten mögen ihre Musikernasen rümpfen und betonen, dass ein DJ doch nichts „spielt“, sondern nur „auflegt“. Und doch hat der Plattenspieler die Popgeschichte auch als Instrument kaum weniger beeinflusst als E-Gitarre oder Drums: In den Diskotheken von New York, wo die Zeremonienmeister hinter ihrem Plattenpulten einzelne Songpassagen ineinander mixten. Und erst recht in den Straßen der Bronx, wo Hiphop-DJs mit Hilfe der Plattenspieler und LPs ihrer Eltern und mit geschickten Händen ein Playback für die Verse der Rapper zauberten.
    So wie die Rockgitarristen den Sound ihrer Gibson Les Paul oder ihrer Fender Stratocaster priesen, so hatten auch die „Turntabler“ ihr erklärtes Lieblingsinstrument: das Modell SL-1210 MK2 von der japanischen Firma Technics. Mit Direktantrieb, starkem Motor, elektronisch geregeltem Gleichlauf und Feineinstellung für die Geschwindigkeit war der „Zwölfzehner“ ab den späten 1970ern das Maß aller Dinge. Und dabei so robust, dass akrobatische DJs angeblich einen einarmigen Handstand auf dem rotierenden Teller riskieren konnten.
    Als die Produktion 2010 eingestellt wurde, bekam dieser Plattenspieler einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde: als das am längsten hergestellte Gerät der Unterhaltungselektronik.
    Der Plattenspieler wird durch den Computer abgelöst
    Da hatten die Hiphop-Produzenten allerdings längst auf die Produktion mit Sampler statt Turntable umgestellt. In den Clubs hielt sich der Plattenspieler länger - Auflegen mit CDs war weniger praktisch und galt zudem als stillos. Aber irgendwann reisten die DJs schon aus orthopädischen Gründen nicht mehr so gern mit dicken Koffern durch die Gegend: Sie ließen sich statt zweier Plattenspieler einen Computer hinstellen und beförderten ihre Musik nicht mehr auf schwerem Vinyl - sondern auf einem USB-Stick.
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    3 min
  • Das Saxofon
    Saxofon war quasi Pflicht in den 80ern
    Wahrscheinlich sind die 1980er schuld, dieses Saxofon-Jahrzehnt, in dem von Tina Turner über Sade bis George Michael praktisch alle großen Stars mindestens einen Hit mit Saxsolo hatten und ganz selbstverständlich auch einen Saxofonisten in der Tourband. So wurde der Saxofonsound zum 1980er-Klischee, und heute hat man als junger Musikfan diese gebogene Messingkanne mit ihren vielen Klappen vielleicht noch gar nie in Aktion erlebt. Außer man mag Jazz.
    Warum heißt das Saxofon so?
    Dabei ist das Saxofon ein wildes Instrument mit einer noch wilderen Geschichte. Sein Erfinder, der Belgier Adolphe Sax, wollte die metallene Lautstärke der Trompete mit dem poetisch sanften Ton der Flöte verbinden. Als Sax sich in Paris den Auftrag sicherte, die französischen Militärbands mit seiner Erfindung auszurüsten, wurde er von der Konkurrenz bedroht und mit Klagen überhäuft. Es gab sogar einen Brandanschlag auf seine Fabrik.
    „Teufelshorn“: Begeisterung und tiefe Ablehnung gegenüber des Saxofons
    Später brandmarkte die Kirche das Saxofon als Teufelshorn, weil sich so entfesselt und lasziv damit spielen ließ. Und wegen seiner engen Verbindung zum Jazz und zur afroamerikanischen Kultur wurde es auch in der Nazizeit verunglimpft - als „bizarre Maschine“ und „näselndes, nörgelndes Tonwerkzeug“. Half zum Glück alles nichts. Von Charlie Parkers und John Coltranes revolutionären Jazz-Improvisationen bis zu den Solos von Clarence Clemons in den mitreißenden Song-Erzählungen von Bruce Springsteen hat das Saxofon alle Anfeindungen überstanden und wahrscheinlich wird auch seine anhaltende Flaute im Pop irgendwann wieder enden.
    Zum bisher letzten Mal war das Saxofon übrigens ab 1989 eine Weile wieder cool. In den USA zumindest wünschten sich die Kids damals plötzlich wieder ein Sax zu Weihnachten und meldeten sich gehäuft mit Saxofon am Konservatorium an. Der Grund? Die Saxofon spielende Tochter einer gelbgesichtigen Zeichentrickfamilie im Fernsehen: Lisa Simpson.
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    3 min
  • Folge 6: Die Orgel
    Orgel ist nicht gleich Orgel
    Genauer gesagt: die Hammond-Orgel. So hieß nämlich der Erfinder, der das riesige Instrument, das bis dahin nur in Kirchen zu hören war, auch bühnentauglich machte. Ohne Pfeifen natürlich – in seiner Orgel wurden die Töne auf elektromechanische Weise erzeugt.
    Aber ein wichtiges Prinzip behielt er bei: das der verschiedenen Register. Kirchenorgeln klingen ja auch manchmal sanft und leise, als würden nur ein paar Flöten spielen; dann wieder donnert es mächtig und metallisch, und das hängt eben davon ab, welche Registerhebel der Organist gezogen hat, bevor er in die Tasten greift, also ob eine Taste das Gebläse der Orgel nur in eine kleine Holzpfeife leitet oder eben dazu noch in die meterlangen großen Pfeifen.
    Die Hammond-Orgel
    Der Hammond-Orgel-Spieler kann mit sogenannten Zugriegeln entscheiden, welche Klänge er in wie vielen Oktaven zusammenschaltet, und so kann er erst richtig mit Ausdruck spielen: Anders als etwa das Klavier haben Orgeln ja keine Anschlagsdynamik, das heißt, ob man die Tasten nur antupft oder mit aller Kraft reinhaut, macht keinen Unterschied.
    Und noch etwas ist bei der Orgel anders als beim Klavier: Die tiefen Töne spielt man - mit den Füßen! Auch für die Hammond-Orgel gibt es solche Bass-Pedalreihen, die angeordnet sind wie die schwarzen und weißen Tasten oben. Wobei die nicht mehr so wichtig waren, als zunehmend Rockbands das Instrument für sich entdeckten – die hatten ja meist noch einen Mann oder eine Frau mit Bassgitarre. Konnte der Organist sich also auf die Hände konzentrieren. Nur ein einzelnes Pedal bekam er dazu: für die Lautstärke; um mit den Gitarristen mitzuhalten.
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    3 min
  • Die Akustikgitarre
    Die Gitarre als Symbol für eine Bewegung
    Es gibt so altmodisch wirkende Wörter wie „Folkbarde“ oder „Protestsänger“. Wie stellt man sich die vor? Vielleicht mit langen Haaren und Blumen darin. Unbedingt aber: mit einer akustischen Gitarre vor der Brust!
    Die größte Klampfendichte der Popgeschichte gab es wahrscheinlich in den 1960er Jahren im New Yorker Stadtteil Greenwich Village, der damals fast ein Pilgerort für Folkfans war. Zukünftige Stars wie Bob Dylan, Joan Baez, Joni Mitchell oder Simon & Garfunkel spielten ihre Songs im Gaslight Café, im Bitter End oder in Gerde’s Folk City.
    Poetische Songs, politische Songs, Protestsongs - gegen das Establishment und gegen Krieg: Pete Seeger sang „Where Have All The Flowers Gone“ und „We Shall Overcome“, das Trio Peter Paul & Mary machte Seegers Lied „If I Had A Hammer“ zum Hit, die Kanadierin Buffy Sainte-Marie schrieb „Universal Soldier“; auch Joan Baez erwarb sich hier den Ruf als „Gewissen ihrer Generation“, und einige der bekanntesten Songs kamen natürlich von Bob Dylan: „Blowin‘ In The Wind“ oder „The Times They Are a-Changin‘“, geprägt von seiner etwas nöligen Stimme, seiner Mundharmonika und eben den scheppernden Saiten seiner Gitarre.
    Allerdings wollte Dylan als Künstler gesehen werden, nicht als Sprachrohr einer Bewegung: Im Song „Maggie’s Farm“ etwa distanzierte er sich ein Stück weit von seinen Folkjüngern. Und sein Auftritt beim Newport Folk Festival im Juli 1965 gilt bis heute als besonders wichtiges Datum. Da trat Dylan nämlich mit einer elektrisch verstärkten Band auf, spielte (mit E-Gitarre) seinen rockigeren neuen Song „Like A Rolling Stone“ - und wurde so kräftig ausgebuht, dass er nach einer Viertelstunde wieder aufhörte. Ohne akustische Gitarre war er den Folkfans eben nicht mehr Folk genug.
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    3 min
  • Fogle 9: Der Sampler
    Das Sampler-Experiment
    „To sample“, das bedeutet im Englischen „probieren“, oder „eine Probe entnehmen“. Und genau das macht der Sampler: Er entnimmt eine Probe, einen kurzen Schnipsel aus einem Klang, einem Takt Schlagzeug, einem Stück Musik.
    Kleines Experiment gefällig? Stellt euch vor, wir sprechen in ein Mikrofon, nehmen so mit dem Sampler das Wort „Sampler“ auf und legen es auf eine Taste der Klaviatur. Die schlagen wir nun an, kürzer oder länger: „S-“. „Sam-“. „Sampl-“. Oder wir bauen in die Mitte des Samples einen „Loop“ ein, eine Schleife also, die so lange wiederholt wird, wie wir die Taste gedrückt halten: „Sampampampampampler“.
    Micky-Mousing am Sampler
    Man kann das Sample auch über die ganze Tastatur verteilen, dann wird es je nach Taste eben schneller oder langsamer abgespielt. Ihr kennt den Effekt: Je höher die Taste, desto ulkiger klingt die Stimme nach Micky Maus. Je tiefer, desto mehr nach Monster, schließlich wie Gewittergrollen.
    Das bedeutet natürlich, dass auch ein gesampletes Instrument, zum Beispiel ein Klavier, nicht sehr echt klingen würde, wenn man nur einen Klavierton aufnehmen und den über die Tastatur verteilen würde. Nein, man muss schon alle 88 Tasten einzeln samplen. Und zwar jede mehrmals: leise, mittel und laut angeschlagen, denn so ein Klavierton wird beim kräftigen Spielen nicht nur lauter, sondern auch heller.
    Die Anfänge des Samplers
    In den Anfängen des Samplings war so ein Aufwand undenkbar - der Speicherplatz der Geräte hätte nicht gereicht. Heute? Kann jeder Produzent im Studio und jeder Keyboarder auf der Bühne zwischen mehreren Klavieren und Konzertflügeln wählen. Und die müssen in keinen Saal gerollt und aufwändig mikrofoniert und verkabelt werden, sondern sie liegen gesamplet auf der Festplatte. Praktisch, oder?
    Deswegen sind die meisten Klaviere, die ihr in einem Radio-Hit hört, auch nicht echt. Oder die Glockenspiele, Orgeln, Geigen, Kontrabässe... Stattdessen wurden sie auf dem digitalen Instrument gespielt, das in der Popmusik längst öfter erklingt als jedes andere: dem Sampler.
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    3 min
  • Folge 8: Der Synthesizer
    Raumschiff-Cockpit im Studio
    Die frühen Synthesizer sahen noch aus wie eine Mischung aus Raumschiffcockpit und Kabelsalat und kosteten ein kleines Vermögen. Heute passen diese Instrumente in ein simples Notebook: Man schließt eine USB-Tastatur an, bedient die virtuellen Regler und Knöpfe zur Veränderung der Sounds mit der Maus - und es gibt selbst komplexe Klangmaschinen als Freeware, also gratis.
    Kraftwerk: Synthesizer Marke Eigenbau
    Davon konnte eine Band wie Kraftwerk vor 50 Jahren nur träumen. Aber Not macht ja erfinderisch, und so nahmen die Gründer der Band, Ralf Hütter und Florian Schneider, den Lötkolben in die Hand und bastelten sich zum Beispiel ihr elektronisches Schlagzeug selbst. Sogar mit den Pieptönen von Taschenrechnern oder Spielzeug machten sie Musik. Ihre Songs waren sehr einfach, aber durch die neuartigen Klänge und verfremdeten Stimmen klangen sie faszinierend und futuristisch, und sie hatten Titel wie „Strom“ oder „Spule 4“, „Die Mensch-Maschine“ oder „Wir sind die Roboter“. Wie Roboter standen die Musiker auch auf der Bühne hinter ihren Synthesizern: Sie bewegten sich kaum und verzogen keine Miene – und wurden mit diesem eigenwilligen Stil enorm erfolgreich – ein wichtiger Einfluss für Musiker auf der ganzen Welt.
    Synthesizer-Comeback in den letzten Jahren
    In den 1980ern gerieten sie ein wenig in Vergessenheit – Synthesizer waren im Pop alltäglich geworden – aber als dann der neue Trend Techno die Clubs eroberte, erinnerten sich DJs und Elektronikfans an die Wegbereiter aus Düsseldorf. Kraftwerk gehen seither wieder auf ausverkaufte Tourneen und treten öfter mal auch in Museen auf: Ihre einzigartige Synthesizermusik ist längst als große Kunst akzeptiert.
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    3 min
  • Folge 5: Der E-Bass
    Die meisten Hymnen an den Bass
    „Der Mann ihrer Träume muss ein Bassmann sein“, hat Herbert Grönemeyer mal gesungen, in einem Lied über ein gehörloses Mädchen. Von Britney Spears gibt es „Big Fat Bass“, von Nicki Minaj „Super Bass“, und der erste Hit von Meghan Trainor war 2014 „All About That Bass“.
    Warum werden ausgerechnet dem Bass die meisten Hymnen gewidmet – dem Instrument, das wir selbst in unseren Lieblingsliedern oft überhören? Die Antwort ist einfach: Weil wir den Bass am meisten spüren! Oder wie Grönemeyer sagen würde: „Sie mag Musik nur wenn sie laut ist, wenn sie ihr in den Magen fährt.“
    Es liegt an den tiefen Frequenzen. Sie überbrücken erstens größere Distanzen und gehen auch durch Wände (weshalb man aus dem Auto nebenan an der Ampel die Bässe wummern hört, auch wenn man den Rest nicht erkennt). Und zweitens schwingt die Luft bei tiefen Tönen eben so langsam, dass wir sie nicht nur hören, sondern auch körperlich fühlen können – je tiefer, desto eindringlicher. Das kann sich sehr gut anfühlen.
    Diese Funktion hat der Bass in der Band
    Musikalisch liefert die Bassstimme die Verbindung zwischen Rhythmus und Melodie – und das harmonische Fundament: Egal, ob die tiefen Töne aus einer Bassgitarre, einem Kontrabass oder einem Synthesizer kommen – jeder Akkord vom Klavier oder von der Gitarre bekommt seine endgültige Funktion und Wirkung erst durch den Ton, den der Bass dazu spielt.
    Dieses unscheinbare, oft am wenigsten beachtete, Instrument ( das dem Klischee nach auch immer vom stillsten Typ in der Band gespielt wird) – es ist also irgendwie auch das Wichtigste.
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    3 min
  • Folge 7: Das Schlagzeug
    Wo sind die aktuellen Schlagzeugstars?
    Berühmte Sängerinnen und Sänger? Kennen wir doch Dutzende. Billie Eilish! Adele! Mark Forster! Aber Schlagzeuger? Eher nicht so viele. Dabei gibt es natürlich auch unter den Trommlern virtuose Stars. Manche sind allseits berühmt, wie Ringo Starr von den Beatles oder Phil Collins. Andere, wie der 2020 verstorbene Neil Peart von der kanadischen Rockband Rush, werden eher von Kennern verehrt. In diesem Fall so sehr, dass es sogar Musikerwitze darüber gibt: Wie viele Schlagzeuger braucht man, um eine Glühbirne einzuschrauben? Antwort: Drei! Einen, der die Glühbirne einschraubt. Und zwei, die diskutieren, wie Neil Peart das gemacht hätte.
    Was muss ein Schlagzeuger können? Das Gefühl für die Musik
    Aber worin besteht die Kunst? Natürlich muss ein guter Schlagzeuger oder eine gute Schlagzeugerin alle möglichen Rhythmen kennen und beherrschen. Muss die Hände und Füße unabhängig voneinander bewegen können wie eine Pianistin ihre Finger. Und er / sie muss „Groove“ haben, oder „Swing“ – ein besonderes Gefühl für den Rhythmus eben. Das brauchen eigentlich alle Musiker*innen, aber die an den Trommeln ganz besonders. Die Kunst besteht nämlich nicht in metronomischer Genauigkeit, obwohl das auch dazugehört. Vielmehr kann man am Schlagzeug zum Beispiel auch „vor dem Beat“ spielen, dann wird die Musik gleich etwas treibender. Oder „hinter dem Beat“, dann klingt alles sofort lässiger oder sogar träge. Am besten auf jeden Fall so, dass wir beim Zuhören den Rhythmus spüren. Und uns bewegen wollen. Tanzen. Hüpfen. Danke, Drummer!
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    3 min
  • Das Klavier
    Das Klavier: von Bach bis Alicia Keys
    „Piano“ heißt das Klavier auf Englisch, und so nennen wir es ja auch manchmal. Auf Italienisch bedeutet das „leise“ - ein komischer Name für so ein tonnenschweres Instrument, mit dem man sehr wohl die Nachbarn nerven kann. Aber das ist schnell erklärt. Der Instrumentenbauer Bartolomeo Cristofori nämlich war unzufrieden damit, dass Musiker auf dem Klavichord, dem Harpsichord oder dem Spinett kaum Einfluss auf die Lautstärke hatten. Um 1700 konstruierte er in Florenz eine Mechanik, mit der man dynamisch spielen konnte, also leiser oder lauter, je nachdem, wie kräftig man in die Tasten griff. Heraus kam das „clavicembalo col piano e forte" – ganz wörtlich ein Harpsichord, das leise und laut spielen kann. Kurz: Pianoforte. Noch kürzer: Piano!
    Klavierboom im 20. Jahrhundert
    Den größten Klavierboom gab es zwei Jahrhunderte später: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden allein in Deutschland weit über 100.000 Stück gebaut und verkauft. Ins bürgerliche Wohnzimmer gehörte ein Klavier, weil das Wohlstand demonstrierte, und das Fräulein Tochter sollte Gästen vorspielen und auf junge Männer einen guten Eindruck machen. Damit ist es zum Glück vorbei, aber vielleicht liegt es ja an solchen Traditionen, dass es auch in der Popmusik großartige Songwriterinnen am Klavier gibt – von Kate Bush bis Tori Amos und von Alicia Keys bis Regina Spektor.
    Gibt es noch echte Klaviere in den Charts?
    In den Charts wird derzeit allerdings nur noch selten in die Klaviertasten gegriffen – da dominieren Sounds aus dem Computer. Außer es wird mal wieder eine Ballade zum Hit, so wie „Someone Like You“ von Adele oder „All Of You“ von John Legend; dann merkt man wieder: Starke Stimmen strahlen am meisten zum Klang eines Klaviers. Egal, ob piano oder forte.
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    3 min
  • Die E-Gitarre
    Ist die E-Gitarre ausgestorben?
    Vor ein paar Jahren wurden auf die E-Gitarre schon Nachrufe verfasst. Die Ära des klassischsten aller Rockinstrumente schien endgültig vorbei. Große Hits mit kräftigen Riffs? Gibt es nicht mehr – die Charts sind voller Hiphop, R’n’B und elektronischen Sounds. Eric Clapton, Keith Richards, Jimmy Page? Die verehrten Virtuosen sind mindestens Mitte siebzig - quasi im Urgroßelternalter!
    Nachwuchs schien nicht in Sicht, und einer der zwei größten Hersteller elektrischer Gitarren meldete Insolvenz an: die Gibson Guitar Corporation in Nashville, mit mehr als hundertjähriger Tradition.
    Corona-Pandemie sorgt für Aufschwung
    Also Schluss mit Twaaang? Vielleicht nicht, Corona sei Dank. Denn die Lockdown-Langeweile motivierte offenbar viele, das Gitarrenspiel zu erlernen oder aufzufrischen. Die Firma Gibson erholt sich, und die andere große Marke, Fender, verkaufte 2020 so viele Instrumente wie noch nie.
    In den Charts sind Riffs und schrille Soloeinlagen zwar nach wie vor rar, und die Zeit der breitbeinigen Gitarrengötter ist – außer im Heavy Metal – wohl wirklich vorüber. Aber nicht zuletzt weibliche Indie-Größen wie die Songwriterin Phoebe Bridgers oder die avantgardistisch-virtuose Annie Clark alias St. Vincent schreiben die Geschichte der E-Gitarre fort.
    E-Gitarren mit speziellen Designs
    Von St. Vincent gibt es sogar ein eigens designtes Modell – nur leicht tailliert und ohne die typischen Hörner – das in seiner Einzigartigkeit an andere berühmte Einzelstücke erinnert: Die glitzernde sternförmige Gitarre, mit der schon Abba bei ihrem Grand-Prix-Auftritt 1974 das Schlagerpublikum beeindruckten. Die schwungvoll geschnitzte von Prince in Form seines Mann-Frau-Symbols. Oder die legendäre „Red Special“ von Queen-Gitarrist Brian May, die er als Junge mit seinem Vater aus Holzresten und Motorradteilen gebaut hat. 2022 wird er sie wieder mit auf Tour nehmen und in ausverkauften Arenen spielen: vor Verstärkerwänden, das Griffbrett gereckt.
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    3 min

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