Wasser und Buch

Wasser und Buch

By Linn Penelope Micklitz, Josef BraunSociety & CultureArtsBooks
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Wasser und Buch episodes

  • Keine Zeitverschwendung
    mit Solvej Balle, Mehdi Moradpour und Flora Nwapa

    Wer bereitete den Weg für nigerianische Autorinnen? Wie fühlt es sich an, im 18. November festzustecken? Und wieso gibt es jetzt überall Memes zu Sally Rooney? Wir reden drüber. Inklusive Deepdive ins literarische Mammutprojekt „Über die Berechnung des Rauminhalts“ von Solvej Balle. Und wir erinnern an Mehdi Moradpour und Flora Nwapa.

    Bücher

    Solvej Balle, „Über die Berechnung des Rauminhalts 1-5“ (übers.: Peter Urban-Halle, Matthes&Seitz)

    Credits

    Sprecher: Malte Schlage
    Design: Elisa Merino Vazquez
    Musik: Johannes Rieger
    Produktion: Josef Braun und Linn Penelope Rieger

    Wir freuen uns über Anmerkungen, Lob und Kritik, Buchtipps und alles was sonst zur aktuellen Folge oder dem Podcast zu sagen ist.

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    1 hr 36 min
  • Weil's nicht reicht
    Franka Reinhart zum Übersetzerinnenprotest

    Wir haben Besuch. Und dann gleich zu einem extrem wichtigen Thema. Die Übersetzerin Franka Reinhart spricht mit uns über den aktuellen Protest von über 200 Übersetzer*innen. Es geht um Altersarmut, Berufswege und die Frage: wie ist das überhaupt ein Buch zu übersetzen? Hört rein und teilt den Protest. Denn ohne Übersetzer*innen wär die Literatur doch arg karg.

    LIEBE ZUHÖRER*INNEN, HIER NOCHMAL EIN BESSERES UND SAUBERERES TRANSKRIPT UNSERER FOLGE:

    00:00:02: Wasser und Buch, der Podcast für literarische Grundbedürfnisse mit Linn Penelope

    Rieger und Josef

    00:00:10: Braun.

    00:00:23: Hallo Franka!

    00:00:23: Schön dass du da bist.

    00:00:25: Hallo Danke für die Einladung.

    00:00:27: Also Linn und ich haben in unserer letzten Folge ja schon angekündigt das wir uns gern

    ausführlicher mit dem aktuellen Übersetzerinnenprotest in Deutschland beschäftigen wollen Und

    umso glücklicher bin ich jetzt, dass wir mit dir, Franka, heute sprechen können und dass du so

    spontan bei uns vorbeigekommen bist.

    00:00:43: Du bist Übersetzerin hier in Leipzig und ich würde gerne später noch auf deine

    Biografie auch ein bisschen zu sprechen kommen – auf deine Übersetzerin-Biographie!

    00:00:50: Doch lass uns mal gleich mit dem Protest einsteigen.

    00:00:54: Unter dem Hashtag Es reicht nicht machen Übersetzer:innen gerade im Internet mobil.

    00:00:58: Du bist gemeinsam mit rund zweihundert anderen Übersetzenden Teil dieses Protests.

    00:01:04: Wie habt ihr euch zusammengefunden und was ist euer Anliegen?

    00:01:08: Ja, also unsere Kampagne findet sowohl online als auch ganz analog sta".

    00:01:18: Aktuell war sie auf der Buchmesse mit einer Postkartenakcon und einem Flashmob

    vertreten.

    00:01:25: Gestartet ist sie aber als tatsächliche Basisinicacve von zwei Kolleginnen von uns, Lisa

    Kögeböhn aus Leipzig und Barbara König aus Hamburg die sich ausgetauscht haben wie so oX

    über schlechte Arbeitsbedingungen, schlechte Vergütung unserer Arbeit.

    00:01:48: Das Ganze hat dann Fahrt aufgenommen im Internet und daraus ist eine Inicacve

    entstanden die die beiden in Eigeninicacve konzipiert haben.

    00:02:00: sehr beeindruckend muss ich hinzufügen.

    00:02:04: gut vorbereitet für uns als KollegenschaX, wir konnten also uns sehr leicht beteiligen

    und diese Kacheln [Anm. d. Redakcon: Bildvorlagen für persönliche Statements] mit Inhalten

    füllen.

    00:02:15: Mit unseren persönlichen Betroffenheiten, mit unseren Wahrnehmungen und

    Schilderungen der Situacon. Und Lisa und Barbara haben das dann fantascsch auiereitet und

    online gestellt.

    00:02:29: Vielleicht fangen wir mal an oder gehen wir mal damit rein kurz, dass wir uns einmal

    die Arbeit von einer Übersetzerin angucken.

    00:02:37: Du bist ja jetzt schon lange Übersetzerin und ich wollte dir da mal ein paar Fragen zu

    stellen weil ich glaube manchmal ist das Bild etwas unterkomplex welches wir davon haben was

    so eine Übersetzerin eigentlich tut.

    00:02:46: So nach dem Mo"o, Ja okay, da stehen halt die Worte, die muss man einmal ins

    Deutsche bringen und dann bi"e an den Verlag, damit er es veröffentlicht für die deutsche

    Leser:innenschaX.

    00:02:56: Kannst du uns mal mit in deinen Arbeitsalltag nehmen? Wie läuX so ein

    Übersetzungsprozess bei dir ab?

    00:03:02: Das beginnt in der Regel mit der Anfrage durch den Verlag.

    00:03:05: Man bekommt ein Manuskript, manchmal auch nur ein Exposé vorgelegt.

    00:03:11: Das hängt davon ab, wie weit das Projekt in der Originalsprache schon gediehen ist.

    00:03:16: Im Englischen haben wir oX die Situacon, dass wir mit unfercgen Manuskripten

    starten, weil die Erscheinungstermine der deutschen Ausgaben sehr nah an die

    originalsprachigen Ausgaben rangerückt sind.

    00:03:29: Ist das eine Entwicklung?

    00:03:31: Das

    00:03:31: ist eine Entwicklung, dieser Zeitdruck, der damit verbunden ist, der nimmt immer mehr

    zu.

    00:03:39: Also vor allem merken wir es in den großen Sprachen, also die Sprache mit dem

    größten Anteil an Übersetzungen auf dem deutschen Buchmarkt.

    00:03:49: Und dahinter steht natürlich die Sorge der Verlage, dass die Leute das Original kaufen

    und lesen.

    00:03:57: Und dann darauf verzichten, die Übersetzung zu erwerben.

    00:04:01: Das ist der ganze Grund für diese Eile, die eine Reihe von negacven Auswirkungen hat,

    was unseren Arbeitsprozess angeht.

    00:04:11: Wie ist es denn, wenn da so ein Buch ist?

    00:04:14: Was so erwartet wird?

    00:04:15: Und würden die Verlage sagen, das muss jetzt schnell gehen?

    00:04:16: Dann habt ihr ja teilweise, hast du ja auch, habe ich gesehen, im Tandem übersetzt zum

    Beispiel. Wie ist dann so ein Prozess?

    00:04:22: Kann man sich dann, bleibt dann überhaupt genug Zeit, sich gut abzusprechen?

    00:04:26: Oder wie arbeitet man denn?

    00:04:28: Ich würde sagen, das hängt ganz davon ab, in welcher Konstellacon man arbeitet.

    00:04:33: Wenn man beispielsweise im Zweierteam, im Tandem übersetzt mit einer Kollegin oder

    einem Kollegen, mit dem man eine gute Zusammenarbeit hat, weil man vielleicht schon vorher

    kooperiert hat, dann kann das sehr bereichernd sein und einen Erkenntnisgewinn bringen, weil

    wir uns gegenseicg natürlich quasi lektorieren, redigieren und gemeinsam natürlich an vielen

    übersetzerischen Entscheidungen arbeiten.

    00:05:05: OX lange grübeln bis, wir dann auch zu einer homogenen Lösung und einer

    homogenen Textversion kommen.

    00:05:15: Da steckt schon einiges an Mehrarbeit drin.

    00:05:20: Das ist insofern manchmal Illusion, dass das so sehr viel schneller geht.

    00:05:26: Natürlich teilt man den Text entsprechend auf, manchmal kapitelweise, manchmal

    hälXig, je nachdem was der Ausgangstexter anbietet, und meine Erfahrung ist, dass Zweierteams

    gut funkconieren.

    00:05:40: Wenn die Teams größer werden, ist es oX ein Kompromiss, sag ich mal.

    00:05:46: Es ist dann einfach dem Zeitplan geschuldet Ein Stück nachvollziehbar, manchmal frage

    ich mich dann auch, ob die Qualität dann nicht doch stärker leidet und man nicht besser daran

    täte, ein Stück mehr Raum zu geben.

    00:06:07: Manchmal hilX es ja auch, dass der Text ein Stück reiX, dass man ihn erstmal einmal im

    Rohdurchgang durchgeht, sacken lässt, nochmal parallel Lektüre konsulcert, die Recherchen dann

    wirklich in der Tiefe auch noch mal prüfen kann.

    00:06:29: Ja also das ist ein Spannungsfeld, mit dem wir leben, mit dem aber natürlich alle an der

    Buchprodukcon Beteiligten leben.

    00:06:36: Das ist auch klar!

    00:06:37: Aber es erinnert mich so'n bisschen auch an den regulären Schreibprozess, ne?

    00:06:41: Wenn man ein Buch schreibt oder sowas, dann ist ja auch immer so dieses Ding, dass

    man sagt, wenn die erste Fassung mal da ist, tut's auch gut das mal liegen zu lassen, dass man

    dann wieder einen neuen Blick hat und sowas. Und dafür braucht es aber einfach Zeit.

    00:06:52: Wie ist denn das bei dir, wie viel Zeit hast du?

    00:06:54: Im Schni" gibt's da irgendwie so einen Wert, an dem du dich ungefähr orienceren

    kannst bei deinen Übersetzungen?

    00:07:00: Also es gibt in unserer Branche so Erfahrungswerte und eine Größe, mit der viele von

    uns bei der Kalkulacon von solchen Projekten operieren, ist die Zahl von hundert Normseiten pro

    Monat.

    00:07:14: Die als Normseite definierte Seite, eine Rechengröße von – ich muss jetzt ganz kurz

    nochmal nachgucken.

    00:07:28: Die ist definiert mit maximal dreißig Zeilen à maximal sechzig Anschlägen inklusive

    Leerzeichen.

    00:07:35: Das ist die Definicon der Normseite, die uns auch sehr wichcg ist, weil nur dadurch

    eine Vergleichbarkeit gegeben ist, eine Fairness in der Vergütung, wenn diese Normseite

    zugrunde gelegt wird.

    00:07:51: In der Abrechnung?

    00:07:53: Und dann hat man hundert Stück.

    00:07:55: Das heißt, so ein Übersetzungsprozess sagen wir im Buch, da habt ihr so zwei-,

    dreihundert Seiten.

    00:08:02: Wären dann so drei Monate ungefähr, kann man das dann so?

    00:08:06: Das kann man ungefähr so sagen, wobei man berücksichcgen und bedenken muss,

    dass diese hundert Seiten auch wieder nur eine Rechengröße sind.

    00:08:14: Weil da ja alles an zusätzlicher Arbeit drin ist.

    00:08:17: Unsere Arbeit besteht nicht nur im reinen Übersetzen, sondern die besteht auch darin,

    das wir recherchieren.

    00:08:24: Wir müssen oX Expercnnen und Experten konsulceren.

    00:08:28: Übersetzende haben oX einen großen Bekanntenkreis mit abseicgen Spezialgebieten.

    00:08:34: Ganz wichcg, man fragt manchmal Leute an, die sich in Bereichen auskennen.

    00:08:40: Die jetzt nicht unbedingt Allgemeingut sind, und in diesen hundert Seiten sind auch alle

    Bearbeitungs- und Überarbeitungsdurchgänge drin.

    00:08:51: Wir erstellen ja eine Rohfassung, und die wird dann von uns noch mindestens einmal,

    oX zweimal überarbeitet nach verschiedenen Aspekten.

    00:09:07: Bei mir bleiben immer erst mal relacv viele Stellen blau markiert, so handhabe ich das,

    wenn ich weiß, da muss ich nochmal ran, entweder weil ich noch was recherchieren muss oder

    weil ich weiß, die Formulierung passt noch nicht hundertprozencg, und das funkconiert dann

    sehr gut im nächsten Durchgang.

    00:09:25: Mit ein bisschen Abstand kommt man ja viel besser in den Gesamtzusammenhang des

    Textes rein, hat dann, wenn man ihn schon einmal roh durchgegangen ist, ein viel besseres

    Gefühl für den Ton, den wir auch treffen müssen.

    00:09:39: Wir müssen ja schauen, wie ist der Originaltext verfasst?

    00:09:44: Was passiert da?

    00:09:45: Ist er eher im unterhaltenden Ton oder ist das eine eher akademische Haltung, die

    dahintersteht?

    00:09:53: Das reproduzieren wir alles und stehen immer mit unserer Arbeit ganz klar im Dienst

    des Originals.

    00:10:01: Da ist ja wenig Raum für individuelle Vorlieben, sondern wir schauen uns das ja sehr

    genau an.

    00:10:13: Wir empfinden das, also ich glaube, wir sind eine Berufsgruppe mit einem hohen

    Empathiefaktor weil wir uns da ja sehr intensiv reinbegeben, ganz egal ob das jetzt ein Sachtext

    ist oder ein belletriscscher Text, ein Krimi, wo ein Spannungsgefühl erzeugt werden muss, oder

    ob es um Umgangssprache geht.

    00:10:37: Ob das sehr dialoglascg ist, viel Mündlichkeit vorkommt – all das überlegen wir uns ja

    und entscheiden dann, mit welchen Mi"eln wir das in unserer Mu"ersprache wiedergeben.

    00:10:48: Hast du denn vorher schon?

    00:10:49: Also quasi wenn du … liest du dir den Text dann einmal vorher durch und versuchst

    schon so für dich irgendwie festzulegen, quasi wie so ungefähr dieser Ton ist.

    00:10:57: Damit du dann beim Übersetzen direkt damit einsteigen kannst?

    00:11:00: In der Belletrisck mache ich das so.

    00:11:02: Das lese ich immer einmal durch, damit ich das Personal kenne, damit ich weiß, welche

    Besonderheiten die haben, ob es da biografische Sachen gibt, ob da irgendwas sozial markiert ist,

    eine HerkunX irgendwie gekennzeichnet, die ich von Anfang an bedenken muss.

    00:11:20: Im Sachbuch mache ich es oX eher so, dass ich so nach und nach einsteige.

    00:11:25: Dass ich die ersten Kapitel erstmal lese... Und dann beginne, dann fange ich an mit der

    Recherche. Dann fang' ich an, schon mal roh zu übersetzen.

    00:11:33: Dann lese ich weiter, recherchiere weiter.

    00:11:35: Das ist dann eher so ein Ineinandergreifen von meiner eigenen BeschäXigung mit

    dieser Themack, die ja oX für mich auch erst einmal fremd ist Wenn ich daran denke, ich hab vor

    ein paar Jahren ein Buch über altnordische Mythologie übersetzt.

    00:11:53: Das war also quasi ein Crashkurs in Skandinavisck, da kann ich nicht so linear arbeiten,

    sondern muss mir das Thema ja erst selber erstmal inhaltlich erschließen, bevor ich dann... ich

    muss mich auch informieren, welche Übersetzungen dieser altnordischen Sagen oder Sagas und

    Mythen es gibt, mit denen heute wissenschaXlich auch gearbeitet wird.

    00:12:21: Das war also ein längerer Prozess der Auseinandersetzung erst mal mit dem

    Gegenstand, um den es geht.

    00:12:28: Es ist dann auch tendenziell so, dass Sachbücher mehr Zeit brauchen, weil man noch so

    viel recherchieren muss als Belletrisck?

    00:12:34: Das ist oX der Fall tatsächlich.

    00:12:37: Wir verbringen oX sehr viel Zeit, also ich arbeite ganz oX in der Naconalbibliothek, bin

    froh und dankbar, dass wir die hier in Leipzig haben und weiß einfach, dass ich dort Sachen finde,

    die auf Deutsch publiziert sind und mich auch beraten lassen kann, wenn es zum Beispiel um

    ZeitschriXenrecherche geht.

    00:12:59: Also um ältere Jahrgänge von zum Teil nicht mehr exiscerenden ZeitschriXen.

    00:13:04: Das ist gar nicht so einfach, die im Katalog zu finden, und da bin ich sehr dankbar für

    die Kompetenz der Mitarbeitenden dort, wenn ich da weiß, ich kann dort nachfragen und

    bekomme kompetente Antworten.

    00:13:16: Jetzt ha"en wir ja also den Protest, der richtet sich vor allem oder dreht sich vor allem

    ja um das Thema Bezahlung von Übersetzerinnen und Übersetzern.

    00:13:25: Ein wichcger Bestandteil ist, dass einfach diese Bezahlung sich nicht angepasst hat

    irgendwie schon seit Jahren.

    00:13:31: Das Übersetzer:innen, wenn man diese Kacheln liest, dann liest man von Leuten, die

    sagen, ich habe vor zehn Jahren dasselbe verdient wie jetzt damit.

    00:13:38: Aber jetzt haben sich ja die Lebenshaltungskosten so massiv gesteigert durch die

    Inflacon, aber auch generell einfach, das nehmen alle war und es hat sich einfach …

    00:13:48: Das heißt, ich kann jetzt noch viel weniger davon leben, und das war schon vor zehn

    Jahren nicht rosig.

    00:13:53: Wir ha"en ja über diese Normenseite gesprochen als Kenngröße.

    00:13:56: Gibt es auch irgendwie von der finanziellen Entsprechung eine Kenngröße oder ist das

    wirklich mit jedem Verlag immer ein Aushandlungsprozess?

    00:14:06: Es ist so, dass unser Berufsverband VdÜ regelmäßig Honorarumfragen durchführt. Ganz

    gut dokumencert ist, wie sich das Durchschni"seitenhonorar bemisst und entwickelt

    beziehungsweise nicht entwickelt hat.

    00:14:22: Es ist so, dass es seit rund zwanzig Jahren bei durchschni"lich knapp zwanziger Euro je

    Normseite liegt.

    00:14:33: Das bedeutet aber nicht, dass jeder von uns zwanzig Euro pro Normseite bekommt,

    sondern es gibt durchaus auch Kolleginnen und Kollegen, die speziell in der Genreliteratur - also

    beispielsweise Jugendbuch, oder Fantasy ist auch so ein Thema -mit deutlich niedrigeren

    Honoraren leben müssen.

    00:14:56: Das geht zum Teil bis dreizehn Euro runter.

    00:14:59: Zwischen dreizehn und fünfzehn Euro sind auch solche Honorierungen, die längst nicht

    mehr ausreichen, schon noch nie ausgereicht haben.

    00:15:12: Und du erwähnst die Inflacon, die Teuerungsrate.

    00:15:16: Das ist vermutlich auch der Grund, warum die Kampagne jetzt so eine breite Resonanz

    in unserer Berufsgruppe gefunden hat, dass ganz viele sagen: Es ging noch nie gut, aber jetzt

    geht's wirklich gar nicht mehr.

    00:15:30: Jetzt ist Alarmstufe dunkelrot, und nicht wenige von uns, auch sehr renommierte

    übersetzende Preisgekrönte, haben sich in den letzten Jahren entschieden, den Beruf zu

    verlassen.

    00:15:45: Sich anderweicg zu orienceren was im Einzelfall natürlich absolut verständlich und

    nachvollziehbar ist, aber für uns als Berufsstand hoch tragisch zu beobachten, weil wir alle mit so

    viel LeidenschaX an unseren Übersetzungen arbeiten, also ich glaube die Verlage könnten viel

    mehr auch mit unserer Loyalität und unserer Kenntnis dieser Texte arbeiten.

    00:16:15: Und sich das besser zu Nutze machen.

    00:16:19: im Zeitalter von KI mag es ja durchaus ein Qualitätsmerkmal sein, wenn vorn

    draufsteht: übersetzt von, und dann steht da der Name der Übersetzerin oder des Übersetzers.

    00:16:34: Das ist vielleicht für die LeserschaX auch durchaus hilfreich bei der Oriencerung.

    00:16:41: Wenn man schon mal eine Übersetzung gelesen hat von jemandem und einem dieser

    Text zugesagt hat, dann wär's ja durchaus ne Idee, mal zu schauen, was hat der oder die denn

    noch so übersetzt.

    00:16:52: Total, also ich hab diese Erfahrung tatsächlich schon ziemlich oX gemacht mit

    Übersetzern und Übersetzen, dass ich so irgendwann gedacht habe: Okay, das Buch ist jetzt schon

    wieder übersetzt von Eva Bonné s zum Beispiel und das trix irgendwie alles meinen Geschmack.

    00:17:06: Das heißt, irgendwann fängt man an zu denken, weil es kommt ja aus anderen

    Sprachen.

    00:17:09: Manches kennt man aber auch noch nicht, dass man so denkt: Okay, wenn diese

    Bücher alle schon übersetzt waren, dann kann man sich da vielleicht ganz gut drauf verlassen.

    00:17:17: Wenn es dieselbe Übersetzerin ist zumindest, und das hat sich dann auch jedes Mal

    erfüllt.

    00:17:20: Also ich glaube auch, dass das echt ein guter Effekt sein könnte, gerade weil's ja immer

    aus einem anderen Markt kommt sozusagen und nicht was einem jetzt hier unbedingt sofort

    sowieso die ganze Zeit unterkommt, weil das die Leute sind, die hier immer lesen und sowas.

    00:17:35: Dazu kann man vielleicht auch noch ergänzen, dass Kolleginnen und Kollegen auch aus

    kleineren Sprachen übersetzen.

    00:17:39: Also ich weiß es konkret von Leipziger Kolleginnen aus dem Tschechischen oder

    Slowakischen, die ganz oX die Märkte ihrer Ausgangssprachen sehr genau kennen und

    beobachten und auch den Verlagen ganz konkrete Titel vorschlagen, weil natürlich in den

    Verlagen nicht jede Sprache auch beherrscht wird von den Lektoraten, das ist ja ganz

    nachvollziehbar.

    00:18:03: Und insofern sind die Übersetzenden dann auch nicht selten als Scouts unterwegs und

    begleiten dann auch oX ihre Autor:innen auf Lesereisen, dolmetschen für die Veranstaltungen,

    stellen die Projekte auch auf Buchmessen vor.

    00:18:20: Ich frage mich manchmal, warum das nicht auch in den größeren Sprachen so sein

    könnte.

    00:18:24: Dass wenn zum Beispiel ein Autor, eine Autorin aus einem … dass ein fremdsprachiger

    Autor sein neues Buch auf Deutsch vorstellt?

    00:18:34: Warum dann oX die deutschen Texte von Schauspielern gelesen werden?

    00:18:42: Viele von uns haben sich in den letzten Jahren da sehr professionalisiert,

    Bühnentrainings, Sprechtraining gemacht und stehen durchaus zur Verfügung, auch solche

    Veranstaltungsformate zu begleiten.

    00:18:56: Und können da ja auch für den Verlag ein Mehrwert bieten, wenn fürs Publikum nicht

    nur der Autor und die Autorin präsent ist, sondern auch mal als zusätzliche Informacon, als

    weitere Face"e dieses Buches die Übersetzerin oder der Übersetzer sichtbar wird.

    00:19:17: Ich mache das manchmal bei Übersetzungslesungen, die wir ja durchaus gelegentlich

    organisieren.

    00:19:24: Manchmal zum Hieronymustag, manchmal im Rahmen des Literaturforums und des

    Bibliotheksverbands.

    00:19:32: Wenn wir unsere Übersetzungen vorstellen, treffen wir oX auf ganz interessiertes

    Publikum. Und das ist immer eine große Freude festzustellen, dass es nicht so ist, dass die Leute

    sich nicht dafür interessieren.

    00:19:48: Sondern ganz im Gegenteil.

    00:19:49: OX hat das so ein Aha-Effekt, gerade wenn man mit so einem interessierten

    Lesepublikum zu tun hat, die jetzt aber keine Experten auf dem Literatursektor sind, sondern die

    sich dann einfach sagen: Ach scmmt ja, da hat ja noch jemand mitgearbeitet.

    00:20:08: Wir können uns das oX gar nicht vorstellen, weil wir tagtäglich mit Büchern und

    Übersetzungen operieren, aber es ist wirklich immer wieder so ein Effekt.

    00:20:16: Also seit ich das weiß, gucke ich jetzt oX vorn rein, wer hat das denn übersetzt?

    00:20:22: Und das ist für mich eine neue und bereichernde Informacon.

    00:20:27: Also das stößt durchaus auf Interesse.

    00:20:30: Wie, wenn du das jetzt gerade erzählst, mit Veranstaltungen, und dass man manchmal

    auch Autorinnen begleitet.

    00:20:36: Wie sieht denn dein Arbeitsalltag eigentlich aus?

    00:20:38: Weil wir haben ja über die Seiten gesprochen, die Arbeit am Text.

    00:20:43: Aber ist es dann so, dass das die hauptsächliche Arbeit ist?

    00:20:46: Du fährst morgens zum Beispiel in die Naconalbibliothek und setzt dich hin und

    übersetzt und hast dann auch ein Buch, oder sind das teilweise auch mehrere Projekte, die sich

    überschneiden?

    00:20:55: Wie kann man sich das vorstellen?

    00:20:58: In meinem Fall ist es so, dass ich tatsächlich in der Regel an einem Buchprojekt arbeite.

    Also ich könnte mir das nicht vorstellen, mehrere parallel zu haben, durch die Komplexität dieser

    Sachbücher ist es schon ratsam, sich auf eine Sache zu konzentrieren und da wirklich intensiv und

    konzentriert auch dran zu arbeiten.

    00:21:23: Tatsächlich ist das so, dass ich über weite Strecken des Monats sozusagen mich täglich

    an den Computersetze und übersetze.

    00:21:35: Es gibt allerdings für viele Kolleginnen und Kollegen noch weitere Standbeine, mit

    denen wir unseren Lebensunterhalt finanzieren, verdienen, erwirtschaXen.

    00:21:51: In meinem Fall ist das ein Projekt, dass ich zusammen mit zwei Kolleginnen, darunter

    Beyna Bach, mache. Das Programm für die Leipziger Buchmesse, das wir jedes Jahr auf die

    Bühne in Halle Vier bringen.

    00:22:13: Das ist das Forum Übersetzen.

    00:22:15: Da haben wir Podiumsgespräche zum Thema Literaturübersetzung ganz allgemein.

    00:22:23: Wir haben die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie

    Übersetzungen jedes Jahr zu Gast und dann auch jeweils den Preisträger oder die

    Preisträgerinnen.

    00:22:34: Jedes Jahr stellen wir ein Programm zusammen, auch durchaus auf Anregung aus

    unserer Berufsgruppe, dass wir uns mit Themen auseinandersetzen und die auf die Bühne

    bringen.

    00:22:48: Die für uns gerade relevant sind oder den Beruf und das Übersetzen von Literatur

    anschaulich machen und illustrieren und fürs Publikum auiereiten.

    00:23:01: Machst du da eigentlich auch die Erfahrung, dass manche Leute auf dich zukommen

    und sagen, ich möchte diesen Beruf gerne ergreifen?

    00:23:06: Die sozusagen noch ganz am Anfang stehen.

    00:23:09: Ja, das passiert immer wieder!

    00:23:11: Wir haben auch deshalb ganz bewusst im Forum Übersetzen einen Informaconsstand

    mit Informaconsmaterial, das sehr breit alles Mögliche abdeckt, was auch den Einsceg in den

    Beruf angeht, von Ausbildungseinrichtungen über Fördermöglichkeiten und

    Fortbildungsangebote.

    00:23:31: Das werden wir immer wieder gefragt, und darauf gibt es auch gar nicht die eine

    Antwort, sondern viele von uns sind über die Begeisterung für Literatur zum Literaturübersetzen

    gekommen.

    00:23:45: Es gibt Studiengänge in Düsseldorf und München, wo man Literaturübersetzen

    studieren kann.

    00:23:52: Aber das ist keine Zugangsvoraussetzung, sage ich mal in den Beruf.

    00:23:59: Da sind die Zugangswege sehr individuell ganz unterschiedlich.

    00:24:03: Wie war der denn bei dir?

    00:24:05: Ich habe in Leipzig Fachübersetzen studiert und da war immer der Tenor, ach naja,

    Literatur, das muss man gar nicht erst probieren, davon kann man eh nicht leben.

    00:24:18: Da schließt sich jetzt vielleicht auch irgendwie ein Kreis, keine Ahnung, aber das hat

    sich ergeben über Vermi"lung von Kolleginnen und Kollegen.

    00:24:33: Das passiert gar nicht so selten, dass zum Beispiel Leute, die schon lange in dem

    Bereich arbeiten, Anfragen bekommen, die sie selber nicht bedienen können, weil sie gut

    ausgebucht sind, und dann sagen, ich kann es nicht machen.

    00:24:52: Aber ich empfehle den oder die Kollegin.

    00:24:56: Oder man beginnt in einem Team mit jemanden, der schon mehr Erfahrung hat und

    wächst dann so langsam

    00:25:05: rein.

    00:25:05: Und

    00:25:06: was hast du beim Fachübersetzen in diesem Studiengang?

    00:25:08: Was hat man da

    00:25:09: gelernt?

    00:25:10: Also quasi Fachtexte zu übersetzen?

    00:25:12: Ja, genau.

    00:25:13: Ich habe mich im Studium auf das Fach Psychologie spezialisiert.

    00:25:20: Deshalb übersetze ich auch immer mal wieder Sachbücher aus dem psychologischen

    Bereich.

    00:25:32: Sehr schön.

    00:25:34: Ich komme wieder auf den Protest zurück, weil ich habe bei den Kacheln, das ist ja

    wirklich sehr prakcsch,

    00:25:38: da ist das so zusammengefasst.

    00:25:40: Was die Probleme sind, erzählt aus dem Perspekcven einzelner Übersetzer:innen, und

    ich hab mir dann mal ein paar Themen, die immer wieder aufgekommen sind, rausgeholt und

    würde gerne darüber noch sprechen.

    00:25:54: Zum Beispiel ein Thema war, dass die kleineren und mi"elständischen Verlage es oX

    trotz angespannter finanzieller Situacon bei sich selber besser hinbekommen, Übersetzerinnen

    zu bezahlen oder mehr zu beteiligen in dem Prozess.

    00:26:07: Ein Punkt, der dann immer genannt wird, ist diese Forderung auch, dass man ab dem

    ersten verkauXen Exemplar schon mitbeteiligt wird an den Einnahmen.

    00:26:16: Was, das können wir ja vielleicht kurz dazu sagen,

    00:26:19: nicht üblich ist. Also bei einigen Büchern oder bei vielen Büchern, das ist glaube ich so,

    dass erst wirklich eine relacv hohen Zahl von Büchern erst mal verkauX werden muss, damit

    dann eine Übersetzerin noch mit dran beteiligt wird.

    00:26:31: Wo ich dann auch gelesen habe, dass in vielen Kategorien und Genres einfach diese

    Zahl utopisch ist, da kommt man quasi eh nie hin.

    00:26:38: Das heißt, dann kann man da keine Beteiligung erwarten, und dass da aber kleinere

    Verlage oder so oX viel gesprächsbereiter sind und sich bemühen, da eine Lösung zu finden,

    während die großen Konzerne vor allem sehr wenig mit drauf zugehen irgendwie und sehr wenig

    darauf eingehen.

    00:26:57: Und dann haben auch viele Übersetzerinnen und Übersetzer gesagt, dass sie jetzt nicht

    den Lektoren oder Lektorinnen den Vorwurf machen, weil die einfach ihre Vorgaben haben.

    00:27:08: So viel haben wir an Budget.

    00:27:09: Du kannst es sozusagen nehmen, aber mehr ist nicht, hier wird nicht groß verhandelt.

    00:27:14: Wie ist da deine Erfahrung?

    00:27:16: Warum glaubst du ist das so?

    00:27:18: Warum gibt's da diese Diskrepanz?

    00:27:21: Ja, das ist richcg, Beteiligung am Verkaufserlös ab dem ersten Exemplar fordern, neben

    unserer Haupzorderung von einer Honorierung in Höhe von dreißig Euro je Normseite.

    00:27:35: Das würde ich gerne nochmal ergänzen.

    00:27:40: Ja, warum das so ist?

    00:27:43: Das ist wahrscheinlich eine sehr große Frage, die man wahrscheinlich den Verlagen

    stellen müsste, aber es ist tatsächlich so, dass wir die Erfahrung machen, mit kleineren

    unabhängigen Verlagen sehr viel mehr auf Augenhöhe verhandeln zu können und uns da mehr

    Verständnis und Entgegenkommen begegnet.

    00:28:05: Wenngleich natürlich auch speziell die kleinen Verlage finanziell unter großen Druck

    stehen, aber wir verhandeln dort stärker auf Augenhöhe.

    00:28:14: Wir haben dort mit den Entscheidern vielfach zu tun, währenddessen bei den großen

    Konzernverlagen, wie du es gerade gesagt hast,

    00:28:21: wir oX mit den Lektoraten sprechen und dann oX den Gesprächspartnern die Hände

    gebunden sind.

    00:28:30: Und das ist der Grund, warum wir so laut und deutlich aufmerksam mit dieser

    Kampagne sind, dass es einfach nicht mehr geht.

    00:28:38: Wir können von diesen bisher gezahlten Honoraren nicht mehr auskömmlich leben und

    am Ende ist es für viele so, dass sie versuchen, ihr Einkommen quer zu finanzieren durch

    Nebenjobs oder durch andere Täcgkeiten. Was allerdings in vielen Fällen, das berichten die

    Kolleginnen und Kollegen, auch prakcsch gar nicht mehr so ohne weiteres möglich ist.

    00:29:04: Weil, wie ich vorhin ja beschrieben habe, die Bearbeitungszeiten, die Zyklen immer

    kürzer werden und somit einfach die Zeit gar nicht zur Verfügung steht, dass man sagen kann.

    Okay, ich hab zu fünfzig Prozent noch eine andere Einnahmequelle und übersetze quasi nebenbei.

    00:29:23: Das funkconiert irgendwie nicht mehr, und das ist ja auch nicht Sinn der Sache, ich

    meine, wir haben einen hochqualifizierten Beruf.

    00:29:29: Wir üben den in aller Regel mit großer Freude, mit viel LeidenschaX aus. Und wollen

    schlichtweg davon leben können.

    00:29:40: Ein Punkt, der da auch so ein bisschen reingeht, dass jetzt dieses Querfinanzieren

    angesprochen wird,

    00:29:44: und da habe ich auch ein Zitat gefunden, was ich ziemlich krass fand.

    00:29:48: Die Übersetzerin von Emmanuel Carrère und Yasmina Reza, Claudia Hamm, hat gesagt,

    ich übersetze Literatur

    00:29:54: und bin die erste von drei Generaconen von Frauen in der Familie, die finanziell nicht

    mehr unabhängig ist.

    00:29:59: Und dieses Thema, dass viele auch sagen: Ja, ich habe halt einen Partner.

    00:30:03: Ich muss ein Partner oder eine Partnerin haben, die mehr verdient.

    00:30:06: Aber das bedeutet ja auch, dass in meiner Beziehung dann immer dieses

    Ungleichgewicht ist, obwohl ich ja die ganze Zeit auch meine Arbeit mache. Und dass das einfach

    so schlecht bezahlt wird. Ist das auch ein Thema, was dir immer wieder mal begegnet ,wenn ihr

    dieses Übersetzerforum macht oder euch untereinander austauscht?

    00:30:21: Definicv.

    00:30:22: Das ist eine totale Schieflage, und ich frage mich schon auch, ob dabei eine Rolle spielt,

    dass unser Beruf ein sehr weiblicher ist.

    00:30:29: Also ungefähr achtzig Prozent der Literaturübersetzenden sind Frauen, und ja, keine

    Ahnung.

    00:30:38: Da stelle ich mir schon die Frage, ob wir nicht hart genug verhandeln, vielleicht müssen

    wir uns an der Stelle ganz gezielt fortbilden, um diese Hartnäckigkeit in den Verhandlungen auch

    an den Tag zu legen.

    00:30:59: Es gibt ja, weil wir KI schon mal ha"en, gibt es ja jetzt vor allem … nämlich dass es so

    war, wenn jetzt Interviews dazu geführt werden zu dem Thema, dass oX KI als der Au}änger

    genutzt wird und gesagt wird, dieser Protest kommt jetzt vor allen in einer Branche, und ich hab

    dann manchmal so wahrgenommen, dass das eine Rückmeldung war.

    00:31:17: Hier geht's erst mal auch um Geld.

    00:31:18: Also ne?

    00:31:19: Es ist nicht jetzt nur so, dass wir sagen irgendwie, die KI macht uns alles kapu" oder es

    wird auch nicht so leicht, dass einfach eine KI kommt und das Buch so übersetzt.

    00:31:29: Was sind denn deine Gedanken dazu?

    00:31:31: Zu diesem sage ich mal Szenario, was immer sehr schnell gesagt wird, dass die KI die

    Übersetzung dann einfach übernimmt bald.

    00:31:40: Also ich glaube tatsächlich, dass KI nicht unser Hauptproblem ist. Unser Hauptproblem

    ist die Vergütung, auf die wir mit unserer Kampagne aufmerksam machen.

    00:31:51: Natürlich spielt KI eine Rolle!

    00:31:53: Aber meine Wahrnehmung in der Branche ist, dass sich niemand die Illusion macht.

    00:31:58: Dass man einen literarischen, speziell hochliterarischen oder aber auch komplexen

    Sachtext einfach durch eine KI jagt, und dann hat man einen fercgen Text, den man ohne

    Bedenken publizieren kann.

    00:32:10: Das ist natürlich nicht der Fall.

    00:32:11: Und selbst wenn man jetzt an das unselige Thema Post Edicng denkt, sprich: Man

    bekommt eine KI-generierte Textvorlage und soll die dann in ein sinnvolles Konstrukt bringen.

    00:32:26: Da sind die Erfahrungen so, dass das so aufwendig und so ermüdend ist, dass es auch

    nicht schneller geht.

    00:32:32: Und dass vor allem die Qualität so massiv leidet... Also man kann aus einem

    seelenlosen KI-Text einfach keine lebendige oder überzeugende Literatur machen!

    00:32:43: Das funkconiert einfach nicht.

    00:32:45: Ich denke, dass viele Akteurinnen und Akteure in den Verlagen das auch genau wissen.

    00:32:54: OX ist es vielleicht ein hilfloser Versuch, mit dem finanziellen Druck umzugehen, aber

    die Ergebnisse sind nach allem, was wir jetzt erfahren haben, überhaupt nicht überzeugend.

    00:33:07: Die KI scheitert grandios an allem, was Text zur Literatur macht, an Wortspielen.

    00:33:14: An Ironie!

    00:33:15: An Emoconalität und Atmosphäre – all das, in das wir uns mit unserer professionellen

    Empathie hineinbegeben, um das möglichst gut, möglichst adäquat im Deutschen zu

    reproduzieren.

    00:33:30: Daran scheitert die KI, und insofern möchte ich dem eher das Scchwort künstlerische

    Intelligenz entgegensetzen, weil dasdie EigenschaX oder die Kompetenz ist, die für eine

    Literaturübersetzung erforderlich ist, dass wir all das in einem fremdsprachigen Text erfassen.

    00:33:56: Wir sitzen ja nicht da und rechnen oder geben Wort für Wort wieder, was in diesem

    fremdsprachigen Text steht, sondern wir treffen ja Entscheidungen, wie wir bescmmte

    Besonderheiten des Textes im Deutschen wiedergeben.

    00:34:13: Das sind ja ganz individuelle Ansätze und Entscheidungen, die wir da treffen.

    00:34:43: Gab es auch mal Zeiten, wo du nur vom Übersetzen gelebt hast?

    00:34:48: Ja ich lebe vom Übersetzen.

    00:34:51: Ich kann allerdings nicht meine Familie davon ernähren.

    00:34:54: Also wir sind schon auf ein doppeltes Einkommen angewiesen, und dieser zweite

    Teilbereich meiner Arbeit ist jetzt auch weniger eine Querfinanzierung, würde ich sagen.

    00:35:12: Sondern also für mich persönlich geht es dabei auch darum, nicht immer nur im scllen

    Kämmerlein zu arbeiten.

    00:35:20: Das hat auch den Effekt, dass ich da mit meinen beiden Kolleginnen Beyna und Anja

    im Team arbeite und wir am Ende dann dieses Programm auf die Bühne stellen.

    00:35:31: Also wirklich ganz analog und handfest, die menschlichen Begegnungen, die wir im

    Forum Übersetzen haben.

    00:35:40: Das ist auch ein Anlaufpunkt für alle, die in dem Beruf arbeiten oder sich für den Beruf

    interessieren.

    00:35:47: Eine Kollegin hat letztes Jahr auf der Messe gesagt: Ihr seid mein Heimathafen. Und das

    fand ich so eine schöne Umschreibung für das, was wir da machen wollen.

    00:35:57: Und wir merken auch immer wieder in der Literaturszene oder Übersetzungszene in

    unserem Fall jetzt, dass dieses Begegnen und dieser Austausch miteinander im ganz Realen

    unheimlich wichcg geworden ist.

    00:36:14: Das haben wir jetzt in Frankfurt auch wieder gesehen, diese Lebendigkeit und diese

    Quirligkeit, die dann die Literaturbranche auch vermi"elt, ist, glaube ich, ein sehr guter Ausgleich

    und eine gute Kompensacon für dieses Einsame, was wir in unserer Arbeit oX haben, Autorinnen

    und Autoren ja auch.

    00:36:38: Insofern sind wir da irgendwie auch.

    00:36:42: Und mit unserer Kampagne, das ist mir auch noch mal wichcg anzumerken.

    00:36:46: Dabei geht es uns nicht darum, einen Teilbereich des Literaturbetriebs gegen den

    anderen aufzuwiegen und auszuspielen.

    00:36:59: Es geht uns darum, aufmerksam zu machen auf die Situacon speziell in unserer

    Berufsgruppe, und deutlich zu machen, dass da eine Veränderung her muss.

    00:37:12: Da könnten wir ja noch kurz über den Aspekt der Unsichtbarkeit von Übersetzern und

    Übersetzerinnen sprechen.

    00:37:17: Natürlich jetzt mit der Kampagne weniger, und es gab auch sicherlich in den letzten

    Jahren paar Veränderungen bei ein paar Verlagen, um bisschen mehr Bewusstsein bei den einen

    oder anderen Personen, aber immer noch im großen Breiten gibt's immer so dieses Thema, dass

    die Übersetzenden, du hast es jetzt schon sehr genau auch erklärt, an einem Buch einfach einen

    maßgeblichen Anteil haben.

    00:37:40: Wenn das von einer anderen Sprache kommt, dass sie irgendwie so hinten runterfallen.

    Und was ist da deine Sicht drauf?

    00:37:50: Deine Erfahrung damit? Und was denkst du, woran das vielleicht liegt?

    00:37:56: Ja, das ist wirklich eine Besonderheit an unserem Beruf, in dem wir im Dienst des

    Originals stehen, dass wir oX nicht wirklich wahrgenommen werden, weil wenn eine Übersetzung

    sich gut liest und niemand daran Anstoß nimmt, dann wird in der Regel gar nicht drüber

    gesprochen.

    00:38:23: Und es ist gar kein Bewusstsein dafür da, dass es sich um ne Übersetzung handelt.

    00:38:28: Allzu oX passiert es, dass Stellen, bei denen Leute beim Lesen stolpern, plötzlich der

    Übersetzung angelastet werden in so einem reflexhaXen Geschehen, und wir uns eigentlich mit

    guter Arbeit noch unsichtbarer machen als ohnehin schon.

    00:38:53: Das ist eigentlich so ein Kernproblem an unserer Arbeit, und viele Kolleginnen und

    Kollegen haben in den letzten Jahren viel dafür getan, sich auch zu zeigen, ob das jetzt online mit

    einer eigenen... Seite im Netz sowieso, aber auch auf Social Media akcv sind.

    00:39:18: Lisa Kögeböhn ist dafür natürlich ein ganz wunderbares Beispiel, die da sehr, sehr viel

    Sichtbarkeit schax und auch sehr akcv in den Austausch mit den Lesenden geht.

    00:39:31: Das ist nicht jeder von uns gegeben, aber viele versuchen schon auch, den

    Hieronymustag beispielsweise zu nutzen.

    00:39:40: Da gibt es zunehmend nicht nur in den größeren Städten Übersetzungslesungen.

    00:39:46: Wir machen das in der Regel in Leipzig im Literaturhaus, haben dort zum Glück gute

    Kontakte und können dort Veranstaltungen auch organisieren.

    00:40:00: In Leipzig auch in Zusammenarbeit mit dem Übersetzerverein Die Fähre. Das ist der

    sächsische Verein für Literaturübersetzung, sehr verdienstvoll schon seit vielen Jahren.

    00:40:11: Und ja, so sind es kleine Schri"e in die Sichtbarkeit, für manche von uns auch durchaus

    mit Überwindung verbunden.

    00:40:18: Also es sind schon viele introvercerte Menschen in diesem Beruf unterwegs, aber uns

    ist natürlich klar, dass wir selber auch was für dieses Bewusstsein tun können und sollten, um zu

    zeigen: Literaturübersetzung ist ein relevantes Thema.

    00:40:41: Und da gibt es, glaube ich, noch viel Potenzial, was man auch in Zusammenarbeit mit

    den Verlagen ausloten könnte.

    00:40:51: Ein Aspekt, zu dem ich... Ich muss jetzt schon wieder zum Negacven kommen.

    00:40:54: Aber es ist ja auch ein Protest, weil sich Dinge ändern müssen.

    00:40:57: Und ein Aspekt, der immer wieder au~am in diesen Kacheln, war das Thema

    Altersarmut.

    00:41:02: Also da hat dann jemand gesagt, irgendwie ich hoffe einfach, dass ich bis Achtzig

    arbeiten kann, weil es gibt keine Rente für mich quasi, ich kann mir mein Leben sonst eh nicht

    mehr leisten.

    00:41:13: Wie ist das denn so?

    00:41:14: Gibt's irgendeine Möglichkeit zum Beispiel vom Verband der Übersetzer oder so, dass

    die dann sagen: Okay, wir versuchen irgendwie, so eine Art Re"ungsschirm zu haben.

    00:41:22: Gibt es, exiscert sozusagen irgendwas?

    00:41:25: Weil das ist ja wirklich ein riesiges Problem, wenn man sagt: Okay, ich mach diesen Job,

    ich mache ihn mit LeidenschaX, der braucht auch Zeit, denn ich kann nicht einfach irgendwo mal

    etwas übersetzen, und aber irgendwann kommt dann ein gewisses Alter. Und mir fehlt einfach

    das Geld in meiner Vorsorge.

    00:41:44: Gibt es da irgendwas?

    00:41:45: Und wie ist das so, könnte man da auch etwas geben?

    00:41:48: Es gibt vielleicht Stellschrauben, an denen man drehen könnte, um das zu verbessern.

    00:41:53: Also eine wichcge Sache für unsere Branche ist die Förderung in Form von Scpendien.

    00:42:00: Es gibt den Deutschen Übersetzerfonds.

    00:42:02: Das ist einer der Kulturfonds in Deutschland.

    00:42:04: Der ist angegliedert an den Literaturfonds, wo wir zu festen Fristen im Jahr Scpendien

    beantragen können.

    00:42:13: Das sind zum einen Arbeitsscpendien, es gibt aber auch Recherche- oder

    Reisescpendien, verschiedene Formate... wo man die Möglichkeit hat, sich mit seinen Projekten

    zu bewerben und dann aber natürlich darauf angewiesen ist. Da gibt es natürlich immer viel

    mehr Bewerbungen als tatsächlich Mi"el zur Verfügung stehen.

    00:42:34: Das heißt, das ist eine Möglichkeit der zusätzlichen Finanzierung, aber es ist keine

    verlässliche.

    00:42:41: Insofern ist das unbedingt zu erwähnen.

    00:42:48: Eine andere Möglichkeit ist über die VG Wort, deren Autorenversorgungswerk bietet

    einen Alterszuschuss an.

    00:42:56: Das ist eine einmalige Zahlung, die man beantragen kann im Jahr des fünfzigsten

    Geburtstags, und das ist vielleicht auch noch gar nicht so bekannt.

    00:43:08: Also ich lese immer mal in unseren Austausch-, Mail-Austauschgruppen oder auf Social

    Media:

    00:43:18: Leute, bewerbt euch da!

    00:43:20: Das ist eine gute Möglichkeit, aber das ist ne Einmalzahlung.

    00:43:25: Die deckt natürlich nicht das gesamte Alter ab, und Altersarmut ist definicv ein großes

    Thema.

    00:43:35: Niemand von uns weiß, wie wir gesundheitlich im höheren Alter aufgestellt sein

    werden.

    00:43:42: Ob das noch möglich sein wird, weiter zu arbeiten?

    00:43:45: Also die Rentenprognosen der meisten von uns sind ernüchternd, und eine private

    Vorsorge ist schwer zu finanzieren von diesen niedrigen Honoraren.

    00:43:59: Also das ist und bleibt ein großes Problem.

    00:44:03: Und da hilX wahrscheinlich auch, also was ja trotzdem helfen würde, wäre einfach

    mehr Geld.

    00:44:08: Also dass die Arbeit einfach besser entlohnt wird, und dann kann man zumindest,

    vielleicht hat man wieder ein bisschen Spielraum, auch mal etwas zurückzulegen.

    00:44:14: So ist es.

    00:44:15: Dann kann man Rücklagen bilden, diese Rücklagen oder Möglichkeit zur

    Rücklagenbildung.

    00:44:20: Die fehlt uns komple"!

    00:44:21: Wir müssen ja auch von unseren Honoraren – das darf man ja nicht vergessen, wenn

    man jetzt mit dieser rechnerischen Größe von hundert Seiten pro Monat rechnet.

    00:44:30: Da müssen wir hier alles mit einpreisen.

    00:44:32: Da ist Urlaub mit eingerechnet, Krankheit, vielleicht auch Zeiten, in den AuXragsflauten

    herrschen.

    00:44:41: Da sind Fortbildungen eingepreist, Messebesuche... Wir sind Freiberufler:innen und

    müssen das alles natürlich von diesen Honoraren auch mizinanzieren.

    00:44:54: Das heißt, wenn wir länger krank sind, dann kann das schon schnell auch existenziell

    werden, und lange Urlaube sind für viele nicht drin.

    00:45:04: Eine Kollegin ha"e auf ihrer Kachel auch geschrieben, dass sie schon ewig keinen

    Urlaub mehr gemacht hat.

    00:45:11: Also das ist auf jeden Fall ein Missstand, auf den wir mit großem Nachdruck hinweisen

    wollen.

    00:45:18: Da fällt mir auch ein Zitat ein, wo es irgendwie darum ging, dass eine Übersetzerin

    gesagt hat, sie hox einfach, dass der nächste Burnout sie nicht komple" aus der Bahn wirX.

    00:45:28: Weil sie ha"e schon so viele, aber es muss halt immer weiter gehen, und die große

    Angst davor, dass es dann irgendwann so viel ist, dass gar nichts mehr geht.

    00:45:37: Und das sind ja keine Zustände, mit denen man irgendwie arbeiten kann.

    00:45:41: Ja, definicv.

    00:45:42: Oder wenn ich lese, dass eine Kollegin schreibt, sie konnte sich den Messebesuch nicht

    leisten, weil es einfach zu teuer ist. Die Übernachtungen in Frankfurt sind teuer zu solchen

    Hochzeiten wie der Buchmesse. Das geht ja gar nicht.

    00:45:56: Wenn so ein wichcges Branchentreffen aus finanziellen Gründen nicht drin ist, dann ist

    das wirklich sehr arg.

    00:46:07: Ja, jetzt haben wir über viele Aspekte gesprochen und ich würde gerne zum Ende noch

    mal so eine kleine Zusammenfassung machen, quasi der Blick in die Glaskugel.

    00:46:15: Wenn jetzt dieses Gespräch käme mit den Verlagen, wenn sich da was bewegt, also

    auch ein Gespräch zustande kommt?

    00:46:24: Was wäre so ein bisschen die ideale Welt, dass diese Situacon wirklich grundlegend,

    nicht nur so ein kleines bisschen, sondern wirklich grundlegend verbessert wird für

    Übesetzer:innen? Und dass vielleicht auch junge Menschen da reingehen wollen in diesen Beruf,

    der ja weiterhin wichcg ist?

    00:46:41: Auch Lust kriegen vielleicht darauf. Wie können wir das zusammenfassen?

    00:46:47: Ja, da geht's ans Eingemachte!

    00:46:53: Wir fordern diese deutlich höhere Honorierung von dreißig Euro pro Seite, pro

    Normseite und würden gerne ins Gespräch gehen mit den Verlagen.

    00:47:07: Und gemeinsam auch überlegen, was für Möglichkeiten es gibt, uns stärker

    einzubinden in die Übersetzungsprojekte. Also möglicherweise auch gemeinsam

    Veranstaltungsideen entwickeln oder die Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam zu bedenken und auch

    Entscheidungsprozesse transparenter zu machen beispielsweise.

    00:47:40: Mehr Geld, einfach mehr Geld, eine angemessene Bezahlung.

    00:47:45: Ich bin sehr, sehr froh, dass du heute hierhergekommen bist.

    00:47:47: Ich würde aber auch sagen, wenn du noch was hast, das wir noch nicht besprochen

    haben, sag es gerne, weil ich habe auch oX die Erfahrung gemacht, man bereitet sich dann ja vor

    und hat so seine Sicht oder seine Fragen.

    00:47:58: Aber sie sind ja immer von außen. Man lebt ja nicht in diesem Beruf und hat nicht diese

    Erfahrung.

    00:48:04: Deswegen gibt's da noch Sachen.

    00:48:05: Ja.

    00:48:05: Ich hab tatsächlich noch zwei Punkte.

    00:48:08: Das eine ist policsch: Sehr, sehr wünschenswert für die ganze Branche wäre eine

    strukturelle Verlagsförderung.

    00:48:16: Die Verlage, davor verschließen wir natürlich auch nicht die Augen, die unter großem

    finanziellen Druck stehen, dass da eine größere Verlässlichkeit bei der Förderung für sie bestehen

    würde, und in Hamburg wird jetzt der Versuch unternommen.

    00:48:36: Das ist ein großer Schri" in die richcge Richtung.

    00:48:41: Und ein zweiter Punkt aus Berufsverbandssicht, also den Berufsverband VdÜ möchte

    ich hier auch nochmal ganz nachdrücklich nennen, der viel für unsere Sichtbarkeit tut, sehr viel

    für die Stärkung unserer Branche tut.

    00:48:58: Wir sind als VdÜ-Mitglieder auch Mitglieder bei ver.di, das heißt: Wir haben eine

    gewerkschaXliche Vertretung, auch Unterstützung im Zusammenhang mit Rechtsstreicgkeiten.

    00:49:15: Wir können da eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen. Und was auch eine

    Forderung unserer Berufsgruppe ist: ein Verbandsklagerecht. Dass, wenn es wirklich zu

    unüberbrückbaren Streicgkeiten kommt, die vor Gericht landen, wir natürlich eine große

    Asymmetrie im Machtverhältnis haben und als Einzelkämpfer, Einzelkämpferinnen da oX sehr

    allein dastehen.

    00:49:42: Und wenn der Berufsverband die Möglichkeit hä"e, für uns diese Klage zu führen, wäre

    das natürlich ne große Erleichterung.

    00:49:51: Insofern fordern wir das auch unter anderem mit.

    00:49:57: Sehr schön, und danke dir noch mal, dass du gekommen bist.

    00:50:00: Und ich kann von unserer Seite aus nur sagen, dass auch wir durch diesen Protest

    einfach nochmal mehr im Bewusstsein dafür bekommen haben, wie wichcg es ist, das einfach

    mit zu erwähnen.

    00:50:11: Und es ist irgendwie was … eigentlich weiß man das.

    00:50:14: Also wir als Menschen, die sich quasi viel mit Literatur beschäXigen, wissen das

    natürlich schon, dass es Übersetzungen gibt, und selbst da ist es irgendwie so, dass es dann

    trotzdem schnell runter rutscht, weil man, zum Beispiel ha"e ich das neulich, über das neue Buch

    von Caroline Blackwood reden will.

    00:50:28: Und dann ist man so begeistert von dem Buch und der Autorin, dass die jetzt wieder

    entdeckt wird... dass man sich da so drauf stürzt und dann so völlig drin ist und am Ende denkt:

    Warte mal, haben wir jetzt über die Übersetzerin auch geredet, Claudia Voit?

    00:50:39: Oder ist das irgendwie wieder runtergefallen?

    00:50:42: Dann muss man es halt wieder nach hinten machen.

    00:50:44: Aber ich glaube, da ist es wirklich so… Wie du auch gesagt hast, auch von LeserInnen-

    Seite... Ich glaub die BereitschaX ist da!

    00:50:53: Das auch zu schätzen und sich darüber auch zu freuen, dass es Menschen gibt, die sich

    diese Mühe machen, Bücher aus anderen Sprachen für uns lesbar zu machen.

    00:51:00: Und das ist ja auch, das kann man vielleicht ja auch noch mal sagen, was in

    Deutschland schon ziemlich besonders ist, wie viel Literatur einfach vom Ausland her übersetzt

    wird in unsere Sprache.

    00:51:09: Das ist in anderen Buchmärkten viel kleiner, der Anteil an Sprachen, die vorkommen,

    und da belebt ihr einfach eine Kultur extrem.

    00:51:18: Das sind derzeit ungefähr fünfzehn Prozent der Neuerscheinungen.

    00:51:23: Ja, was du sagst, ist natürlich vollkommen richcg und auch nachvollziehbar, wenn das in

    Einzelfällen mal runterrutscht, dass man vor lauter Freude über eine Neuerscheinung versäumt

    hat zu erwähnen, aber ich fand es insofern sehr charmant in eurer letzten Folge.

    00:51:42: Dass du's einfach noch mal nachgeschoben hast und ergänzt hast – das ist uns beim

    letzten Mal durchgerutscht – auch nicht selten, wenn wir Journaliscnnen und Journalisten die

    Bücher rezensiert haben.

    00:51:57: Darauf hinweisen.

    00:51:58: Übrigens, da fehlte die Angabe.

    00:52:00: Das ist oX gar kein böser Wille, sondern es geht wirklich darum, das Bewusstsein dafür

    zu schärfen, wer da sehr, sehr lange viele Wochen, Monate an so einem Buch sitzt.

    00:52:12: Und wenn dann einfach nur vom Verlag gemeldet wird:

    00:52:15: Jetzt endlich auch auf Deutsch!

    00:52:17: Und dann in den ganzen bibliografischen Angaben kein Platz für schlichtweg den

    Namen des Übersetzenden ist.

    00:52:24: Das ist dann einfach oX... eine frustrierende Erfahrung, und die ist auch unnöcg.

    00:52:30: Also insofern großes Plädoyer für ein Bewusstsein dafür, dass es Menschen gibt, die

    Literatur übersetzen.

    00:52:37: Das ist doch ein schönes Schlusswort.

    00:52:39: Auf Wiedersehen!

    00:52:40: Tschüss bis zum nächsten

    00:53:15: Mal.

    54 min
  • Alles Sünde oder was?
    mit John Steinbeck, Claude Simon und Anne Carson

    Was hat der Wind schon wieder mit dem Literaturnobelpreis zu tun? Wer übersetzte falsch und baute dann sein Buch darauf auf? Und wieso hatte eine Gruppe französischer Schriftsteller keine Lust mehr auf klassische Romane? Wir reden drüber. Es geht um die neue Verfilmung von „Jenseits von Eden“, den Nobelpreis für Anne Carson und den Buchpreis für Shida Bazyar. Außerdem erinnern wir an Claude Simon. Und wir haben wieder eine Verlosung für euch. Karten für die Jenny Erpenbeck Verfilmung „Heimsuchung“. Viel Vergnügen!

    Bücher

    John Steinbeck, „Jenseits von Eden“ (übers.: Harry Kahn, dtv)
    Anne Carson, „Rot.“ (übers.: Anja Utler, S.Fischer)

    Sonstiges

    „East of Eden“ (SR.: Zoe Kazan, mit: Florence Pugh, Mike Faist, Christopher Abbott, Netflix)

    FAZ Artikel zum Nobelpreis für Anne Carson, unter: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/literatur/anne-carson-bekommt-den-literaturnobelpreis-accg-201283201.html?campid=MAIL-E2400000725&mch1=6a65ff50cbf55189a699a9bb8a2b5ea06a3b375a057989c84b3dbd44aff8eaf2029b6de78bcde2729a070d239f08b53b3ad80c31f04c2e242296ac0cab9e5f32&mch2=c634f937f57800f33a89fdf141fadab46e5076e9b8c8b8fddd0608aae2787d9607d407892616f2300fac5f9ce0be7ff8be949403879ae6197a1a383001167659&mch3=10d1f434d4cbacff8701c56afeab8efaccd5838b23d5081e6beb968fcc86a03e

    Credits

    Sprecher: Malte Schlage
    Design: Elisa Merino Vazquez
    Musik: Johannes Rieger
    Produktion: Josef Braun und Linn Penelope Rieger

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    1 hr 1 min
  • Glamour and Pain
    mit Caroline Blackwood und Jackie Collins

    Welche Schriftstellerin muss hierzulande neu entdeckt werden, auch wenn es schmerzhaft ist? Wer prägte die Strandlektüre wie keine andere? Und was soll man lesen, wenn man sich unsterblich ins Trampolinspringen verliebt hat? Wir reden drüber. Es geht um Caroline Blackwoods‘ „Das Schicksal der Mary Rose“, die Booker-Shortlist und einen KI-Skandal. Und wir erinnern an Jackie Collins und ihre legendären Legal Pads.

    Bücher

    Caroline Blackwood, „Das Schicksal von Mary Rose“ (übers.: Claudia Voit, Insel)

    Sonstiges

    Die FAZ, unter: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/literatur/was-in-thelyson-oreliens-ki-verdaechtigem-roman-wirklich-drinsteht-accg-201268620.html

    Credits

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    Musik: Johannes Rieger
    Produktion: Josef Braun und Linn Penelope Rieger

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    59 min
  • Gletscher schmelzen
    Mit Anne-Sophie Balzer, Simon Probst, Ulrike Draesner uvm.

    Wieso können Gletscher da sein und trotzdem tot? Welche Malerin reiste in den dreißiger Jahren nach Spitzbergen? Und wie lässt sich um Natur trauern? Wir reden drüber. Diesmal geht’s um fünf Bücher zum Thema Gletscher, die Shortlist des Booker Preises und wir erinnern an Antje Kunstmann und bell hooks.

    Bücher

    Simon Probst, „Gletscher beerdigen“ (Matthes und Seitz)
    Christiane Ritter, „Eine Frau erlebt die Polarnacht“ (Ullstein)
    Ulrike Draesner, „Radio Silence. Zwei Reisen in die Arktis“ (Mare)
    Daniel Schwartz, „Unterwegs zu den Gletschern der Welt“ (Galiani)
    Anne-Sophie Balzer, „Die Gletscher schmelzen, während wir uns verlieben“ (Aufbau)

    Credits

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    Design: Elisa Merino Vazquez
    Musik: Johannes Rieger
    Produktion: Josef Braun und Linn Penelope Rieger

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    1 hr 6 min
  • Sphinx und Pfirsich
    mit Wolfgang Hilbig und Julia Wolf

    Welcher Schriftsteller gründete in Husum einen gemischten Chor? Wo gibt's die schönste Spielplatzszene des Jahres? Und wieso verfällt ganz Spanien der Lorcamania? Wir reden drüber. Diesmal geht es um Kurzgeschichten von Wolfgang Hilbig und Julia Wolf. Und wir erinnern an Theodor Storm.

    Bücher

    Wolfgang Hilbig, „Sphinx“ (Connewitzer Verlagsbuchhandlung)
    Julia Wolf, "Du, hier" (Dtv)

    Credits

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    36 min
  • Der Riesenvogel
    mit Shahrnush Parsipur und Agatha Christie

    Welche Schriftstellerin verschwand im Jahr 1926? Wieso sind iranische Verse häufig so dicht geschrieben? Und wie rettet man eine Sprache? Wir reden drüber. Diesmal geht’s um drei Bücher aus dem Iran, das Leben von Agatha Christie und Enkel die Football spielen. Cheers.

    Bücher

    Shahrnush Parsipur — "Frauen ohne Männer" (übers. Jutta Himmelreich, Suhrkamp)
    Ferdausi — Schāhnāme. Das Buch der Könige (übers. Jürgen Ehlers, Reclam)
    Fariba Vafi — Kellervogel (übers. Parwin Abkai, Rotbuch)

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    53 min
  • C wie Cusk
    mit Rachel Cusk und Arthur Koestler

    Was macht ein Verleger, nachdem er gefeuert wurde? Wer verbirgt sich hinter M.? Und welcher Schriftsteller schrieb in drei Sprachen? Wir reden darüber. Diesmal geht’s um den neuen Roman von Rachel Cusk, News aus Frankreich und wir erinnern an Arthur Koestler.

    Bücher

    Rachel Cusk, „Das Leben der M.“ (übers.: Eva Bonné, Suhrkamp)

    Credits

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    52 min
  • Das Kind in dir
    mit Alex Schulman und Wolfgang Hilbig

    Schreiben therapierte Männer die besseren Bücher? Wen traf Natascha Wodin am Nürnberger Hauptbahnhof? Und was kann man tun gegen die Zerstörung der ukrainischen Literatur? Wir reden drüber. Außerdem besprechen wir Alex Schulmans Roman „Jetzt beginnt das Leben“ und erinnern an Wolfgang Hilbig.

    Bücher

    Alex Schulman, „Jetzt beginnt das Leben“ (übers.: Hanna Granz, dtv)

    Sonstiges

    Hier gehts zur Podcastfolge über Hilbigs Alte Abdeckerei von Blaubart und Ginster: https://www.youtube.com/watch?v=PH8Ztohr9Pc

    Hier könnt ihr euch für das Hilbig-Kolloquium anmelden: [email protected]

    Hier gehts zum Interview mit Verena Nolte: https://www.boersenblatt.net/news/boersenverein/es-ist-entscheidend-dass-wir-dem-verfolgten-und-gepeinigten-land-wieder-praesent-sind-435273

    Und hier erfahrt ihr mehr zur Brücke aus Papier: https://paperbridge.de

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    43 min
  • Zeitgeist
    mit Belle Burden und Tony Tulathimutte

    Warum werden Bücher schwächer? Wie viel Privilegien sind zu viel? Und wieso war der Habicht so viel stärker als der Adler? Wir reden drüber. Außerdem geht’s um das amerikanische Memoir der Stunde, „Fremde“, um Tony Tulathimuttes „Fiasko“ und den Kinofilm „The Invite“. Und wir erinnern an die feministische Autorin Hasegawa Shigure. Cheers!

    Bücher

    Tony Tulathimutte, „Fiasko“ (übers.: Stefanie Jacobs, Stefanie Sichel, Jan Schönherr, dtv)
    Belle Burden, „Fremde“ (übers.: Charlotte Breuer, Luchterhand)

    Credits

    Sprecher: Malte Schlage
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    1 hr 8 min

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»Wasser und Buch« ist euer Podcast für literarische Grundbedürfnisse. Einmal in der Woche besprechen Josef Braun und Linn Penelope Rieger hier alles rund ums Buch. Wir stellen Neuerscheinungen vor, lesen Klassiker, diskutieren den letzten Literaturskandal genauso wie das Schreiben an sich. Bei uns seid ihr immer auf dem neusten Stand. Und manchmal gibt´s sogar Interviews mit tollen Gästen on top.