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Welche Perspektiven entwickeln Soziolog:innen nach Abschluss des Studiums? In dieser Folge erzählen zwei sehr unterschiedliche Menschen von ihrem Werdegang.
Marc Herkenrath erlebte während eines Austauschjahrs als 16-Jähriger in Argentinien die Wirtschaftskrise hautnah. Im Soziologiestudium fand er Erklärungen dafür. Als Entwicklungssoziologe setzte er die Tradition der Globalisierungsforschung fort, die am SUZ seit den Anfängen existierte. Nach seiner Habilitation entschied er sich gegen eine akademische Laufbahn und für eine Stelle beim entwicklungspolitischen Think Tank Alliance Sud – er wollte die Welt nicht nur beschreiben, sondern zu einer Veränderung beitragen.
Tabitha Gassner setzte sich im Studium mit Gesundheit und Prävention auseinander. Die theoretische Beschäftigung mit Sucht half ihr, mit dem Rauchen aufzuhören. Als frisch gebackene Soziologin und Mutter realisierte sie, dass niemand auf sie gewartet hatte. Nach monatelanger Arbeitslosigkeit fand sie eine Stelle auf einer Suchtpräventionsstelle und machte dann eine beachtliche Karriere. Heute ist sie als Direktorin Soziale Einrichtungen und Betriebe Stadt Zürich eine der obersten Drogenverantwortlichen der Stadt.
Ein Podcast im Auftrag des SUZ, des Soziologischen Instituts der Uni Zürich.
Marc Herkenrath ist heute Titularprofessor am Soziologischen Institut der Universität Zürich.
Tabitha Gassner ist Direktorin Soziale Einrichtungen und Betriebe der Stadt Zürich.
Zur erwähnten SRF Arena-Sendung mit Marc Herkenrath.
In den 1990er-Jahren wurden Migration und Medien zu zentralen Themen des Instituts. Wie schon zuvor trugen Forscher:innen des SUZ dazu bei, polarisierte Debatten mit empirisch fundierten Argumenten zu versachlichen. Prägend waren dabei zwei Professoren: Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny, einer der renommiertesten deutschsprachigen Migrationssoziologen, und Kurt Imhof, der damals in der Schweizer Öffentlichkeit präsent war wie kein anderer.
In dieser Folge erinnert sich Host Christina Caprez an ihr eigenes Studium zu jener Zeit am SUZ. Sie trifft die Migrationsforscherin Eva Mey, die in doppelter Hinsicht Pionierin war: Sie schrieb ihre Dissertation mit qualitativen Forschungsmethoden, zusammen mit ihrer Kommilitonin Anne Juhasz. «Die zweite Generation: Etablierte oder Aussenseiter?» stellte einen Perspektivenwechsel dar, von der Defizitorientierung hin zu einem ressourcenorientierten Blick.
Ausserdem erzählt Caroline Fink, wie sie in der Redaktion der «Zürcher Studentin» ihre Leidenschaft für den Journalismus entdeckte. Und sie erinnert sich an die Vorlesungen bei Kurt Imhof, der die Studierenden mit seinem Charisma in seinen Bann zog – und schon vor 30 Jahren die Krise der Medien analysierte.
Ein Podcast im Auftrag des SUZ, des Soziologischen Instituts der Uni Zürich.
Juhasz, Anne & Eva Mey. 2003. Die zweite Generation: Etablierte oder Außenseiter? Biographien von Jugendlichen ausländischer Herkunft. 1st ed. 2003. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-322-80497-6.
Kurt Imhof war Mitbegründer des fög – Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft / Universität Zürich.
Zwar waren Studentinnen am SUZ von Anfang an präsent, doch Karriere am Institut machten Männer. Auch in der 1968er-Bewegung waren männliche Studenten Wortführer. Mit Marlis Buchmann erhielt 1990 erstmals eine Frau eine Professur für Soziologie, zunächst an der ETH, 1994 dann in einer 50-50-Aufteilung als Doppelprofessorin an der ETH und Universität Zürich.
In dieser Folge erzählt Marlis Buchmann, was es heisst, die einzige Professorin «allein unter Männern» zu sein, und sie erinnert sich an ihren Forschungsaufenthalt als Postdoktorandin beim französischen Soziologen Pierre Bourdieu und erzählt von ihrer aktuellen Forschung zum Thema Digital Gap zwischen Frauen und Männern.
Ein Podcast im Auftrag des SUZ, des Soziologischen Instituts der Uni Zürich.
Aebi, Doris. 1995. Weiterbildung zwischen Markt und Staat: zur Wirksamkeit von Steuerungsprinzipien in der schweizerischen Bildungsspirale. Rüegger.
Buchmann, M., Ghisletta, A. & Bolli-Kemper, J. (2026). The Demand for Digital Skills: Gender Gaps Across Occupations and Management Roles. Advance Whitepaper 1/2026.
Die Studierenden der ersten Generation waren genauso an der Uni anzutreffen wie auf der Strasse. Die frühe SUZ-Geschichte ist mit der 1968er-Bewegung eng verflochten, am Institut entstanden Studien zur Jugendbewegung, zur Wirtschaftsmacht grosser Schweizer Konzerne und zur Diskriminierung von Frauen. Die aktionsorientierte Forschung passte Erziehungsdirektor Alfred Gilgen jedoch nicht. Legendär sein Anruf am Institut mit der Forderung, das SUZ solle gefälligst «mehr Korrelation, weniger Revolution» machen. Das SUZ stand unter Beobachtung, viele Studierende und Forschende erfuhren später, dass sie bespitzelt worden waren.
In dieser Folge trifft Christina Caprez zwei Studierende von damals: François Höpflinger erzählt, wie er an den Globuskrawallen 1968 Interviews mit Protestierenden machte – und dafür prompt selber verhaftet wurde. Thomas Held, einst Sprecher der Studierendenbewegung, erinnert sich lieber an die Soziologie als an den Strassenprotest. Er führte noch als Student zusammen mit René Levy eine bahnbrechende Forschungsarbeit durch: «Die Stellung der Frau in Familie und Gesellschaft» wies die Diskriminierung von Frauen in der Schweiz erstmals empirisch nach – ganz nach dem Credo des Institutsleiters Peter Heintz, mit wissenschaftlichen Daten gesellschaftlichen Fortschritt zu ermöglichen.
Ein Podcast im Auftrag des SUZ, des Soziologischen Instituts der Uni Zürich.
Held, Thomas, und René Levy. 1974. Die Stellung der Frau in Familie und Gesellschaft: Eine soziologische Analyse am Beispiel der Schweiz. Reihe Soziologie in der Schweiz 1. Huber. 3719304736.
Höpflinger, François. 1977. Das unheimliche Imperium: Wirtschaftsverflechtung in der Schweiz. Eco-Verlag.
Das in der Folge beschriebene Bild des UZH Lichthofs wurde uns von ehemaligen Studierenden des Soziologischen Instituts zur Verfügung gestellt. Es entstammt wohl eines Archivdossiers des Staatsarchivs Zürich, https://suche.staatsarchiv.djiktzh.ch/detail.aspx?ID=5009227.
Nach dem verunglückten Anfang wird Zürich ab 1966 zur Kaderschmiede der Schweizer Soziologie. Mit Peter Heintz wird ein Schüler des verschmähten René König auf den neu geschaffenen Lehrstuhl berufen. Der in Davos geborene Weltenbürger, der viel Lateinamerika-Erfahrung hat und für die UNESCO arbeitete, ist ein Glücksfall für die damals noch sehr provinzielle Schweiz. In Zürich entwickelt Heintz sein Konzept der «Weltgesellschaft». Er analysiert als einer der ersten die Globalisierung und arbeitet mit Forschenden aus den USA und anderen Ländern zusammen.
Ein Podcast im Auftrag des SUZ, des Soziologischen Instituts der Uni Zürich.
Held, Thomas, und René Levy. 1974. Die Stellung der Frau in Familie und Gesellschaft: Eine soziologische Analyse am Beispiel der Schweiz. Reihe Soziologie in der Schweiz 1. Huber. 3719304736.
Zürcher, Markus. 1995. Unterbrochene Tradition: die Anfänge der Soziologie in der Schweiz. Chronos-Verl.
Volker Bornschiers führt eine Website mit Fotos seiner Kunst auf bornschier.eu.
Ruth Gurny engagiert sich heute bei Denknetz.
Das Soziologische Institut an der Universität Zürich (SUZ) ist erst 60 Jahre alt – viel jünger als andere Lehrstühle, die oft über 100-jährig sind. Warum? Zwar hielten spannende Köpfe aus dem Ausland schon ab 1900 in Zürich Vorlesungen – doch im engstirnigen Umfeld der damaligen Zeit hatte ihre Weltoffenheit keinen Platz.
Ein Podcast im Auftrag des SUZ, des Soziologischen Instituts der Uni Zürich.
Germann, Pascal. 2016. Laboratorien der Vererbung: Rassenforschung und Humangenetik in der Schweiz, 1900-1970. Wallstein Verlag. https://www.wallstein-verlag.de/9783835319509-laboratorien-der-vererbung.html.
König, René, Klaus Sander, Oliver König, Eberhard Illner, und Jürgen Elias. 2006. Ich bin Weltbürger: Originaltonaufnahmen 1954-1980. 1. Aufl. Supposé. https://swisscovery.slsp.ch/permalink/41SLSP_NETWORK/ck7c0t/alma991048597519705501.
Millard, Natalie. o. J. «Die Julius-Klaus-Stiftung für Anthropologie und Rassenhygienie [sic]». Medizinhistorisches Zürich. Zugegriffen 4. September 2026. https://dlf.uzh.ch/sites/medizingeschichte/die-julius-klaus-stiftung-fuer-anthropologie-und-rassenhygienik/.
Zürcher, Markus. 1995. Unterbrochene Tradition: die Anfänge der Soziologie in der Schweiz. Chronos-Verl.
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