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Wer auf günstige E-Autos hofft, hat gerade eine Absage bekommen


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(Bildquelle: Nio Firefly / Bearbeitung: GIGA)

Die EU und China sind sich bei E-Autos einig geworden – und zementieren damit unnötig hohe Preise für Kunden in Europa.

Es ist eine Nachricht, die für viele Autokäufer wie eine kalte Dusche wirken dürfte: Die Hoffnung auf deutlich günstigere Elektroautos aus China ist auf absehbare Zeit dahin.

Mindestpreise machen E-Auto-Wettbewerb zunichte – kaum, dass er angelaufen ist

Statt fallender Preise durch Wettbewerb, der die E-Mobilität für eine breitere Masse erschwinglich machen könnte, haben sich die EU-Kommission und China auf eine Regelung geeinigt, die genau das verhindert. Die bisherigen EU-Strafzölle auf vermeintlich zu günstige China-Stromer können abgewendet werden, solange an ihre Stelle verbindliche Mindestpreise treten (Quelle: FAZ via Ecomento).

Für euch bedeutet das: Sinkende Preise sind nicht zu erwarten. Statt Autokäufer in der EU zu entlasten, steigt die Marge bei chinesischen Herstellern, die hierzulande verkaufen. Es ist ein Deal, der in erster Linie die Bilanzen von Konzernen schützt: also die Bilanzen chinesischer Autobauer wie BYD, Xpeng oder Nio (mit seiner günstigen Marke Firefly), und zwar durch eine faktisch garantierte Gewinnsteigerung. Andererseits schützt der Deal VW und anderen europäischen Konzernen, weil sie keine technisch überlegene, preiswerte Konkurrenz aus China fürchten müssen.

Die Interessen der europäischen Verbraucher bleiben dabei außen vor. Das ist besonders bitter, da 2025 ein Comeback für E-Autos gebracht hat und das Kundeninteresse wieder gestiegen ist. Aktuell locken mehrere Hersteller in Deutschland mit satten Rabatten. Solche Anreize dürften schon bald wieder verschwinden.

Ein fauler Kompromiss auf Kosten der Kunden

Der Hintergrund dieser Entscheidung ist ein politisches Tauziehen. Die EU hatte die Strafzölle 2024 eingeführt, nachdem sie staatliche Subventionen seitens China untersucht hatte. Je nach Hersteller wurden auf in der EU verkaufte Modelle zwischen 7,8 und satten 35,3 Prozent Zollaufschlag fällig – zusätzlich zu allgemeinen Einfuhrzöllen in Höhe von 10 Prozent. All das fällt weg, solange die Mindestpreise eingehalten werden.

Deren Höhe ist bisher nicht ersichtlich. Einen großen Unterschied zur aktuellen Preissituation inklusive Zöllen dürfte es aber kaum geben. Dem Vernehmen nach sollen chinesische Hersteller die Mindestpreise mit Brüssel abstimmen müssen – ob nach Klasse oder je Modell lässt sich bisher nicht mit Sicherheit sagen.

Felix Gräber (Eigene Meinung):

Günstige E-Autos bleiben Zukunftsmusik

Diese Einigung sendet ein fatales Signal. Der Anreiz für chinesische Marken, mit eigenen Fabriken und Arbeitsplätzen nach Europa zu kommen, dürfte nun deutlich sinken. Warum den mühsamen Weg gehen, wenn man auch so garantierte Gewinne aus dem Export erzielen kann? Gleichzeitig fallen die Zolleinnahmen weg, die Preise für Kunden in Europa bleiben hoch.

So bleibt auch die E-Mobilität ein teures Vergnügen, und der Wunsch nach bezahlbaren Alternativen wird von der Politik bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Zwar hat man sich geeinigt, angesichts der weltpolitischen Lage ein Schritt in die richtige Richtung – nur eben nicht im Sinne derer, die ein Auto kaufen wollen.

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