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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Liebe Schwestern und Brüder hier am Feuer,
Wenn ich mir eine biblische Figur aussuchen könnte, dann wäre ich gerne... Paulus. Das ist doch eine beeindruckende Gestalt. Apostel der Heiden, weitgereist, Gemeindegründer an allen Orten, Autor von der meisten Bücher im Neuen Testament. Ein Glaubenheld, gegen allen Widerstand, in Verfolgung und im Gefängnis und schließlich -- möglicherweise -- sogar vor dem römischen Kaiser. Ein Mann, der bleibende Spuren im christlichen Glauben hinterlassen hat. Das wär doch was.
Oder ich wäre vielleicht gerne David. Ihr wisst schon, der, der nur mit 5 Steinen und seinem Glauben den Riesen Goliat besiegt. Ein Mann nach dem Herzen Gottes. Ein König, wie es ihn nur einmal gab in Israel. Ein Großer unter den Großen. Das wär doch was.
Oder Elia. Um den ging es letzte Woche hier bei der Sommerkirche. Bei ihm ist Feuer vom Himmel gefallen als Bestätigung seines Glaubens. Gott steht zu seinem Propheten -- auch mit solchen gewaltigen Zeichen. Das wär doch was.
Oder... Mir würden da noch ganz viele einfallen: Mose, mit ausgestrecktem Stab über das Rote Meer. Abraham, der mutig auszieht in das verheißene Land, nur den Glauben bei sich und Gottes Versprechen, reich wie die Sandkörner am Meer und die Sterne am Himmel. Drei Männer im Feuerofen, von denen Johannes Hartmann beim letzten Gottesdienst der Sommerkirche erzählen wird. Und, und und...
Die Bibel ist voll von Heldensgeschichten. Von Menschen, zu denen ich aufschaue, von denen ich beeindruckt bin. So jemand wäre ich gerne. Das wär doch was.
Aber: Was, liebe Geschwister, wenn ich Petrus bin?
Aus dem 22. Kapitel des Lukasevangeliums -- der Text der Sommerkirche von gestern Abend:
Sie ergriffen ihn aber und führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus aber folgte von ferne. Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Hof und setzten sich zusammen; und Petrus setzte sich mitten unter sie. Da sah ihn eine Magd im Licht sitzen und sah ihn genau an und sprach: Dieser war auch mit ihm. Er aber leugnete und sprach: Frau, ich kenne ihn nicht. Und nach einer kleinen Weile sah ihn ein anderer und sprach: Du bist auch einer von denen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin's nicht. Und nach einer Weile, etwa nach einer Stunde, bekräftigte es ein anderer und sprach: Wahrhaftig, dieser war auch mit ihm; denn er ist auch ein Galiläer. Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Und alsbald, während er noch redete, krähte der Hahn. Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich. (Lukas 22,54-62)Was also, liebe Geschwister, wenn ich Petrus bin? Was, wenn ich wie er bin: Ein Versager, der da am Feuer sitzt und in einem Moment alles über den Haufen wirft, was er geglaubt hat?
Der Hahnenschrei muss sich wie ein Bohrer tief in seinem Herzen angefühlt haben.
Und dann dieser Blick! Dieser Blick, als Jesus (wo kommt der überhaupt auf einmal her?) ihn anschaut, als wisse er genau, was hier gerade passiert ist.
Dieser Blick!
Ob er traurig schaute? Oder verärgert? War es ein "Ich hab's dir doch gleich gesagt"-Blick? Oder einfach zutiefst enttäuscht?
Freunde aus der katholischen Kirche haben mir beschrieben, dass sie sich so in heutiger Zeit die mittelalterliche Vorstellung vom "Fegefeuer" vorstellen -- nicht als einen konkreten Ort voller feuriger Höllenqualen, wie man es sich damals in den schaurigsten Bildern ausmalte. Keine schier unendliche Straffolter. Sondern einfach einen Blick. Den alles sehenden, alles wissenden, liebevollen, aber zutiefst traurigen Blick Gottes, der auf das Leben seines Menschen schaut. Der weiß, was geschehen ist. Vor dem man nichts verbergen kann. Der selbst die geheimsten Gedanken der dunkelsten Stunden kennt. Ja, genau. Auch das, was dir jetzt gerade eingefallen ist. Dieser Blick Gottes, der das alles sieht und der dich anschaut: voll Liebe, voll Schmerz, voll bitterster Enttäuschung.
Fegefeuer.
Das braucht keine Worte mehr. Da ist alles gesagt.
Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.
Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,
Was, wenn ich Petrus bin? Dieser Mann verfolgt mich schon mein Leben lang. Ich glaube, über keine biblische Figur habe ich schon so oft nachgedacht, so oft gepredigt, wie über Petrus. Ich glaube, bei keiner biblischen Figur finde ich mehr Anklänge, in denen ich mich irgendwo wiedererkenne, wie in dem Jünger mit dem großen Herzen und der noch größeren Klappe; mit den großen Bekenntnissen und dem schwankenden Glauben; mit den vorschnellen Handlungen und den weiten Abstürzen.
Was, wenn ich Petrus bin?
Was, wenn ich auch so ein Versager bin? Ein Verräter am Glauben, an Christus selbst? Was, wenn mein Glaube mich im Stich lässt, gerade dann, wenn es drauf ankommt?
Was, wenn der Jesus, dem ich folge, dem mein Leben gehört, für den ich alles geben würde (denke ich zumindest, jetzt, wo das keine ernste Frage ist), mich so anschaut?
Liebevoll. Traurig. Gequält. Enttäuscht.
Was dann?
Es gibt eine Antwort auf diese Frage.
Petrus hat sie gefunden. Das ist auch eine Lagerfeuergeschichte, von einem anderen Tag. Die erzählt Gottfried Engele das in zwei Wochen bei der Sommerkirche.
Es gibt eine Antwort auf die Frage, auch für mich. Sie steht im Predigttext für heute, im 2. Kapitel des Epheserbriefs. Eigentlich steht diese Antwort an ganz vielen Stellen im Neuen Testament (und wenn man genau hinschaut, auch in der hebräischen Bibel). Sie ist sogar so wichtig, diese Antwort, dass Martin Luther sie zum "articulus stantis et cadentis ecclesiae" erklärte -- zu dem einen Glaubensartikel, mit dem die Kirche steht oder fällt. Wir kennen sie unter dem Titel "Rechtfertigung der Sünder aus Gnade durch den Glauben." Und in dem Paulustext aus dem 2. Kapitel des Epheserbriefs, der zu der kommenden Woche gehört, klingt sie so:
Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, .... Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es... (Epheser 2,1.4-8).Das ist es. Das ist die Antwort.
Was, wenn ich Petrus wäre?
Ich bin nicht Petrus. Ich bin Christoph. Aber das reicht auch. Auch ohne Petrus zu sein ist da nicht genug, um es vor Gott zu irgendeiner Art von Berühmtheit zu bringen. Was ich vorzuweisen habe, reicht einfach nicht aus. Und Gründe für diesen Blick, für diesen wahnsinnig gequält enttäuschten Blick, gibt es auch bei mir genug.
Aber. Das ist eigentlich schon die Antwort. Aber.
Aber Gott setzt dem allen etwas entgegen. Nicht etwas. Jemanden.
Gott setzt dem allen Jesus Christus entgegen.
In ihm kommt uns nämlich Gott entgegen. Dem versagenden Petrus. Und mir. Und euch.
Er kommt uns entgegen -- nicht weil wir so toll wären, sondern einfach und allein, weil er uns zutiefst liebt.
Völlig unverdient. "Gnädig", heißt das in der Bibel.
"The rest is history", wie man so schön sagt: "Der Rest ist Geschichte." Meine Lebensgeschichte nämlich. Die geht dann so: "Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus."
Das war's schon. Das ist die Antwort. Das reicht aber auch.
Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. (1. Petr 5, 5) -- der Wochenspruch für die kommende Woche.
Wer sich selbst für unüberwindlich hält, der braucht ja gar keine Gnade. Wer immer der große Glaubensheld sein möchte, der verpasst ganz das große Wunder, das hier geschieht. Der Versager -- der, der auf seinem Lebensweg auch mal stolpert und fällt, der mit kaputten Knöcheln und offenen Knien daherhumpelt, der erlebt es, was Gnade wirklich bedeutet.
Schau, ich hatte nämlich -- wie Petrus so oft auch -- etwas ganz Entscheidendes nicht begriffen:
Ich dachte, wie Gott mich sieht hinge davon ab, wer ich bin.
Und was dann, wenn ich Petrus bin? Was, wenn ich ein Versager bin? Ein Verräter? Eine Enttäuschung?
Ich dachte, wie Gott mich sieht hinge davon ab, wer ich bin.
Aber -- hör genau zu:
Wie Gott mich sieht hängt nicht davon ab, wer ich bin.
Wer ich bin hängt davon ab, wie Gott mich sieht.
Noch einmal zum Mitdenken:
Wie Gott mich sieht hängt nicht davon ab, wer ich bin.
Wer ich bin hängt davon ab, wie Gott mich sieht.
Wer bin ich dann also?
Geliebt. Lebendig gemacht. Gerettet. Auferweckt. Eingesetzt im Himmel. Beschenkt mit dem überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.
Das bin ich. Und jedem, der mir etwas anders erzählen will, halte ich damit dagegen:
Gott hat mich, der ich tot war in Sünden, mit Christus lebendig gemacht. Ich bin auch Gnade gerettet.
Das ist es, was ich bin.
(Petrus übrigens auch).
Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Liebe Schwestern und Brüder hier am Feuer,
Wenn ich mir eine biblische Figur aussuchen könnte, dann wäre ich gerne... Paulus. Das ist doch eine beeindruckende Gestalt. Apostel der Heiden, weitgereist, Gemeindegründer an allen Orten, Autor von der meisten Bücher im Neuen Testament. Ein Glaubenheld, gegen allen Widerstand, in Verfolgung und im Gefängnis und schließlich -- möglicherweise -- sogar vor dem römischen Kaiser. Ein Mann, der bleibende Spuren im christlichen Glauben hinterlassen hat. Das wär doch was.
Oder ich wäre vielleicht gerne David. Ihr wisst schon, der, der nur mit 5 Steinen und seinem Glauben den Riesen Goliat besiegt. Ein Mann nach dem Herzen Gottes. Ein König, wie es ihn nur einmal gab in Israel. Ein Großer unter den Großen. Das wär doch was.
Oder Elia. Um den ging es letzte Woche hier bei der Sommerkirche. Bei ihm ist Feuer vom Himmel gefallen als Bestätigung seines Glaubens. Gott steht zu seinem Propheten -- auch mit solchen gewaltigen Zeichen. Das wär doch was.
Oder... Mir würden da noch ganz viele einfallen: Mose, mit ausgestrecktem Stab über das Rote Meer. Abraham, der mutig auszieht in das verheißene Land, nur den Glauben bei sich und Gottes Versprechen, reich wie die Sandkörner am Meer und die Sterne am Himmel. Drei Männer im Feuerofen, von denen Johannes Hartmann beim letzten Gottesdienst der Sommerkirche erzählen wird. Und, und und...
Die Bibel ist voll von Heldensgeschichten. Von Menschen, zu denen ich aufschaue, von denen ich beeindruckt bin. So jemand wäre ich gerne. Das wär doch was.
Aber: Was, liebe Geschwister, wenn ich Petrus bin?
Aus dem 22. Kapitel des Lukasevangeliums -- der Text der Sommerkirche von gestern Abend:
Sie ergriffen ihn aber und führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus aber folgte von ferne. Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Hof und setzten sich zusammen; und Petrus setzte sich mitten unter sie. Da sah ihn eine Magd im Licht sitzen und sah ihn genau an und sprach: Dieser war auch mit ihm. Er aber leugnete und sprach: Frau, ich kenne ihn nicht. Und nach einer kleinen Weile sah ihn ein anderer und sprach: Du bist auch einer von denen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin's nicht. Und nach einer Weile, etwa nach einer Stunde, bekräftigte es ein anderer und sprach: Wahrhaftig, dieser war auch mit ihm; denn er ist auch ein Galiläer. Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Und alsbald, während er noch redete, krähte der Hahn. Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich. (Lukas 22,54-62)Was also, liebe Geschwister, wenn ich Petrus bin? Was, wenn ich wie er bin: Ein Versager, der da am Feuer sitzt und in einem Moment alles über den Haufen wirft, was er geglaubt hat?
Der Hahnenschrei muss sich wie ein Bohrer tief in seinem Herzen angefühlt haben.
Und dann dieser Blick! Dieser Blick, als Jesus (wo kommt der überhaupt auf einmal her?) ihn anschaut, als wisse er genau, was hier gerade passiert ist.
Dieser Blick!
Ob er traurig schaute? Oder verärgert? War es ein "Ich hab's dir doch gleich gesagt"-Blick? Oder einfach zutiefst enttäuscht?
Freunde aus der katholischen Kirche haben mir beschrieben, dass sie sich so in heutiger Zeit die mittelalterliche Vorstellung vom "Fegefeuer" vorstellen -- nicht als einen konkreten Ort voller feuriger Höllenqualen, wie man es sich damals in den schaurigsten Bildern ausmalte. Keine schier unendliche Straffolter. Sondern einfach einen Blick. Den alles sehenden, alles wissenden, liebevollen, aber zutiefst traurigen Blick Gottes, der auf das Leben seines Menschen schaut. Der weiß, was geschehen ist. Vor dem man nichts verbergen kann. Der selbst die geheimsten Gedanken der dunkelsten Stunden kennt. Ja, genau. Auch das, was dir jetzt gerade eingefallen ist. Dieser Blick Gottes, der das alles sieht und der dich anschaut: voll Liebe, voll Schmerz, voll bitterster Enttäuschung.
Fegefeuer.
Das braucht keine Worte mehr. Da ist alles gesagt.
Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.
Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,
Was, wenn ich Petrus bin? Dieser Mann verfolgt mich schon mein Leben lang. Ich glaube, über keine biblische Figur habe ich schon so oft nachgedacht, so oft gepredigt, wie über Petrus. Ich glaube, bei keiner biblischen Figur finde ich mehr Anklänge, in denen ich mich irgendwo wiedererkenne, wie in dem Jünger mit dem großen Herzen und der noch größeren Klappe; mit den großen Bekenntnissen und dem schwankenden Glauben; mit den vorschnellen Handlungen und den weiten Abstürzen.
Was, wenn ich Petrus bin?
Was, wenn ich auch so ein Versager bin? Ein Verräter am Glauben, an Christus selbst? Was, wenn mein Glaube mich im Stich lässt, gerade dann, wenn es drauf ankommt?
Was, wenn der Jesus, dem ich folge, dem mein Leben gehört, für den ich alles geben würde (denke ich zumindest, jetzt, wo das keine ernste Frage ist), mich so anschaut?
Liebevoll. Traurig. Gequält. Enttäuscht.
Was dann?
Es gibt eine Antwort auf diese Frage.
Petrus hat sie gefunden. Das ist auch eine Lagerfeuergeschichte, von einem anderen Tag. Die erzählt Gottfried Engele das in zwei Wochen bei der Sommerkirche.
Es gibt eine Antwort auf die Frage, auch für mich. Sie steht im Predigttext für heute, im 2. Kapitel des Epheserbriefs. Eigentlich steht diese Antwort an ganz vielen Stellen im Neuen Testament (und wenn man genau hinschaut, auch in der hebräischen Bibel). Sie ist sogar so wichtig, diese Antwort, dass Martin Luther sie zum "articulus stantis et cadentis ecclesiae" erklärte -- zu dem einen Glaubensartikel, mit dem die Kirche steht oder fällt. Wir kennen sie unter dem Titel "Rechtfertigung der Sünder aus Gnade durch den Glauben." Und in dem Paulustext aus dem 2. Kapitel des Epheserbriefs, der zu der kommenden Woche gehört, klingt sie so:
Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, .... Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es... (Epheser 2,1.4-8).Das ist es. Das ist die Antwort.
Was, wenn ich Petrus wäre?
Ich bin nicht Petrus. Ich bin Christoph. Aber das reicht auch. Auch ohne Petrus zu sein ist da nicht genug, um es vor Gott zu irgendeiner Art von Berühmtheit zu bringen. Was ich vorzuweisen habe, reicht einfach nicht aus. Und Gründe für diesen Blick, für diesen wahnsinnig gequält enttäuschten Blick, gibt es auch bei mir genug.
Aber. Das ist eigentlich schon die Antwort. Aber.
Aber Gott setzt dem allen etwas entgegen. Nicht etwas. Jemanden.
Gott setzt dem allen Jesus Christus entgegen.
In ihm kommt uns nämlich Gott entgegen. Dem versagenden Petrus. Und mir. Und euch.
Er kommt uns entgegen -- nicht weil wir so toll wären, sondern einfach und allein, weil er uns zutiefst liebt.
Völlig unverdient. "Gnädig", heißt das in der Bibel.
"The rest is history", wie man so schön sagt: "Der Rest ist Geschichte." Meine Lebensgeschichte nämlich. Die geht dann so: "Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus."
Das war's schon. Das ist die Antwort. Das reicht aber auch.
Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. (1. Petr 5, 5) -- der Wochenspruch für die kommende Woche.
Wer sich selbst für unüberwindlich hält, der braucht ja gar keine Gnade. Wer immer der große Glaubensheld sein möchte, der verpasst ganz das große Wunder, das hier geschieht. Der Versager -- der, der auf seinem Lebensweg auch mal stolpert und fällt, der mit kaputten Knöcheln und offenen Knien daherhumpelt, der erlebt es, was Gnade wirklich bedeutet.
Schau, ich hatte nämlich -- wie Petrus so oft auch -- etwas ganz Entscheidendes nicht begriffen:
Ich dachte, wie Gott mich sieht hinge davon ab, wer ich bin.
Und was dann, wenn ich Petrus bin? Was, wenn ich ein Versager bin? Ein Verräter? Eine Enttäuschung?
Ich dachte, wie Gott mich sieht hinge davon ab, wer ich bin.
Aber -- hör genau zu:
Wie Gott mich sieht hängt nicht davon ab, wer ich bin.
Wer ich bin hängt davon ab, wie Gott mich sieht.
Noch einmal zum Mitdenken:
Wie Gott mich sieht hängt nicht davon ab, wer ich bin.
Wer ich bin hängt davon ab, wie Gott mich sieht.
Wer bin ich dann also?
Geliebt. Lebendig gemacht. Gerettet. Auferweckt. Eingesetzt im Himmel. Beschenkt mit dem überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.
Das bin ich. Und jedem, der mir etwas anders erzählen will, halte ich damit dagegen:
Gott hat mich, der ich tot war in Sünden, mit Christus lebendig gemacht. Ich bin auch Gnade gerettet.
Das ist es, was ich bin.
(Petrus übrigens auch).
Amen.

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