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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
17 Christus kam und verkündete Frieden: Frieden für euch in der Ferne und Frieden für die in der Nähe. 18Denn durch ihn haben wir beide in ein und demselben Geist Zugang zum Vater. 19Ihr seid also nicht mehr Fremde und ohne Rechte in Israel. Ihr seid vielmehr Mitbürger der Heiligen und Mitglieder von Gottes Hausgemeinschaft. 20Ihr seid gegründet auf dem Fundament der Apostel und Propheten, dessen Grundstein Christus Jesus ist. 21Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten. So wächst er zu einem heiligen Tempel empor, der dem Herrn gehört. 22Weil ihr zum Herrn gehört, werdet auch ihr als Bausteine in diesen Tempel eingefügt. Gott wohnt darin durch den Heiligen Geist.Geliebte Gottes in Tailfingen/Nebringen,
"Mitbewohner:innen gesucht" heißt es auf www.wg-gesucht.de in täglich mehr als 8.000 neuen Anzeigen--zumindest nach eigenen Angaben des Portals. Wer in eine neue Stadt zieht, vielleicht weil das Studium beginnt, eine Ausbildung oder einfach nur eine neue Lebensphase, der findet hier, auch ohne vorherige Kontakte, Möglichkeiten, sich mit anderen eine Wohnung zu teilen. Wenn man die richtigen findet, kann das richtig gut werden. Lustig. Bereichernd. Freundschaften fürs Leben entstehen. Türen öffnen sich an einem neuen Ort. Wer die richtigen Mitbewohner:innen findet, der hat den Hauptgewinn gezogen. Die falschen--vermutlich eine Niete. Deshalb werden die meisten auch mit gehörigem Respekt an die Sache herangehen. Man will ja nachher nicht über lange Zeit ausbaden müssen, was man am Anfang falsch eingeschätzt hat.
Schaut, ein Zimmer kann man anschauen. Man sieht schnell, ob das passt oder nicht. Zu groß, zu klein, zu dunkel, zu weit weg, zu teuer... Genau richtig! Hell, freundlich, groß, perfekt gelegen. Wenn alles passt und der Preis stimmt, weiß man, dass man beruhigt zuschlagen kann.
Mitbewohner:innen kann man nicht besichtigen. Natürlich beschnuppert man sich auch da irgendwie vorher. Die gröbsten Informationen stehen schon auf www.wg-gesucht.de. Aber der Rest? Manche treffen sich vorher. Virtuell auf WhatsApp, als Videoanruf über irgendein Netzwerk oder auch persönlich, im Café oder in der Wohnung selbst. Da bekommst du dann einen ersten Eindruck. Aber natürlich kommen die anderen da genauso an, wie du selbst: Frisch geduscht und gestylt, mit sauberen Klamotten und den besten Manieren, zuvorkommend und überhaupt so wunderbar, dass du am Ende keine Wohnung mit ihnen beziehen willst, sondern am besten gleich ein gemeinsames Haus kaufen, wo ihr glücklich und zufrieden lebt bis an das Ende eurer Tage. Sorry, Leute! Was soll den das bitte bringen?
Von den höflichen Worten, die da gewechselt werden, kannst du nicht darauf schließen, wie das dann läuft, wenn ihr euch morgens zwischen Bad und Küche über den Weg lauft, nach nur zwei Stunden unruhigem Schlaf und noch vor der ersten Tasse Kaffee. Du weißt nach dem Gespräch nicht, ob du um die heute so sauberen Klamotten in Zukunft im Wohnzimmer immer Slalom laufen musst und ob du die toll gestylten Haare jeden Morgen in der Dusche wiederentdeckst. Du siehst nicht auf den ersten Blick, ob jemand zu Hause auf dem Sofa furzt, so laut schnarcht, dass man es durch drei Wände hört und Deo nur an besonderen Feiertagen benutzt. So ist das eben mit Mitbewohner:innen. Das sind vielleicht die, die ganz ungeniert in der Unterhose herumlaufen, dreckiges Geschirr einfach im Spülbecken stapeln und dir deine Joghurts aus dem Kühlschrank wegfuttern, weil auf ihrem Pizzarest von vorgestern inzwischen grüne Haare wachsen. Wer ahnt denn schon vorher, dass dein linker Nachbar gerne nachts um vier Heavy Metal hört? Oder chinesische Opern? Woher hättest du wissen sollen, dass der von oben drüber täglich drei Stunden Tuba übt? Dass die aus Zimmer drei praktisch ununterbrochen telefoniert und zwar so, dass du jedes Wort verstehst? Wer weiß denn vorher, ob die alle rülpsen? Dreckige Socken überall verteilen? Mit seltsamen politischen Ansichten nicht hinterm Berg halten oder dich zu den Zeugen Jehovas bekehren wollen?
Manchmal, aber nur manchmal, hast du aber auch Glück. Du bemerkst vorher Dinge, die dich stutzig werden lassen. Du entdeckst--vielleicht auch zwischen den Zeilen--irgendetwas, was alle roten Warnlampen in deinem Kopf anknipst. Du hakst nach, du stellst konkrete Fragen, du erntest peinliches Schweigen oder seltsam gestammelte Bekenntnisse mit hochroten Köpfen und am Ende weißt du--rechtzeitig, zum Glück: Mit dieser Person will ich auf keinen Fall zusammenwohnen!
Mit wem wärst du bereit, die Privatsphäre deiner Wohnung, dein Allerheiligstes zu teilen? Wem würdest du dich ungeschminkt zeigen, verkatert und in deinem uralten, ausgeleierten Lieblingsschlafanzug?
"Mitbewohner:innen gesucht", heißt es auch bei Gott. Der bezieht nämlich ein neues Haus. Ein ganz besonderes. Es gibt Platz darin für Menschen, die mit ihm dort wohnen. Die dürfen Gott ganz nahe sein. Die werden sogar selbst zu einem Teil des Hauses, den Gottes Haus ist kein Bau aus Beton und Balken. Gott baut ein lebendiges Haus. Mitten im Leben. Einen dynamischen Platz, an dem es sich erst so richtig leben lässt. Denn er ist ja dabei.
Gott ist kein unangenehmer Mitbewohner:innen. Im Gegenteil: Besser könntest du es gar nicht erwischen. In seiner Nähe herrscht Friede. In seiner Nähe gibt es Hoffnung. In seiner Nähe bist du geborgen. In seiner Nähe begegnet dir so eine unglaublich starke Liebe, dass du glaubst, sie mit Händen greifen zu können. In seiner Nähe merkst du gar nicht, wie die Zeit vergeht. Aus seiner Nähe willst du nie wieder weg. Es gibt keinen besseren Ort als an Gottes Seite. Er ist der beste Mitbewohner:innen, den du je finden wirst.
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott und wer bei ihm einzieht, in diesen seltsamen Neubau -- man könnte ihn nennen "dem Herrn gehörig", also "kyriake" im neutestamentlichen Griechisch oder, daraus abgeleitet "Kirche" in unserer Sprache -- der hat das große Los gezogen; den Jackpot aller Jackpots geknackt.
Gott ist kein unangenehmer Mitbewohner. Aber wie sieht das bei dir aus?
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott und er hat es gar nicht nötig, sich erst mit dir auf WhatApp auseinanderzusetzen oder im Café. Gott weiß schon alles, was er wissen muss. Er kannte dich schließlich schon, bevor du überhaupt geboren wurdest. Er war bei jedem Atemzug dabei. Er hat dich keine Sekunde deines Lebens aus den Augen verloren. Und Gott sieht alles, was dir im Gespräch mit den anderen entgeht. Er übersieht nichts. Er versteht nichts falsch. Er denkt nicht naiv, "Das wird schon irgendwie klappen." Gott sieht weiter, als je ein anderer sehen könnte. Er sieht, was hinter der Fassade deiner Stirn abläuft. Er kennt deine Gedanken, auch die, die du niemals mit einem einzigen Menschen teilen würdest. Er kennt deine peinlichsten Momente, deine verborgenen Schwächen und deine dunkelsten Geheimnisse. Gott entgeht nichts! Er ist ja schließlich Gott. Er weiß vom ersten Moment an, wie das ablaufen wird--du und Gott in derselben Wohnung.
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott. Ob du dich da überhaupt bewerben brauchst?
Dass Götter nicht mit jedem können, ist eine altbekannte Weisheit. Für die Menschen in Ephesus, 70 Kilometer südlich vom heutigen Izmir an der türkischen Westküste, war das absolut nichts Neues. Schließlich war ihre Stadt ja Standort eines weltbekannten Tempels, in dem die Diana von Ephesus verehrt wurde. Und das war nur der größte von ganz vielen Orten, die man als Wohnplatz einer Gottheit betrachtete. Allen war eines gemeinsam: Kommen durfte jeder. Wirklich Zugang zu der Gottheit hatten nur die allerwenigsten. In der Regel waren das besondere Menschen. Einflussreiche. Mächtige. Die, die es sich leisten konnte. Klar, man konnte sich gut vorstellen, dass sich ein Gott am ehesten mit der "crème de la crème" der Gesellschaft umgeben will. Die große Mehrheit der Menschen hat noch nie dazu gehört.
Wenn der Apostel hier von dem einen Gott spricht, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, an den auch wir unseren Glauben bekennen, dann sah es mit der Erfahrung der Menschen in Ephesus gar nicht arg viel anders aus. Nachbar:innen jüdischen Glaubens, Anhänger:innen dieses einen Gottes, kannten sie auch schon zur Genüge. Die waren immer irgendwie anders. Für sich. Da konnte nicht jeder einfach dazu gehören. Da gab es Kennzeichen--"Identitätsmarker", sagen wir heute--ob du Teil der Gruppe bist oder nicht. Die Beschneidung bei Männern gehörte zum Beispiel dazu. (Da läuft es manch einem heute eiskalt den Rücken runter.) Das Einhalten bestimmter Riten und Gebräuche. Klar erkennbare Zeichen eben. Man wusste sofort Bescheid, mit wem sich dieser Gott überhaupt abgeben würde. Es war ja "ihr Gott". Viele der Menschen, an die der Epheserbrief sich richtet, gehören nicht dazu.
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott. Wahrscheinlich sucht er schon längst woanders weiter.
Zwei Jahrtausende später baut Gott immer noch an seinem lebendigen Gebäude. Nennen wir es doch einfach "Kirche", das macht es einfacher. Es gibt Raum, die Möglichkeit, ganz dicht in Gottes Nähe zu wohnen. Wer darf da einziehen? Wer bekommt einen Platz?
Auch heute scheint für viele klar, dass da nicht jeder einfach kommen darf. Schließlich gibt es doch da Menschen, die so lange Gewänder tragen, schwarz oder weiß, mit Beffchen oder Stola. Die heben sich sofort von anderen ab. Anderen sieht man es nicht an der Kleidung an, aber vielleicht liegt es ja an anderen Lebensfragen. Manche sind besonders fromm. Manche sind bewundernswerte Vorbilder. Bei manchen fragt man sich, ob man da gerade den sonst unsichtbaren Heiligenschein doch hat aufblitzen sehen. Im Vergleich dazu siehst du selbst vielleicht ganz unauffällig aus. Wenn Gott nur bestimmte "Mitbewohner:innen" will, würde es doch keinen wundern!
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott und du bist sicher, dass er dich ja gar nicht meinen kann.
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott und er wendet sich dir zu. Und mir. "Christoph", sagt er, _______, ________, _________ und ________. Setz ruhig deinen eigenen Namen ein. "Komm her!", sagt Gott. "Du sollst bei mir einziehen! Ich habe Platz für dich. Ich suche dich als Mitbewohner:in."
Du hast dich nämlich komplett getäuscht in ihm. Klar, er weiß alles über dich. Er weiß ob du rülpst oder furzst. Er weiß, was in deinem Leben nicht richtig aufgeräumt ist. Er weiß, was da im Kühlschrank verschimmelt und langsam schon stinkt. Gott kennt dich ja. Und lädt dich trotzdem ein!
"Wie kann das sein?", fragst du. Und die Antwort ist ganz einfach. Jesus Christus ist die Antwort. Er ist die große Einladung Gottes an dich. In ihm hebt Gott alles, was sonst an Zugangsbedingungen da sein könnte, ein für alle mal auf. Christus stößt die Tür ganz weit auf. Und du darfst kommen. Ja, du! Bei Gott ist Raum für dich.
Ihr seid eingeladen. Gott liebt alle gleich. Er trennt nicht nach Farben, nicht nach arm und reich. Er trennt nicht nach Rasse, Herkunft und Geschlecht. Jeder Mensch darf kommen. Gott spricht ihn gerecht.Hat Gott alle Standards aufgegeben? Ist Gott blind geworden für alle deine Unzulänglichkeiten? Nein, keinesfalls. Gott kennt dich so gut, wie er dich immer gekannt hat. Die Antwort, wie gesagt, heißt Jesus Christus. Gott hat aus freien Stücken beschlossen, nicht auf deine dreckigen Socken zu schauen. Er schaut nicht, ob du Nägel kaust oder nicht. Oder ob du den Klodeckel zu machst, wenn du fertig bist. Gott hat aus freien Stücken beschlossen, nicht auf deine Fehler zu schauen, sondern stattdessen, immer, wenn sie riskieren, aufzutauchen: auf Jesus Christus, seinen Sohn. Auf Paulus-Deutsch heißt das: "Gott rechnet seine Gerechtigkeit als deine Gerechtigkeit." Mit einem einzigen Wort nennen wir das: Gnade.
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott. Und zu dir sagt er: "Mitbewohner:in gefunden." So darfst du fröhlich wohnen in seinem großen Haus. Du darfst Platz nehmen an seinem Tisch. Du darfst Frieden finden in seiner Nähe.
Warum? Die Antwort kennt ihr jetzt:
17 Christus kam und verkündete Frieden: Frieden für euch in der Ferne und Frieden für die in der Nähe. 18Denn durch ihn haben wir beide in ein und demselben Geist Zugang zum Vater. 19Ihr seid also nicht mehr Fremde und ohne Rechte in Israel. Ihr seid vielmehr Mitbürger der Heiligen und Mitglieder von Gottes Hausgemeinschaft. 20Ihr seid gegründet auf dem Fundament der Apostel und Propheten, dessen Grundstein Christus Jesus ist. 21Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten. So wächst er zu einem heiligen Tempel empor, der dem Herrn gehört. 22Weil ihr zum Herrn gehört, werdet auch ihr als Bausteine in diesen Tempel eingefügt. Gott wohnt darin durch den Heiligen Geist.Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
17 Christus kam und verkündete Frieden: Frieden für euch in der Ferne und Frieden für die in der Nähe. 18Denn durch ihn haben wir beide in ein und demselben Geist Zugang zum Vater. 19Ihr seid also nicht mehr Fremde und ohne Rechte in Israel. Ihr seid vielmehr Mitbürger der Heiligen und Mitglieder von Gottes Hausgemeinschaft. 20Ihr seid gegründet auf dem Fundament der Apostel und Propheten, dessen Grundstein Christus Jesus ist. 21Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten. So wächst er zu einem heiligen Tempel empor, der dem Herrn gehört. 22Weil ihr zum Herrn gehört, werdet auch ihr als Bausteine in diesen Tempel eingefügt. Gott wohnt darin durch den Heiligen Geist.Geliebte Gottes in Tailfingen/Nebringen,
"Mitbewohner:innen gesucht" heißt es auf www.wg-gesucht.de in täglich mehr als 8.000 neuen Anzeigen--zumindest nach eigenen Angaben des Portals. Wer in eine neue Stadt zieht, vielleicht weil das Studium beginnt, eine Ausbildung oder einfach nur eine neue Lebensphase, der findet hier, auch ohne vorherige Kontakte, Möglichkeiten, sich mit anderen eine Wohnung zu teilen. Wenn man die richtigen findet, kann das richtig gut werden. Lustig. Bereichernd. Freundschaften fürs Leben entstehen. Türen öffnen sich an einem neuen Ort. Wer die richtigen Mitbewohner:innen findet, der hat den Hauptgewinn gezogen. Die falschen--vermutlich eine Niete. Deshalb werden die meisten auch mit gehörigem Respekt an die Sache herangehen. Man will ja nachher nicht über lange Zeit ausbaden müssen, was man am Anfang falsch eingeschätzt hat.
Schaut, ein Zimmer kann man anschauen. Man sieht schnell, ob das passt oder nicht. Zu groß, zu klein, zu dunkel, zu weit weg, zu teuer... Genau richtig! Hell, freundlich, groß, perfekt gelegen. Wenn alles passt und der Preis stimmt, weiß man, dass man beruhigt zuschlagen kann.
Mitbewohner:innen kann man nicht besichtigen. Natürlich beschnuppert man sich auch da irgendwie vorher. Die gröbsten Informationen stehen schon auf www.wg-gesucht.de. Aber der Rest? Manche treffen sich vorher. Virtuell auf WhatsApp, als Videoanruf über irgendein Netzwerk oder auch persönlich, im Café oder in der Wohnung selbst. Da bekommst du dann einen ersten Eindruck. Aber natürlich kommen die anderen da genauso an, wie du selbst: Frisch geduscht und gestylt, mit sauberen Klamotten und den besten Manieren, zuvorkommend und überhaupt so wunderbar, dass du am Ende keine Wohnung mit ihnen beziehen willst, sondern am besten gleich ein gemeinsames Haus kaufen, wo ihr glücklich und zufrieden lebt bis an das Ende eurer Tage. Sorry, Leute! Was soll den das bitte bringen?
Von den höflichen Worten, die da gewechselt werden, kannst du nicht darauf schließen, wie das dann läuft, wenn ihr euch morgens zwischen Bad und Küche über den Weg lauft, nach nur zwei Stunden unruhigem Schlaf und noch vor der ersten Tasse Kaffee. Du weißt nach dem Gespräch nicht, ob du um die heute so sauberen Klamotten in Zukunft im Wohnzimmer immer Slalom laufen musst und ob du die toll gestylten Haare jeden Morgen in der Dusche wiederentdeckst. Du siehst nicht auf den ersten Blick, ob jemand zu Hause auf dem Sofa furzt, so laut schnarcht, dass man es durch drei Wände hört und Deo nur an besonderen Feiertagen benutzt. So ist das eben mit Mitbewohner:innen. Das sind vielleicht die, die ganz ungeniert in der Unterhose herumlaufen, dreckiges Geschirr einfach im Spülbecken stapeln und dir deine Joghurts aus dem Kühlschrank wegfuttern, weil auf ihrem Pizzarest von vorgestern inzwischen grüne Haare wachsen. Wer ahnt denn schon vorher, dass dein linker Nachbar gerne nachts um vier Heavy Metal hört? Oder chinesische Opern? Woher hättest du wissen sollen, dass der von oben drüber täglich drei Stunden Tuba übt? Dass die aus Zimmer drei praktisch ununterbrochen telefoniert und zwar so, dass du jedes Wort verstehst? Wer weiß denn vorher, ob die alle rülpsen? Dreckige Socken überall verteilen? Mit seltsamen politischen Ansichten nicht hinterm Berg halten oder dich zu den Zeugen Jehovas bekehren wollen?
Manchmal, aber nur manchmal, hast du aber auch Glück. Du bemerkst vorher Dinge, die dich stutzig werden lassen. Du entdeckst--vielleicht auch zwischen den Zeilen--irgendetwas, was alle roten Warnlampen in deinem Kopf anknipst. Du hakst nach, du stellst konkrete Fragen, du erntest peinliches Schweigen oder seltsam gestammelte Bekenntnisse mit hochroten Köpfen und am Ende weißt du--rechtzeitig, zum Glück: Mit dieser Person will ich auf keinen Fall zusammenwohnen!
Mit wem wärst du bereit, die Privatsphäre deiner Wohnung, dein Allerheiligstes zu teilen? Wem würdest du dich ungeschminkt zeigen, verkatert und in deinem uralten, ausgeleierten Lieblingsschlafanzug?
"Mitbewohner:innen gesucht", heißt es auch bei Gott. Der bezieht nämlich ein neues Haus. Ein ganz besonderes. Es gibt Platz darin für Menschen, die mit ihm dort wohnen. Die dürfen Gott ganz nahe sein. Die werden sogar selbst zu einem Teil des Hauses, den Gottes Haus ist kein Bau aus Beton und Balken. Gott baut ein lebendiges Haus. Mitten im Leben. Einen dynamischen Platz, an dem es sich erst so richtig leben lässt. Denn er ist ja dabei.
Gott ist kein unangenehmer Mitbewohner:innen. Im Gegenteil: Besser könntest du es gar nicht erwischen. In seiner Nähe herrscht Friede. In seiner Nähe gibt es Hoffnung. In seiner Nähe bist du geborgen. In seiner Nähe begegnet dir so eine unglaublich starke Liebe, dass du glaubst, sie mit Händen greifen zu können. In seiner Nähe merkst du gar nicht, wie die Zeit vergeht. Aus seiner Nähe willst du nie wieder weg. Es gibt keinen besseren Ort als an Gottes Seite. Er ist der beste Mitbewohner:innen, den du je finden wirst.
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott und wer bei ihm einzieht, in diesen seltsamen Neubau -- man könnte ihn nennen "dem Herrn gehörig", also "kyriake" im neutestamentlichen Griechisch oder, daraus abgeleitet "Kirche" in unserer Sprache -- der hat das große Los gezogen; den Jackpot aller Jackpots geknackt.
Gott ist kein unangenehmer Mitbewohner. Aber wie sieht das bei dir aus?
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott und er hat es gar nicht nötig, sich erst mit dir auf WhatApp auseinanderzusetzen oder im Café. Gott weiß schon alles, was er wissen muss. Er kannte dich schließlich schon, bevor du überhaupt geboren wurdest. Er war bei jedem Atemzug dabei. Er hat dich keine Sekunde deines Lebens aus den Augen verloren. Und Gott sieht alles, was dir im Gespräch mit den anderen entgeht. Er übersieht nichts. Er versteht nichts falsch. Er denkt nicht naiv, "Das wird schon irgendwie klappen." Gott sieht weiter, als je ein anderer sehen könnte. Er sieht, was hinter der Fassade deiner Stirn abläuft. Er kennt deine Gedanken, auch die, die du niemals mit einem einzigen Menschen teilen würdest. Er kennt deine peinlichsten Momente, deine verborgenen Schwächen und deine dunkelsten Geheimnisse. Gott entgeht nichts! Er ist ja schließlich Gott. Er weiß vom ersten Moment an, wie das ablaufen wird--du und Gott in derselben Wohnung.
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott. Ob du dich da überhaupt bewerben brauchst?
Dass Götter nicht mit jedem können, ist eine altbekannte Weisheit. Für die Menschen in Ephesus, 70 Kilometer südlich vom heutigen Izmir an der türkischen Westküste, war das absolut nichts Neues. Schließlich war ihre Stadt ja Standort eines weltbekannten Tempels, in dem die Diana von Ephesus verehrt wurde. Und das war nur der größte von ganz vielen Orten, die man als Wohnplatz einer Gottheit betrachtete. Allen war eines gemeinsam: Kommen durfte jeder. Wirklich Zugang zu der Gottheit hatten nur die allerwenigsten. In der Regel waren das besondere Menschen. Einflussreiche. Mächtige. Die, die es sich leisten konnte. Klar, man konnte sich gut vorstellen, dass sich ein Gott am ehesten mit der "crème de la crème" der Gesellschaft umgeben will. Die große Mehrheit der Menschen hat noch nie dazu gehört.
Wenn der Apostel hier von dem einen Gott spricht, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, an den auch wir unseren Glauben bekennen, dann sah es mit der Erfahrung der Menschen in Ephesus gar nicht arg viel anders aus. Nachbar:innen jüdischen Glaubens, Anhänger:innen dieses einen Gottes, kannten sie auch schon zur Genüge. Die waren immer irgendwie anders. Für sich. Da konnte nicht jeder einfach dazu gehören. Da gab es Kennzeichen--"Identitätsmarker", sagen wir heute--ob du Teil der Gruppe bist oder nicht. Die Beschneidung bei Männern gehörte zum Beispiel dazu. (Da läuft es manch einem heute eiskalt den Rücken runter.) Das Einhalten bestimmter Riten und Gebräuche. Klar erkennbare Zeichen eben. Man wusste sofort Bescheid, mit wem sich dieser Gott überhaupt abgeben würde. Es war ja "ihr Gott". Viele der Menschen, an die der Epheserbrief sich richtet, gehören nicht dazu.
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott. Wahrscheinlich sucht er schon längst woanders weiter.
Zwei Jahrtausende später baut Gott immer noch an seinem lebendigen Gebäude. Nennen wir es doch einfach "Kirche", das macht es einfacher. Es gibt Raum, die Möglichkeit, ganz dicht in Gottes Nähe zu wohnen. Wer darf da einziehen? Wer bekommt einen Platz?
Auch heute scheint für viele klar, dass da nicht jeder einfach kommen darf. Schließlich gibt es doch da Menschen, die so lange Gewänder tragen, schwarz oder weiß, mit Beffchen oder Stola. Die heben sich sofort von anderen ab. Anderen sieht man es nicht an der Kleidung an, aber vielleicht liegt es ja an anderen Lebensfragen. Manche sind besonders fromm. Manche sind bewundernswerte Vorbilder. Bei manchen fragt man sich, ob man da gerade den sonst unsichtbaren Heiligenschein doch hat aufblitzen sehen. Im Vergleich dazu siehst du selbst vielleicht ganz unauffällig aus. Wenn Gott nur bestimmte "Mitbewohner:innen" will, würde es doch keinen wundern!
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott und du bist sicher, dass er dich ja gar nicht meinen kann.
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott und er wendet sich dir zu. Und mir. "Christoph", sagt er, _______, ________, _________ und ________. Setz ruhig deinen eigenen Namen ein. "Komm her!", sagt Gott. "Du sollst bei mir einziehen! Ich habe Platz für dich. Ich suche dich als Mitbewohner:in."
Du hast dich nämlich komplett getäuscht in ihm. Klar, er weiß alles über dich. Er weiß ob du rülpst oder furzst. Er weiß, was in deinem Leben nicht richtig aufgeräumt ist. Er weiß, was da im Kühlschrank verschimmelt und langsam schon stinkt. Gott kennt dich ja. Und lädt dich trotzdem ein!
"Wie kann das sein?", fragst du. Und die Antwort ist ganz einfach. Jesus Christus ist die Antwort. Er ist die große Einladung Gottes an dich. In ihm hebt Gott alles, was sonst an Zugangsbedingungen da sein könnte, ein für alle mal auf. Christus stößt die Tür ganz weit auf. Und du darfst kommen. Ja, du! Bei Gott ist Raum für dich.
Ihr seid eingeladen. Gott liebt alle gleich. Er trennt nicht nach Farben, nicht nach arm und reich. Er trennt nicht nach Rasse, Herkunft und Geschlecht. Jeder Mensch darf kommen. Gott spricht ihn gerecht.Hat Gott alle Standards aufgegeben? Ist Gott blind geworden für alle deine Unzulänglichkeiten? Nein, keinesfalls. Gott kennt dich so gut, wie er dich immer gekannt hat. Die Antwort, wie gesagt, heißt Jesus Christus. Gott hat aus freien Stücken beschlossen, nicht auf deine dreckigen Socken zu schauen. Er schaut nicht, ob du Nägel kaust oder nicht. Oder ob du den Klodeckel zu machst, wenn du fertig bist. Gott hat aus freien Stücken beschlossen, nicht auf deine Fehler zu schauen, sondern stattdessen, immer, wenn sie riskieren, aufzutauchen: auf Jesus Christus, seinen Sohn. Auf Paulus-Deutsch heißt das: "Gott rechnet seine Gerechtigkeit als deine Gerechtigkeit." Mit einem einzigen Wort nennen wir das: Gnade.
"Mitbewohner:innen gesucht", sagt Gott. Und zu dir sagt er: "Mitbewohner:in gefunden." So darfst du fröhlich wohnen in seinem großen Haus. Du darfst Platz nehmen an seinem Tisch. Du darfst Frieden finden in seiner Nähe.
Warum? Die Antwort kennt ihr jetzt:
17 Christus kam und verkündete Frieden: Frieden für euch in der Ferne und Frieden für die in der Nähe. 18Denn durch ihn haben wir beide in ein und demselben Geist Zugang zum Vater. 19Ihr seid also nicht mehr Fremde und ohne Rechte in Israel. Ihr seid vielmehr Mitbürger der Heiligen und Mitglieder von Gottes Hausgemeinschaft. 20Ihr seid gegründet auf dem Fundament der Apostel und Propheten, dessen Grundstein Christus Jesus ist. 21Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten. So wächst er zu einem heiligen Tempel empor, der dem Herrn gehört. 22Weil ihr zum Herrn gehört, werdet auch ihr als Bausteine in diesen Tempel eingefügt. Gott wohnt darin durch den Heiligen Geist.Amen.

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