Wicked Problems - Wissenschaft | Wirtschaft | Wandel

Wicked Problems - Wissenschaft | Wirtschaft | Wandel

By Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich; Dr Martin BethkeScience
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Wicked Problems - Wissenschaft | Wirtschaft | Wandel episodes

  • Nicht die Führungskraft ist das Problem, sondern das System – mit Prof. Dr. Laura Venz

    Im Januar 2026 hat das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung Beschäftigte ohne Führungsverantwortung gefragt, ob sie eine Führungsposition übernehmen würden. 43 Prozent sagten: kein Interesse. Nur 14 Prozent würden es auf jeden Fall tun.

    Die häufigsten Gründe: zu hohe Arbeitsbelastung (77 Prozent), zu viel Verantwortung (75 Prozent), das Privatleben würde leiden (73 Prozent). Und 41 Prozent nennen fehlende Unterstützung durch die Unternehmensleitung als Grund.

    Das ist kein Problem einer Generation. Es ist ein Problem, das Unternehmen selbst verursachen.

    Wir haben deshalb jemanden eingeladen, der erforscht, unter welchen Bedingungen Führung funktioniert und unter welchen Bedingungen Führungskräfte verheizt werden.

    Unsere Gästin ist Prof. Dr. Laura Venz. Sie ist Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Leuphana Universität Lüneburg. Sie forscht zu Führung, zu sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz, zu digitaler Kommunikation und dazu, wie Menschen sich von Arbeitsstress erholen. Promoviert hat sie an der Universität Mannheim.

    Ein Gespräch über die Sauerstoffmaske im Flugzeug, über den Kollegen, der am Montag plötzlich Chef ist, über Generationen-Bashing seit Aristoteles und darüber, warum Führungskräftetrainings so oft verpuffen.

    Key Takeaways

    ✅ Leistung und Gesundheit sind kein Gegensatz. Eine Person, die nicht gesund ist, kann keine gute Leistung bringen; schon gar nicht über ein Erwerbsleben bis 67 oder länger.

    ✅ Führungskräfte setzen die Sauerstoffmaske zuletzt auf. Sie puffern ab, arbeiten abends und am Wochenende. Das kann nicht dauerhaft funktionieren.

    ✅ Es ist keine Generationenfrage. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen Grund, systematische Unterschiede zwischen Generationen bei der Arbeit anzunehmen. Der Wertewandel betrifft alle Altersgruppen.

    ✅ Führung braucht Zeit, die niemand einplant. Wer zur Führungskraft wird, behält meist seine Fachaufgaben. Rechnerisch kann das nicht aufgehen.

    ✅ Drei Hebel statt Einmal-Seminar: die richtigen Menschen auswählen, die Führungsrolle so gestalten, dass sie machbar ist, und Führungskräfte bedarfsorientiert entwickeln, nicht mit dem Standardtraining für alle.

    ✅ Erst die Arbeit gestalten, dann die Person stärken. Ein vergünstigtes Fitnessstudio nützt nichts, wenn keine Zeit bleibt, hinzugehen: „Fix the system, not the person“.

    ✅ In guten Zeiten investieren. Wenn alles läuft, fällt schlechte Führung nicht auf. In der Krise kracht es doppelt.

    Kapitel

    00:00 Einleitung und Vorstellung der Gästin

    02:06 Der zentrale Widerspruch in der Führung

    03:51 Herausforderungen für Führungskräfte im mittleren Management

    06:53 Gesundheit und Wohlbefinden in der Führung

    12:05 Generationenkonflikte und Wertewandel

    17:08 Systemische Ansätze in der Führung

    21:08 Auswahl und Entwicklung von Führungskräften

    27:01 Führung in der digitalen Ära

    33:51 Training, Entwicklung und organisatorischer Wandel

    44:58 Zukunft der Führung und Schlussfolgerungen

    Shownotes & Links

    • Prof. Dr. Laura Venz auf LinkedIn
    • Prof. Dr. Laura Venz Leuphana Universität
    • Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich auf LinkedIn
    • Dr. Martin Bethke auf LinkedIn
    • Butterfly Effect Consulting GmbH | Strategie- und Unternehmensberatung für den deutschen Mittelstand
    59 min
  • "Nachhaltigkeit und KI: warum der Mittelstand jetzt über Zukunftsfähigkeit sprechen muss - mit Rainer Karcher“

    Im September 2026 meldete der Digitalverband Bitkom: Erstmals nutzt mit 57 Prozent die Mehrheit der Unternehmen ab 20 Beschäftigten künstliche Intelligenz. Vor zwei Jahren waren es 20 Prozent. In derselben Befragung sagt allerdings kein einziges Unternehmen, es schöpfe das Potenzial voll aus – 59 Prozent sagen: gar nicht.

    Drei Monate zuvor hatte derselbe Verband gemeldet, dass 85 Prozent der Unternehmen Deutschland für zu abhängig von US-Cloud-Anbietern halten.

    Alle steigen also ein. Kaum jemand holt etwas heraus. Und fast alle fühlen sich abhängig.

    Wir haben deshalb jemanden eingeladen, der diese Rechnung von beiden Seiten kennt: Wann zahlt sich Digitalisierung im Mittelstand tatsächlich aus und wann verschiebt sie die Kosten nur?

    Unser Gast ist Rainer Karcher. Er hat bei Siemens als Global Director IT Sustainability die erste unternehmensweite Strategie für nachhaltige IT verantwortet und war danach bei Allianz Technology für Nachhaltigkeit und Menschenrechte zuständig. Heute führt er mit der Heartprint GmbH ein eigenes Beratungsunternehmen, das Konzernstandards für den Mittelstand übersetzt. Ehrenamtlich ist er Chief Sustainability Officer und Co-Chair des EU Advisory Board von SustainableIT.org, einer international tätigen Non-Profit-Organisation für offene Standards in der IT. Davor arbeitete er rund 25 Jahre im IT-Betrieb, unter anderem bei IBM, TeleCash und Arvato Systems.

    Ein Gespräch über die Stromrechnung der KI, über die Frage, wer im Mittelstand eigentlich zuständig ist, über eine Schafherde auf einem Konzerncampus und darüber, warum ein Wort, das zwanzig Jahre lang funktioniert hat, heute die falschen Menschen erreicht.

    Key Takeaways

    ✅ Der Business Case entscheidet, nicht die Haltung. Rechenzentrumslasten dann fahren, wenn Strom aus erneuerbaren Quellen günstig verfügbar ist, statt nachts um drei: gleiche Rechenleistung, niedrigere Kosten, niedrigere Emissionen.

    ✅ Das Wort hat sich verbraucht, die Sache nicht. Karchers These: „Nachhaltigkeit" erreicht die Menschen nicht mehr, die man erreichen müsste. Zukunftsfähigkeit schon, weil darin Wettbewerbsfähigkeit steckt.

    ✅ Die Zuständigkeit gehört nach oben. Im Konzern in die Strategieeinheit, im Mittelstand in die Geschäftsführung. Eine Initiative aus der Belegschaft ohne Rückendeckung von oben ist nach seiner Erfahrung zum Scheitern verurteilt.

    ✅ Digitalisierung ist nicht mehr nur ein Werkzeug. Seine Gegenthese zu Axel Berger aus Folge 1: Spätestens mit KI wird Technologie zu einem Wertekonstrukt, erkennbar dort, wo sie Pflege, Beratung und Gesellschaft berührt.

    ✅ Digitale Souveränität ist die neue Gasfrage. Was die Energiedebatte über Abhängigkeit gelernt hat, holt die IT gerade nach. Die praktikable Antwort ist nicht Autarkie, sondern ein Plan B: gespiegelte Daten, bekannte Ausweichwege, bewusst getroffene Entscheidungen.

    ✅ Warten ist bei KI keine Strategie. Sein Rat: jetzt einsteigen, aber mit der Frage anfangen, was man eigentlich erreichen will.

    ✅ Die nächste Runde heißt Spezialisierung. Seine Prognose: In den kommenden zwölf bis 18 Monaten verschiebt sich der Schwerpunkt von großen Universalmodellen hin zu kleinen, spezialisierten Modellen, die lokal laufen. Damit ändert sich auch, was Souveränität überhaupt bedeutet.

    Shownotes & Links

    - Rainer Karcher auf LinkedIn

    - Website Heartprint GmbH

    - Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich LinkedIn

    - Dr. Martin Bethke LinkedIn

    - Butterfly Effect Consulting GmbH | Strategie- und Unternehmensberatung für den deutschen Mittelstand



    54 min
  • Nicht Fußabdruck, sondern Handabdruck: Wie Mitarbeitende Unternehmen von innen verändern – mit Prof. Dr. Babette Brinkmann

    Den ökologischen Fußabdruck kennt jeder. Weniger bekannt ist, woher er kommt: Populär gemacht hat den persönlichen Fußabdruck 2004 der Öl- und Gaskonzern BP, gemeinsam mit seiner Werbeagentur, und damit wanderte die Verantwortung vom Unternehmen zum Verbraucher.

    Babette Brinkmann dreht es um. Ihr Thema ist der Handabdruck: nicht, was jemand privat verbraucht, sondern was er oder sie im Job tatsächlich durchsetzt. Und ihre Forschung zeigt, dass ein erheblicher Teil der Veränderung in Unternehmen genau dort beginnt, bei Menschen ohne formalen Auftrag.

    Für eine Geschäftsführung ist das manchmal eine unbequeme Nachricht. Denn was von unten wie Engagement aussieht, sieht von oben wie Kontrollverlust aus. Genau darüber haben wir u.a. gesprochen: Denn wo endet Eigeninitiative, und wo beginnt ein Governance-Problem?

    Unser Gast ist Prof. Dr. Babette Julia Brinkmann, Professorin für Organisations- und Gruppenpsychologie an der Technischen Hochschule Köln und seit 1997 Organisationsberaterin und Coach, unter anderem für Allianz, Audi, Deutsche Lufthansa und Deutsche Telekom, für NGOs und für mittelständische Unternehmen. Gemeinsam mit Barbara Kump (University of Twente) hat sie „The Green Handprint at Work: How to Be an Employee Activist for Sustainability" geschrieben (Bristol University Press, 2026).

    Ein Gespräch über den Aktivisten, der Folien in fremde Präsentationen schmuggelt, über den Abteilungsleiter, der Beschlüsse absichtlich vage protokollieren lässt, über Allianzen, sichtbare erste Erfolge und die Erkenntnis, dass Wirksamkeit immer ein Risiko einschließt, und über die Frage, warum Veränderungsinitiativen seltener am Widerstand scheitern als am eigenen Tempo.

    Key Takeaways

    ✅ Der Handabdruck ist die Führungsgröße, nicht der Fußabdruck. Was ein Einkauf, ein Controlling oder eine Schichtleitung entscheidet, wiegt schwerer als das private Konsumverhalten derselben Person.

    ✅ Aktivismus beginnt einen Schritt hinter der eigenen Befugnis. Wer im Rahmen seiner Rolle entscheidet, ist Führungskraft. Wer den Rahmen dehnt, macht sichtbar, wo eine Entscheidung fehlt.

    ✅ Grauzonen sind eine Strategie, keine Panne. Themen vage ins Protokoll bringen, dann Fakten schaffen und dokumentieren: ein beschreibbares Vorgehen. Wer es kennt, kann es nutzen statt es zu bekämpfen.

    ✅ Wirksamkeit heißt Risiko. Wer etwas verändert, riskiert etwas und die andere Seite erlebt Kontrollverlust. Beide Kräfte sind normal; entscheidend ist, ob eine Organisation sie bearbeitet oder verdrängt.

    ✅ Der häufigste Fehler ist Tempo, nicht Feigheit. Zu schnell zu viel wollen und zu früh alles transparent machen ist laut Forschung zum Minderheiteneinfluss der sicherste Weg, ausgegrenzt zu werden.

    ✅ Daten schlagen Überzeugungsarbeit. In einem Fall lag der größte Anteil des Fußabdrucks nicht in der Produktion, sondern in der Nutzung der Produkte – und in den Finanzanlagen.

    ✅ Leitbilder sind Hebel, nicht Dekoration. Freigegebene Papiere kosten nichts, lassen sich aber zitieren. Genau deshalb wirken sie.

    Kapitel(00:00) Begrüßung und Vorstellung(02:49) Die These: Fußabdruck misst Schuld, Handabdruck fragt nach Wirkung(06:07) Vom Buch zum Handabdruck im eigenen Job(14:04) Wo Aktivismus beginnt – und warum der Begriff bleibt(17:16) Grauzonen und die Governance-Frage(24:02) Der Aktivist und die Folien(28:59) Erfolgsfaktoren: Allianzen, kleine Erfolge, Daten(34:30) Das große Wicked Problem: Wachstum(41:06) Transformation von oben und der häufigste Fehler(46:52) Hoffnung als Arbeitsbegriff – und der Schluss

    Shownotes & Links

    - „The Green Handprint at Work" (Kump/Brinkmann, Bristol University Press 2026): 25% Discount unter www.bristoluniversitypress.co.uk/signup

    - Rebecca Solnit, „Hope in the Dark"

    - Christian Stoecker, „Männer, die die Welt verbrennen"

    - Prof. Dr. Babette Brinkman LinkedIn

    - Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich LinkedIn

    - Dr. Martin Bethke LinkedIn

    - Butterfly Effect Consulting GmbH | Strategie- und Unternehmensberatung für den deutschen Mittelstand

    54 min
  • Die Wurst ist die Zigarette der Zukunft: Warum ein Traditionsunternehmen sein Kerngeschäft zerstört hat – mit Godo Röben

    Im April 2026 meldete die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Der Pro-Kopf-Fleischverzehr in Deutschland ist 2025 auf 54,9 Kilogramm gestiegen – 1,4 Kilogramm mehr als imVorjahr, Geflügel auf einem Allzeithoch. Vier Wochen später meldete das Statistische Bundesamt: Die Produktion von Fleischersatzprodukten ist erstmals seit Jahren gesunken, um 1,2 Prozent auf 124.900 Tonnen. Wer nur auf diese beiden Zahlen schaut, hält die Ernährungswende für gescheitert.

    Godo Röben schaut auf eine dritte Zahl: Bei der Rügenwalder Mühle, dem Unternehmen, das er 26 Jahre lang von innen umgebaut hat, entfallen heute rund 70 Prozent des Absatzes auf vegetarische und vegane Produkte. Bei einem Hersteller, der 1834 als Wurstfabrik begann.

    Wir haben ihn deshalb gefragt: Wie disruptiert man ein erfolgreiches Geschäftsmodell, ohne das Unternehmen zuzerlegen und woran erkennt man, dass eine Delle keine Trendwende ist?

    Unser Gast ist Godo Röben: 26 Jahre beider Rügenwalder Mühle, zuletzt als Geschäftsführer für Marketing sowie Forschung und Entwicklung, und der Mann, der dort die vegetarische Produktlinie gegen den Widerstand der eigenen Branche durchgesetzt hat. Heute ist er Aufsichtsrat, Beirat, Berater und Investor im Bereich alternativer Proteine, unter anderem als Berater bei LIDL, Billie Green, Berief und Beirat bei REWE, Follow Food, Project Eaden, planted., und Planteneers. Bis Ende 2025 war er Vorstandsmitglied im Bundesverband Alternative Proteinquellen (BALPro).

    Ein Gespräch über Selbstdisruption im Familienunternehmen, über Mitarbeitende, die eine Strategie stillschweigendblockieren, über den Unterschied zwischen Dreijahres-Vorstandsverträgen und Dreißigjahres-Verantwortung, und über die Frage, warum Transformationen nicht an der Einsicht scheitern, sondern am Tempo.

    Hosts: Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich (Leuphana Universität Lüneburg) und Dr. Martin Bethke (Butterfly Effect Consulting).

    Key Takeaways

    • Die Sequenz ist die Strategie. „Wir schütten erst das schlechte Wasser weg, wenn das gute Wasser da ist." Erst Wachstum im neuen Geschäft, dann Abbau im alten.
    • Widerstand ist selten laut. Er erscheint nicht als Widerspruch im Meeting, sondern als nicht erfolgte Listung beim Einkäufer und als ungewürzte Charge in der Nachtschicht. Wer Zustimmung misst, misst das Falsche.
    • Eine Ansage reicht nicht. Vier Wochen nach der ersten Erklärung war die Stimmung wieder wie vorher. Getragen haben erst dauerhafte Information, Jobrotation zwischen den Bereichen und sichtbar geteilte Erfolge.
    • Governance entscheidet vor Strategie. Wer in Dreijahresverträgen bezahlt wird, trifft keine Dreißigjahresentscheidung. Familienunternehmen können den Zeithorizont, den eine echte Transformation braucht – das ist ihr unterschätzter Wettbewerbsvorteil.
    • Teillösungen erzeugen neue Probleme. Tierwohl, Bio, größere Ställe: Jeder Optimierungsschritt führte zurück zum Ausgangsproblem. Genau daran erkennt man ein Wicked Problem.
    • Die Nachfrage kommt heute vom Handel, nicht von NGOs. Über Scope-3-Ziele wird die Verpflanzlichung von Sortimenten zur Lieferantenanforderung. Und die Wende kippt am Ende über den Preis, nicht über Moral.

    Kapitel

    00:00 Einleitung und Hintergrund von Godo Röben

    02:01 Godos Wurst-Analogie: Zigarette der Zukunft

    04:10 Gesundheit, Klima und Tierleid als Herausforderungen

    07:03 Disruption im eigenen Unternehmen

    10:08 Langfristiges Denken und gesellschaftlicher Wandel

    14:55 Reaktionen der Branche auf Innovationen

    19:59 Effekte der Transformation auf die Gesellschaft

    25:04 Mitarbeitermotivation und interne Kommunikation

    29:46 Politische Rahmenbedingungen und Lobbyarbeit

    35:06 Zukunftsaussichten und Mut zur Veränderung

    Shownotes & Links

    Godo Röben auf LinkedIn

    Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich auf LinkedIn

    Dr. Martin Bethke auf LinkedIn



    43 min
  • Palliative Wirtschaftspolitik: Nicht die Transformation ist teuer, sondern das Zaudern - mit Jürgen Trittin

    Am 12. Februar 2026 verlor die Aktie von Heidelberg Materials an einem Nachmittag rund 9,5 Prozent. Nicht wegen schlechter Zahlen, der Konzern hatte gerade ein Rekordergebnis vorgelegt. Auslöser waren Äußerungen des Bundeskanzlers beim Gipfeltreffen der energieintensiven Industrien in Antwerpen: Der europäische Emissionshandel müsse gegebenenfalls überarbeitet oder verschoben werden. Genau darauf beruhte die Kalkulation eines Unternehmens, das früher als andere auf CO2-arme Produktion umgestellt hatte.

    Wir haben Jürgen Trittin deshalb gefragt: Was bedeutet das alles für ein Unternehmen, das jetzt entscheiden muss, und für die Menschen, die die Veränderung mittragen sollen?

    Unser Gast im Staffelfinale ist Bundesminister a. D. JürgenTrittin – von 1998 bis 2005 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 25 Jahre Mitglied des Deutschen Bundestages, 2006 ausgezeichnet mit dem Adam-Smith-Preis für marktwirtschaftliche Umweltpolitik.

    Ein Gespräch über Investitionssicherheit, Industriepolitikund die Frage, welches Risiko am Ende teurer ist: die Veränderung oder das Abwarten.

    Hosts: Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich (LeuphanaUniversität Lüneburg) und Dr. Martin Bethke (Butterfly Effect Consulting).

    Transparenzhinweis: Jürgen Trittin ist der Onkel unsererCo-Hostin. Das wird zu Beginn der Folge offen benannt.

    Die wichtigsten Takeaways

    ✅ Warum drei Prozesse gleichzeitig zu Ende gehen – dieOrdnungsfunktion der alten Hegemonialmächte, das fossile Zeitalter und der Westen als politische Idee und was das für Ihre Absatzmärkte heißt

    ✅ Weshalb das deutsche Erfolgsmodell aus billigem Gas,exzellenten Maschinen und offenen Weltmärkten nicht in einer Delle steckt, sondern strukturell nicht mehr verfügbar ist

    ✅ Warum der deutsche Industrielobbyismus systematisch dieVorreiter ausbremst, bis auch der Langsamste mitkommt

    ✅ Wie aus fossiler Abhängigkeit gerade eine technologischeAbhängigkeit von China wird und woran sich entscheidet, ob die Wertschöpfung hier bleibt

    ✅ Was Bürgerwindparks in Norddeutschland darüber verraten,wie Akzeptanz für Veränderung tatsächlich entsteht: nicht durch Kommunikation, sondern durch Beteiligung

    ✅ Warum das Aufstiegsversprechen erodiert ist, und weshalbdas die eigentliche Ursache für Widerstand gegen Veränderung ist, im Land wie im Unternehmen

    Kapitel00:00  Begrüßung und Vorstellung: Jürgen Trittin

    02:06  Die Eingangsthese: Der Westen als geopolitische Idee ist am Ende

    03:00  Drei Prozesse enden gleichzeitig: Hegemonie, fossiles Zeitalter, Westen

    05:50  China und der neue systemische Rivale des demokratischen Kapitalismus

    10:11  Das alte deutsche Geschäftsmodell: billiges Gas, offene Märkte, Maschinenbau

    14:27  Sackgasse? Volkswagen, Offshore-Wind und die norddeutsche Rechnung

    17:20  Warum Deutschland seine Vorreiter an die Leine legt

    19:52  Der Fall Heidelberg Materials: Wenn Politik die Kalkulation entwertet

    21:39  Klimaneutralität als Souveränitätsfrage – nicht als Umweltfrage

    23:05  Wärmepumpe, Gasnetze und die Interessen hinter dem Widerstand

    24:47  „Palliative Wirtschaftspolitik“

    26:55  USA: Wie der Markt sich gegen die erklärte Politik durchsetzt

    28:33  Von der fossilen in die technologische Abhängigkeit

    33:08  Hört auf, über Belastungen zu reden: Teilhabe statt Kommunikation

    39:32  Das erodierte Aufstiegsversprechen und die Verteidigung des Status

    45:13  Ausblick: Industriepolitik, Local Content und Mut zur Zumutung

    Shownotes & Links

    Homepage Jürgen Trittin

    Buch: Alles muss anders bleiben: Eine politische Autobiographie

    Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich auf LinkedIn

    Forschungen Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich | Leuphana Universität

    Dr. Martin Bethke auf LinkedIn

    Butterfly Effect Consulting GmbH | Strategie- und Unternehmensberatung für den deutschen Mittelstand

    53 min
  • Der Markt richtet hart: Warum Deregulierung kein Bürokratieabbau ist, sondern Planungsunsicherheit – mit Heike Vesper (WWF)

    Bürokratieabbau klingt nach Entlastung. Für Unternehmen, die längst investiert haben, ist es das Gegenteil.

    Denn 46 Prozent der deutschen Unternehmen und Finanzakteure geben an, dass unsichere politische und regulatorische Rahmenbedingungen ihre Investitionen in die Transformation hemmen.

    63 Prozent der Industrieunternehmen bewerten regulatorische Unklarheit als signifikantes Risiko für ihre strategische Zukunft. Das ist keine Umweltdebatte. Das ist eine Standortfrage.

    Darüber sprechen Dr. Martin Bethke und Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich mit Heike Vesper – Vorständin für Transformation, Politik und Wirtschaft beim WWF Deutschland. Die Meeresbiologin arbeitet seit 1999 für den WWF, verantwortet heute die Positionierung der Organisation gegenüber Politik und Wirtschaft und ist Autorin von „Wenn wir die Meere retten, retten wir die Welt".

    Und Heike Vesper argumentiert konsequent ökonomisch: Der Emissionshandel war ein Instrument, das die Wirtschaft selbst gefordert hat – „lasst den Markt das richten". Jetzt richtet der Markt. Und er richtet hart. Wer ihn deshalb mit der Kettensäge bearbeiten will, zerstört nicht Bürokratie, sondern die Kalkulationsgrundlage jener Unternehmen, die vor zehn oder zwanzig Jahren umgestellt haben.

    Die wichtigsten Takeaways

    ✅ Warum die Deregulierungswelle die Industrie spaltet – und wer dabei verliert

    ✅ Weshalb Kreislaufwirtschaft nicht mit Recycling anfängt, sondern mit Reduktion

    ✅ Was Unternehmen unterscheidet, die früh investiert haben: Sie haben gerechnet

    ✅ Warum Natur- und Klimaschutz Infrastruktur ist – genauso wie Brücken und Schienen

    ✅ Wie man Naturrisiken in die Sprache übersetzt, die im Unternehmen ohnehin gesprochen wird: Risikomanagement

    ✅ Das Bild, das jede Nachhaltigkeitsdiskussion abkürzt: die eine Bettdecke

    Eine Folge über Planungssicherheit als Standortfaktor und darüber, warum der schärfste Vorwurf an die Wirtschaft nicht lautet, sie sei zu wenig moralisch, sondern zu kurzfristig incentiviert.

    Kapitel

    00:00 Einleitung und Vorstellung der Gäste

    01:03 Heike Vesper stellt ihre Rolle beim WWF vor

    02:11 These: Rückbau von Umweltstandards ist Planungsunsicherheit

    03:05 Auswirkungen regulatorischer Unsicherheit auf Investitionen

    04:25 Deutschland als Innovationsweltmeister? Herausforderungen

    05:57 Wirtschaftliche Folgen der regulatorischen Unsicherheit

    07:23 Anpassungen im Klimapfad und Zielsetzungen

    08:46 Risiken und Chancen in der Kreislaufwirtschaft

    12:13 Bedeutung von Natur für das menschliche Überleben

    13:08 Risiken für Biodiversität und Klimaschutz

    16:23 Technische Innovationen und Reduktion der Ressourcen

    18:51 Skalierung der Kreislaufwirtschaft: Chancen und Modelle

    22:07 Unternehmen und der Business Case für Nachhaltigkeit

    23:43 Langfristige Planung und Verlässlichkeit der Gesetzgebung

    27:41 WWF-Frameworks: Zusammenarbeit mit Unternehmen

    29:20 Das One Planet Business Framework im Einsatz

    34:30 Kommunikation und Narrative in der Krisenzeit

    43:19 Hoffnungsschimmer und positive Bewegungen

    45:49 Zukunftsperspektiven und systemisches Denken

    Shownotes & Links

    WWF-Analyse „Wer Naturschutz bremst, bremst die Wirtschaft" (Juni 2026)

    WWF-Analyse „Die Gefahr regulatorischer Unklarheit für die Wirtschaft" (PDF)

    Sustainability Transformation Monitor 2026 (Bertelsmann Stiftung u. a.)

    WWF One Planet Business Framework (Report, PDF)

    WWF „Modell Deutschland Circular Economy"

    WWF Deutschland – Zusammenarbeit mit Unternehmen

    WWF Deutschland auf LinkedIn

    Heike Vesper auf LinkedIn

    Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich auf LinkedIn

    Dr. Martin Bethke auf LinkedIn

    Butterfly Effect Consulting GmbH | Strategie- und Unternehmensberatung für den deutschen Mittelstand



    50 min
  • Der Algorithmus als Chef: Warum KI-Überwachung Vertrauen zerstört und was Unternehmen stattdessen brauchen – mit Prof. Dr. Antoinette Weibel

    In immer mehr Unternehmen bewertet nicht mehr nur der Mensch, sondern auch die Maschine mit: Wer ist ein guter Mitarbeiter, wer nicht? Wen stellen wir ein oder befördern wir, wen nicht?

    Neben der Führungskraft steht plötzlich ein zweiter, KI-Vorgesetzter und niemand kann genau sagen, wie dessen Urteil zustande kommt.

    Darüber sprechen Dr. Martin Bethke und Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich in dieser Folge mit Prof. Dr. Antoinette Weibel, Ordinaria für Personalmanagement an der Universität St. Gallen, Direktorin des Instituts für Arbeit, Arbeitsorganisation und Transformation und eine der führenden Vertrauensforscherinnen Europas.

    Ihre Diagnose ist so unbequem wie ehrlich: Kontrolle ist teurer, als die meisten denken. Und Vertrauen ist kein moralischer Luxus, den man sich erst leisten können muss, sondern der effektivste und günstigste Mechanismus für gelingende Zusammenarbeit. Wer stattdessen auf KI-Überwachung setzt, zerstört genau das, was Leistung überhaupt erst möglich macht.

    Die wichtigsten Takeaways

    ✅ Der Algorithmus als Chef: Black Box, Function Creep, Dauerüberwachung. Warum niemand mehr versteht, wie Bewertungen zustande kommen, und das Gefühl, nur ein Rädchen zu sein, bis in die Führungsetage reicht.

    ✅ Vertrauen rechnet sich: weniger Kontrollkosten, weniger Krankheitstage, weniger ungewollte Fluktuation und mehr Resilienz, wenn es kritisch wird.

    ✅ „Boni würde ich sofort verbieten": Warum Bonussysteme intrinsische Motivation verdrängen und zu „funktionaler Dummheit" führen.

    ✅ Einzelleistung ist ein Mythos: Nach 100 Jahren Forschung steckt in der Leistungsbewertung mehr Unschärfe als Wahrheit. Leistung entsteht zwischen Menschen, nicht in Excel-Zellen.

    ✅ Was der Mensch besser kann: urteilen, kritisch hinterfragen, Empathie, und warum Unternehmen, die keine Juniors mehr ausbilden, sich genau diese Fähigkeiten abschneiden.

    ✅ Die gute Nachricht für den Mittelstand: Gerade mittelständische Unternehmen können diesen Weg gehen – VAUDE zeigt, wie aus Vertrauen eine gute Organisation wird.

    Eine Folge für alle, die Führung, Motivation und Zusammenarbeit nicht als Kostenstelle verstehen, sondern als Wettbewerbsvorteil.

    Kapitel

    03:37 Die These: Ist Vertrauen ein moralischer Luxus?

    04:01 Warum Vertrauen sich rechnet: Transaktionskosten, Talente, Resilienz

    06:55 Social Media und die Erosion von Expertise

    08:30 Black Box, Function Creep und der Algorithmus als zweiter Chef

    11:29 Das Meta-Beispiel: Überwachung per „freiwilliger" Zustimmung

    12:49 Präfiguratives Organisieren: die Utopie jetzt schon leben

    14:59 Was der Mensch besser kann als die Maschine: Urteilen und Empathie

    16:07 Das Krücken-Problem: Wenn KI das Denken abkürzt

    25:15 KI trifft Anreizsysteme: die Illusion der Steuerbarkeit

    27:31 Der Mythos Einzelleistung – und 100 Jahre Leistungsbewertungsforschung

    29:50 „Boni würde ich sofort verbieten": Verdrängung und funktionale Dummheit

    31:26 Was wirklich motiviert – und was VAUDE anders macht

    35:19 Hidden Champions, Nachfolgeproblem und die Strategiefrage

    41:44 Zwei Schritte für Unternehmen: Verbünde bilden, Kräfte freisetzen

    44:37 Das VW-Außenspiegel-Beispiel: Transformation braucht Vertrauen

    46:48 Die gute Organisation beginnt mit mir

    52:01 Zum Schluss: eine Akademie für Führung – auch für Politiker

    Shownotes

    - ⁠Prof. Dr. Antoinette Weibel auf LinkedIn

    - Prof. Dr. Antoinette Weibe | Universtität St. Gallen

    - Fortschungsprojekte "Good Organisation"

    - P⁠rof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich auf LinkedIn 

    - Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich | Leuphana Universität⁠

    - ⁠Dr. Martin Bethke auf LinkedIn⁠

    - ⁠Butterfly Effect Consulting GmbH⁠ | Strategie- und Unternehmensberatung für den deutschen Mittelstand. 

    54 min
  • Die laute Minderheit: Warum die Wirtschaft längst weiter ist, als die Politik denkt – mit Prof. Dr. Katharina Reuter

    Die deutsche Wirtschaft ist bei der Modernisierung längst weiter, als es in der Politik und in den Schlagzeilen klingt. Warum entsteht dann der Eindruck, das Thema Nachhaltigkeit sei erledigt? 

    Weil eine laute Minderheit die Debatte prägt, während die handelnde Mehrheit kaum gehört wird. Das ist die zentrale These dieser Folge. 

    Darüber sprechen Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich und Dr. Martin Bethke mit Prof. Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin des Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft (BNW), Honorarprofessorin für Corporate Political Responsibility und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes.

    Der BNW vertritt über 700 progressive Unternehmen, vom industriellen Mittelstand bis zum Cleantech-Startup. Und Katharina Reuter dreht die gängige Erzählung um: Nicht „der Markt" bremst die Modernisierung der Wirtschaft, sondern wenige laute Bremser. Und die politische Delegitimierung von Klimaschutz ist kein Kulturkampf-Nebenschauplatz, sondern schlägt eins zu eins auf die Märkte durch. Ihr Gegenentwurf heißt „die neue Wettbewerbsfähigkeit“.

    Ein Gespräch, aufgenommen mitten im Rekord-Hitzesommer, der die volkswirtschaftlichen Kosten des Wegschauens gerade sehr konkret macht.

    Die wichtigsten Takeaways 

    ✅ Die laute Minderheit: Wie wenige Bremser die Debatte dominieren, obwohl über 60 % der Autounternehmen als Vorreiter der E-Mobilität gelten.

    ✅ „Wir sind keine Bubble": Warum die nachhaltige Wirtschaft genauso Wirtschaft ist und ein neues Selbstbewusstsein braucht. 

    ✅ Delegitimierung kostet Geld: Wenn Politik Klimaschutz kleinredet, sinkt die Zahlungsbereitschaft und bestraft ausgerechnet die Unternehmen, die vorangegangen sind. 

    ✅ Leapfrogging: Warum China und Indien Deutschland bei Zukunftstechnologien wie der Wärmepumpe gerade überholen. 

    ✅ Follow the Money: Was Lobby-Budgets mit der Klimapolitik zu tun haben und warum „Modernisierung" das ehrlichere Wort ist als „Transformation". 

    ✅ Der teure Irrtum: Warum die Annahme „Die Klimakrise betrifft mein Geschäftsmodell nicht" für viele zur strategischen Fehleinschätzung wird. 

    Plus: drei konkrete, sofort umsetzbare Tipps für Unternehmen, die die Modernisierung ökonomisch angehen wollen.

    Eine Folge für alle, die Nachhaltigkeit nicht als Gesinnung, sondern als Standort- und Wettbewerbsfrage verstehen.

    Kapitel

    00:00 Intro: Aufnahme im Rekord-Hitzesommer 

    02:49 Eröffnungsthese: Erreicht ihr nur die „grüne Vorhut"? 

    04:30 Vom sperrigen „Transformations"-Begriff zur neuen Wettbewerbsfähigkeit 

    05:40 Politische Delegitimierung – und warum sie 1:1 auf die Märkte durchschlägt 

    11:57 Der Riss durch die Unternehmerlandschaft: Vorreiter vs. Nachzügler 

    18:25 Leapfrogging: Wie China und Indien an Deutschland vorbeiziehen 

    20:37 Follow the Money: die laute Minderheit der Bremser (Fraunhofer-Studie)

    27:34 Wertschaften statt Wirtschaften: Nachhaltigkeit als USP der Zukunft 

    34:38 Drei konkrete Tipps für Unternehmen auf dem Weg 

    37:35 Der teure Irrtum: „Die Klimakrise betrifft mein Geschäftsmodell nicht" 

    38:29 Drei Wünsche an die Politik – und was Mut macht

    Shownotes

    - Fraunhofer ISI & University of Sussex (2026): Unternehmensbefragung zur Transformation der deutschen Automobilindustrie 

    - BNW-Positionspapier „Die neue Wettbewerbsfähigkeit" (2026) 

    - Prof. Dr. Katharina Reuter auf LinkedIn 

    - Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft 

    - Plattform „Wirtschaft denkt weiter" 

    - Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich auf LinkedIn 

    - Dr. Martin Bethke auf LinkedIn

    - Butterfly Effect Consulting GmbH | Strategie- und Unternehmensberatung für den deutschen Mittelstand. 

    44 min
  • Marke schlägt Maschine: Warum WAS IST WAS gegen billige KI-Bücher besteht – mit Katja Meinicke-Meurer

    Fakten gibt es heute gratis – im Netz, per App, aus jeder KI. Was bedeutet das für einen Verlag, dessen Kerngeschäft seit über 60 Jahren genau das ist: Wissen vermitteln? 

    Mit dieser These steigen Dr. Martin Bethke und Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich in ein Gespräch mit Katja Meinicke-Meurer ein, Geschäftsführerin und Verlegerin des Tessloff-Verlags und damit Hüterin einer der bekanntesten Wissensmarken Deutschlands: WAS IST WAS.

    Unter ihrer Führung wurde Tessloff zum ersten deutschen Kinder- und Jugendbuchverlag mit freiwilligem Nachhaltigkeitsbericht, der seine Klimawirkung in Grad Celsius misst.

    Ein Gespräch über Markenführung in der Disruption, klare rote Linien beim KI-Einsatz und die unbequeme Wahrheit, dass Haltung im Wettbewerb kein Luxus ist, sondern ein Werteversprechen.

    Die wichtigsten Takeaways 

    ✅ „Marke schlägt Maschine": Warum die einzige Verteidigung gegen immer besseren „KI-Schrott" eine glaubwürdige Marke ist und nicht Technologie. 

    ✅ „Luft und Liebe ist kein Geschäftsmodell": Warum Haltung und Wirtschaftlichkeit kein Gegensatz sind, sondern sich gegenseitig bedingen. 

    ✅ Vom Faktenlieferanten zum Einordner: Wieso Fakten als Gratisware das alte Geschäftsmodell zerstören und Kontext das neue ist. 

    ✅ Die roten Linien beim KI-Einsatz: Wo ein Verlag KI bewusst nutzt und transparent macht und wo die menschliche Kreation unantastbar bleibt. 

    ✅ 100.000 Broschüren, 1 Million Abrufe: Was die Demokratie-Initiative über die Macht und die Verantwortung einer Traditionsmarke verriet.

     ✅ „Nur ein Kinderbuchautor?": Warum das Verdichten von Wissen auf eine Doppelseite die unterschätzteste Kunst der Branche ist. 

    Eine Folge für alle, die eine etablierte Marke durch die KI-Transformation führen und wissen wollen, warum Haltung am Ende ein Wettbewerbsvorteil ist.

    Kapitel

    00:00 Intro: Wissen für die nächste Generation 

    02:40 Eröffnungsthese: Erreicht ihr noch die, auf die es ankommt? 

    05:50 Der lange Weg zum Kind – drei Gatekeeper bis ins Regal 

    07:00 Warum Audio das Printgeschäft trägt 

    11:00 „Einfacher und darum besser" – Faktenvermittlung neu gedacht 

    13:00 Neutralität oder Haltung? Der schmale Grat bei strittigen Themen 

    19:30 Vom Faktenlieferanten zum Einordner – das neue Geschäftsmodell 

    20:45 Eine Million Downloads: die Demokratie-Initiative 

    31:00 KI in der Buchbranche – warum „Kein KI" in die Irre führt 

    40:50 Marke gegen KI-Schrott: die letzte Verteidigungslinie 

    45:24 „Luft und Liebe ist kein Geschäftsmodell" – Haltung muss sich rechnen 

    50:00 Die Zukunft: Wissen für die ganze Familie

    Shownotes

    Katja Meinicke-Meurer auf LinkedIn 

    Tessloff-Verlag Homepage

    WAS IST WAS Produkte

    WAS IST WAS der Podcast

    Demokratie-Initiative „Was ist Was Demokratie"

    Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich auf LinkedIn

    Dr. Martin Bethke auf LinkedIn

    Butterfly Effect Consulting GmbH - Strategie- und Unternehmensberatung für den deutschen Mittelstand. 

    1 hr 1 min
  • Kurzschluss: Warum die Energiewende nicht am Geld scheitert, sondern an Desinformation - mit Prof. Dr. Claudia Kemfert

    Wenn Erneuerbare längst die günstigste Energieform der Welt sind – warum verliert die Energiewende dann politisch an Boden?

    Mit dieser These steigen Dr. Martin Bethke und Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich in ein besonderes Gespräch ein: live aufgenommen an der Leuphana Universität Lüneburg, mit einer der bekanntesten Ökonominnen des Landes. Prof. Dr. Claudia Kemfert leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin, lehrt an der Leuphana und ist Spiegel-Bestsellerautorin. Anlass ist ihr aktuelles Buch „Kurzschluss: Wie wir unsere Energiezukunft verspielen".

    Kemferts Antwort auf die Einstiegsthese dreht die Perspektive um: Die Ökonomie sei längst entschieden. Erneuerbare ziehen weltweit dreimal so viele Investitionen an wie Fossile und Atom zusammen, Unternehmen stellen aus reinem Kostenkalkül um. Was die Energiewende bremst, ist nicht das Geld, sondern eine Mischung aus Geopolitik, fossilen Interessen und gezielter Desinformation.

    Ein faktenreiches, überraschend optimistisches Gespräch über die Frage, warum ökonomische Vernunft politisch so oft verliert und was uns trotzdem Mut machen darf.

    Die wichtigsten Takeaways

    ✅ „Fossilokratie": Warum fossile Autokratien die Geopolitik treiben – und warum Kemfert darin vor allem Rückzugsgefechte einer sterbenden Industrie sieht.

    ✅ Der „Heizungshammer" und die Macht der Emotion: Wie aus Wärmepumpe und E-Auto in den sozialen Medien Feindbilder wurden und wie man mit Fakten dagegenhält.

    ✅ Dieselgate als Lehrstück: 30 Milliarden Euro, eine verpasste Zukunft und die Frage, warum Unternehmen mit besten Vorsätzen unethisch handeln.

    ✅ „Fahrende Waschmaschinen": Kemferts Anekdote über zwei deutsche Auto-CEOs, die ihre eigene Disruption verlachten und was Unternehmen über „too big to fail" lernen müssen.

    ✅ Der Markt rennt der Politik davon: Tipping Point bei den Kosten, Batteriepreise im freien Fall, 500 Gigawatt Speicher in der Warteschleife.

    ✅ Mitmach-Energiewende: Warum die Transformation auch soziale Gerechtigkeit, Fachkräfte-Chancen und Demokratie stärkt und was Kemfert Mut macht.

    Eine Folge für alle, die wissen wollen, warum die Energiewirtschaft der Politik längst voraus ist und was das für Unternehmen bedeutet.

    Kapitel

    00:00 Einführung und Vorstellung der Gäste

    02:49 Die Herausforderungen der Energiewende

    06:00 Emotionale Reaktionen auf erneuerbare Energien

    09:07 Persönliche Geschichten und ihre Bedeutung

    12:02 Die Rolle der Autoindustrie in der Energiewende

    14:56 Politische und wirtschaftliche Fehlentscheidungen

    17:53 Organisationales Scheitern und Innovationsmangel

    21:31 Disruption und Unternehmensethik

    24:50 Energiewende und Marktveränderungen

    29:07 Verantwortung und gesellschaftliche Teilhabe

    32:52 Fachkräftemangel und soziale Gerechtigkeit

    35:03 Mut und Hoffnung für die Zukunft

    Shownotes

    Prof. Dr. Claudia Kemfert auf LinkedIn

    Website & weitere Infos 

    Buch „Kurzschluss: Wie wir unsere Energiezukunft verspielen" (Campus Verlag) 

    Kemferts Podcast „Klima Klartext

    DIW Berlin

    Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich auf LinkedIn 

    Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich, Leuphana Universität Lüneburg 

    Dr. Martin Bethke auf LinkedIn 

    Butterfly Effect Consulting GmbH

    Aufgenommen live an der Leuphana Universität Lüneburg.

    43 min

About Wicked Problems - Wissenschaft | Wirtschaft | Wandel

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Transformation, Wirtschaft, ESG, Leadership, Change, Zukunft: Dieser Podcast spricht über die großen Veränderungsfragen unserer Zeit. Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich (Leuphana Universität) und Dr. Martin Bethke (Butterfly Effect Consulting) verbinden Wissenschaft und Unternehmenspraxis.