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Der Film "Vaterland" (Regie: Pawel Pawelkowski) läuft zur Zeit in den deutschen Kinos. Im Zentrum steht die erste Deutschland-Reise Thomas Manns anlässlich der Goethe-Jubiläen in Frankfurt am Main und Weimar 1949. Auch Becher kommt vor, gespielt von Devid Striesow. Wie finden wir Darstellung und Besetzung? Zeit für ein kurzes Gespräch!
Becher wurde in der DDR zum sozialistischen Nationaldichter ausgerufen und galt lange als Repräsentant des Sozialistischen Realismus schlechthin. Dass dies mit seinem eigentlichen Werk nur bedingt zu vereinbaren ist, haben wir bereits mehrfach festgestellt. Heute schauen wir uns an, wie es dazu kam: welches Bild Walter Ulbricht von Becher in seiner Trauerrede zeichnet und wie die DDR-Literaturwissenschaft über Becher schreibt.
Zitate aus:
Walter Ulbricht: Dem Dichter des neuen Deutschland Johannes R. Becher. Berlin 1959.
Johannes R. Becher: Vom Mut des Künstlers. Leipzig 1959.
Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart Bd. X und XI. Berlin 1973 bzw. 1976.
München ist Bechers Geburtsstadt – kein Wunder, dass er sie bedichtet hat. Der Lyrikband „München in meinem Gedicht“ von 1946 geht aber nicht in der pathetischen Heimatbeschwörung auf, die man an anderer Stelle antrifft und erwarten mag. Stattdessen ist „München in meinem Gedicht“ ein hochpolitischer Band, der viel über die unmittelbare Nachkriegszeit verrät: Verlegt hat den Band der Jugendfreund und erste Becher-Verleger Heinrich F. S. Bachmair in seinem neu gegründeten Starnberger Verlag – und am Ende steht ein zwölfteiliger Gedichtzyklus über die Weiße Rose.
Zitate aus:
Johannes R. Becher: München in meinem Gedicht. Starnberg 1946.
Religiöse Verweise sind im Werk Bechers überall zu finden. Es wird Zeit, dass wir mit einem Theologen darüber sprechen! Das tun wir in der heutigen Folge. Zu Gast ist Jens Schröter, Professor für Exegese und Theologie des Neuen Testaments sowie die antiken christlichen Apokryphen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Thema sind Bechers frühe Mariengedichte, seine De-Profundis-Dichtungen, das Lied „Lenin“ und die „Poetische Konfession“ (1954).
Zitate aus:
Johannes R. Becher: Gnade eines Frühlings. Dichtungen. Berlin 1912.
Johannes R. Becher/Hanns Eisler: Neue deutsche Volkslieder. Berlin 1950.
Johannes R. Becher: Gesammelte Werke. Hg. vom Johannes-R.-Becher-Archiv der Akademie der Künste. Berlin/Weimar 1966-1982, Bd. IX und XIII.
Thomas Mann und Becher hatten ein gutes Verhältnis – bereits beim Hochverratsprozess 1926-28 (siehe Folge 6) hatte sich Mann für Becher eingesetzt. In der Exilzeit intensiviert sich der Kontakt: Becher fragt Mann um Beiträge für die Zeitschrift „Internationale Literatur“ an und beide lesen ihre Werke gegenseitig. 1949 und 1955 gelingt es Becher, Mann zweimal nach Weimar zu holen. Wir hören Auszüge aus den Schiller-Reden Bechers und Manns, schauen in den vorangegangenen Briefwechsel und in Bechers Texte über Thomas Mann.
Zitate aus:
Johannes R. Becher: Gesammelte Werke. Hg. vom Johannes-R.-Becher-Archiv der Akademie der Künste. Berlin/Weimar 1966-1982, Bd. XVIII.
Johannes R. Becher.: Briefe 1909-1958. Berlin 1993.
Johannes R. Becher: Briefe an Johannes R. Becher. Berlin 1993.
Ein weiterer Hörtipp zum Thema ist der gehaltreiche Vortrag von Matthias Steinbach zu den Schiller-Reden Manns in Stuttgart und Weimar 1955: https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/bfzklartextmatthiassteinbach.
Während Becher Hölderlin und Schiller in seiner Jugend bereits zugetan war, wendet er sich Goethe erst in den Exiljahren zu. 1949 und 1955 kommt es ihm in seiner kulturpolitischen Rolle zu, für beide Klassiker wichtige Jubiläen zu begehen und mit Reden zu begleiten. Wir sprechen über Bechers Verhältnis zu den Klassikern und seine Deutung von Hölderlin, Goethe und Schiller.
Zitate aus:
Johannes R. Becher: Gesammelte Werke. Hg. vom Johannes-R.-Becher-Archiv der Akademie der Künste. Berlin/Weimar 1966-1982, Bd. XVI, XVII und XVIII.
Was weiß man heute als politische Schriftstellerin mit DDR-Herkunft über Johannes R. Becher? Und wie soll man mit der Generation derer umgehen, die die DDR aufbaut haben und literarisch in ihr gewirkt haben? Diese Fragen diskutieren wir mit der Schriftstellerin Anne Rabe, deren jüngstes Buch „Das M-Wort“ (2025) und deren Theodor-Heuss-Gedächtnis-Vorlesung 2025 an der Universität Stuttgart mit dem Titel „‚Sind wir noch zu retten?‘ Über Demokratie und Moral“ wir zum Anlass nehmen, Becher (auch) als Moralist zu beleuchten.
Zitate aus:
Johannes R. Becher: Der Aufstand im Menschen. Mit einem Nachwort von Rolf Harder. Leipzig 1995.
Becher hatte nicht nur einen Vater, er war auch Vater – und das Verhältnis zu seinem 1933 mit der Mutter Lotte nach England ausgewanderten Hans Thomas (John T.) Becher war ebenfalls spannungsbehaftet. 1951 veröffentlichte John T. Becher nach einem Besuch bei seinem Vater in Ostberlin einen offenen Brief, indem er dem Älteren seine Blindheit und Machtlosigkeit vorwarf. Wir sprechen über diesen und über einige andere einschlägige Briefe zum Vater/Sohn-Verhältnis.
Zitate aus:
Becher, Johannes R.: Briefe 1909-1958. Berlin 1993.
„Romeo und Julia auf dem Dorfe“ (1855/56) ist einer der berühmtesten Texte Gottfried Kellers – und eines der wichtigsten Werke des Realismus. Becher hat 1946 eine eigene Neudichtung vorlegt: einen „Roman in Versen“, wie er ihn selbst nennt. Was hat es mit dieser Neudichtung eines Klassikers auf sich? Und wie wird aus einem Keller-Text ein typischer Becher? Wir fragen nach!
Zitate aus:
Johannes R. Becher: Romane in Versen. Berlin (Ost) 1946.
Bertolt Brecht und Gottfried Benn waren wichtige Weggefährten Bechers schon in der Weimarer Republik: Während Becher und Benn unterschiedliche Weltanschauungen vertraten, verbindet Becher mit Brecht die grundsätzliche politische Einstellung. Dennoch ist Brechts Blick auf den Kollegen durchaus kritisch.
Zitate aus:
Johannes R. Becher: Gesammelte Werke. Hg. vom Johannes-R.-Becher-Archiv der Akademie der Künste. Berlin/Weimar 1966-1982, Bd. XV.
Bertolt Brecht: Ausgewählte Werke in sechs Bänden. Frankfurt a.M. 2005.
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