»Das System funktioniert doch gut!« wird mir manchmal ent-
gegnet, wenn ich von einer anderen Wirtschaftswelt schwärme,
in der wir leben könnten. Stimmt das? Ich bin nicht überzeugt.
Wir sehen eine starke Ungleichverteilung von Ressourcen, die sich
in der Pandemie noch verschlechtert hat: Drei Männer besitzen
nun so viel Reichtum wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung
zusammen. Zugleich leiden weltweit rund 700 Millionen Men-
schen an Hunger. Viele Länder versagen bei der Eindämmung
dieser Pandemie, weil wirtschaftliche Interessen und kurzfristi-
ge ökonomische Ziele von der Politik höher gewichtet werden
als die Leben von Menschen. Es sind dieselben Interessen, die
in der Vergangenheit einen wirksamen Tier- und Umweltschutz
verhindert haben, weswegen weitere Pandemien folgen werden.
Es gibt weltweit Kriege um Ressourcen und diese werden zuneh-
men, ebenso wie die globalen Fluchtbewegungen von Menschen.
Die Lebenserwartung von Menschen in Ländern mit einer ho-
hen wirtschaftlichen Ungleichheit wie Brasilien oder Russland ist
deutlich geringer als in Ländern mit einem für alle geringeren
Lebensstandard wie Kerala in Indien. Und ganz nebenbei hei-
zen wir den einzigen Planeten, auf dem wir als Menschheit leben
können, konsequent immer weiter auf, sodass das Leben für viele
zukünftigen Generationen von Menschen drastisch erschwert bis
unmöglich wird. Ohne Menschen gibt es auch keine Wirtschaft
mehr. Ein System, das die eigene Lebensgrundlage zerstört, kann
ich nicht als funktionierend bezeichnen.