Wirtschaftsforum Morning Brief

Wirtschaftsforum Morning Brief

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Wirtschaftsforum Morning Brief episodes

  • Versprechen auf dem Prüfstand
    Kabinettsklausur Neuhardenberg • Rhein-Niedrigwasser ohne Entwarnung • Energie: Großhandel entspannt, Rechnung nicht

    Meldung 1: Kabinettsklausur Neuhardenberg

    Das Bundeskabinett tagt am 25. und 26. August 2026 auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg. Bundeskanzler Merz hat Tempo bei der Umsetzung der vor der Sommerpause beschlossenen Reformen angekündigt (Steuern, Rente, Entbürokratisierung, Digitalisierung). Der BVMW fordert anlässlich der Klausur die Aufhebung des Antragsstopps bei der Innovationsförderung. Abschlusspressekonferenz mit Merz, Klingbeil und Dobrindt: Mittwoch, 26. August 2026.

    Laut einer Befragung der Stiftung Familienunternehmen / DZ-Bank waren im Frühjahr 2026 noch 62 Prozent der befragten Firmeninhaber zuversichtlich; zuletzt waren es nur noch 39 Prozent.

    Meldung 2: Rhein-Niedrigwasser

    Pegel Kaub (Stand 18./19. August 2026): rund 11 bis 14 Zentimeter nach zwischenzeitlichem Tiefstand von 5 Zentimetern (17. August 2026, historischer Rekord seit Aufzeichnungsbeginn 1880; bisheriger Rekord 2018: 25 Zentimeter). BDB-Prognose (19. August 2026): bis Freitag, 28. August, höchstens 41 Zentimeter erwartet. Spürbare Entspannung erst ab 77 Zentimetern (gleichwertiger Wasserstand).

    • Frachtrate Amsterdam/Rotterdam/Antwerpen nach Karlsruhe (Argus): 215 Euro je Tonne (Allzeithoch seit 2012); April 2025: rund 55 Euro je Tonne
    • Laut DIHK müssen Binnenschiffe bis zu 75 Prozent weniger Fracht transportieren
    • Mehr als 80 Prozent des deutschen Güterschiffsverkehrs laufen über den Rhein (Destatis)
    • Chemie-, Stahl- und Mineralölindustrie am stärksten betroffen
    • Aktuelle Pegelstände: ELWIS / WSV, Pegel Kaub

      Meldung 3: Energiepreise Großhandel und Betrieb

      BDEW Quick-Check (18. August 2026): Großhandelspreise für Gas und Strom haben sich gegenüber März 2026 entspannt, bleiben aber volatil. Keine physische Gasmangellage.

      • Börsenstrompreis Großhandel August 2026 (Durchschnitt): rund 92 Euro/MWh (Vorjahr: rund 84 Euro; Krisenspitze März 2026: bis zu 140 Euro/MWh)
      • Gaspreis Großhandel TTF August 2026: rund 48 Euro/MWh (rund 37 Prozent über Vorjahreswert)
      • Europäischer Gaspreis Krisenspitze: bis zu 59 Euro/MWh (rund 64 Prozent über Januar/Februar-Schnitt)
      • Neukundenpreis Strom Gewerbe/Haushalt August 2026: rund 24,5 bis 26 Cent/kWh (je nach Quelle; Januar 2026: 23,84 Cent; April-Peak 2026: 27,24 Cent)
      • Bestandskundenpreis Strom: rund 31,1 Cent/kWh
      • Neukundenpreis Gas: rund 10,1 Cent/kWh (Stand 20. August 2026, Verivox)
      • Industriestrom-Entlastungsinstrument der Bundesregierung: rund 1,5 Milliarden Euro für circa 340 energieintensive Unternehmen
      • Zahl des Tages: fast 200 Milliarden Euro Verteidigungsausgaben bis 2030

        Von knapp 104 Milliarden Euro (2025) auf gut 198 Milliarden Euro (2030). Laut IW-Simulation steigt das BIP 2026 um 0,7 Prozent und 2027 um 0,9 Prozent. Kumulierter BIP-Effekt bis 2030: rund 96 Milliarden Euro. Staatsverschuldung steigt bis 2030 um rund 64 Milliarden Euro zusätzlich. In deutschen Verteidigungsausgaben fließen nur rund 2 Prozent in Forschung und Entwicklung (USA: 16 Prozent).

        Kurz notiert: Quellen und Hintergründe

        • IW-Konjunkturprognose BIP 2026 „knapp ein Prozent": IW Köln, Pressemitteilung
        • KfW-Betriebsmittelkredite Zinsvorteil: FIBU Magazin / KfW, April 2026
        • KfW-Programm „Gewerbe zu Wohnen", Start August 2026, Zuschuss bis 30.000 Euro je Wohneinheit, Budget 300 Millionen Euro: KfW Pressemitteilung, 30. Juli 2026
        • 7 min
        • Recht auf den Karton
          EU-Verpackungsverordnung gilt seit dem 12. August • Konformitätspflicht jetzt, Recyclingklassen ab 2030 • Bußgelder ab Februar 2027

          Darum geht es heute

          Die Verordnung (EU) 2025/40 über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) ist seit dem 12. August 2026 unmittelbar geltendes Recht in allen 27 EU-Mitgliedstaaten. Sie gilt ohne nationales Umsetzungsgesetz; in Deutschland trat parallel das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) in Kraft. Die Verordnung ist keine Umweltregel im klassischen Sinn, sondern eine Marktzugangsregel: Ohne Konformitätsnachweis darf eine Verpackung nicht in Verkehr gebracht werden.

          Meldung 1: Marktzugangsregel, nicht Umweltthema

          Die PPWR gilt unmittelbar für jeden Betrieb, der Verpackungen in Verkehr bringt: Hersteller mit eigener Marke, Importeure und Onlinehändler. LUCID-Registrierung und Systembeteiligung bleiben Pflicht. Eine generelle KMU-Ausnahme gibt es nicht; Erleichterungen gelten nur für Kleinstunternehmen (bis 10 Tonnen Verpackungsvolumen jährlich im EU-Markt).

          Meldung 2: Konformitätspflicht und Nachweislast

          „Erzeuger" im Sinne der PPWR ist, wer eine Verpackung in ihre Endform bringt. Dieser Verantwortliche muss für jede Verpackung (oder Verpackungsfamilie) eine Konformitätsbewertung durchführen, eine technische Dokumentation erstellen und eine EU-Konformitätserklärung ausstellen. Importeure müssen prüfen, ob der ausländische Erzeuger diese Pflichten erfüllt hat. Eine Selbstauskunft des Lieferanten reicht nicht: verlangt werden Prüfberichte akkreditierter Labore.

          • PFAS-Grenzwerte bei Lebensmittelkontaktverpackungen: max. 25 ppb pro Einzelsubstanz, max. 250 ppb gesamt; Summenwert Schwermetalle (Blei, Cadmium, Quecksilber, Chrom VI) max. 100 mg/kg
          • Laborkosten je Verpackungstyp: einige Hundert bis mehrere Tausend Euro
          • Harmonisierte Prüfmethode in Teilen noch ausstehend, Laborkapazität derzeit knapp
          • Meldung 3: Fristen und Recyclingklassen ab 2030

            Ab 1. Januar 2030 müssen alle Verpackungen recyclingfähig sein, eingeteilt in Leistungsklassen: Klasse A (rund 95 %), Klasse B (80 %), Klasse C (70 %). Wer Klasse C unterschreitet, verliert die Verkehrsfähigkeit. Ab 1. Januar 2038 entfällt Klasse C vollständig. Zusätzlich gelten ab 2030 Mindest-Rezyklatanteile bei Kunststoffverpackungen sowie eine Leerraumgrenze: höchstens 50 % einer Sammel-, Transport- oder E-Commerce-Verpackung dürfen Luft und Füllmaterial sein. Paletten, Palettenwicklungen und Umreifungsbänder fallen unter die Mehrwegziele.

            Kurz notiert

            • Kaffee- und Teepads gelten nach PPWR (Art. 3) als Verpackung; Systembeteiligungspflichten greifen entsprechend den nationalen Umsetzungsfristen.
            • Ab 12. Februar 2027: Pflicht im Außer-Haus-Geschäft (Bäckerei, Café, Imbiss, Metzgerei), mitgebrachte Behälter zu befüllen; kein Aufpreis erlaubt. Ab diesem Zeitpunkt sind auch Bußgelder möglich.
            • KMU-Ausnahmeregelung: keine generelle Ausnahme; eine mögliche Erweiterung der Erleichterungen für kleinere Betriebe befindet sich noch im parlamentarischen Prozess.
            • Die Zahl des Tages: 6 %

              Bis zu 6 % des Jahresumsatzes drohen Importeuren als Bußgeld bei Verstößen gegen die PPWR, zusätzlich kann der Zoll die Ware zurückhalten. Die Sanktionsfrist läuft bis Februar 2027 (Schonfrist auf Bitten der Kommission). Die Marktzugangswirkung der Verordnung gilt jedoch bereits seit dem 12. August 2026.

              Eine Sache noch

              EPR-Gebühren (Systembeteiligungsentgelte) werden künftig nach ökologischer Qualität der Verpackung gestaffelt (Ökomodulation, Art. 40 PPWR): recyclinggerechtes, sortenreines Design zahlt weniger. Der einheitliche europäische Rahmen löst die vielen nationalen Verpackungsregime ab, was Exporteuren Vereinfachung bringt. Der Handel verschärft Lieferantenanforderungen bereits jetzt.

              6 min
            • Drei Fristen, die niemand ankündigt
              BSI-Registrierung abgelaufen • E-Rechnung in vier Monaten Pflicht • Mittelstand-Nachfolge stagniert

              Meldung 1: BSI-Registrierungsfrist abgelaufen

              Die Kulanzfrist des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für die NIS-2-Registrierung endete am 31. Juli 2026. Gesetzlich war die Registrierung bereits am 6. März 2026 fällig. Von rund 29.500 betroffenen Einrichtungen hatten sich bis Ende Mai 2026 rund 18.500 registriert; die Zahlen für den Stichtag 31. Juli liegen noch nicht öffentlich vor. Nach Ablauf der Kulanzfrist ist mit konsequenterer Durchsetzung durch das BSI zu rechnen.

              Betroffene Sektoren (Auswahl, Anlagen 1 und 2 BSIG):

              • Energie, Verkehr, Bankwesen, Gesundheit, Trinkwasser, Abwasser, Öffentliche Verwaltung, Digitale Infrastruktur (Anlage 1)
              • Post- und Kurierdienste, Abfallwirtschaft, Chemie, Lebensmittelproduktion und -großhandel, Verarbeitendes Gewerbe (u.a. Medizinprodukte, Elektronik, Maschinenbau, Fahrzeugbau), Digitale Dienste (Anlage 2)
              • Schwellenwerte:

                • Besonders wichtige Einrichtungen: ab 250 Beschäftigte oder 50 Mio. Euro Umsatz und 43 Mio. Euro Bilanzsumme
                • Wichtige Einrichtungen: ab 50 Beschäftigte oder 10 Mio. Euro Umsatz und 10 Mio. Euro Bilanzsumme
                • Haftung: Die Geschäftsleitung haftet nach § 38 BSIG persönlich für die Einhaltung der NIS-2-Pflichten. Bußgeld für Verstöße gegen die Registrierungspflicht: bis zu 500.000 Euro.

                  Für die Fachabteilung: Betroffenheitsprüfung des BSI unter bsi.bund.de. Rechtsgrundlage: NIS-2-Umsetzungsgesetz (NIS2UmsuCG), in Kraft seit 6. Dezember 2025, umgesetzt im BSI-Gesetz (BSIG neue Fassung).

                  Meldung 2: E-Rechnungspflicht ab 1. Januar 2027

                  Ab 1. Januar 2027 müssen Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz (Jahr 2026) von mehr als 800.000 Euro ihre Rechnungen an inländische Geschäftskunden als strukturierte E-Rechnung nach EN 16931 ausstellen (z.B. XRechnung oder ZUGFeRD). Ein einfaches PDF erfüllt diese Anforderung nicht.

                  • Empfangspflicht: gilt für alle inländischen B2B-Unternehmen bereits seit 1. Januar 2025
                  • Ausstellungspflicht ab 1. Januar 2027: Unternehmen mit Vorjahresumsatz über 800.000 Euro
                  • Ausstellungspflicht ab 1. Januar 2028: alle übrigen inländischen B2B-Unternehmen
                  • Ausgenommen: B2C-Rechnungen, Kleinbetragsrechnungen bis 250 Euro, Kleinunternehmer nach § 19 UStG (dauerhaft von Ausstellungspflicht befreit)
                  • Maßgeblich für die 800.000-Euro-Grenze ist der Gesamtumsatz des Jahres 2026 im Sinne von § 19 Abs. 2 UStG. Rechtsgrundlage: Wachstumschancengesetz, § 27 Abs. 38 UStG.

                    Meldung 3: Unternehmensnachfolge im Mittelstand

                    Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn schätzt in seiner Studie „Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030" (Daten und Fakten Nr. 37, November 2025), dass im Zeitraum 2026 bis 2030 rund 186.000 Unternehmen in Deutschland zur Übergabe anstehen. Die Zahl der tatsächlichen Übergaben stagniert trotz zunehmender Alterung der Inhaber, weil sich die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe verschlechtert hat und Übernahmen für potenzielle Nachfolger weniger attraktiv erscheinen.

                    • Angebot-Nachfrage-Verhältnis: schlechter als 2:1 zuungunsten der Übergabewilligen
                    • Branchen mit höchsten Übergabezahlen: unternehmensbezogene Dienstleistungen, produzierendes Gewerbe, Handel
                    • Kurz notiert: Hintergrundzahlen

                      • Beitragsbemessungsgrenze GKV 2027: Anhebung um 300 Euro monatlich zusätzlich zur regulären Lohnanpassung (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, veröffentlicht 29. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt). Durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2027 prognostiziert auf 3,3 bis 3,7 Prozent (2026: 2,9 Prozent).
                      • Fachkräftemangel im Mittelstand: 44 Prozent der Betriebe mit 20 bis 199 Beschäftigten und 47 Prozent der Betriebe mit 200 bis 999 Beschäftigten berichten von Stellenbesetzungsschwierigkeiten. Quelle: DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 (Erhebung Herbst 2025, rund 22.000 Unternehmen).
                      • Zahl des Tages: 11.000

                        Stand Ende Mai 2026: Von rund 29.500 NIS-2-pflichtigen Einrichtungen hatten sich rund 18.500 beim BSI registriert. Damit fehlten zu diesem Zeitpunkt rund 11.000 Registrierungen. Die Zahlen für den Stichtag 31. Juli 2026 lagen bis Produktionsschluss nicht öffentlich vor.

                        6 min
                      • Drei Fristen, die niemand ankündigt
                        NIS-2-Vollzug läuft • E-Rechnungspflicht ab 2027 • 186.000 Nachfolgen bis 2030

                        NIS-2-Vollzug: BSI prüft seit August konsequent

                        Seit dem 1. August 2026 ist die Kulanzfrist des BSI für die Registrierung nach dem NIS-2-Umsetzungsgesetz (NIS2UmsuCG) abgelaufen. Das Gesetz ist seit dem 6. Dezember 2025 in Kraft. Von rund 29.500 registrierungspflichtigen Einrichtungen waren bis Ende Mai 2026 rund 18.500 erfasst. Die Registrierungspflicht ergibt sich aus § 33 BSIG, die persönliche Haftung der Geschäftsleitung aus § 38 BSIG.

                        Betroffene Sektoren und Schwellenwerte (für die Fachabteilung)

                        • Besonders wichtige Einrichtungen: ab 250 Beschäftigte oder über 50 Mio. Euro Umsatz und über 43 Mio. Euro Bilanzsumme
                        • 18 Sektoren, u. a. Fahrzeugbau, Medizinprodukte, elektrische Geräte, Lebensmittel, Abfallwirtschaft, Post- und Kurierdienste
                        • Bußgeld bei fehlender Registrierung: bis zu 500.000 Euro; Mängel im Risikomanagement: bis zu 10 Mio. Euro oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes
                        • Betroffenheitsprüfung: betroffenheitspruefung-nis-2.bsi.de
                        • E-Rechnungspflicht ab 1. Januar 2027

                          Ab dem 1. Januar 2027 müssen Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von mehr als 800.000 Euro im Vorjahr (2026) ihre Rechnungen für inländische B2B-Umsätze strukturiert elektronisch ausstellen (EN 16931, insbesondere XRechnung oder ZUGFeRD). Papier und einfaches PDF sind für diese Gruppe ab diesem Datum unzulässig. Empfangspflicht besteht bereits seit dem 1. Januar 2025. Ab 1. Januar 2028 gilt die Ausstellungspflicht für alle übrigen Unternehmen. Rechtsgrundlage: Wachstumschancengesetz.

                          Unternehmensnachfolge: 186.000 Übergaben bis 2030

                          Laut der Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM Bonn) „Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030" stehen im genannten Zeitraum rund 186.000 Unternehmen zur Übergabe an. Die Zahl stagniert trotz zunehmender Alterung der Inhaber. Grund: Die verschlechterte wirtschaftliche Lage macht Übernahmen für Nachfolger weniger attraktiv.

                          Kurz notiert: Sozialversicherung und Fachkräfte

                          • GKV-Zusatzbeitrag 2027: Prognosen gehen von einem weiteren Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitrags aus; Beitragsbemessungsgrenze soll zusätzlich steigen. Werte noch nicht amtlich festgesetzt.
                          • DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 (Herbst-Konjunkturumfrage 2025, knapp 22.000 befragte Unternehmen): 36 % berichten von Stellenbesetzungsschwierigkeiten; in Betrieben mit 20 bis 199 Beschäftigten sind es 44 %, bei 200 bis 999 Beschäftigten 47 %.
                          • 6 min
                          • Nadelöhr, Nachweispflicht, Neuhardenberg
                            Rhein-Rekordniedrigwasser lähmt Lieferketten • PPWR: Verpackungskonformität jetzt Pflicht • Kabinett tagt, Mittelstand wartet

                            Rhein-Rekordniedrigwasser: Operative Folgen für Einkauf und Logistik

                            Seit dem 14. August 2026 liegt der Pegel Kaub im einstelligen Zentimeterbereich. Am 17. August wurde mit fünf Zentimetern ein neues historisches Tief erreicht, zwanzig Zentimeter unter dem bisherigen Rekord vom 22. Oktober 2018 (25 cm). An acht Messstellen lagen Pegelstände unter zehn Zentimetern, an mehreren sogar unter dem jeweiligen Pegelnullpunkt (Oberwinter minus 8 cm, Worms minus 19 cm, Emmerich minus 24 cm, Neuwied minus 26 cm).

                            Frachtrate Rotterdam/Amsterdam/Antwerpen nach Karlsruhe laut Argus: 215 Euro je Tonne (Rekord seit Beginn der Preisreihe 2012). Zum Vergleich: April 2025 rund 55 Euro je Tonne. Laut DIHK können Binnenschiffe bis zu 75 Prozent weniger Ladung transportieren. Zusätzliche Engstelle: Die rechtsrheinische Bahnstrecke ist bis 12. Dezember 2026 wegen Sanierungsarbeiten für den Güterverkehr gesperrt. Mehr als 80 Prozent des deutschen Binnenschiffs-Güterverkehrs verlaufen laut Statistischem Bundesamt über den Rhein.

                            Besonders betroffen sind Chemie-, Stahl- und Mineralölindustrie. Der geschätzte Wertschöpfungsausfall im dritten Quartal 2026 beläuft sich nach ersten Berechnungen auf ein bis zwei Milliarden Euro. Kraftstofftransporte verteuern sich regional spürbar.

                            Aktueller Pegelstand: pegelonline.wsv.de

                            EU-Verpackungsverordnung PPWR: Pflichten seit 12. August 2026

                            Die PPWR (VO EU 2025/40) gilt seit dem 12. August 2026 unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. Gleichzeitig trat in Deutschland das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) in Kraft und ersetzte das bisherige Verpackungsgesetz (VerpackG).

                            Ab sofort gilt: Für jede Verpackung muss eine EU-Konformitätserklärung (Declaration of Conformity) vorliegen, die die Einhaltung der Nachhaltigkeits- und Designanforderungen belegt. Betroffen sind nahezu alle Unternehmen entlang der Lieferkette, unabhängig von Größe und Branche, auch Onlinehändler und Importeure. Kleinstunternehmen unter zehn Mitarbeitenden und zwei Millionen Euro Jahresumsatz sind von bestimmten Pflichten ausgenommen.

                            Online-Händler im Fernabsatz müssen in jedem EU-Zielland einen bevollmächtigten Vertreter benennen. Schadstoffgrenzwert: Summe aus Blei, Cadmium, Quecksilber und sechswertigem Chrom in Verpackungen maximal 100 mg/kg. PFAS-Beschränkungen für lebensmittelberührende Verpackungen greifen ebenfalls ab sofort.

                            Weitere Pflichtenstufen: Kennzeichnungspflicht ab 2028, Mindestrezyklatanteil und Recyclingfähigkeit ab 2030.

                            Merkblatt und Praxishilfen: IHK Schleswig-Holstein: PPWR-Pflichten ab August 2026

                            Kabinettsklausur Neuhardenberg: 25./26. August 2026

                            Das Kabinett Merz trifft sich am 25. und 26. August 2026 auf Schloss Neuhardenberg (Brandenburg). Tagesordnungspunkt: „Deutschland auf Kurs bringen", Schwerpunkt industrielle Wettbewerbsfähigkeit, Souveränität und Schlüsseltechnologien. Eingeladen: Siemens-Chef Roland Busch, Cohere-CEO Aidan Gomez, Handwerkspräsident Jörg Dittrich (Impulsvortrag). Programmbestandteile: Drohnendemonstration (Tytan Technologies), BKA-KI-Präsentation, Zoll-App.

                            Laut Freiburger Subventionsbericht 2026 der Stiftung Familienunternehmen erhalten Mittelstand und Familienunternehmen gesamtstaatlich nur ein Achtel der Förderung, die Dax-Konzerne bekommen. DZ-Bank-Befragung (Basis: über 1.000 Firmeninhaber und Geschäftsführer): Im Frühjahr 2026 waren 62 Prozent der Befragten zuversichtlich, zuletzt noch 39 Prozent. IWF-Prognose BIP-Wachstum Deutschland 2026: 0,7 Prozent.

                            Zahl des Tages: fast 118 Milliarden Euro Bundesinvestitionen 2027

                            Regierungsentwurf Bundeshaushalt 2027 (Kabinettsbeschluss 6. Juli 2026): Im Kernhaushalt und den Sondervermögen stehen 2027 insgesamt fast 118 Milliarden Euro an Investitionsmitteln bereit (ohne finanzielle Transaktionen). 2027 ist das dritte Jahr in Folge mit Investitionen auf Rekordniveau. Schwerpunkte: Schiene, Straße, Forschung und Entwicklung (plus 60 Prozent gegenüber 2026 im Sondervermögen), Klimaschutz, Sicherheit. Parlamentsberatungen im Herbst 2026.

                            Gesamtausgaben Bundeshaushalt 2027: 555,4 Milliarden Euro (plus 5,9 Prozent gegenüber 2026). Davon rund 110 Milliarden Euro für Verteidigung, rund 42 Milliarden Euro für Zinsausgaben.

                            7 min
                          • Zwischen Optimismus und Betriebslage
                            US-Drohnenzölle ab September • Erwerbstätigkeit fünftes Minus in Folge • ZEW-Erwartungen steigen trotz Niedrigwasser

                            Morning Brief, Mittwoch, 19. August 2026

                            Optimismus der Märkte und Lage im Betrieb laufen gerade nicht im Gleichschritt. Drei Themen, die zeigen, wo die Lücke zwischen Erwartung und Wirklichkeit liegt.

                            Meldung 1: US-Drohnenzölle ab 3. September 2026

                            Am 13. August 2026 unterzeichnete US-Präsident Trump eine Proklamation zu neuen Einfuhrzöllen auf Drohnen und Drohnenbauteile (Section 232). Ab dem 3. September 2026 gelten folgende Sätze:

                            • Drohnen ab 25 kg oder mit Wärmebildtechnik: 100 Prozent Zoll
                            • Kleinere Drohnen ohne sicherheitsrelevante Eigenschaften: 25 Prozent Zoll
                            • EU-Ursprungsware (Turnberry-Deal-Rahmen, EU-VO 2026/1455 und 2026/1461): Obergrenze 15 Prozent, nur bei nachgewiesenem Ursprung kritischer Komponenten und Technologie
                            • Annex-III-Bauteile: 25 Prozent Zoll, erst ab 9. Februar 2027
                            • Britische Drohnen: 10 Prozent Zoll
                            • Entscheidend ist die Einordnung nach HTSUS-Unterposition, nicht allein nach Gewicht oder Modellname. Die vollständigen Annex-Listen sind über die IHK Düsseldorf (Link unten) und TechZeitGeist abrufbar.

                              Meldung 2: Erwerbstätigkeit Q2 2026 (Destatis)

                              Rund 45,7 Millionen Erwerbstätige in Deutschland im zweiten Quartal 2026. Saisonbereinigt minus 53.000 Personen (minus 0,1 Prozent) gegenüber dem Vorquartal. Im Vorjahresvergleich: minus 212.000 Personen (minus 0,5 Prozent). Fünftes Quartal in Folge mit saisonbereinigtem Rückgang.

                              • Dienstleistungsbereiche: minus 27.000 Personen gegenüber Vorjahr, erstmals seit der Corona-Krise spürbar gesunken
                              • Handel, Verkehr, Gastgewerbe: minus 115.000 Personen (minus 1,1 Prozent)
                              • Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit: plus 187.000 Personen (plus 1,5 Prozent)
                              • Selbstständige: minus 58.000 Personen (minus 1,6 Prozent) auf 3,6 Millionen
                              • Arbeitsvolumen: 14,4 Milliarden Stunden (minus 0,5 Prozent gegenüber Vorjahr)
                              • Meldung 3: ZEW-Konjunkturerwartungen August 2026

                                • ZEW-Erwartungsindikator: 34,2 Punkte, plus 7,9 Punkte gegenüber Vormonat (vierter Monat in Folge)
                                • Volkswirte hatten im Schnitt 30 Punkte erwartet
                                • Lageindikator: minus 61,1 Punkte, plus 16,5 Punkte gegenüber Vormonat
                                • ZEW-Präsident Achim Wambach nennt gute Quartalszahlen und das Exporthoch als Treiber
                                • ZEW nennt Rekord-Niedrigwasser am Rhein als akutes kurzfristiges Risiko
                                • KfW-ifo-Mittelstandsbarometer August 2026: minus 13,1 Punkte, erster Rückgang nach fünf Anstiegen in Folge
                                • Kurz notiert

                                  • Rhein-Niedrigwasser: Pegel Kaub am 5. August bei 19 cm (historischer Tiefstwert zum Zeitpunkt), seitdem weiter gefallen. Frachter fahren teils nur mit einem Fünftel der normalen Ladung. Frachtpreise Karlsruhe-Rotterdam laut Bloomberg auf Allzeithoch. BASF warnt Kunden vor Lieferverzögerungen. Quelle: WirtschaftsWoche, 18. August 2026 (Link unten).
                                  • Unternehmensinsolvenzen: Im Mai 2026 minus 2,0 Prozent gegenüber Vorjahresmonat (1.995 beantragte Insolvenzen). Zuletzt gesunken im Februar 2026 (minus 1,0 Prozent). Januar bis Mai 2026 insgesamt: 10.546 beantragte Insolvenzen, plus 4,9 Prozent gegenüber Vorjahreszeitraum. Quelle: Destatis, 14. August 2026.
                                  • De-minimis-Verordnung (VO 2023/2831): Gilt bis 31. Dezember 2030, Höchstbetrag 300.000 Euro je Unternehmen im Dreijahreszeitraum. Seit 1. Januar 2026 Erfassung in zentralem Register Pflicht. Quelle: EUR-Lex.
                                  • Zahl des Tages: 14,60 Euro

                                    Ab 1. Januar 2027 steigt der gesetzliche Mindestlohn auf 14,60 Euro pro Stunde (2026: 13,90 Euro, plus 0,70 Euro). Die Minijob-Grenze steigt automatisch auf 633 Euro monatlich (2026: 603 Euro), Jahresverdienstgrenze 7.596 Euro. Mehr als 6 Millionen Beschäftigte waren bereits von der 2026er Stufe direkt betroffen. Der DGB hat Mitte August 2026 eine Orientierungshilfe veröffentlicht.

                                    Alle Quellen und weiterführenden Links

                                    Vollständige Quellenangaben siehe unten. Annex-Listen zur US-Drohnenproklamation: IHK Düsseldorf und TechZeitGeist (Links unten).

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                                  • Sommertief trügt
                                    Neuhardenberg: Wer sitzt für den Mittelstand am Tisch? • Energiepreise steigen trotz Entspannung • Insolvenzen: Aufwärtstrend hält an

                                    Meldung 1: Kabinettsklausur Neuhardenberg

                                    Am 25. und 26. August 2026 tagt das Kabinett auf Schloss Neuhardenberg (Brandenburg). Tagesordnungspunkt: „Deutschland auf Kurs bringen". Eingeladen sind Siemens-Chef Roland Busch, Cohere-CEO Aidan Gomez (Cohere hatte zuletzt Aleph Alpha übernommen) sowie Handwerkspräsident Jörg Dittrich (Impulsvortrag). Auf dem Programm stehen zudem Innovationsvorführungen: KI-Einsatz des BKA, Zoll-App zur digitalen Personenüberprüfung, Flugdemonstration einer Abfangdrohne von Tytan Technologies.

                                    • KfW/ifo Mittelstandsbarometer Juli 2026: Geschäftsklima plus 4 Zähler auf minus 17,3 Saldenpunkte
                                    • IMD-Standortranking 2026: Deutschland Platz 23 (2025: Platz 19; 2017: Platz 13)
                                    • Meldung 2: Energiepreise, das Sommertief das keines ist

                                      Gas kostet im Großhandel aktuell rund 48 Euro je Megawattstunde, rund 37 Prozent über dem Vorjahreswert. Strom liegt bei etwa 92 Euro je Megawattstunde, rund 9 Prozent über Vorjahr. Der BDEW bestätigt in seinem Quick-Check vom 11. August 2026: keine physische Gasmangellage, Märkte gegenüber März entspannt, aber volatil.

                                      • Neukunden-Strompreis Deutschland August 2026: 24,5 Cent/kWh (August 2025: 27,3 Cent/kWh, minus 10,3 %)
                                      • Bestandskunden-Strompreis August 2026: 31,1 Cent/kWh (minus 12,2 % zum Vorjahr)
                                      • KWKG-Umlage 2026: 0,446 Cent/kWh, plus 61 % gegenüber Vorjahr
                                      • Offshore-Netzumlage 2026: plus rund 15 %
                                      • Österreichischer Gaspreisindex August 2026: 52,56 Euro/MWh, plus 38,7 % gegenüber August 2025
                                      • Österreichischer Strompreisindex August 2026: 116,79 Euro/MWh, plus 43,6 % gegenüber August 2025
                                      • Stromsteuer KMU 2026: 2,05 Cent/kWh; produzierendes Gewerbe und Landwirtschaft: 0,05 Cent/kWh
                                      • Meldung 3: Insolvenzen, der Trend hält

                                        Mai 2026: 1.995 beantragte Unternehmensinsolvenzen, minus 2,0 % gegenüber Mai 2025. Januar bis Mai 2026: 10.546 Insolvenzen, plus 4,9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gläubigerforderungen Januar bis Mai 2026: rund 15,4 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 25,7 Milliarden Euro). Der Rückgang der Forderungssumme trotz steigender Fallzahl erklärt sich damit, dass die betroffenen Unternehmen kleiner sind als 2025.

                                        • Insolvenzhäufigkeit Januar bis Mai 2026 je 10.000 Unternehmen: Verkehr/Lagerei 57,2 Fälle, Gastgewerbe und Bau folgen
                                        • Gesamtjahr 2025: 24.064 Insolvenzen (plus 10,3 % gegenüber 2024, höchster Stand seit 2014)
                                        • Allianz Trade Prognose 2026: rund 24.500 Insolvenzen erwartet
                                        • Gläubigerforderungen 2025 gesamt: rund 47,9 Milliarden Euro; betroffen bis zu 285.000 Arbeitsplätze
                                        • Kurz notiert: Quellen und Details

                                          • KfW/ifo Mittelstandsbarometer Juli 2026: Geschäftsklima minus 17,3 Saldenpunkte, plus 4 Zähler; Erwartungen verbessert in allen Wirtschaftsbereichen; Lagebeurteilung weiterhin schwach (KfW/ifo, 29. Juli 2026)
                                          • Erzeugerpreise gewerblicher Produkte Juni 2026: plus 1,8 % gegenüber Juni 2025; minus 0,3 % gegenüber Mai 2026 (Destatis, August 2026)
                                          • IMD World Competitiveness Ranking 2026: Deutschland Platz 23 von 67 (2025: Platz 19; 2017: Platz 13). Quelle: IMD, veröffentlicht 19. Juni 2026, zitiert im MIT-Konjunkturbrief August 2026
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                                          • Wer nicht am Tisch sitzt, steht auf der Speisekarte
                                            Gästeliste Neuhardenberg • Subventionen: ein Achtel für den Mittelstand • 39 Prozent Vertrauen

                                            Kabinettsklausur Neuhardenberg: Wer eingeladen ist, und wer fehlt

                                            Das Bundeskabinett trifft sich am 25. und 26. August auf Schloss Neuhardenberg zu einer zweitägigen Klausur. Zentraler Tagesordnungspunkt: „Deutschland auf Kurs bringen", mit den Schwerpunkten industrielle Wettbewerbsfähigkeit, Souveränität und Schlüsseltechnologien. Eingeladen sind unter anderem Siemens-Chef Roland Busch und Aidan Gomez, Vorstandschef des kanadischen KI-Unternehmens Cohere, das zuletzt Aleph Alpha übernommen hat. Handwerkspräsident Jörg Dittrich hält einen Impulsvortrag, der breite Mittelstand ist darüber hinaus nicht auf der Agenda. Geplant sind außerdem eine Flugdemonstration einer Abfangdrohne, eine Präsentation des Bundeskriminalamts zum KI-Einsatz sowie die Vorstellung einer App des Zolls zur digitalen Personenüberprüfung. Quelle: dts Nachrichtenagentur via Politico, veröffentlicht 13. August 2026.

                                            Reformpaket Juli 2026: 34 Maßnahmen, darunter das Berichtsentlastungsgesetz

                                            Die Koalitionsspitzen von CDU/CSU und SPD haben sich am 1. Juli 2026 auf ein 34-Punkte-Reformpaket geeinigt, das Bundeskanzler Friedrich Merz als „Programm für Aufschwung und Beschäftigung" bezeichnete. Bestandteil ist das Berichtsentlastungsgesetz: Gesetzliche Berichtspflichten gegenüber staatlichen Stellen sollen pauschal wegfallen; Ministerien müssen die Notwendigkeit verbleibender Pflichten ausdrücklich begründen. Die Maßnahmen sind beschlossen, aber noch nicht Gesetz.

                                            Freiburger Subventionsbericht 2026: Verteilung zulasten des Mittelstands

                                            Das gesamtstaatliche Subventionsvolumen beläuft sich 2026 auf 321,3 Milliarden Euro, rund 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das entspricht rechnerisch 7.012 Euro je Erwerbstätigen. Der Mittelstand erhält laut Bericht lediglich etwa 1 Prozent der Finanzhilfen, obwohl er rund die Hälfte der Wertschöpfung erbringt und einen vergleichbaren Anteil der Unternehmenssteuern trägt. Familienunternehmen und Mittelstand werden damit nur mit etwa einem Achtel gefördert, verglichen mit Dax-Konzernen. Lars Feld (Walter Eucken Institut, Universität Freiburg) empfiehlt eine pauschale Kürzung der Finanzhilfen. Gefördert wurde der Bericht von der Stiftung Familienunternehmen. Genaue Zahlen zur Subventionsverteilung in den Shownotes.

                                            Zahl des Tages: 39 Prozent

                                            In einer Befragung der DZ Bank unter mehr als 1.000 Geschäftsführern und Entscheidern aus dem Mittelstand gaben im Frühjahr 2025 noch 62 Prozent an, die Regierung könne die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs bringen. Zuletzt waren es nur noch 39 Prozent. Als Hauptgrund nennt die DZ Bank enttäuschte Erwartungen bei Bürokratieabbau, Energiepreisen und Steuern.

                                            Kurz notiert: Bürokratiekosten und IW-Befund

                                            Das Statistische Bundesamt weist die amtlichen Bürokratiekosten (Berichts- und Dokumentationspflichten aus Bundesgesetzen) mit rund 62,5 Milliarden Euro für 2025 aus. Das Koalitionsziel lautete: Entlastung um 25 Prozent, rund 16 Milliarden Euro. Laut IW-Zukunftspanel (52. Welle, Herbst 2025, über 1.000 Betriebe) berichten rund 80 Prozent der Unternehmen von einem gestiegenen Bürokratieaufwand in den vergangenen drei Jahren; mehr als die Hälfte spricht von einem deutlichen Anstieg.

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                                          • Kurzarbeit, Fördermilliarden und die Lieferketten-Falle
                                            KfW-Rekordzusagen gehen an vielen Betrieben vorbei • Kurzarbeit-Frist läuft Ende 2026 aus • CSDDD: Kleindruck, aber langer Arm

                                            KfW Halbjahreszahlen 2026: Wo das Geld landet und wo nicht

                                            KfW Gesamtzusagen erstes Halbjahr 2026: 57,7 Milliarden Euro (+46 % gegenüber Vorjahreszeitraum). Inländische Förderung: 38,9 Milliarden Euro (Vorjahr: 25,3 Milliarden Euro). Mittelstandsbank gesamt: 16,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 10,2 Milliarden Euro). Davon Klimawandel und Umwelt: 11,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 5,3 Milliarden Euro, mehr als verdoppelt). Davon Gründung und Unternehmensinvestitionen: 3,9 Milliarden Euro (Vorjahr: 3,3 Milliarden Euro).

                                            ERP-Förderkredit KMU (Programm 365/366): finanziert 100 % der Investitionskosten ohne Eigenkapitalpflicht (sofern Bonität gegeben), nutzbar auch für Betriebsmittel und Unternehmensübernahmen. KfW-Förderkredit Mittelstand (375/376) für größere Mittelständler bis zu 25 Millionen Euro, gleiche Palette. Die KfW bietet mehr als 20 aktive Förderangebote für Betriebe, Gründer und Handwerker.

                                            Neue Kreditinstrumente Energieinfrastruktur (Deutschlandfonds, ab 3. August 2026): Investitionskredit Energieversorgung und KfW-Konsortialkredit Energieversorgung.

                                            Kurzarbeit: Die 24-Monate-Frist und was ab Januar 2027 gilt

                                            Die Vierte Verordnung über die Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld (4. KugBeV) gilt seit dem 1. Januar 2026 und verlängert die maximale Bezugsdauer auf 24 Monate, längstens bis zum 31. Dezember 2026. Ab dem 1. Januar 2027 gilt die reguläre gesetzliche Bezugsdauer von 12 Monaten, sofern keine neue Verordnung beschlossen wird. Das gilt auch für Betriebe, die die 24 Monate bis dahin noch nicht voll ausgeschöpft haben.

                                            Wichtige Detailregeln: Die Bezugsdauer beginnt mit dem ersten Kalendermonat, für den Kurzarbeitergeld gezahlt wird. Bei einer Unterbrechung von drei oder mehr aufeinanderfolgenden Monaten ohne Kurzarbeitergeld beginnt eine neue Bezugsdauer. Kurzarbeitergeld beträgt 60 % des pauschalierten Nettoentgeltausfalls, bei Beschäftigten mit mindestens einem Kind 67 %.

                                            Arbeitsmarkt Juli 2026: Gesamtarbeitslosigkeit stieg saisonbedingt um 71.000 auf 3.007.000 Personen; saisonbereinigt +6.000. Arbeitslosenquote: 6,4 %. Im Mai 2026 bezogen nach vorläufigen hochgerechneten Daten 126.000 Beschäftigte konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Im Juli wurden für rund 25.000 Personen neu konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt (Meldezeitraum 1. bis 27. Juli 2026).

                                            Für die Fachabteilung: Zugangsvoraussetzungen, Antragsmodalitäten und aktuelle Merkblätter (Merkblatt 8a, gültig ab Januar 2026) bei der Bundesagentur für Arbeit: arbeitsagentur.de/kurzarbeitergeld

                                            EU-Lieferkettenrichtlinie CSDDD nach Omnibus I: Was gilt, was nicht, was trotzdem kommt

                                            Die Änderungsrichtlinie (EU) 2026/470 (Omnibus I) wurde am 26. Februar 2026 im Amtsblatt der EU veröffentlicht und ist am 18. März 2026 in Kraft getreten. Neue Schwelle: nur Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten UND mehr als 1,5 Milliarden Euro weltweitem Nettoumsatz fallen direkt in den Anwendungsbereich. Direkte Anwendung für Unternehmen erst ab 26. Juli 2029 (gestaffelte Wellen entfallen). Deutschland muss bis 26. Juli 2028 ein neues nationales Gesetz verabschieden ("Gesetz über die internationale Unternehmensverantwortung").

                                            Das bestehende LkSG gilt bis zur Ablösung weiter, allerdings ohne BAFA-Berichtsprüfung (eingestellt zum 1. Oktober 2025, Kabinettsbeschluss September 2025). Sorgfalts- und Dokumentationspflichten für direkt erfasste Unternehmen bleiben bestehen. Indirekte Betroffenheit für KMU als Zulieferer: Fragebögen, Verhaltenskodizes und Vertragsklauseln von Großkunden bleiben das operative Instrument. EU-Geldbußen für Verstöße: maximal 3 % des weltweiten Umsatzes; die EU-einheitliche zivilrechtliche Haftungsgrundlage wurde durch Omnibus I gestrichen.

                                            Zahl des Tages: 35.000 weniger gemeldete Ausbildungsstellen

                                            Im Juli 2026 waren bei der Bundesagentur für Arbeit insgesamt 437.000 Ausbildungsstellen gemeldet, 35.000 weniger als im Juli 2025. Davon waren 162.000 noch unbesetzt. Seit Oktober 2025 haben sich 418.000 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet (4.000 mehr als im Vorjahresmonat); 126.000 haben ihre Suche bis Juli erfolgreich abgeschlossen (11.000 weniger als im Vorjahr); 147.000 haben weder Stelle noch Alternative gefunden.

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                                          • Lage besser als die Stimmung
                                            Exporte legen kräftig zu • BIP wächst zweites Quartal in Folge • Lkw-Index zeigt Belebung

                                            Meldung 1: Exporte Juni 2026

                                            Die deutschen Exporte sind im Juni 2026 gegenüber Mai 2026 kalender- und saisonbereinigt um 0,9 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat legten die Ausfuhren um 6,6 Prozent zu, die Importe sogar um 8,4 Prozent. Im gesamten ersten Halbjahr 2026 wurden 3,7 Prozent mehr Waren exportiert als im Vorjahreszeitraum. Laut Destatis wurden im Juni 2026 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro ausgeführt, ein neuer Monatshöchstwert.

                                            Meldung 2: BIP zweites Quartal 2026

                                            Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem ersten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent gewachsen. Der Jahresauftakt wurde von Destatis auf plus 0,4 Prozent nach oben revidiert (zuvor: plus 0,3 Prozent). Im Vorjahresvergleich liegt das BIP um 0,9 Prozent höher. Die Exporte trugen zum Wachstum bei; Konsumausgaben blieben verhalten, die Investitionen gingen zurück.

                                            Meldung 3: Lkw-Maut-Fahrleistungsindex Juli 2026

                                            Die Fahrleistung mautpflichtiger Lastkraftwagen mit mindestens vier Achsen auf Bundesautobahnen ist im Juli 2026 gegenüber Juni 2026 kalender- und saisonbereinigt um 0,8 Prozent gestiegen. Im Vorjahresvergleich liegt der Index 0,5 Prozent im Minus. Der Index gilt als Frühindikator für die Industrieproduktion und ist etwa einen Monat früher verfügbar als der offizielle Produktionsindex. Herausgeber: Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) und Statistisches Bundesamt (Destatis).

                                            Kurz notiert: Hintergrundzahlen

                                            Betriebsgründungen Q1 2026: rund 37.500 Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung gegründet, plus 2,8 Prozent gegenüber Vorjahreszeitraum. Gesamtzahl Gewerbeneugründungen: rund 188.900, plus 10,1 Prozent. Vollständige Gewerbeaufgaben: rund 139.400, minus 2,0 Prozent. (Quelle: Destatis, 13. Mai 2026)

                                            Inflation Juli 2026: Gesamtrate 2,8 Prozent, amtlich bestätigt am 12. August 2026. Kerninflation (ohne Nahrungsmittel und Energie): 2,4 Prozent. Energiepreise plus 8,3 Prozent zum Vorjahr; Kraftstoffe plus 23 Prozent. (Quelle: Destatis)

                                            Ausbildungsalter-Anteil an der Bevölkerung: Details und Quellenangaben in den Shownotes-Links unten.

                                            Zahl des Tages

                                            6,6 Prozent: Vorjahresplus der deutschen Exporte im Juni 2026 laut Destatis (vorläufige Ergebnisse). Exportwert kalender- und saisonbereinigt: 139,3 Milliarden Euro, neuer Monatshöchstwert.

                                            5 min

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