Stellt euch vor, ein Richter verhängt eine zehn Monate längere Haftstrafe, weil er kurz zuvor eine irrelevante Zahl gehört hat. Klingt irrational? Das ist der Anker-Effekt, die robusteste kognitive Verzerrung, die wir kennen. Ihr glaubt, euer Fachwissen schützt euch davor? Die Forschung sagt: Falsch gedacht!
In dieser Folge zeige ich euch, warum die erste Zahl, die ihr in einer Verhandlung, einer Schätzung oder einer medizinischen Diagnose hört, euer Urteilsvermögen systematisch verzerrt. Ich tauche tief in die Studien von Tversky, Kahneman und Strack ein und erkläre den wahren Mechanismus: das Selective Accessibility Model (SAM).
In dieser Folge erfahrt ihr:
🎯 Warum das Glücksrad-Experiment beweist, dass willkürliche Zahlen euer Urteil verdoppeln können.
🧠 Der Mythos der rationalen Anpassung: Warum das Anchoring-and-Adjustment-Modell überholt ist.
⚙️ Das Selective Accessibility Model: Wie der Anker eure Wissensbasis automatisch umschreibt.
⚖️ Die schockierende Richterstudie: Der Beweis, dass Expertise den Effekt sogar verstärken kann.
💡 Die Meta-Kognition der Meisterschaft: Was ihr tun müsst, um der subtilen Manipulation zu entgehen.
Erkennt, dass der Anker-Effekt keine Schwäche eurer Intelligenz ist, sondern eine fundamentale Eigenschaft eures kognitiven Systems – vergleichbar mit einer optischen Täuschung. Ich zeige euch den stärksten Auslöser und wie ihr in Zukunft bewusst innezuhaltet, um die selektive Verzerrung zu durchbrechen.
Hinweis: Diese Folge ordnet die Studienlage der Kognitionspsychologie und Verhaltensökonomie ein und dient der allgemeinen Information. Sie ersetzt keine professionelle psychologische, medizinische oder rechtliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Quellen: Tversky & Kahneman (1974), Strack & Mussweiler (1997), Englich & Mussweiler (2001).