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„Wenn das so ein Gespräch ist, die Person hat nicht mal Hallo gesagt und fragt mich, woher ich komme, je nachdem wie gut gelaunt ich bin an dem Tag, dann sage ich auch mal, ja, ich bin Deutsch.“
In dieser Episode erzählt Andisheh Ebrahimnejad u.a., wie sie mit der Frage nach ihrer Herkunft umgeht, besonders in unpassenden Momenten. Sie beschreibt das Gefühl, wie in einem Verhör zu stehen, und die ständige Notwendigkeit, sich zu erklären. Darüber hinaus spricht sie über die Reaktionen auf ihre Antwort „Ich bin deutsch“.
„Wenn ich sage, ich bin Iranerin, dann fragt man mich so historische Sachen über Iran, und ich denke, woher soll ich das denn wissen, ich habe jetzt nicht Iranistik studiert…“ Sie beschreibt das Gefühl, stets als Repräsentantin aller Iraner wahrgenommen zu werden und oft zu historischen oder kulturellen Themen befragt zu werden, die sie nicht beantworten kann, da sie keine Expertin für das gesamte Land ist.
Wir sprechen auch über die Bedeutung der Umgebung und die Auswirkungen kultureller Vielfalt auf das Zugehörigkeitsgefühl. Andisheh teilt ihre positiven Erfahrungen in Berlin, wo sie in einer multikulturellen Nachbarschaft aufwuchs.
Wir diskutieren, wie die wiederholte Hinterfragung der Identität dazu führen kann, dass sich Menschen zurückziehen. Andisheh gibt Einblicke in ihre Erfahrungen am Arbeitsplatz, wo sie oft das Gefühl hatte, ihre religiösen Praktiken wie das Fasten während des Ramadans verbergen zu müssen, um als „deutsch“ akzeptiert zu werden.
Unsere Diskussion berührt auch die Unterschiede zwischen den Generationen und die sich wandelnden Einstellungen gegenüber Herkunft und Zugehörigkeit. Wie hat sich die Wahrnehmung von Identität und Zugehörigkeit über die Generationen hinweg verändert?
Andisheh schildert, wie sie ohne Deutschkenntnisse ankam und aufgrund der Sprachbarriere zunächst in die erste Klasse eingestuft wurde, obwohl sie eigentlich in die vierte Klasse gehörte. Innerhalb von sechs Monaten lernte sie Deutsch und konnte in die richtige Klasse wechseln. Doch diese ersten Monate waren einsam und hart, da sie keine Freunde fand und oft verspottet wurde. Wie beeinflusst diese Einsamkeit die Entwicklung eines Kindes?
Andisheh berichtet, wie sie und andere Schüler mit Migrationsgeschichte in spezielle Klassen gesteckt wurden, weil man ihnen von vornherein weniger zutraute. Doch entgegen den Erwartungen schafften es alle, die Klasse nicht nur zu bestehen, sondern auch weiterzukommen.
Ein weiteres Thema unseres Gesprächs sind die Unterschiede innerhalb der iranischen Community in Deutschland. Andisheh berichtet von den Schwierigkeiten, die ihre Mutter als gläubige Muslima mit Hijab und sie als gläubige Muslimin innerhalb der Community hatten. Was bedeutet es, wenn man selbst in der eigenen Community Ablehnung erfährt? Wie findet man dann seine eigene Identität und Zugehörigkeit?
Infos über Andisheh:
https://www.linkedin.com/in/andisheh-ebrahimnejad/
www.dastanconsulting.com
Andisheh ist Trainerin und Beraterin für strategische HR Themen und Diversity, Equity, Inclusion & Belonging. Sie gründete DASTAN Consulting und hilft Unternehmen, ein modernes und inklusives Arbeitsumfeld zu schaffen. In den letzten acht Jahren half sie Start-ups und Unternehmen, moderne HR-Prozesse zu implementieren und mit hochfunktionalen Teams zu wachsen. Andisheh, geboren im Iran und als Migrantentochter in Deutschland aufgewachsen, möchte mehr Sichtbarkeit gegen Rassismus und Diskriminierung schaffen.
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Joscha Grunewald
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"Wann bin ich wirklich ich selbst, wann bin ich mein authentisches Selbst und wann folge ich der Fiktion anderer?"
Diese Frage von meinem Gast Emre bildet den zentralen Kern der neuesten Episode und zieht sich wie ein roter Faden durch das Gespräch. Wir sprechen über die Schwierigkeit, eine authentische Identität aufzubauen, wenn man ständig von außen mit bestimmten Zuweisungen, Eigenschaften und Erwartungen konfrontiert wird. Wie kann man sich selbst finden, wenn die Herkunft, das familiäre Umfeld und die gesellschaftlichen Normen einen in enge Schubladen stecken wollen?
Emre und ich sind beide in kleinen Orten in Niederbayern aufgewachsen, hatten ein schwieriges Verhältnis zu unseren Vätern, sind von unseren Müttern geprägt worden, sind in Armut groß geworden und haben mit einem Hauptschulabschluss die Schule verlassen. Trotz dieser Herausforderungen haben wir es über Umwege geschafft, im Tech-Bereich Karriere zu machen. Doch wie gelang uns dieser Weg?
In der Episode erzählt Emre von den inneren und äußeren Kämpfen, die er durchstehen musste. Die Angst vor Ablehnung in der queeren Community, die Erwartungen seiner Familie und die Vorurteile der Gesellschaft waren ständige Begleiter auf seinem Weg zur Selbstakzeptanz. Toxische Männlichkeit und Rassismus verstärkten diesen Druck zusätzlich und machten es noch schwieriger, ein authentisches Selbst zu finden. Emres Geschichte über seine erste Liebe, das schmerzhafte Outing gegenüber seiner Mutter und die tiefe Wut, die er empfand, als seine Familie seine Identität infrage stellte, sind ebenso bewegend wie inspirierend.
Was bedeutet es, seine eigene Identität zu finden, wenn die eigene Familie ein starres Bild von einem hat? Wie geht man mit der Ablehnung der eigenen Community um, wenn man nicht den stereotypischen Vorstellungen entspricht? Und wie kann man trotz alledem ein erfülltes und erfolgreiches Leben führen?
Wie schafft man es, authentisch zu sein in einer Welt, die einem ständig Identitäten zuweist? Kann man die Liebe und Akzeptanz der Familie gewinnen, ohne sich selbst zu verleugnen? Was passiert, wenn man die eigenen Ambivalenzen akzeptiert und sich gegen die Fiktionen anderer stellt?
Diese und viele weitere Fragen diskutieren wir in einer offenen und ehrlichen Unterhaltung. Emres Leben zeigt, wie wichtig es ist, seine Emotionen nicht zu unterdrücken, sondern sich ihnen zu stellen und authentisch zu leben. Seine Geschichte ist ein starkes Beispiel dafür, wie man trotz widriger Umstände und innerer Konflikte seinen eigenen Weg findet.
Hört rein und lasst euch von Emres inspirierender Reise berühren.
Mehr über Emre:
Emre Celik (he/they) ist ein mehrfach ausgezeichneter Anti-Diskriminierungsexperte, der ein innovatives Anti-Diskriminierungs-Ökosystem eingeführt hat, um Diskriminierung zu bekämpfen. Emre arbeitet bei Google DeepMind als People and Culture Partner in der “Künstlichen Intelligenz”-Abteilung. Zuvor war er als EMEA Employee Relations & Investigations Partner tätig und untersuchte Fehlverhalten am Arbeitsplatz"
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Joscha Grunewald
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"Wenn man jemanden fragt, wo er herkommt, dann akzeptiere doch, wenn er sagt, ich bin aus Lübeck oder ich bin Franzose oder ich bin sonst was. Und bohre dann nicht weiter nach." Das sagt Nadja in der neuesten Episode und bringt eine essenzielle Botschaft unseres Gesprächs auf den Punkt: die Akzeptanz der selbstdefinierten Identität ohne Nachhaken oder Infragestellen.
Nadja ist in Lübeck geboren und aufgewachsen, ihr Vater ist Muslim und ihre Mutter ist Christin, ihre Muttersprache ist Deutsch. Sie hat das typisch norddeutsche Leben geführt mit Traditionen wie Laternenlaufen und Nikolaus. Doch ihr Deutschsein wurde oft aufgrund ihres Aussehens infrage gestellt.
Sie spricht über die unangenehmen Situationen, die mit der Frage nach der „wirklichen“ Herkunft verbunden sind. Diese Frage wurde häufig in unpassenden Momenten gestellt, wie bei Vorstellungsgesprächen oder Wohnungsbesichtigungen. Sie erzählte von einer Begebenheit in Heidelberg, wo eine Vermieterin hartnäckig nach ihren „wirklichen“ Wurzeln fragte, obwohl Nadja wiederholt betonte, dass sie aus Lübeck stammt.
Im Vergleich dazu schilderte Nadja ihre Erfahrungen in Kanada, wo sie vor 1,5 Jahren mit ihrer Familie ausgewandert ist, einem Land, das sich als Mosaik verschiedener Kulturen versteht.
Ihre Familie, die sie liebevoll als „United Nations“ bezeichnet, spiegelt ihre vielfältigen Wurzeln wider: ein Viertel palästinensisch, ein Viertel deutsch und halb marokkanisch. Doch ihre Kinder, die in Frankfurt aufwuchsen und die französische Staatsbürgerschaft besitzen, identifizieren sich hauptsächlich als Deutsche und Frankfurter.
Nadja ist eine gläubige Muslima und betont die Bedeutung von universellen Werten wie Ehrlichkeit, Respekt und Hilfsbereitschaft, die sowohl im Islam als auch im Christentum zentral sind. Sie vermittelt diese Werte auch ihren Kindern und schafft so eine Brücke zwischen den Kulturen und Religionen ihrer Eltern.
Ein anderes Thema unseres Gesprächs ist, wie stark persönliche Beziehungen die Übernahme kultureller Identität beeinflussen. Nadja lernte zum Beispiel Arabisch nicht von ihrem palästinensischen Vater, sondern von ihrer algerischen Stiefmutter, zu der sie eine enge Beziehung hatte und sich mit ihr identifizierte. Diese Erfahrung unterstreicht, dass kulturelle Identität und Sprachkenntnisse oft mehr durch persönliche Bindungen als durch biologische Abstammung geprägt werden.
Besonders bewegend ist Nadjas Geschichte über den Verlust ihrer leiblichen deutschen Mutter und die Herausforderungen, die dieser Verlust mit sich brachte. Trotz ihres norddeutschen Aufwachsens wurde ihr oft das Deutschsein abgesprochen, was sie als besonders schmerzhaft empfindet, weil es auch die Verbindung zu ihrer Mutter ist.
Diese Episode zeigt eindrucksvoll, wie Nadjas Erfahrungen und Einsichten uns daran erinnern, dass Zugehörigkeit und Identität viel mehr sind als nur nationale oder religiöse Etiketten und wie wichtig es ist, Menschen in ihrer Gesamtheit zu sehen und ihre selbstdefinierte Identität zu respektieren.
Mehr über Nadja:
Nadja ist Übersetzerin im Marketing bei einer amerikanischen Firma tätig. Gleichzeitig ist Co-Chair der Employee Resource Group "Connecting Cultures". Employee Resource Groups sind Mitarbeitergruppen, die sich aufgrund gemeinsamer Merkmale oder Lebenserfahrungen an ihrem Arbeitsplatz zusammenschließen. Sie arbeiten eng mit Inclusion & Diversity zusammen. In ihrer Rolle organisiert sie Meetings, Podiumsdiskussionen und Fireside Chats zu Themen rund um verschiedene Kulturen.
https://www.linkedin.com/in/deiadvocate/
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Joscha Grunewald
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"... am Anfang siehst du dich vielleicht sogar als Deutsch und fühlst dich zugehörig, weil du die Andersbehandlung, die du ja erfährst, egal ob jetzt in der Schule oder auf der Straße oder auch die deiner Eltern, das verstehst du nicht direkt, dass es Rassismus ist. Und danach verstehst du das und dann fällt es dir schwer, dich mit einem Land zu identifizieren, das dich so behandelt, dass deine Eltern so behandelt und dass dir das Deutschsein auch abspricht," sagt meine Gästin Asmahan in der neuesten Episode, wenn sie darüber spricht, wie das Zugehörigkeitsgefühl durch die Erfahrungen in der Gesellschaft sich entwickelt.
Asmahan teilt ihre persönlichen Erfahrungen und ihr sehr umfangreiches und fundiertes Wissen über die Herausforderungen, die Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland täglich bewältigen müssen. Wir führen ein tiefgehendes, teilweise emotionales Gespräch über Rassismus, Zugehörigkeit, Herkunft und Identität und analysieren, wie diese Themen zusammengehören und was sie für die individuelle Entwicklung und das Zusammenleben in unserer Gesellschaft bedeuten.
Welche Rolle spielt die Frage "Woher kommst du wirklich?" im Alltag von Menschen, denen diese Frage in verschiedenen Situationen gestellt wird? Wie beeinflusst diese Frage das Selbstbild und die Identität der Betroffenen? Asmahan erklärt, warum diese Frage oft weniger aus echter Neugier, sondern mehr aus einer Erwartungshaltung heraus gestellt wird und welche stereotypen und rassistischen Folgefragen daraus resultieren können.
Wie gehen Kinder und Jugendliche mit den subtilen und offenen Formen des Rassismus um, denen sie in Schulen und anderen Institutionen begegnen? Asmahan erzählt sehr eindrucksvoll von ihren eigenen Erlebnissen in der Schulzeit, von individuellen Diskriminierungen bis hin zu strukturellem Rassismus, und wie ihre Mutter als Fürsprecherin eine entscheidende Rolle in ihrer Bildungslaufbahn spielte.
Was bedeutet es, "deutsch" zu sein, und wer entscheidet das? Welche Kriterien bestimmen, ob jemand als "deutsch" wahrgenommen wird? Und wie wirkt sich das auf das Gefühl der Zugehörigkeit und Identität aus?
Warum ist es so schwierig, sich mit einem Land zu identifizieren, das einen aufgrund äußerlicher Merkmale als "nicht dazugehörig" einstuft? Welche Strategien können helfen, eine positive Identität und Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln?
Wir haben noch viele weitere Themen besprochen, die sehr viele Menschen in unserer Gesellschaft bewegen.
Ich bin beeindruckt von Asmahans Wissen und Erfahrung im Bereich Rassismus und Diversity. Ich habe sehr viel gelernt und viel nachgedacht nach dem Gespräch.
Wenn ihr euch tiefgehend mit den Themen Rassismus, Zugehörigkeit und Herkunft beschäftigen wollt, hört zu, was Asmahan erzählt.
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Asmahan Gamgami ist freiberufliche Diversity-Trainerin und Beraterin, Aktivistin, Lehrbeauftragte an der Hochschule Bochum und Senior Diversity Managerin bei der Baumarkt Handelskette Obi Group Holding SE & Co. KGaA.
Webseite: https://www.bewerbung4u.de/
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/asmahan-gamgami-7885b21b0/
Instagram: https://www.instagram.com/bewerbung_4u/
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Joscha Grunewald
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„Wir werden nicht gesehen. Wir werden nicht ernst genommen. Unser Schmerz wird nicht ernst genommen. Wir müssen uns selbst darum kümmern. Wir müssen laut genug werden, um gesehen zu werden.“
So sagt Jennifer in der neuesten Episode, als sie erzählt, wie sie mit 21 Jahren nach dem schrecklichen Mord an George Floyd durch einen Polizisten in den USA die Black Lives Matter-Demo in München 2020 mitorganisierte. Es war nicht nur der Tod von George Floyd, sondern auch ihre eigenen Rassismuserfahrungen in München, die dazu geführt haben, dass sie sehr früh politisiert wurde. Im Podcast sprechen wir darüber, wie stolz ihre Eltern waren, dass sie 25.000 Menschen mobilisieren und dort eine Rede halten konnte, und wie rührend dieser Stolz für sie war.
„Ohne diese Frage hätte ich diese Identitätskrise als Kind nicht durchlebt. Dann wäre es auch nicht dazu gekommen, dass ich mich so intensiv mit Benin auseinandersetzen musste, dass ich so einen Stolz aufbauen konnte.“ Das sagt sie in Bezug auf die Frage nach der „wirklichen“ Herkunft, die ihr und anderen jungen Menschen gestellt wird, die in Deutschland geboren sind und sich als Teil der deutschen Gesellschaft sehen. Diese Frage verändert jedoch oft ihr Selbstverständnis im Laufe der Zeit.
Wir reden über die Resignation junger Menschen, die sich in ihre Communities zurückziehen, weil sie sich von der Gesellschaft nicht akzeptiert fühlen.
Jennifer erzählt auch von ihren Ohnmachtsgefühlen bei rassistischen Erfahrungen – sowohl ihren eigenen als auch denjenigen, die ihre Eltern machen und die sie als Kind miterlebt. Für viele Menschen ist letzteres sogar noch schmerzhafter. Wenn Jennifer darüber spricht, wird sie sehr emotional und die Tränen kommen ihr.
Besonders schlimm ist für sie die Erfahrung mit Rassismus von Menschen, die eigentlich helfen sollten, wie Polizisten, Ärzten und Lehrern.
Jennifer gibt Workshops über Rassismus für Kinder und Erwachsene und teilt ihre Erfahrungen im Podcast. In diesem Zusammenhang besprechen wir folgende Themen und Fragen:
Junge Menschen haben generell Schwierigkeiten beim Erwachsenwerden mit ihrer Identitätsbildung, machen viele Unsicherheiten durch, sammeln ihre ersten Erfahrungen mit Liebesbeziehungen und beruflichen Entscheidungen. Wenn dazu noch Rassismuserfahrungen kommen, wird es zusätzlich erschwert und stürzt sie in ein Gefühlschaos. Das habe ich besonders in diesem Gespräch mit Jennifer gespürt.
Mehr Infos über Jennnifer:
Jennifer Tevi ist eine engagierte Aktivistin und Mitorganisatorin der Black Lives Matter Demonstrationen in München. Sie ist eine gefragte Expertin bei zahlreichen Podiumsdiskussionen und leitet Workshops an verschiedenen Schulen. Ihre Workshops konzentrieren sich auf Empowerment, Antirassismus und die afrikanische Geschichte.
https://www.linkedin.com/in/jennifer-tevi-b44425152/
https://politischbilden.de/expertise/tevi/
https://www.instagram.com/jenni.tevi/
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Joscha Grunewald
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Lila lebt seit 24 Jahren in Deutschland, besitzt drei verschiedene Staatsangehörigkeiten – keine davon deutsch.
Wenn man sie trifft und mit ihr spricht, wird ihr die Frage „Woher kommst du wirklich?“ nicht mehr gestellt.
Das liegt daran, dass meine Podcast-Gästin das normative Bild erfüllt, welches viele Menschen bewusst oder unbewusst haben, also wie jemand „deutsch“ aussehen kann.
Das zeigt, dass „Deutschsein“ und damit ein fester Bestandteil der Gesellschaft zu sein, in der Wahrnehmung immer noch anhand des Aussehens zugewiesen wird.
Für Menschen wie mich, die nur die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, oder für meine Frau, deren ein Elternteil deutsch ist und nicht eingewandert, ist es wegen der dunkleren Hautfarbe undenkbar, dass die Frage nach der „wirklichen“ Herkunft ausbleibt.
In dieser Episode diskutieren wir unter anderem auch dieses Phänomen.
Lila teilt ihre spannende Migrationsgeschichte zwischen den USA, Kanada, Neuseeland, Indien und Deutschland und ihre Erfahrungen mit der Frage „Woher kommst du wirklich?“ aus verschiedenen Ländern und die damit verbundenen Herausforderungen bezüglich Zugehörigkeit und Identität.
Sie spricht über die Herausforderungen, die Mehrstaatlichkeiten und Multi-Identitäten für ihre Familie bedeuten. Ihr Ehemann stammt aus Brasilien, ihre Kinder sind in Deutschland geboren und wachsen dreisprachig auf – Englisch, Deutsch und Portugiesisch.
Was bedeutet Muttersprache, Nationalität, Heimat und Identität in so einer Familienzusammensetzung?
Gibt es tatsächlich große kulturelle Unterschiede, die auf geografische Herkunft basieren, oder konstruieren wir diese?
Als Beraterin für Antirassismus- und Antidiskriminierungsstrategien für Verwaltungen teilt Lila auch ihr wertvolles Wissen über strukturellen Rassismus. Wir sprechen auch über den Trend, die Zugehörigkeit von Menschen mit Migrationsgeschichte anhand ihrer „wirtschaftlichen Nützlichkeit“ zu bewerten.
Ein zentrales Thema ist auch der Rassismus und die Sprache in politischen Debatten, die nicht nur bei der AfD zu finden sind, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.
Mehr über Lila:
Lila Sax dos Santos Gomes ist gebürtige Amerikanerin, Kanadierin, und wuchs in Neuseeland und Indien auf. Mit 16 zog sie mit ihrer Familie nach Deutschland. Inzwischen hat sie eine eigene Firma und arbeitet vor allem mit Verwaltungen zusammen an der Entwicklung von Antirasssismus- und Antidiskriminierungsstrategien. In ihrer Freizeit schreibt sie über das Muttersein, Trauer und Resilienz auf ambidextria.de.
Zu finden ist sie unter lilasaxdossantosgomes.de.
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/lila-sax-dos-santos-gomes-089a9233/
Instagram: https://www.instagram.com/lilasdsg/
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Joscha Grunewald
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Eine geographische und kulturelle Identität, die als sicher und unangefochten gilt, ist für manche Menschen selbstverständlich und für andere eine lebenslange Herausforderung.
Dies gilt besonders für Menschen mit einer Migrationsgeschichte, die immer wieder ihre Identität neu aufbauen müssen, wobei ihre Zugehörigkeit ständig hinterfragt wird.
Solmas Tehrani gibt mehrmals in ihrem Leben ihre Identität auf und formt sie neu. Sie wird kurz nach der Islamischen Revolution im Iran geboren, als Kind einer wohlhabenden adligen Familie; ihr Großvater ist ein Berater im Schahs Palast.
Dies ist das erste Mal, dass sie und ihre Familie gezwungen sind, ihre Identität zu verändern, da Adlige im islamischen Republik Iran keinen Platz mehr haben.
Bei einem Spaziergang mit ihrer Mutter und Großmutter hält ihnen ein Mitglied der Revolutionsgarde ein Gewehr vor, weil fälschlicherweise angenommen wird, dass der Seidenschal von Solmaz ein heruntergerutschtes Kopftuch ist. Dieser Vorfall ist für die Familie ein Zeichen, dass sie im Iran nicht mehr sicher sind, und sie beschließen zu flüchten.
Nach sechs Monaten in der Türkei kommen sie nach Deutschland, wo sie sich von einem prunkvollen und wohlhabenden Leben im Iran auf ein Leben in einem Flüchtlingsheim umstellen müssen.
Für Solmas beginnt ein neues Leben in einem fremden Land; obwohl sie in Teheran eine Schule für Hochbegabte besucht, muss sie nun Schrift und Sprache neu lernen. Sie wird erneut mit einer neuen Identität konfrontiert, nämlich der des "Ausländers", eine Homogenisierung von Menschen, die eigentlich alle unterschiedliche kulturelle Identitäten haben.
Als Erwachsene besucht sie den Iran das erste mal wieder und stellt fest, dass es ein anderes Land ist als das, welches sie verlassen hat, und sie fühlt sich dort nicht mehr zugehörig.
Vor 11 Jahren zieht sie von Deutschland, wo sie Jahrzehnte gelebt hat, in die Schweiz. Dort lebt sie nun mit ihren beiden Kindern, die dort geboren worden sind und die schweizerische Staatsbürgerschaft besitzen.
In Deutschland wurde sie nie als Deutsche wahrgenommen, und in der Schweiz wird sie wegen ihres Hochdeutsch oft als Deutsche angesehen, doch spürt sie immer das Fragezeichen der Menschen bezüglich ihrer Herkunft.
In der neuesten Episode spreche ich mit Solmas über ihr bewegtes Leben, darüber, wie die ersten prägenden Jahre die Identität formen und über die Herausforderungen, Identitäten aufzugeben und neue aufzubauen.
Mehr Informationen die Gästin:
Solmas Tehrani - ist Business Coach und Achtsamkeitscoach. Sie zeichnet besonders Ihre interkulturelle Denkweise und Ihre Mehrsprachigkeit aus. Des weiteren ist Sie ein Teil der IATL - International Academy of Transformative Leadership.
Ihre Herzbotschaft ist: Mut ist die Brücke zur Heilung, wenn du dich dafür öffnest, erlebst du dich selbst.
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Joscha Grunewald
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Roya's Vater kommt aus dem Iran nach Deutschland, um sein Ingenieurstudium zu absolvieren, mit dem Plan, nach dem Studium in seine Heimat zurückzukehren. Während seiner Abwesenheit findet die islamische Revolution statt, und der Schah wird gestürzt.
Als er nach seinem Studium in ein völlig verändertes Land zurückkehrt, kann er sich als freigeistige Person nicht vorstellen, in einem Land unter "islamistischer Diktatur" zu leben. Deshalb kehrt er nach Deutschland zurück, verliebt sich in eine deutsche Frau, heiratet sie, und seine Tochter Roya wird geboren.
Sein Herz blutet jedoch, da er seine Heimat, den Iran, sehr liebt und dort tief verwurzelt ist. Er lebt mit der Hoffnung, dass das islamische Regime temporär sei und er eines Tages zurückkehren könne. Roya wächst mit dieser Hoffnung und den von ihrem Vater gesetzten Meilensteinen auf, wann er zurückkehren würde – nach ihrem Abitur, nach ihrem Studium usw.
Als Kind hat sie Angst, dass ihr Vater tatsächlich gehen könnte, aber später erkennt sie, dass ihr Vater sich immer neue Meilensteine setzt, um die beste Zeit für eine Rückkehr in den Iran zu bestimmen.
Diese Hoffnung wird zum Alltag, und heute, 50 Jahre später, ist er ein glücklicher Großvater, auf den sich Roya verlassen kann, wenn sie krank ist, dass er keine Mühen scheut, 3 Stunden zu fahren, um auf ihre Kinder aufzupassen.
Wie beeinflusst diese Beziehung zu ihrem Vater und dessen Beziehung zum Iran Royas Identität? Was bedeutet es für sie, gleichzeitig deutsch und persisch zu sein, die Sprache ihres Vaters zu beherrschen und an ihre Kinder weiterzugeben?
Damit startet mein Gespräch mit Roya Borchers-Fardi in der neuen Episode.
Wir merken im Gespräch, mit welchen Herausforderungen wir als Migrationsgesellschaft konfrontiert sind, und diskutieren Fragen wie:
Mehr über Roya:
Roya Borchers-Fardi ist Expertin für Digitalisierung mit einem Bachelor in International Business und einem Master in Wirtschaftspsychologie. Seit über einem Jahrzehnt gestaltet sie die Banking-Branche mit innovativen Ideen und digitalen Lösungen aktiv mit. Aktuell ist Sie verantwortlich für die Digitalisierung der Baufinazierung der größten Online Bank Deutschlands, der ING.
Neben ihrer Leidenschaft für WomeninTECH, setzt sie sich leidenschaftlich für Gleichberechtigung in der Finanzindustrie und im gesellschaftlichen Kontext von Familie und Care-Arbeit ein.
https://www.linkedin.com/in/roya-borchers-fardi-2a126263/
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Joscha Grunewald
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Derya hatte gerade ihre Kinder in der Kita abgegeben und stand mit anderen Eltern vor der Einrichtung. Während sie sich mit einer anderen Mutter unterhielt, kam eine ältere Frau vorbei, mischte sich in das Gespräch ein und fragte Derya: „Woher kommst du?“ Als Derya antwortete, dass sie aus Bonn kommt, wo sie derzeit mit ihrer Familie lebt, und ursprünglich aus Duisburg stammt, bohrte die Frau weiter und wollte wissen, „woher sie wirklich kommt“. Die Situation eskalierte, als die Frau stereotype und bisweilen rassistische Beleidigungen äußerte, nachdem sie erfuhr, dass Deryas Eltern aus der Türkei stammen.
In der neuesten Episode teilt Derya diese prägende Erfahrung, die sie vor drei Jahren gemacht hat, und die den Ausgangspunkt unseres Gesprächs bildet.
Derya reflektiert, wie sie lange an den Nachwirkungen dieser Begegnung arbeiten musste, obwohl sie als Wissenschaftlerin, die sich intensiv mit rechter Rhetorik auseinandersetzt, theoretisch gut über Alltagsrassismus Bescheid weiß.
Es geht wie immer um Identität, Zugehörigkeit, die Herkunft unserer Eltern, die Zukunft unserer Kinder und um Fragen wie unter anderem:
- Was sagen wir als zweite Generation unseren Kindern, also der dritten Generation, über ihre Identität? Sagen wir, „wir sind Deutsche“?
- Wie fühlt es sich an, wenn man als Deutsche mit Migrationsgeschichte im Ausland als deutsch wahrgenommen wird, aber nicht im eigenen Geburtsland Deutschland?
- Wie gehen wir damit um, wenn fremde Menschen uns aufgrund unseres türkischen Namens und unserer Herkunft als Vertreter der Erdoğan-Politik abstempeln und immer einen Bezug zu Erdoğan herstellen?
- Wie können wir unsere Kinder vor Rassismus schützen oder sie darauf vorbereiten? Wie können wir den Rassismus bekämpfen, sodass Kinder nicht darauf vorbereitet werden müssen, als wäre es ihr Problem, sondern das Problem der Gesellschaft?
- Wenn Identität durch Zugehörigkeit entsteht, wer entscheidet dann über die Zugehörigkeit zu Deutschland und somit über eine deutsche Identität?
- Woran liegt es, dass Türkisch für uns beide die emotionale Sprache ist, obwohl wir besser Deutsch sprechen?
Wir sprachen auch über Deryas Vater, der mit 16 Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland kam, um im Bergbau zu arbeiten und eine Ausbildung zu machen. Wie er sich hocharbeitete und ein Vorbild für Derya wurde. Zudem betrachteten wir Deryas unglaubliche Karriere: Als Bergarbeitertochter musste sie zunächst auf die Hauptschule gehen, schaffte es aber dennoch, das Abitur zu machen, zu studieren, zu promovieren und Professorin zu werden.
Infos über Derya:
Derya Gür-Şeker ist Expertin für digitale Kommunikation, Diskurs- und Medienforscherin. Ihre Expertise liegt in den Bereichen Social Media, Kommunikation und Künstliche Intelligenz. Studiert hat sie Germanistik, Medien- und Politikwissenschaft in Düsseldorf und in Reading (UK). Als Professorin forscht und lehrt sie aktuell an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.
https://www.deryaguerseker.de/
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/derya-guer-seker/
Instagram: https://www.instagram.com/deryaguerseker/
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Sind Menschen mit Migrationsgeschichte aufgrund ihrer gemeinsamen geografischen Herkunft einander ähnlich? Durchleben sie ähnliche Erfahrungen?
Coşkun Tuna, auch Josh genannt, und ich teilen viele Gemeinsamkeiten: Wir sind fast gleich alt, unsere Eltern kamen als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland, und wir sind hier die zweite Generation. Dadurch haben wir denselben geografischen Hintergrund und würden auf die Frage „Woher kommst du wirklich?“ identisch antworten.
In jungen Jahren machte ich schlechte Erfahrungen mit Polizisten, während Josh einer der ersten Polizisten mit türkischem Hintergrund wurde. Ich wuchs mit Gangsterrap auf, er mit Queen und Deutschrock, und ließ sich sogar einen Liedtitel der Ärzte auf seiner Brust tätowieren. Eine Gemeinsamkeit von uns ist das Unternehmertum, da wir beide Gründer von Tech-Unternehmen sind.
Was verbindet und was trennt uns noch? In Episode 12 starteten Josh und ich das Gespräch über unsere Migrationsgeschichte und Herkunft. Im Verlauf entdeckten wir auf einer tieferen Ebene weitere aufschlussreiche Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Josh gründete „Mitfahrzentrale.de“, ein Service, den ich früher intensiv nutzte – wie wahrscheinlich viele von uns. In dieser Episode sprechen wir darüber, warum er den Polizeidienst verließ, um ein Internetunternehmen zu gründen, sowie über seine Erfahrungen mit weiteren später gegründeten Startups.
Unser Gespräch erstreckt sich auch auf die Geschichten unserer Eltern, unser unterschiedliches Aufwachsen als zweite Generation und wie wir mit der Frage „Woher kommst du wirklich?“ umgehen.
Besonders bewegend ist unsere Auseinandersetzung mit dem rassistischen Brandanschlag in Solingen, bei dem fünf Frauen und Mädchen ermordet wurden. Josh wuchs in der Nähe auf, kannte die Familie Genc persönlich und hatte später als Polizist Kontakt zu Mevlüde Genç, die bei dem Anschlag Teile ihrer Familie verlor.
Was hat uns stärker geprägt: die türkische Kultur unserer Eltern oder das Aufwachsen in Bayern bzw. Düren? Empfinden wir beim Hören türkischer Musik dasselbe?
Wir reflektieren über den zunehmenden Rassismus und Rechtspopulismus in Deutschland und unsere Haltung gegenüber der Gefahr, die von rechten Parteien wie der AfD ausgeht.
Außerdem sprechen wir über die Sprachlosigkeit unserer Eltern, eine Folge der Migration und der damit verbundenen Traumata, die es ihnen erschwert, ihre Erlebnisse sprachlich zu verarbeiten.
Show Notes:
Mit einer beeindruckenden Laufbahn von über 24 Jahren als Unternehmer in der Digitalbranche hat Coskun sich weit über seine anfänglichen Tage hinaus entwickelt, als er in den frühen 90ern einer der ersten Polizisten mit türkischem Hintergrund in Deutschland war. Als visionärer Gründer von Mitfahrzentrale.de und Veranstalter der weltweit ersten Döner Messe, hat Coskun eine beeindruckende Reihe erfolgreicher Unternehmungen ins Leben gerufen. Sein neuestes Projekt, KiVVON Media GmbH, zielt darauf ab, das Modell der Einmalzahlung anstelle eines Abonnements für Medieninhalte zu etablieren.
https://www.linkedin.com/in/coskun-josh-tuna/
https://www.instagram.com/joshvondonau/
https://www.kivvon.com/de
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