Eine eigene Koordinationsrolle ist zu früh Overhead und zu spät teuer. Woran du den richtigen Zeitpunkt erkennst.
Flussverantwortung ist die dritte Funktion aus dem CALM Operating Model und die einzige der drei, die nicht immer nötig ist. Genau deshalb wird sie zweimal falsch behandelt: zu früh eingeführt ist sie Overhead, zu spät eingeführt ist ihr Fehlen richtig teuer. Es gibt einen Punkt, an dem ein Team mehr koordiniert als es liefert, und dieser Punkt ist der eigentliche Auslöser. In dieser Folge geht es darum, was Flussverantwortung tatsächlich tut, warum sie Entscheidungen moderiert statt sie zu treffen und woran du erkennst, dass ihr sie jetzt braucht.
Die Frage ist nicht, ob ihr diese Rolle braucht. Die Frage ist, ab wann.Flussverantwortung hält drei Dinge im Blick: Routinen, Rhythmus und Abhängigkeiten. Sie sorgt dafür, dass die Zusammenarbeit funktioniert, nicht dafür, dass die Arbeit gemacht wird. Das ist Ergebnisverantwortung.Der Unterschied in einem Satz: Ergebnisverantwortung fragt „steht das Resultat?", Flussverantwortung fragt „kommen wir überhaupt voran?".Die wichtigste Grenze dieser Rolle: Sie moderiert Entscheidungen, sie trifft sie nicht. Verwischt die Grenze, entsteht eine zweite Richtungsverantwortung und damit genau die geteilte Richtung, die Teams lähmt.Typisches Muster: Die koordinierende Person merkt, dass Entscheidungen liegen bleiben, und trifft sie aus Pragmatismus selbst. Die eigentliche Diagnose ist dann meistens eine unbesetzte Richtungsverantwortung, nicht zu viel Koordination.Zwei Auslöser, an denen sich der Zeitpunkt festmachen lässt: Das Team koordiniert mehr als es liefert. Oder die Abhängigkeiten zwischen Teams wachsen unkontrolliert, niemand hat mehr den Überblick, wer auf wen wartet.Faustregel: Solange ein Team seine Abhängigkeiten an einer Hand abzählen kann, braucht es niemanden, der sie verwaltet.Die richtige Prüffrage lautet nicht „wäre die Rolle sinnvoll", denn sinnvoll wäre sie fast immer. Sie lautet: Was geht gerade schief, weil sie fehlt?Das Tückische an dieser Funktion: Sie ist fast immer schon da, nur als Gewohnheit von zwei, drei Leuten, die sich gut abstimmen. Solange die im Haus sind, merkt niemand etwas. Sobald sie fehlen, sieht es aus wie Pech, war es aber nicht.Ausprägungen je nach Kontext: Scrum Master, Agile Coach, Kanban Coach, PMO, Koordination. Bei akuten Blockaden der Impediment Owner.Handlungsimpuls für heute: eine Woche lang grob mitzählen, wie viel Zeit im Team für Koordination draufgeht und wie viel für Lieferung. Zwei Spalten, eine Strichliste, kein Tool. Ist die Koordinationsspalte am Freitag länger, habt ihr eure Antwort.Erwähnte Links & Ressourcen:
CALM-Layer Rollen & Verantwortlichkeiten: https://eid-hub.de/calm-operating-model/rollen-verantwortlichkeiten/CALM-Layer Arbeitsroutinen & Meetings: https://eid-hub.de/calm-operating-model/arbeitsroutinen-meetings/CALM-Layer Team Architecture: https://eid-hub.de/calm-operating-model/team-architecture/CALM-Diagnose, kostenlos, rund 15 Minuten: https://app.eid-hub.de/calm-diagnose/startDiese Folge ist Teil vier der Staffel „Wer entscheidet hier eigentlich?", fünf Folgen zum CALM-Layer Rollen und Verantwortlichkeiten:
Folge 141: Rollen und Verantwortlichkeiten. Warum der Jobtitel nichts klärt. https://eid-hub.de/wissenshub/podcast/141/Folge 142: Richtungsverantwortung. Wer entscheidet, was wichtig ist. https://eid-hub.de/wissenshub/podcast/142/Folge 143: Ergebnisverantwortung. Die einzige Rolle, die nicht verhandelbar ist. https://eid-hub.de/wissenshub/podcast/143/Folge 145: Rollenklarheit ohne Rollenbürokratie. Das Minimalprinzip zum Abschluss der Staffel. https://eid-hub.de/wissenshub/podcast/145/Zipresso Impulse ist der Podcast zum CALM Operating Model. In rund zehn Minuten pro Folge geht es darum, wie Organisationen tatsächlich arbeiten: Rollen und Verantwortlichkeiten, Entscheidungswege, Arbeitsroutinen, Teamzuschnitt und Führung. Jede Folge endet mit einem konkreten Schritt, den du direkt umsetzen kannst. Von Patric Eid, Business Coach und Trainer.
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