Innovation einfach machen.

Zukunft managen? So geht’s – Ein Gespräch mit Foresight-Experte Michael Deckner


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Bianca Prommer [00:00:00]:

Die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen, aber gestalten. Das sagen zahlreiche Vorzeit- und Zukunftsexperten und Expertinnen. Was genau bedeutet es aber und genau darüber werden wir in der heutigen Folge mit Vorzeit-Experten Michael Deckner sprechen. Lasst uns loslegen. Hallo und herzlich willkommen zu 1 neuen Folge von Innovation einfach machen. Heute geht es ein Thema, das mir persönlich sehr, sehr im Herzen liegt und zwar Foresight beziehungsweise Zukunftsmanagement. Weil Innovation ja nicht einfach so entsteht, sondern hier aus Entwicklungen, aus Trends, neuen Technologien, neuen Bedürfnissen entsteht. Und deshalb braucht es auch diesen Blick nach vorne, Also nicht diesen kurzfristigen Blick, was passiert in den nächsten ein, 2 Jahren, sondern was passiert in den nächsten 5 bis 10 Jahren oder vielleicht sogar darüber hinaus.

Bianca Prommer [00:00:55]:

Wir werden heute über Foresight sprechen, wir werden über Zukunftsmanagement und über Zukunfte sprechen. Mein heutiger Gast ist Experte für Vorseit und zeigt uns, wie wir mit einfachen, aber ganz ganz wirkungsvollen Methoden Zukunfte entwickeln, schwache Signale erkennen und damit neue Innovationen entwickeln können. Ja, als pathologisch neugierig ist mein heutiger Gast bereits von einem Kollegen beschrieben worden. Und wie für meinen Gast Michael Deckner Neugier und das heutige Thema Vorsight zusammenhängen, das werden wir im Laufe dieses Podcast besprechen. Vielleicht noch ein paar kurze Worte zu Michael Deckner. Als Naturwissenschaftler bezeichnet er sich selbst als Spätberufener für Innovation. Während er in einem Startup tätig war, hat er mit Wissensmanagement begonnen. Er hat dann Wissensmanagement in Eisenstadt studiert und hat sich dann zum Innovationsmanager weiterentwickelt und zwar bei der Firma Baxalter.

Bianca Prommer [00:02:04]:

Er hat dann einen Zwischenstopp als Führungskraft eingelegt und seit mittlerweile über 10 Jahren beschäftigt er sich nun mit Innovationen und all den verwandten Themen, wie ihm auch vorseit. Freue dich auf ein sehr, sehr spannendes Interview mit Michael Deckner. Hallo Michael, schön, dass du heute da bist.

Michael Deckner [00:02:25]:

Hallo Bianca, danke für die Einladung.

Bianca Prommer [00:02:28]:

Ja, total spannend, weil wir kennen uns ja eigentlich auch schon seit ein paar Jährchen tatsächlich. Immer wieder so lockerer Austausch auf LinkedIn. Und dann bin ich ja über das Thema Foresight Zukunftsmanagement jetzt vor kurzem wieder über dich gestolpert, weil du auf LinkedIn eine ganz, ganz spannende Newsletter-Artikelreihe gestartet hast rund das Thema Foresight. Und da habe ich mir gedacht, es wäre doch mal spannend, dieses Thema in den Podcast zu holen und deshalb freue ich mich natürlich umso mehr, dass du heute da bist, Michael. Ich möchte mit dir gleich einmal direkt loslegen. Was ist denn eigentlich Foresight bzw. Zukunftsmanagement? Ist es das Gleiche? Kann man das gleichsetzen? Wie definierst du es denn?

Michael Deckner [00:03:15]:

Definitionen gibt es da glaube ich mehrere, aber mein Zugang ist halt der, dass wenn man jetzt darüber nachdenkt, dass sich sehr viel sehr schnell bewegt, dass sehr viel komplex ist, sehr viel zusammenhängt, dieser kurzfristige Blick einfach nicht mehr ausreicht, ausreichend mit dieser Situation umzugehen. Deswegen zahlt es sich durchaus aus, ein bisschen weiter nach vorne zu denken und auch mit Möglichkeiten zu arbeiten. Also nicht jetzt wie man es klassisch in der Prognose macht, dass wird das und das genau so passieren, sondern wirklich auch mit unterschiedlichen Szenarien auch spielt und die dann auch in weiterer Folge eigentlich nutzt, Strategien zu entwickeln, die optimalerweise für alle Szenarien funktionieren oder eben auch unterschiedliche Strategien zu entwickeln, wo man dann sagt, okay, wenn das eintritt, dann muss ich vielleicht umschwenden. Und dass man in die eigene Strategiearbeit ein bisschen Resilienz hineinbaut. Das heißt, dass man sich auch nicht in eine Ecke pinselt, sage ich immer. Also typisch wäre zum Beispiel ein technological Login, dass man sich auf eine Technologie versteift, die aber vielleicht nicht mehr zukunftsfähig ist, weil die das Ende ihrer Entwicklung erreicht hat. Also da gibt es ja endlos viele Beispiele in der Vergangenheit. Kein Kutschenbauer hat danach Autos hergestellt, obwohl die Spurenbreite der Autos noch immer von den Kutschen abgeleitet ist.

Michael Deckner [00:05:01]:

Das ist eigentlich leicht absurd. Und da gibt es noch ganz viele Beispiele. Also kein Eisfabrikant hat dann Kühlschränke hergestellt. Die größten Videoverleihe haben den Wechsel zum Online-Streaming nicht mitgemacht. Also es gibt zahllose Beispiele, dass die Leute einfach in dieser weiter wie bisher Denkschiene verhaftet geblieben sind und nicht überlegt haben, was wird die Zukunft bringen und dadurch dann halt sich auch selbst in die Obsttouristenz geschoben haben.

Bianca Prommer [00:05:36]:

Also ich habe mich ja in meiner Masterarbeit tatsächlich mit Zukunftsmanagement beschäftigt und Foresight und das Ganze hatte gestartet damit, dass wir uns überlegt haben, wie schauten so die Instrumententafel des Fahrzeuges, also des Autos in der Zukunft aus. Und das war ja 2011, 2012. Und es ist total spannend zu sehen, was davon jetzt alles so eingetreten ist in den Jahren bis jetzt. Also es lohnt sich schon da auch mal systematisch, strukturiert, strategisch an dieses Thema heranzugehen. Und über das möchte ich ja heute auch mit dir sprechen. Aber bevor wir das gleich in die Tiefe reinkommen, was mich natürlich interessieren würde, ist, wie bist du denn zum Thema gekommen? Du kommst ja aus einem ganz anderen Umfeld. Wie bist du da in diese Thematik reingeschlittert?

Michael Deckner [00:06:23]:

Da muss ich ein bisschen zurückgreifen. Ich beschäftige mich ja mit Innovation jetzt seit ungefähr 10 Jahren relativ intensiv und in meiner ersten Rolle als Innovationsmanager bei uns in der Firma bin ich dann relativ schnell einmal in so ein Technology Roadmapping hineingerutscht. Also wir waren damals Mitglied in seinem Industriekonsortium und die haben sich unter anderem zum Ziel gesetzt, eine Technology Roadmap für die biopharmazeutische Industrie zu erstellen. Eine Kollegin, die dort eigentlich teilnehmen sollen, hat nicht können. Ich habe aufgezeigt, ich möchte da bitte dabei sein und bin dann damals noch relativ unbedarft dazu gestoßen, habe mich dann aber schon so, also die vorlaufzeit waren glaube ich 10 tage oder so es war relativ knapp aber in der kurzen zeit habe ich halt auch versucht mich auf das thema vorzubereiten damals eben wie gesagt sehr fokussiert auf technologie road mapping aber ich neige dazu dann so also für mich wird das schnell zu einem Rabbit Hole. Ich komme dann sehr schnell vom Hundertste ins Tausende, lese mich dann sehr oft sehr tief in eine Materie ein, was ganz ganz oft übertrieben ist. Aber in dem Fall hat es wirklich meine Neugier geweckt und ich habe mich sehr intensiv mit dem Thema befasst. Wie kann ich eben so technologische Trends nutzen, vor allem Innovationen voranzutreiben, auch so ein bisschen auch wieder eine resilientere Organisation zu bauen, auch Technologien einzuordnen, auf die richtigen Technologien zu setzen, weil gerade bei uns in der pharmazeutischen Branche haben die Dinge eine sehr, sehr lange Vorlaufzeit oft und da muss man sich schon Gedanken darüber machen, ist das die richtige Technologie, mit der ich mich befasse.

Michael Deckner [00:08:23]:

Wenn ich auf das falsche Pferd setze, kann das durchaus sehr üble Folgen haben. Das war so 2015 herum, damals mein Einstieg. Wie gesagt, ich habe mich dann sehr sehr intensiv vor allem mit dem Thema Technology Roadmapping befasst. Hab das dann allerdings wieder ein bisschen auf Eis gelegt. Es war nicht der richtige Zeitpunkt bei uns, sagen wir mal so. Und jetzt vor kurzem habe ich mein Büro aufgeräumt und da sind mir die Unterlagen wieder runtergekommen. Das habe ich lustig gefunden, weil ich mich jetzt auch wieder seit 2, 3 Jahren mit dem Thema sehr intensiv befasse. Ja, und so bin ich eigentlich dazu gekommen.

Bianca Prommer [00:09:06]:

Das ist total lustig, weil du hast mich quasi wieder erinnert an dieses Thema. Es ist ja total spannend, wie ich mich damals 2012 dann selbstständig gemacht habe. Weil so dieses Thema Zukunftsmanagement mein Thema, also so quasi Zukunft erkennen und Zukunft gestalten. Weil das ist für mich so die Brücke. Ich muss mal schauen, welche Trends gibt es über Technology Roadmapping, Consumer Trends etc. Und gestalten ist für mich dann diese Innovationsarbeit. Was mache ich jetzt daraus? Welche Produkte, Services, Geschäftsmodelle entstehen daraus? Und es war damals, 2012, definitiv nicht der richtige Zeitpunkt in Österreich, weil noch niemand über Zukunftsmanagement oder Foresight gesprochen hat. Und ja, vielleicht Technology Roadmapping, ja, das hat es natürlich gegeben, aber so dieses wirklich ganzheitliche Denken und habe das dann wirklich einmal so fallen lassen.

Bianca Prommer [00:09:56]:

Und wie du dann angefangen hast, darüber zu sprechen und zu schreiben auf LinkedIn, habe ich mir gedacht, ja, da war doch mal was. Da gibt es doch noch irgendwo eine Masterarbeit von mir zu diesem Thema und habe das sehr, sehr spannend gefunden, weil ich ja doch sehr gerne auch mit Trends arbeite in der Innovationsarbeit, aber jetzt dieser ganzheitliche Ansatz. Weil du gerade gesagt hast, du hast deine Unterlagen gefunden. Du hast mich quasi wieder zu dem Thema gebracht. Das habe ich sehr, sehr spannend gefunden.

Michael Deckner [00:10:24]:

Das helfe ich mir gerne an die Brust. Das nehme ich gerne.

Bianca Prommer [00:10:30]:

Ich habe mir 2 Fragen währenddessen, du es gerade gesprochen hast, aufgeschrieben. Und zwar das erste Stichwort, das du mir gegeben hast, ist Neugierde. Du hast es gut gesagt, du bist dann quasi so wie in einem Rabbit Hole, du beschäftigst dich dann sehr intensiv mit Themen. Wie wichtig ist denn deine Meinung nach Neugierde, wenn es Vorzeit- oder Zukunftsmanagement geht?

Michael Deckner [00:10:55]:

Das ist eine wunderschöne Frage. Und da greife ich jetzt auf einen meiner Lieblingsautoren zurück, den Wolf Lotta, der sagt eigentlich Neugierde ist die Zukunftskompetenz, ohne Neugierde wird es nicht weitergehen. Durchaus auch 1 der Gründe, warum ich auch beim Ministerium für Neugier und Zukunftslust mit dabei bin. Da kann man übrigens ganz leicht Botschafter und Botschafterin werden. Ich empfehle, die Homepage zu besuchen. Es gibt coole Events. Ein großes Event zu dem Thema ist jetzt auch am Ende nächster Woche das Festival of Curiosity in Linz. Kostet nichts, ist aber gratis, aber nicht umsonst.

Michael Deckner [00:11:46]:

Ja und vielleicht noch mal auf deine Frage zurückzukommen, also Neugier ist super wichtig. Also wenn wir nicht diese Offenheit haben uns mit neuen Dingen zu befassen, dann fehlt uns einfach, dann haben wir einen blinden Fleck und gerade man kann jetzt sagen, das mit der Beschleunigung ist gar nicht so richtig, obwohl ich glaube ich habe schon den eindruck das wird alles immer schneller und und vor allem verbreitet sich auch schneller aber man kann da sehr sehr schnell wenn man sich eben mit diesen Neuigkeiten nicht befasst, den Anschluss verlieren. Und dann wird es halt, je größer dieser Abstand, immer schwieriger, das wieder aufzuholen. Also Wer sich heute noch nicht mit, und ich sage jetzt ganz bewusst, maschineller Intelligenz befasst, der sollte lieber heute als morgen damit anfangen, weil es einen großen Einfluss auf unsere Arbeitswelt haben. Ich glaube nicht diese düsteren Prognosen, dass wir 40, 50 Prozent der Jobs verlieren werden, aber es wird schon, und da gibt es auch unterschiedliche Zahlen, aber ich schätze mal so 50 bis 70 Prozent der Jobs werden sich dadurch sehr, sehr stark verlangen. Also Quintessenz ist, Neugier ist die wichtigste Eigenschaft für das Zukunftsthema überhaupt meiner Meinung nach.

Bianca Prommer [00:13:17]:

Ist auch etwas, was ich total unterstütze. Ich bin ja auch Botschafterin seit Beginn an im Ministerium für Neugier und Zukunftslust. Deswegen kann ich voll unterstreichen. Ich unterrichte ja gerade an der FHBFI Wien und zwar aktuelle Trends und Entwicklungen in der Film-, TV- und Medienbranche. Und nicht, weil ich Expertin in der Film-, TV- und Medienbranche bin, sondern eher, weil ich weiß, wie man mit dieser Neugierde da rangeht, schaut, Was tut sich denn da und was mache ich dann daraus? Und das ist das, was ich den Studierenden dort letztes Semester Bachelor, so quasi die Abschlusslehrveranstaltung, wo sie nochmals einbringen können, und da haben wir letzte Woche auch begonnen, wirklich diese Neugierde herauszukitzeln. Was interessiert euch? Also Ich habe Ihnen gar kein Thema vorgegeben, sondern die sollen jetzt quasi mit Neugierde und offenem Blick einfach mal so schauen, was tut sich denn da gerade? Da merkt man, wie viel Lust die auch darauf haben. Also da wirklich mal mit so offenen Augen und Ohren und Herzen rauszugehen und mal zu schauen, was bewegt sich denn da ohne jetzt irgendwelche Einschränkungen meinerseits als Vortragende. Und das ist so schön zu sehen.

Bianca Prommer [00:14:27]:

Also ich kann das voll unterstützen und unterstreichen, was du gerade sagst. Michael, ich habe noch eine zweite Frage vorhin aufgeschrieben und zwar dieses Technology Roadmapping. Das ist etwas, was viele meiner Kundinnen und Kunden bereits machen und kennen. Deshalb würde ich da gerne noch einmal gerne aufbauen, weil es für mich schon ein Teil von Foresight ist. Also ein Teil. Wie du das siehst und was sind da noch so Teile, die dann noch dazugehören? Also reicht Technology Roadmapping oder braucht es auch noch was anderes?

Michael Deckner [00:15:00]:

Nein, ganz klar, es braucht schon mehr als nur Technology Roadmapping. Also Technology Roadmapping ist sehr, sehr gut, einzuschätzen, welche Technologien für die Zukunft wichtig sind. Das reicht aber bei weitem nicht. Damit kann ich mal vielleicht abdecken, was für eine Technologie muss ich vielleicht für mich als Unternehmer einsetzen, mit welchen Technologien, Kommunikationstechnologien muss ich in Zukunft arbeiten, meine Kunden zu erreichen. Aber Im Prinzip auch beim Technology Roadmapping gibt es ja auch die Ebene der Treiber, aber eben sehr, sehr stark mit dem Fokus auf Technologie. Jetzt stehen wir aber vor noch vielen anderen Herausforderungen als nur Veränderungen in Technologie. Also man wird auch nicht drum herum kommen, sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu befassen. Es gibt vom Stuart Brand die sogenannten Pace Layers, das heißt unterschiedliche Bereiche des Lebens bewegen sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Michael Deckner [00:16:07]:

Technologie gehört eher zu den schnelllebigeren Dingen, Fashion ist irgendwie ganz ganz oben, aber so gesellschaftliche Trends zum Beispiel, das ist eher in 1 langsameren Schicht unterwegs, dann gibt es noch Politik und Umwelt, wobei man auch argumentieren kann, dass die Veränderungen der Umwelt beschleunigen sich jetzt auch stärker. Gibt es auch einige Zweifler, aber Ich würde mal sagen, da passt einfach die, zumindest meine Wahrnehmung nicht mit dem überein, was diese Zweifler denken. Es gibt mehr als nur Technologie, mit der man sich befassen muss. Und wenn man Vorzeit betreibt, sollte man schon versuchen, ein sehr ganzheitliches Bild zu bekommen. Es ist wirklich ein sehr, sehr vernetztes Denken. Es gibt auch Stimmen, die sagen, es wird immer alles stärker vernetzt. Ich habe gerade begonnen vom Roger Spitz. Spitz, ein amerikanischer...

Michael Deckner [00:17:08]:

Er befasst sich eher mit Disruption, aber im Prinzip geht es eigentlich auch darum, Entwicklung zu erkennen und zu nutzen. Und der sagt, diese Verlinkung von ganz, ganz unterschiedlichen Dingen wird immer, immer stärker und dadurch steigt auch wieder die Komplexität, weil die Beziehungen nicht mehr so linear zusammenpassen. Also man muss schon sehr sehr vernetzt auch denken und eben die Technologiebrille ist keine schlechte, aber sie wird nicht ausreichen.

Bianca Prommer [00:17:40]:

Also es ist eine Brille, die man sich aufsetzt, aber es braucht auch noch andere Brille. Du hast schon angesprochen, gesellschaftliche Entwicklungen, politische Entwicklungen als auch ökonomische und ökologische Entwicklungen. Da sind wir ja so in dieser Pestle-Analyse drinnen, das ja auch vielen hilft, das ein bisschen zu kategorisieren und das man vielleicht noch aus dem Studium oder aus irgendeinem Management Training kennt, oder? Spielt das da ein bisschen rein? Kann man Pestle innerhalb von Forsight verwenden?

Michael Deckner [00:18:12]:

Absolut, absolut. Also so Frameworks sind, glaube ich, immer sehr gut, auch ein Gerüst zu haben, an dem man sich anhalten kann. Natürlich braucht man auch viel Fantasie, viel Vorstellungskraft und eben die Offenheit, sich mit vielen Dingen zu befassen. Aber Was so Frameworks immer ganz gut helfen ist zu schauen, bin ich ausbalanciert, ist mein Blick breit genug? Oder bin ich vielleicht zu sehr fokussiert auf spezielle Bereiche? Und gerade wenn ich an Pestle denke, Das ist schon sehr holistisch gedacht. Da gibt es Politik, da gibt es Umwelt, da gibt es die Wirtschaft, das Soziale, Technologien. Also man wird durch diesen Framework schon ein bisschen an der Hand genommen, eher breiter zu denken. Das ist sehr hilfreich, denke ich.

Bianca Prommer [00:19:07]:

Jetzt lass uns da gleich bei den Methoden und Tools bleiben, beziehungsweise Frameworks bleiben. Weil das ist etwas, wo ich weiß, die Zuhörerinnen und Zuhörer des Podcasts lieben das. Und ich auch. Ich liebe ja Methoden und Werkzeuge, Frameworks, weil, so wie du sagst, sie geben einem schon ein bisschen einen Leitfaden, sie geben ein bisschen Sicherheit. Habe ich da jetzt wirklich die Balance drin, dann habe ich alles berücksichtigt. Reicht natürlich nicht aus, aber es ist einmal ein guter Startpunkt. Gibt es auch für Foresight in irgendeiner Art und Weise irgendein Framework, also irgendein Prozessmodell, So wie jetzt Design Thinking in der Innovation beispielsweise. Du nickst schon, das ist sehr schön.

Bianca Prommer [00:19:51]:

Also, du magst uns ein bisschen mitnehmen. Wie läuft denn, oder ja, was gibt es da, wie läuft denn so ein typischer Foresight-Prozess ab, wenn man das überhaupt als Prozess bezeichnen kann?

Michael Deckner [00:20:02]:

Man kann das durchaus als Prozess betrachten. Da gibt es auch super Paper zum Beispiel, da gibt es einen Josef Vorrausch oder so ähnlich, der hat einmal einen generischen Vorzeitprozess definiert und im Endeffekt, wenn man sich so anschaut, die Frameworks, die da zum Einsatz kommen, die sind alle sehr, sehr ähnlich. Also es gibt immer, man steigt immer mit 1 Art Scoping ein, also man überlegt, welche Frage will ich überhaupt beantworten mit dem Foresight-Prozess. Das ist insofern wichtig, weil das natürlich auch dann in der Analyse, im Suchen von Signalen und Trends den Weg weist. Wenn man jetzt diesen generischen Foresight-Prozess überlegt, der beginnt eben mit 1 Art Scoping, dann sucht man die ganzen Inputs zusammen, Signale, Trends, Megatrends, Treiber und so weiter und dann geht es eigentlich in den Kern des Foresight-Prozesses. Da ist ja mal eine Analyse da, was habe ich da jetzt zusammen gesammelt, reicht das überhaupt schon, muss ich vielleicht noch mal in die Phase gehen, wo ich noch mehr Input zusammensammle, bin ich breit genug aufgestellt, da kann man eben schon PESTL ganz gut nutzen, zu schauen, habe ich für alle Bereiche irgendwas gefunden. Wenn ich für einen Bereich vielleicht nichts gefunden habe, heißt das nicht unbedingt, dass ich unbedingt suchen gehen muss, sondern ich muss mir die Frage stellen, ist dieser Bereich vielleicht für meine Fragestellung nicht relevant. Aber es braucht auf jeden Fall einen guten Überblick über das Thema, das man behandeln will.

Michael Deckner [00:21:41]:

Dann geht man daran, das Ganze zu interpretieren. Was steckt dahinter? Was bedeutet dieser Trend? Steckt da irgendein Driver dahinter? Gibt es vielleicht einen Gegentrend, der dagegen spielt? Bewegt sich das dann vielleicht auf irgendeiner Tangente zwischen Trend und Gegentrend? Gibt es auch super Artikel darüber vom Zukunftsinstitut zum Beispiel, beziehungsweise vom Project Future, wie man mit Trend und gegen Trend arbeiten muss. Und habe mir dann einmal analysiert, was diese 3 was sind, geht es dann auch und dann, viele sagen dann fängt der Spaß erst so richtig an, dann geht es darum, prospektiv in die Zukunft zu denken. Was kann das für die Zukunft bedeuten? Und bei Foresight spricht man auch ganz gerne von den Zukunften, weil man eben sagt, das ist nicht so, dass man jetzt eine Prognose erstellt und sagt, das ist genau die eine Zukunft, die auf uns zukommen wird, sondern immer mit verschiedenen Möglichkeiten arbeitet. Da kommt dann die Szenariotechnik ins Spiel. Eigentlich ein Tool, das gibt es schon sehr lange. Das ist irgendwann mal 50er, 60er, 70er Jahre entstanden, zu kalten Kriegszeiten noch. Das sind Tools, die auch wirklich schon sehr stark erprobt sind und nicht umsonst.

Michael Deckner [00:23:04]:

Also ein Nato arbeitet mit Szenarien, also das ist jetzt nichts Vigee-Vagee, das ist jetzt nichts Weiches, sondern da gibt es wirklich Leute, die ans Eingemachte gehen und mit Szenarien arbeiten. Also es ist nicht irgendwie ein esoterisches Tool, sondern es sind wirklich Dinge, mit denen man arbeiten kann. Hat man dieses Szenarien dann erstellt, formuliert man in irgendeiner Weise einen Output und der kann auch sehr sehr unterschiedlich ausschauen Und das fließt dann wieder in die Strategiearbeit ein. Sinnvoll wäre es natürlich, wenn das Team, das sich mit der Strategie befasst, auch mit dem Vorzeitprozess befasst, weil sehr viel von dem Ergebnis ist eigentlich schon in dem Prozess drinnen. Also diese strukturierte Auseinandersetzung mit möglichen Szenarien, das hilft einem schon zu verstehen, wie die Zukunft aussehen könnte. Und es gibt auch tolle Szenarienreports, die mit wirklich tollen Geschichten Szenarien aufarbeiten und das ist hilfreich, aber noch tiefer kann man die Materie eindringen, wenn man selbst diese Szenarien entwickelt hat. Da hat man ein viel tieferes Verständnis dafür und kann dann viel besser auch Strategien entwickeln, die für diese Szenarien günstig sind.

Bianca Prommer [00:24:28]:

Ich habe jetzt ein paar Dinge mitnotiert, wo ich jetzt noch gerne reingehen möchte. Du hast vorhin erwähnt Signale, Trends, Megatrends, Treiber. Was ist denn da der Unterschied? Also was ist ein Signal? Also man spricht ja oft auch von diesen schwachen Signalen. Was ist denn das eigentlich? Ist das schon ein Trend oder wo ist da die Abgrenzung?

Michael Deckner [00:24:51]:

Nein, Signal ist noch kein Trend. Signal ist so, ich sage einmal, die Quanteninformation. In Vorseiten sind Dinge, die einem einfach irgendwie auffallen. Man entwickelt dann auch eine ganz andere Wahrnehmung, wenn man sich mit dem Thema befasst. Zum Beispiel, vor einiger Zeit bin ich zu 1 Veranstaltung bei uns in Wien gegangen und da war in der Westbahnstraße ein neuer Laden, das Ottoto. Ich bin gleich rein, weil ich ein bisschen zu früh dran war, hab da dann Kaffee getrunken. Es ist so Kaffee und Kreisler, aber Kreisler neu interpretiert. Für mich ist es zum Beispiel ein Signal, dass es schon auch dieses Bedürfnis gibt für einen, Sie haben es auch in der eigenen Beschreibung erwähnt zu den neuen Tante-Emma-Laden.

Michael Deckner [00:25:50]:

Also einfach diesen Laden ums Eck aber neu interpretiert. Sie haben sehr stark nachhaltige Lebensmittel und es gibt so ein bisschen Taschen und man kann eine Zahnbürste dort kaufen, aber alles so ein bisschen nachhaltig, alles irgendwie selbst kuratiert und einfach neu interpretiert, wie der Laden ums Eck ausschauen kann. Ist das schon ein Trend? Ich glaube nicht, aber es ist ein Signal, dass sich Leute zumindest darüber Gedanken machen. Wenn man das jetzt weiterspient und sagt, die suchen jetzt nach einem neuen Standort und machen einen zweiten Laden auf und dann gibt es irgendwen, der das Konzept vielleicht kopiert und dann, wenn ich nächste Woche in Linz bin, beim Festival of Curiosity und dort auch seinen Laden sehe, naja, dann muss ich sagen, beginnt das vielleicht schon ein Trend zu werden. Trends sind dann Signale, die sich irgendwie verstärken, die man dann öfter sieht, die auch 1 gewissen zeitlichen Entwicklung unterworfen sind, wo man wirklich eine Beobachtung machen kann, ah, da bewegt sich was in eine Richtung. Trends ähnlich wie Technologien gehören auch zu 1 S-Kurve. Das heißt, es beginnt am Anfang sehr, sehr langsam, bis sich da mal was in der exponentiellen Wachstum bewegt, dauert das oft sehr sehr lang, aber dann kann sowas sehr sehr schnell passieren und man muss auch gut einschätzen, wo sich das auf dieser Eiskurve gerade bewegt. Wenn man jetzt eben über einen gewissen zeitlichen Rahmen hinweg immer wieder dieses Thema sieht, dann kann man schon von einem Trend sprechen.

Michael Deckner [00:27:45]:

Wenn man dann so ein paar Trends findet, die korrespondieren, wo es gewisse Zusammenhänge gibt, die irgendwie vernetzt miteinander sind, kann man dahinter vielleicht schon einen Megatrend vermuten. Wieder wenn man ans Zukunftsinstitut beziehungsweise an die Familie Horx denkt, dann sind Trends und mir gefällt dieses Wort Lawinen in Zeitlupe. Also es ist unaufhaltsam, es bewegt sich zwar vielleicht langsam und es kann für manche noch unter der Wahrnehmungsschwelle sein. Es ist ein bisschen wie den Frosch kochen, das Wasser wird wärmer und wärmer, der Frosch denkt sich, ah das ist angenehm und irgendwann mal ist es zu heiß. Das kann bei Megatrends auch ganz gut passieren, weil es eben so diese Lawinen in Zeitlupe sind. Es ist eine Verdichtung von Trends, es ist über einen deutlich längeren Zeitraum, also wir reden da 10, 15, 20, 30, vielleicht sogar 50 Jahre, Aber es ist eben unaufhaltsam und dann hat man einen Megatrend. Wenn man jetzt auf eine andere Ebene schaut, Treiber, das sind so die, ja nicht unbedingt die Auslöser, sondern die Motive dahinter. Also, ich überlege gerade ein gutes Beispiel für einen Treiber.

Michael Deckner [00:29:16]:

Gutes Beispiel für einen Treiber. Also es sind wirklich so grundlegende Motive hinter den Trends und Megatrends.

Bianca Prommer [00:29:35]:

Also grundlegende Bedürfnisse der Menschen oder?

Michael Deckner [00:29:40]:

Ja, so kann man das durchaus betrachten. Also wenn man jetzt hernimmt zum Beispiel den Megatrend der Digitalisierung oder Digitalhumanismus, da gibt es den Gegentrend der Achtsamkeit, der Digital Detox und so weiter. Da steckt hinter beiden glaube ich schon der Treiber, dass man irgendwie einen vernünftigen Zugang zur Nutzung von Technologie findet. Vielleicht ist das sogar die Tangente zwischen Megatrend-Digitalisierung und Gegentrend-Achtsamkeit, dass man irgendwo eine Balance zwischen den beiden findet. Ja.

Bianca Prommer [00:30:28]:

Was mich interessiert, Jetzt geht man mal los. Man hat den Scope definiert. Wir fangen einmal mit diesen Signalen an, die ja wirklich noch sehr schwach sind, wo man nicht weiß, wird das irgendwann einmal trennt oder nicht. Man hat sehr, sehr viel Unwissenheit als auch Unsicherheit, Ungewissheit dahinter. Wie sehr spielt denn das, das gerade im Vorzeit ein Thema? Ich kann mir vorstellen, je unsicherer das ist, desto schwieriger wird es ja für Menschen, damit dann auch etwas zu tun. Der Drang nach Perfektionismus, Wir müssen alle Daten haben, alles an Wissen haben, erst dann können wir was entscheiden. Jetzt ist es im Vorzeitprozess ja so, dass es ja nur Trends, Annahmen, Hypothesen möglicherweise sind und da ganz, ganz viel Ungewissheit und Unsicherheit dahinter steckt. Wie gehst du denn damit

Michael Deckner [00:31:23]:

Naja, auch durchaus eine der Zukunftskompetenzen wird sein, dass man mit Unsicherheiten umgehen kann und das heißt In vielen Fällen leider, dass wir die aushalten müssen. Vielleicht noch einmal zurück zum Thema Input. Natürlich versucht man das, was man in irgendeiner Form mit Zahlen abdecken kann. Also zum Beispiel demografisch entwickeln, da gibt es gute Prognosen. Werden die zu 100% zutreffen? Naja, wahrscheinlich nicht. Also ich sage mal, die Prognosen für in 5 Jahren werden noch ganz gut sein, in 10 Jahren, da gibt es dann schon eine größere Schwankungsbreite und wenn man 20, 30 Jahre in die Zukunft geht, wird es vielleicht doch ein bisschen anders ausschauen, als man das momentan denkt. Also ich habe gerade erst wieder so einen Trend Report gelesen und da werden dann schon auch oft Prognosen für 2050 erstellt und Prognosen sind schwierig, ganz speziell für die Zukunft, das ist ein altes Sprichwort, manche schreiben es dem Nils Bohr zu, bei Alvin Döffler habe ich gelesen, dass das eigentlich ein chinesisches Sprichwort ist, von unbekannt und von noch viel früher. Aber nichts desto trotz, mit dieser Unsicherheit wird man zum Teil zumindest leben müssen.

Michael Deckner [00:32:40]:

Wie gesagt, was man irgendwie durch Zahlen untermauern kann, sollte man natürlich tun. Das würde ich auf jeden Fall raten. Also es gibt zu ganz ganz vielen Sachen gute Statistiken, gute Prognosen. Man darf die halt nicht für 100% nehmen. Also man muss die mit 1 gewissen Bandbreite betrachten und auch so nutzen. Aber mit Unsicherheit umgehen, da gibt es ja schon viele Möglichkeiten, das zu tun. Also im Prinzip das ganze agile Management kommt eigentlich aus der Ecke und kann sehr gut mit diesen Themen umgehen. Man muss eine Lernbereitschaft mitbringen, man muss ein bisschen experimentieren und wenn man jetzt wieder einen kleinen Hakenschlag zur Emi Edmondson.

Michael Deckner [00:33:31]:

Man muss schlaue Fehler machen. Sie spricht von Fehlern oder Experimenten. Man sollte Dinge auch ausprobieren. Man sollte den Mut haben, Dinge auszuprobieren, aber jetzt auch nicht blind. Also die Hausaufgaben machen, also das schon gut recherchieren, was man da ausprobieren will. Hat es vielleicht schon jemand anderes probiert? Hat es noch niemand probiert? Kann ich die Entscheidung rückgängig machen? Was bedeutet das, wenn die Entscheidung falsch ist? Was für ein Risiko gehe ich ein? Sind die Auswirkungen katastrophal für die Organisation? Na ja, dann muss ich mir vielleicht ein anderes Experiment oder ein kleineres Experiment überlegen. Aber Es braucht so ein bisschen einen, und spielerisch klingt das im wirtschaftlichen Kontext, ist ein schwieriger Begriff, aber es braucht trotzdem so ein bisschen einen spielerischeren Zugang. Mehr Mut zur Improvisation, mehr Mut, Unsicherheit auszuhalten.

Bianca Prommer [00:34:32]:

Das ist ja auch der Grund, im Grunde ist es ja auch wie eine Innovationsarbeit. Das ist ja auch der Grund, warum ich immer so gern mit Experimenten, Hypothesen, Experimenten, wie kann man das schnell testen, was lernen wir daraus, iteratives Arbeiten, du hast dieses agile Management ja auch angesprochen, das ja hier auch wirklich gut reinpasst. Jetzt möchte ich auf ein anderes Thema noch kommen, bevor wir dann zum Abschluss kommen. Und zwar, was ich immer wieder so gefragt werde, ist, Naja, wie kommt man denn jetzt zu Trends? Also ich kann mich noch erinnern, in meiner Masterarbeit war das ja noch sehr, sehr aufwendig, weil 2011, 2012 hat es halt auch jetzt noch nicht wirklich KI so in dem Fall gegeben, dass du da nutzen hättest können. Das heißt, man hat sich Trendreports gesucht, man hat Interviews durchgeführt mit Expertinnen und Experten, also wirklich ganz, ganz viel recherchiert. Es ist ja die Automobilindustrie gegangen, es hat dann ganz, ganz viele Trendreports gegeben. Wie funktioniert das heute? Wie kommt man zu Trends? Also wie kann ich loslegen?

Michael Deckner [00:35:38]:

Also ein guter Start sind natürlich weiterhin Trendreports. Und da muss man sagen, hat sich in den letzten paar Jahren schon sehr, sehr viel getan. Also Früher hat man die wirklich suchen müssen, mittlerweile flattern die einem eigentlich fast von alleine ins Haus. Ich glaube fast, dass ich für jede Industrie irgendeine Form von Trend Report finden wird. Manche sind sehr auf Industrien spezialisiert, manche sind sehr auf Technologien spezialisiert. Es gibt dann auch so globalere Trend Reports, die dann auch auf andere Dinge schauen. Es gibt zum Beispiel die Future Today Strategy Group, die EMI-Rep in den USA, sehr starker Technologiefokus. Die haben jetzt ein Konvolut von unterschiedlichen Trend Reports zu unterschiedlichen Themen zusammengefasst und da ist ein Werk mit 1000 Seiten entstanden.

Michael Deckner [00:36:36]:

Das ist nichts, was man überhaupt noch in irgendeiner Form ohne Unterstützung irgendwie erfassen kann. Also man muss da schon auch ein bisschen auswählen und fokussieren, kann sich dann natürlich auch durch maschinelle Intelligenz ein bisschen unterstützen lassen, Notebook LN zum Beispiel, kann mittlerweile sogar Brain Mind Maps erstellen oder man lässt sich einen Podcast von einem Dokument erstellen und hört sich dann den Podcast an. Das ist mal ein ganz guter Überblick. Da sieht man schon einmal, wie aus unterschiedlichen Perspektiven die Leute über ein bestimmtes Thema denken. Interviews, noch immer eine großartige Quelle von Information, würde ich auf jeden Fall empfehlen, wenn man Zugang zu Experten hat, das auch zu nutzen. Das ist, ich würde sagen, das ist die, also Das ist eine Quelle mit 1 deutlich größeren Tiefe als ein Trendreport. Und man kann auch viel fokussierter dann auf die eigene Fragestellung eingehen, als wenn man jetzt irgendeinen generischen Trendreport hernimmt. Aber auch Konferenzen oder irgendwelche Events, Podcasts, man kann Google Trends nutzen, die Häufigkeit von suchen nachzuschauen.

Michael Deckner [00:38:01]:

Also es gibt sehr viele Möglichkeiten, auf das Thema Trends zu schauen.

Bianca Prommer [00:38:07]:

Inwiefern, du nennst es ja maschinelle Intelligenz, inwiefern spielt da KI auch eine Rolle? Also beispielsweise Perplexity, wo ich ja tagesaktuell mit Links zu bestimmten, also kann ich eingeben, welche Studien, Reports gibt es zu dem und dem Thema und dann wird immer ein, zumindest immer was aufgelistet, inklusive Link. Inwiefern Macht es auch Sinn, das zu nutzen?

Michael Deckner [00:38:33]:

Absolut, ja. Also sich mal einen schnellen guten Überblick zu verfassen, ist sowas Gold wert. Natürlich kann ich jetzt selbst nach den Trends oder Trendreports suchen, aber das hilft mir schon einmal eine gewisse Vorauswahl zu treffen. Da habe ich aber mal Information und ich komme aus der Wissensmanagement-Ecke, da gibt es die Wissenstreppe, das fängt auf der untersten Stufe mit Daten an. Aus Daten wird dann mit einem gewissen Kontext auch eine Information. Information ist gut, aber das ist noch lange kein Wissen, kein Verstehen. Also aus Information allein entsteht noch keine Kompetenz, mit der man dann Handlungen setzen kann. Ich sage mal, in der Aggregation von Informationen kann man die Technologie wunderbar einsetzen.

Michael Deckner [00:39:28]:

Nichts desto trotz sollte das nicht die einzige Quelle an Information sein. Also wie gesagt Interviews, Gold wert, wenn man die Möglichkeit hat auf Konferenzen oder auf Events auch noch zusätzlich zu Informationen zu sammeln, sollte man das auf jeden Fall auch nutzen. Aber das ist eben jetzt einmal die Oberfläche, das ist einmal so die erste Ebene. Dann muss man wirklich, und das ist einfach, das ist nicht manuelle, sondern das ist geistige Arbeit, aber man muss einfach verstehen, was das für die eigene Fragestellung bedeutet. Also ein Trendreport kann nie spezifisch für die eigene Fragestellung sein außer man bezahlt sein Institut für sich selbst so einen Trend Report zu entwickeln zu lassen. Und dann muss man noch immer diese Transferleistung machen, dass man selbst das Verständnis dafür aufbaut, weil die Entscheidung, dann welche Strategie man auswählt, das würde ich nicht gern jemandem, der extern zur Organisation steht, in die Hand geben. Unterstützen kann man sich dabei lassen, aber diese Meter des eigenen Verstehens, diese Strecke muss man selber geben.

Bianca Prommer [00:40:50]:

Es ist mir noch eine Frage eingefallen, das kann ich mir vorstellen und ich kann mich noch an meine Masterarbeit erinnern, da kommen dann ja viele Informationen, viele Daten, viele Informationen, vor allem wenn man das dann noch als Team macht und nicht alleine macht, dann entstehen da ja vielleicht ganz, ganz viele Insight-Trends, Entwicklungen, Treiber. Hast du da einen Tipp vielleicht jetzt für die Zuhörerinnen und Zuhörer? Wie behält man denn da den Überblick? Gibt es da vielleicht noch einmal irgendwie so, weil ich kann mir vorstellen, dass da ganz, ganz viele Dinge da sind, ja, aber wie behält man da den Überblick, damit man dann in diese Interpretation ja auch gehen kann, die du in den Phasen beschrieben hast.

Michael Deckner [00:41:36]:

Man kann sich das ein bisschen wie den Design Thinking Prozess vorstellen. Beim Design Thinking macht man ja zuerst einmal den Problemraum auf. Also man schaut sich die Herausforderung, die Challenge, die man sich stellt auf großer Breite an und hat eine starke divergente Phase, wo man wirklich auch gern von zu Hundertstellentausenden kommt. Aber dann braucht es wieder so ein bisschen ein Zuspitzen auf wirklich pointierte Dinge, mit denen man sich näher befassen will. Auch bevor es heißt, muss man dann in irgendeiner Form mal anfangen zu clustern, das Ganze wieder zu verdichten. Wenn man dann das irgendwie verdichtet hat auf Trends oder Megatrends vielleicht, gibt's gute Methoden, zum Beispiel Cross-Impact-Analyses, wo man dann sieht, ob es viele Zusammenhänge gibt, welche Trends, welche anderen Trends beeinflussen und also man kann das dann schon wieder auch sehr gut verdichten. Auch eine Möglichkeit mit sowas umzugehen ist zum Beispiel einen Trendradar aufzubauen, dass man eben zu verschiedenen Themen, Clustern oder so Ideen sammelt und das aber auch so ein bisschen in dem Team verteilt, weil 1 allein wird diese Leistung nicht erbringen können. Und so ein Team lebt auch sehr stark von der Vielfalt, einfach weil man auch unterschiedliche Perspektiven mitbringt, unterschiedliche Expertisen, unterschiedliche Netzwerke, die man nutzen kann.

Michael Deckner [00:43:12]:

Also diese Aufgabe ein bisschen verteilen zahlt sich auf jeden Fall aus. Natürlich muss man das dann auch wieder zusammenführen und ein gemeinsames Verständnis dafür entwickeln und da muss man dann eben zuspitzen, clustern, selektieren und da muss man einfach nach Relevanz gehen. Also eine gute Einordnung ist immer, wie stark ist der Impact von einem Trend, einem Megatrend oder was auch immer und Wie schnell trifft mich das vielleicht auch? Also, es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, das einzuordnen. Eine 2x2 Matrix ist eine der einfacheren. Wenn man jetzt irgendwie mit mehr IT-Unterstützung arbeitet, kann man auch noch mehrere Dimensionen nehmen. Man kann schöne Bubble-Charts erstellen, mit der Größe der Bubble vielleicht noch die Priorität von gewissen Themen darzustellen. Aber im Endeffekt, was man machen muss, ist, man muss aus den vielen Informationen wieder ein paar Insights generieren, mit denen man dann weiterarbeitet.

Bianca Prommer [00:44:23]:

Lass uns zum Abschluss kommen. Ich finde das Thema ja super spannend, weil ich glaube, da gibt es so viel zu erzählen. Man kann es in jede einzelne Phase noch einmal tiefer reingehen. Aber ich glaube, wir haben einmal einen guten Überblick gegeben, was ist das überhaupt, warum eigentlich, wie kann man auch loslegen, wie schaut sein Prozess aus. Du hast mir auch eine Liste an Bücher und Quellen zur Verfügung gestellt, die wir in den Schonnots dann auch teilen werden zu dieser Podcast-Folge. Gibt es vielleicht so ein, 2 Werke, wo du sagst, Leute, wenn ihr euch damit beschäftigen wollt, dann ist das euer Einstiegspunkt?

Michael Deckner [00:45:01]:

Also schwierig da jetzt nur ein Buch hervorzuzaubern oder eine Publikation und ich werde die Liste auch noch, ich werde da dann noch ein paar weitere tippen. Also es zahlt sich schon auch aus, ein bisschen die Geschichte von dem Thema aufzuarbeiten. Da gibt es so große Namen wie den Alvin Toffler, das Buch Future Shock zum Beispiel, oder Peter Schwarz, The Art of the Long View. Aber es gibt auch gute aktuelle Bücher. Ich habe mir ein paar hergerichtet, zum Beispiel Marcel Aberle, Zurück zur Zukunft, der ist auch im deutschsprachigen Raum sehr aktiv. Natürlich die Familie Horx, Handbuch für Zukunftsagenten zum Beispiel, das ist ein etwas älteres Buch, aber da ist auch so ein bisschen die Geschichte von dem Foresight-Thema drinnen aufgearbeitet. Es gibt super Publikationen von Professor Horbeck, der zum Beispiel in 1 Meta-Analyse schaut wie Foresight und die Performance von Firmen zusammenhängt und ist zumindest in der Publikation zu dem Schluss gekommen, dass Unternehmen, die einen hohen Reifegrad an Foresight haben und einfach ein Reifegradmodell dafür, auch einen deutlich besseren Markterfolg haben. Da gibt es wirklich wahnsinnig viel.

Michael Deckner [00:46:34]:

Gerade lese ich eben den Roger Spitz, die Swap2Impact. Der hat übrigens auch ein eigenes Akronym für, neben WUKA, Barney, gibt es ja mittlerweile viele, der hat auch ein eigenes Akronym dafür, Anweis. Also da gibt es echt wahnsinnig viel. Man kann auch auf YouTube zum Beispiel, ich bin ein großer Fan von Jim Tater, der hat auch die 3 Future Laws und das erste ist gleich, You cannot predict the future because it doesn't exist. Da gibt es ein paar YouTube-Videos von ihm, der ist nicht nur auf 1 intellektuellen Ebene sehr gut und hat sich ewig mit dem Thema befasst, sondern ist auch sehr lustig. Den würde ich durchaus auch empfehlen, mal auf YouTube zu schauen. Da gibt es echt wahnsinnig viel. Und schaut euch die Show Notes an.

Michael Deckner [00:47:23]:

Die Breite an Informationen, an Dingen, die man da lesen, schauen und hören kann, ist mittlerweile sehr groß.

Bianca Prommer [00:47:30]:

Sehr schön. Also super spannend. Verlinkt auf jeden Fall. Also führen wir auf jeden Fall den Schonungs an. Michael, wenn es die Zuhörerinnen und Zuhörer mehr über dich erfahren wollen, beziehungsweise mit dir in Kontakt treten wollen, einfach für einen Austausch oder so, wie können sie das am besten machen?

Michael Deckner [00:47:46]:

Ja, vielleicht am allereinfachsten sich über LinkedIn. Dort bin ich mit Michael Deckner oder auch als Future-Deckner zu finden. Ich glaube, ich bin generell eher untriebig. Ich bin auch viel auf diversen Events unterwegs, eben nächste Woche am Festival of Curiosity, große Empfehlung. Mich kann man gerne jederzeit anschreiben. Das Thema erfüllt mich mit sehr viel Leidenschaft. Ich bin da jederzeit bereit für ein Gespräch.

Bianca Prommer [00:48:18]:

Super, sehr schön. Michael, vielen Dank, dass du heute da warst im Podcast Innovation einfach machen, mit mir über dieses Thema Foresight zu sprechen, da glaube ich einmal einfach einen guten Überblick zu geben. Danke, dass du dir dir die Zeit genommen hast.

Michael Deckner [00:48:33]:

Gerne, hat viel Spaß gemacht.

Bianca Prommer [00:48:35]:

Danke dir. Das war es wieder mit 1 Folge von Innovation einfach machen. Schön, dass du auch heute dabei warst. Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann lass gerne eine Bewertung da, gib mir einen Daumen hoch, gib mir eine 5 Sterne Rezension auf Apple oder auf Spotify. Ich freue mich immer, wenn Feedback zu den Podcast Folgen kommen. Nächstes Mal geht es Innovationskultur. Das heißt, welche Innovationskultur hat dein Unternehmen? Ich stelle dir hier ein konkretes Framework vor und wie du Innovationskultur in deinem Unternehmen fördern und etablieren kannst. Bis zum nächsten Mal.

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Innovation einfach machen.By Bianca Prommer