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Die Öffentlichkeit ist zersplittert und weithin zerstritten. Bernd Stegemann analysiert die verschiedenen Blockaden der Öffentlichkeit und findet sie in den sozialen Netzwerken, den Populismen, Bio- und Identitätspolitiken und den Verkürzungen von Political Correctness, Cancel Culture und Wokeness. In der Klimakrise des Anthropozäns wird die Suche nach Transzendenz zur wichtigsten Anstrengung und damit die Klärung des Verhältnisses von Ökologie und Religion.
Bernd Stegemann, ist Dramaturg am Berliner Ensemble und seit 2005 Professor für Theatergeschichte und Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«. Zuletzt: Die Öffentlichkeit und ihre Feinde, Stuttgart 2021; Die Moralfalle. Für eine Befreiung linker Politik, Berlin 2018.
Von den Chancen und Risiken automatisierter Entscheidungen
21.04.2021
In immer mehr Lebensbereichen kommen Computeralgorithmen zum Einsatz, die Entscheidungen besser, objektiver und schneller machen sollen. Sie kennen weder menschliche Vorurteile noch Stimmungsschwankungen und können mehr Daten berücksichtigen als ein Mensch überschaut. Wie beeinflusst die automatische Entscheidungsfindung unser Selbstverständnis als freie Individuen? Schrumpft das Individuum zu einem Punkt in einer Datenwolke, den die Internetkonzerne besser kennen wollen als es sich selbst? Und was lernen wir aus dem Einsatz der „intelligenten“ Algorithmen darüber, was menschliche Entscheidungen ausmachen?
Manuela Lenzen schreibt als freie Wissenschaftsjournalistin über Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Kognitionsforschung. Zuletzt: Künstliche Intelligenz, Fakten, Chancen Risiken, München 2020.
Wie wird Geschichte erzählt und vor allem diejenige des Deutschen Reiches? Eine Frage, über die aktuell gestritten wird, was kein Nachteil ist. Im Gegenteil. Wer meinte, dass die Deutschen dem Kaiserreich weithin gleichgültig oder argwöhnisch achselzuckend gegenüber stünden, muss anerkennen: das Deutsche Reich ist Gegenstand eines Streits der Interpretationen, der viele Themen umfasst: die Geschichte der Demokratie, des Nationalismus und des Nationalsozialismus, des Ineinanders von kaiserzeitlichen Reform- und Beharrungskräften und von Inklusionen und Exklusionen. Einmal mehr wird die Wirksamkeit von historischen Konstruktionen und geschichtlichen Narrativen deutlich, die in einer demokratischen Kultur eine ständige Durchsicht und Relektüre verdienen. Wolfgang Schäuble hat erst kürzlich betont: „Manch aktuelle Debatte gewänne mit dem entsprechenden historischen Bewusstsein an Tiefenschärfe.“ Im Streit der Interpretationen geht es auch um diese „Tiefenschärfe“.
Hedwig Richter ist Professorin für Neuere und neueste Geschichte an der Universität der Bundeswehr München. Zuletzt: Aufbruch in die Moderne. Reform und Massenpolitisierung im Kaiserreich, Berlin 2021; Demokratie. Eine deutsche Affäre. Vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, München 2020.
Über (das Recht auf) Suizid und assistierte Sterbehilfe wird auch in Deutschland leidenschaftlich diskutiert – nicht erst, seit das Bundesverfassungsgericht im Februar 2020 das Verbot organisierter Sterbehilfe für verfassungswidrig erklärte und das Recht auf selbstbestimmtes Sterben betonte.
Jean-Pierre Wils verneint diese Autonomie nicht, sieht die herrschende Dominanz einer Ethik der Freiheit aber kritisch: Könnte das Recht auf selbstbestimmtes Sterben nicht auch den Druck erhöhen, die vermeintlich vernünftige Entscheidung für den Suizid zu treffen, wenn unsere Erwartungen an uns selbst und das Leben, wenn Selbstoptimierung und Verwertbarkeit an ihre Grenzen kommen?
Wils plädiert eindringlich dafür, die Debatte in einem größeren Kontext zu führen, und bietet dafür auf der Basis seines profunden historischen Wissens Orientierung an. Seine These: Erst wenn wir wieder unsere Endlichkeit akzeptieren und sie der kulturellen Verdrängung und Amnesie entreißen, können wir zu einer angemessenen Diskussion über die Sterbehilfe kommen und eine zeitgemäße Politik des Sterbens entwickeln.
In seinem Geleitwort stellt Herbert Prantl das Buch von Jean-Pierre Wils "Sich den Tod geben. Suizid als letzte Emanzipation?" (Hirzel-Verlag, 2021) in den Kontext der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020 und schreibt:
„Aber: das höchste Gericht war bei seinem Sterbehilfe-Urteil zu giftbecherfixiert. Es hat dem Sterberecht zu viel und dem Lebensrecht zu wenig Raum gegeben. Das Gericht ist von einem klinisch-reinen, einem quasi-heiligen Sterbewillen ausgegangen. Es sind Vereinfachungen, die Jean-Pierre Wils in diesem Buch anschaulich beschreibt.“
Jean-Pierre Wils ist Theologe, Philosoph und Professor für Philosophische Ethik und Kulturphilosophie. Er lehrt an der Radboud-Universität Nijmegen.
Politik ist Weltgestaltung durch öffentliche Macht. Religion ist die Realisierung des Heiligen. Christentum wie Islam haben eine politische Dimension und damit stellt sich unabweislich die Frage einer Politischen Theologie.
Wie steht es um die Macht der Religionen im Wettstreit untereinander und mit der Politik?
Konkreter: wie genau sieht eine Politische Theologie aus, die auf die veränderten Religionsverhältnisse (Pluralisierung, Religion und Gewalt) reagieren kann? Wie unterscheiden sich die (öffentlichen) Weltgestaltungsansprüche von Christentum und Islam und wo finden sie ihre Grenzen? Welche Bedeutung hat all das für das Zusammenleben der Menschen?
Felix Körner skizziert mit seinem Buch: Politische Religion. Theologie der Weltgestaltung - Christentum und Islam, Herder 2020 die verschiedenen Dimensionen einer Politischen Theologie und legt mit seinem Buch auch eine „katholische Ekklesiologie“ vor, „die auch von den Zeugnissen der Muslime lernen will“.
Prof. Dr. Felix Körner SJ ist Professor an der Theologischen Fakultät der Päpstlichen Universität Gregoriana. Er studierte Islamwissenschaft, lebte in Ankara als Seelsorger und arbeitete an der dortigen muslimisch-theologischen Fakultät sowie am Fachbereich Philosophie der Middle East Technical University. Zur Zeit ist er Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.
Ein Gespräch mit Nora Gomringer über das Licht, das Angestrahltwerden und Leuchten, die Dunkelheiten der Bühne, über Talente und Gaben, über die Kränkungen und Verletzungen, die Corona einem zufügen und über die Wünsche von Künstlerinnen und Künstlern, wenn das Publikum fehlt. Und über vieles andere mehr… Nora Gomringer ist Lyrikerin und Performerin. Als Direktorin leitet sie das Internationale Künstlerhaus des Freistaats Bayern in Bamberg. Zuletzt u.a.: Gottesanbieterin, Voland & Quist 2020.
Das Gespräch führt Joachim Hake, Direktor der Katholischen Akademie in Berlin e.V.
Gesellschaftliche Polarisierung, emotional entgleisende Kulturkämpfe oder digitale Aufsplitterungen der Öffentlichkeiten u.v.a. mehr – die vielfältigen Krisenphänomene, die zu einem Verstummen der Mitte führen, liegen auf der Hand. Mit Ulrike Ackermann sprecht Joachim Hake über die gegenwärtige Lage bürgerlich-liberaler Intellektualität, über Ressentiments und Identitätspolitik und die Notwendigkeiten antitotalitärer Selbstaufklärung.
Prof. Dr. Ulrike Ackermann ist Politikwissenschaftlerin und Soziologin und leitet das John Stuart Mill Institut für Freiheitsforschung.
Gefühle machen Geschichte. Sie bewegen nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Gesellschaften. Politiker nutzen sie, können aber auch darüber stolpern. Ich spreche mit Ute Frevert über die mächtigen Gefühle, über ihre Geschichte und warum es gut ist, diese zu studieren. Joachim Hake spricht mit ihr über u.a. die Historizität von Gefühlen, über Stile und Techniken im Umgang mit ihnen und über die gegenwärtige Macht von Hass und Solidarität.
Prof. Dr. Ute Frevert ist Direktorin Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und leitet dort den Forschungsbereich „Geschichte der Gefühle“. Autorin zuletzt u.a. von: Mächtige Gefühle. Von A wie Angst bis Z wie Zuneigung, Frankfurt am Main 2020.
Verborgene Pläne. Konspirationen. Verdächtigungen. Von Verschwörungstheorien geht eine unheimliche Macht aus? Vor allem – so die öffentliche Wahrnehmung – in Zeiten allgemeiner Verunsicherung wie der Corona-Pandemie. Was sind Verschwörungstheorien? Warum glauben Menschen an Sie? Welche Rolle spielt das Internet? Über diese Fragen spricht Joachim Hake mit Michael Butter, dem Autor des vielgerühmten Buches „Nichts ist, wie es scheint. Über Verschwörungstheorien“, Berlin 2018.
„Wir werden in ein paar Monaten einander wahrscheinlich viel verzeihen müssen.“ Dieser Satz von Jens Spahn aus dem Frühjahr 2020 stellt über die Nöte der Corona-Pandemie hinaus die Frage nach der Bedeutung von zukünftiger Vergebung in Krisenzeiten. Vor allem jene, die in Krisen oft unabsehbar schwierige Entscheidungen zu treffen und zu verantworten haben, sind offensichtlich auf die Bereitschaft späterer Verzeihung angewiesen. Was aber bedeutet dies konkret im geistlichen und politischen Umgang miteinander? Wie kann der Gedanke zukünftiger Verzeihung hier und jetzt unser Handeln bestimmen?
Jeremias Schröder OSB war von 2000 bis 2012 Erzabt von St. Ottilien. Seit 2012 ist er Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien mit ca. 1.100 Mönchen weltweit.
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